Sicherheitslücken am Frankfurter Flughafen: So sieht es die Presse

Die Zeit: Sicherheitslücken: Fluggastkontrolleure entlassen
Die am Wochenende bekannt gewordenen Sicherheitslücken bei Passagierkontrollen auf deutschen Flughäfen ziehen Konsequenzen nach sich. Zwei Fluggastkontrolleure wurden entlassen.
Berlin – Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes in Frankfurt am Main nach den Tests vom Flughafenbetreiber Fraport entlassen worden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete die im Untersuchungsbericht geschilderten Zustände als „skandalös“. Zugleich wurde die Forderung laut, die Fluggastkontrolle wieder der Bundespolizei zu übertragen.
Das Ergebnis der Kontrollen werde sehr ernst genommen, sagte ein Innenministeriumssprecher in Berlin. Er kündigte gezielte Nachschulungen für die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirmen an. Damit solle die Qualität der Kontrollen verbessert und Schwachstellen reduziert werden. Zudem werde die Bundespolizei die Fachaufsicht intensivieren. Der Sprecher verwies darauf, dass nicht erst seit dem Bekanntwerden der Ergebnisse Maßnahmen ergriffen würden.
Viele gefährliche Gegenstände blieben unentdeckt
Bei Kontrollen durch die Bundespolizei und Fraport sind den Angaben zufolge am Flughafen Frankfurt am Main Messer, Pistolen oder Bombenattrappen in fast einem Drittel der Fälle unentdeckt geblieben. Nach Einschätzung von Experten kämen vergleichbare verdeckte Tests an anderen deutschen Flughäfen zu einem ähnlichen Ergebnis.
Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg äußerte sich schockiert. Wenn es zutreffe, dass seit Jahren bei internen Überprüfungen ein hohes Maß an Unzuverlässigkeit der Fluggastkontrolleure festgestellt werde, dann werde ein hohes Sicherheitsrisiko billigend in Kauf genommen, kritisierte er in Berlin. Vor diesem Hintergrund bezeichnete er die neuen Handgepäckbestimmungen als „Beruhigungspille“. „Wenn es offenbar schon nicht gelang, die Schleusen für Waffen und sogar Bombenattrappen dicht zu machen, brauchen wir uns über Babynahrung wohl nicht zu unterhalten“, betonte er.
Gewinnstreben führt zu Sicherheitsmängeln
Die Sicherheitsmängel sind laut Freiberg Ergebnis der Privatisierung der Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. „Gewinnstreben, Konkurrenzdruck, Lohndumping, unzumutbare Arbeitsbedingungen und nicht ausreichend qualifiziertes Personal sind eine gefährliche Mixtur, wenn es um den Schutz von Leib und Leben geht“, warnte Freiberg.

Die Welt
Schlampige Sicherheitskontrollen an Flughäfen
Gefährliche Sicherheitslücken an deutschen Flughäfen. Nach Recherchen des SWR-Magazins „Report Mainz“ sind die Kontrollen häufig mangelhaft. Gewerkschaft der Polizei: „Situation im Luftsicherheitsbereich katastrophal“.
Mainz – Der Frankfurter Flughafenbetreiter Fraport stellt in einem internen Schreiben „deutliche Defizite“ bei den Sicherheitskontrollen fest. Das dem ARD Politikmagazin Report Mainz vorliegende Dokument vom Mai dieses Jahres bemängelt, dass in den ersten Monaten 2006 bei sogenannten Realtests nur 63 Prozent der von der Bundespolizei versteckten Waffen oder Bombenattrappen von den Fluggastkontrolleuren gefunden wurden. In dem internen Fraport-Papier wird diese Quote als „nicht akzeptabel“ bezeichnet.
Der Vorsitzende des Innenausschusses des deutschen Bundestages, Sebastian Edathy, wertete diese Quote als „fatal schlechtes Ergebnis“ und forderte ein parlamentarisches Nachspiel. Im Interview mit dem Report Mainz sagte der SPD-Politiker: „Ich würde es für sinnvoll halten, wenn der Bundesinnenminister im Innenausschuss des deutschen Bundestages zu diesem Thema Auskunft gibt.“
Auch Josef Scheuring von der Gewerkschaft der Polizei, GDP, kritisiert die mangelhaften Testergebnisse scharf. Der Vorsitzende des Bereichs Bundespolizei dazu gegenüber Report Mainz: „Dieses Ergebnis ist gerade auch unter Betrachtung der aktuellen Gefährdungslage inakzeptabel.“ Scheuring weiter: „Die Situation heute im Luftsicherheitsbereich – 13 Jahre nach der Privatisierung – ist katastrophal. Katastrophal für die Beschäftigten in dieser Aufgabe und katastrophal für die Sicherheit.“
Das Bundesinnenministerium als zuständige Aufsichtsbehörde teilte auf Anfrage von report Mainz schriftlich mit, die „vorliegenden Testergebnisse rechtfertigen kein pauschales Negativurteil“.
Nach Auswertung der Report Mainz vorliegenden Realtestberichte lag die Quote bereits in den vergangenen Jahren auf ähnlich niedrigen Niveau. So ergibt sich für das Jahr 2003 eine Quote von 76 Prozent, für das Jahr 2004 eine Quote von 62 Prozent. Außerdem heißt es in einem internen Fraport-Schreiben vom Juli 2005: „Die Quote bestandener Tests liegt momentan deutlich unterhalb dessen, was unser Ziel ist und was die Behörde fordert.“
Mit den Testergebnissen konfrontiert sagte der für Sicherheit beim Flughafenbetreiber Fraport zuständige stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Manfred Schölch: „Es ist Menschenwerk und die absolute Sicherheit, dass jeder Mitarbeiter wie ein Automat funktioniert und sich nie irrt, werden sie nie erreichen. Das kann man nicht verlangen.“
Nach Informationen von Report Mainz liegt die Quote der bestandenen Realtests dagegen am Stuttgarter Flughafen bei fast 100Prozent.
Artikel erschienen am 06.11.2006

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Themenbereich: Luftsicherheit & grenzpolizeiliche Aufgaben | Drucken