12. Juni 2007
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Wir wollen den Einsatz - G 8 Gipfel – konsequent auswerten und daraus zügig unsere Forderungen an die Bundesregierung stellen.
Dafür bitten wir Euch um Mithilfe.
Teilt uns bitte mit, wo es Probleme gegeben hat und was aus Euerer Sicht geändert und neu organisiert werden muss.
Ihr könnt uns diese Informationen hier über das Forum oder auch direkt unter gdp@gdp-bundespolizei.de zuschicken.
Danke für Euere Mitarbeit!
In der Vorphase wurden Dh-Führer der Bundespolizei eingesetzt. Unterbringung erfolgte in Schwerin (ehem. NVA- und BW-Kaserne). Erst 3 Tage vor unserer Anreise wurde den Verantwortlichen mitgeteilt, daß wir dort erscheinen und untergebracht werden sollen. Innerhalb von 2 Tagen mußten Unterkünfte für Dh-Führer und Diensthunde gesucht, gefunden und bereitgestellt werden. Letztendlich wurden wir in einer eigentlich schon abgerissenen Barracke untergebracht, in welcher noch Sanität- und Elektroanlagen über´s Wochenende wieder hergerichtet wurden. Ebenso mußten Betten, Schränke und Matratzen organisiert werden. Für die Hunde waren keine Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden, sodaß diese Einsatzmittel mit auf die Zimmer genommen werden mußten oder im Dienst-Kfz verblieben. Wo bleibt der tierschutzrechtliche Aspekt? Wir waren während der gesamten Einsatzdauer im Nachtdienst eingesetzt - mit An- und Abfahrt in den Einsatzabschnitt rund 16 - 18 Stunden.
Bei der Verpflegung gab es nichts zu beanstanden - im Großen und Ganzen gute Verpflegung (auch Einsatzverpflegung) und Organisation. Nachts wurden wir zeitweise auch von Kollegen der LaPo Oldenburg(Bereitschaftspolizei Niedersachsen) mitverpflegt (warmes Essen und Getränke). Erst als die Bundespolizei den UA Süd des EA 6 übernahm waren wir auf Selbstverpflegung angewiesen, welche jedoch als Einsatzverpflegung über/durch “KAVALA” erhältlich war.
Betreuungsteam war in Schwerin nicht vor Ort, jedoch stattete uns nach Intervention über unseren GPR ein Mitglied des BPR Nord, welcher in der Nähe wohnt, einen Besuch ab, um sich über die Zustände zu informieren. Ansonsten war der Einsatz für uns in diesem EA/UA eigentlich angenehm.
Eintrag von Achim Weiß am 12.Juni 2007
Hallo Kollegen,
da wird ein Festmahl für acht Personen angerichtet, während 16.000 Kollegen aufpassen müssen, dass sie dieses Mahl auch ungestört genießen können. Das erinnert mich irgendwie ein wenig an die Zeiten von König Ludwig XIV.
Bei einem doch eher angeschlagenen Bundeshaushalt, und permanenten Gerede vom “wir müssen sparen”, wir können es alle spüren, ist eine Festgelage in diesen Ausmaßen ein Schlag in das Gesicht eines jeden Kollegen.
Die Veranstalltung hätte die Bundesregierung auch gut auf Helgoland abhalten können. Eine entsprechende Absicherung wäre mit dem “Dorf-Sherrif” und den Kräften des Bundespolizeiamtes See durchführbar gewesen. Die dort existierende ehemalige Bundeswehrkaserne hätte man, für weit weniger Geld als der Gipfel nun gekostet hat, zu einem schönen Tagungsort ausbauen können.
Zu dem Einsatzkonzept der eingesetzten Polizeiführung möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Wie kann es sein das, trotz der hohen Anzahl der eingesetzten Kräfte, am 08.06. nicht rechtzeitig genug Kräfte am extra errichteten Zaun zu Gegen waren. Wie kann es sein dass Magdeburger Kollegen am Ostzugang “Pferderennbahn” gegen Nachmittag schon mehr als 18 Stunden in der Absperrung standen. Bei den sommerlichen Temperaturen und wolkenfreien Himmel nicht wirklich angenehm; ein Kollege aus Magdeburg quitierte daraufhin auch seine Dienstverrichtung mit einem Kreislaufzusammenbruch.
Geradezu grotesk erschien mir dann der Pressesprecher, der doch tatsächlich von einem erfolgreichem Einsatz sprach, von dem gut aufgegangenen Konzept der Deeskalation…. war er auf einer anderen Party? Bei der hohen Anzahl von verletzten Polizeibeamten und der Schwere der Verletzuungen, vermag ich einen entsprechenden Erfolg nicht verzeichnen.
Aber, alles wird gut…..
Ole
Eintrag von Ole Bielenberg am 13.Juni 2007
Zur Unterbringung:
Auch wir wurden in der Blücher-Kaserne in Schwerin untergebracht. Über das Abreisedatum wurden wir 3 Tage vorher informiert. Dort angekommen teilten wir uns kleine, heruntergekommene Zimmer zu viert. Schränke gab es in meiner Stube zwei. Teilweise gab es keine Steckdosen in den Buden. Die vorhandenen Etagenbetten waren teilweise so alt und durchgelegen, dass es mehr an Hängematte als an Bett erinnnert hat. Ich habe mir Koffer unter das Bett gelegt, um nicht mit dem A…. den Boden zu berühren. Der Sanitätsdienst mußte nach der ersten Nacht Kollegen den Rücken richten. Geliefert wurden nach 3 Tagen Holz-Tafeln, die dann in die Betten gelegt wurden, um eine Liegefläche zu bieten.
Es gab angeblich 5000 Liter Warmwasser pro Tag. Weil wir das Vergnügen hatten, zwei Wochen Nachtschicht zu schieben, duschten wir gegen 14 Uhr. Scheinbar war das Warmwasser zu diesem Zeitpunkt bereits aufgebraucht, so dass ich bis auf 3 Tage ständig Eiskalt duschen musste.
Ziemlich wach ging es dann in die Kantine. Das Essen war teilweise ungenießbar. Die Brötchen ließen sich nicht zerdrücken, der Käse und die Wurst bogen sich am Rand. Meist gab es Schnitzel in allen möglichen Varianten. Im Lunchpaket befand sich dann zur Abwechslung ein Schnitzel. Und weil das ersehnte Kassler aus war, gab es als Ersatz Schnitzel! ( Die Einsatzköche durften uns nicht verwöhnen, weil ja der teure Catering-Service gebucht war)
Ich bin Kummer gewöhnt in Einsätzen. Und ich gehöre nun wirklich nicht zur Motz-Fraktion. Doch diese Unterbringung war nicht tragbar. Elementare Grundbedürfnisse wurden nicht gewährleistet. Wie Leidenfähig und Belastbar die Kollegen sind, wurde wieder einmal bewiesen.
Einziger Trost: Die Kaserne wird nun abgerissen. Hier werden wir wohl kaum nochmal untergebracht.
Eintrag von Kai am 13.Juni 2007
Ich denke, dass das eigentliche Problem nicht bei diesem Einsatz liegt. Das Unterbringungs- und Verpflegungsproblem tritt in fast jedem Einsatz erneut auf. Immer wieder die gleiche Diskussion. Es ändert sich nix. Die Personalvertretungen sagen uns Unterstützung zu, doch die Damen und Herren scheinen nicht durchzudringen. Aber das Erfrischungstuch kannte ich noch nicht, war vielleicht für die Schnitzel gedacht.
An anderer Stelle wurde bereits erwähnt, dass die Landespolizeien besser untergebracht werden. Da gibt es vermutlich auch Einheitsführer, die im Vorfeld von planbaren Einsätzen Unterkünfte begutachten und über die Zumutbarkeit entscheiden. Vielleicht lernen wir mal von anderen Polizeien?!
Man hatte mal wieder teilweise den Eindruck, dass der gesamte Einsatz ohne jede Vorankündigung bzw. Vorlaufzeit organisiert werden musste.
Aber, alles wird gut!
Eintrag von M.D. am 14.Juni 2007
mensch, kai…
ICH und der UDO fanden die schnitzel geil! *lol*
weiss gar nicht, was du zu motzen hast…
nee, mal im ernst:
die unterbringung in grosseinsätzen hat sich in der tat im letzten jahrzehnt extremst gebessert!! und das ist ganz sicher auch ein verdienst der gewerkschaften.
da die vorab-begehung jedoch immer von einem MENSCHEN durchgeführt wird, und dieser mitunter nur die schokoladenseiten zu sehen bekommt, geht nun mal ab und an noch was schief.
dass bei einem solchen einsatz die eine oder andere Hu ins gras beisst (unterkunftstechnisch) ist da mMn voll normaaaahl.
was jedoch nicht normal ist und werden darf, ist die verpflegung durch private caterer!!
wenn der G8 kein beweis bzw pro-argument für polizeiküchen und e-köche ist, WAS DANN?
gruss vom BAT!
Eintrag von Andreas Küster am 15.Juni 2007
zu eintrag vom 14.06
du erwähnst das wort einheitsführer. das beinhaltet einen ganz wichtigen baustein: -führen-
in meinen langen dienstjahren und einsaätzen in gorleben, wackersdorf, startbahn west usw. haben sich die beschwerden nicht verändert. unterbringung + verpflegung. ich bin der meinung hier hat sich grundsätzlich vieles geändert und verbessert ( was die unterbringung betrifft)- aber es sind auch die ansprüche gestiegen. wobei ich ganz klar die zustände in rostock und umgebung an den pranger stellen möchte. die verpflegung ist eindeutig auf dem absteigenden ast. klr läßt grüßen - früher war die lapo die angeschwärzten, der buscho mit ekü immer das vorbild. heute modern, modern, modern - privatwirtschaftlich ein catering - unternehmen. der will in ersterlinie geld verdienen und sonst gar nichts.
führen in seiner bedeutung nach der pdv 100 ist nicht mehr gewünscht, sondern dienen und herrschen (managen)!
die eigenen pfründe sichern, ja nicht nach oben negativ auffallen! entscheidungen werden in der ersten linie, durch den nachgeordnetene getroffen, aber repräsentieren das ist dann chefsache!
und so ist es und so wird es insbesondere bei der reform bleiben!
Eintrag von sumsum am 15.Juni 2007
Hallo Kollegen;
es ist schon interessant in der Ostseezeitung zu lesen, dass der Streit um die neuen Planstellen der PDs´ in M/V entbrannt ist, es müssen auf jeden Fall Leute mit G8 Erfahrungen sein.
„Und der G8 Einsatz ist doch richtig Toll gelaufen“.
Aber was ist mit den ganzen Verletzten?
Was ist mit den ganzen Fehlentscheidungen?
Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Einkaufskörbe mit Fahrrädern verschweißt wurden und zum Steintransporter umgebaut wurden?
Wie konnten überhaupt all die gefährlichen Gegenstände und Stoffe ins Zentrum der Demos´ gelangen?
Wurde die Vorbereitung von Straftaten geduldet?
Der Gipfel war ein großer Erfolg!
Eintrag von Gert am 3.Juli 2007