Schlichtungsvorschlag: Mogelpackung oder schwerer Fall von Dyskalkulie?

spath.jpgBerlin. Eine erste Bewertung des Späth-Vorschlages (hier im Bild ) hat in der Schlichtungskommission zu der Empfehlung „Ablehnung“ geführt, die von den übrigen Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern geteilt wurde. Eine Frage bleibt offen: Wollen die Arbeitgeber die Öffentlichkeit täuschen oder können sie tatsächlich nicht rechnen?
Ab dem 01.04.08 wird das Entgelt um 4 Prozent West/Ost Bund erhöht. Auf das ganze Jahr gerechnet, sind es also für 2008 nur 3,0 Prozent. (Erst ab 01.08.08 Ost VKA) Hinzu kommt für die Entgeltgruppen 1 bis 8 eine Einmalzahlung von 450 €, das sind, auf das Jahr gerechnet, noch einmal 1,3 Prozent.

Für die Entgeltgruppen 1 bis 8 bedeutet dies im Ergebnis für das Jahr 2008 zunächst eine Einkommensverbesserung von insgesamt 4,3 Prozent.

Für die Entgeltgruppen 9 – 15 bedeuten die 4 Prozent für 2008 ebenfalls nur insgesamt 3 Prozent, da sie erst ab dem 1. April gezahlt werden. Die Einmalzahlung entfällt für diese Gruppen.

So ergibt sich auf den ersten Blick für das Jahr 2008 bei den Entgeltgruppen 1 bis 8 eine Einkommensverbesserung von 4,3 Prozent und bei den Entgeltgruppen 9 bis 15 eine Einkommensverbesserung von 3 Prozent.

Da die Arbeitgeber selbst die Arbeitszeit mit 2,6 Prozent pro Stunde umrechnen, wenn es um eine Verkürzung geht, muss im Gegenzug natürlich jede Arbeitszeitverlängerung ebenfalls mit 2,6 Prozent berechnet werden, die von den Arbeitnehmern bezahlt werden.

Für die Entgeltgruppen 1 bis 8 sind also bei einer Verlängerung der Arbeitszeit von um eine Stunde (ab 1. Juli 2008), 1,3 Prozent wieder abzuziehen. Die tatsächlich angebotene Einkommensverbesserung liegt also für das Jahr 2008 insgesamt nur bei 3 Prozent.

Für die Entgeltgruppen 9 bis 15 gilt diese Rechnung ebenfalls: Die Arbeitszeitverlängerung muss abgezogen werden. Die tatsächliche angebotene Einkommensverbesserung liegt für das Jahr 2008 in diesen Gruppen also nur bei 1,7 Prozent.

Für das Jahr 2009 beträgt nach der gleichen Rechnung (Prozentuale Erhöhung + Einmalzahlung – Arbeitszeit) die Einkommensverbesserung für alle Entgeltgruppen insgesamt nur magere 0,7 Prozent.

Verkauft wird diese Mogelpackung vom Arbeitgeber-Schlichter Lothar Spät als eine Einkommensverbesserung in Höhe von 8 Prozent.

Sollte dahinter nicht die offene Absicht eines Betrugs der Öffentlichkeit stehen, sondern das mathematische Niveau der Arbeitgeber widerspiegeln, kann den Bürgern nur angst und bange bei der Verwaltung ihrer Steuergelder werden.

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Themenbereich: GdP Bundesvorstand, Tarif | Drucken