2. GdP-Arbeitsschutzsymposium – Arbeitsschutz mit hoher Priorität

kopie-von-bild-jorg-radek.jpgBerlin. Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Polizei, Wissenschaften und Personalräten berieten in Potsdam zwei Tage lang Maßnahmen gegen steigende psychische Belastungen im Polizeidienst. In seiner Eröffnungsrede verwies Jörg Radek (Archivbild), Mitglied des Geschäftsführenden GdP-Bundesvorstands, auf den in einer Umfrage ermittelten Wunsch der GdP-MItglieder, Verbesserungen des Arbeitsschutzes hohe gewerkschaftliche Priorität einzuräumen. Mit dem nunmehr 2. Arbeitschutzsymposium trage die GdP diesem Auftrag gern Rechnung.


75 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, so Radek, hatten sich im Anschluss an das im Jahr 2005 erstmals verstaltete Arbeitsschutzsymposium für den Themenkomplex „Psychische Belastung am Arbeitsplatz“ als Gegenstand für ein künftiges Arbeitsschutz-Symposium der GdP aus. Platz zwei erreichte der Bereich „Ausstattung und Ausrüstung“.

kopie-von-radek1.jpgRadek zeigte sich über die Themenwahl wenig verwundert. Der Polizeiberuf sei in weiten Teilen besonders belastend. Aufnahme und Bearbeitung schwerer Verkehrsunfälle, Gewaltdelikte in der kriminalpolizeilichen Arbeit, Überbringung von Todesnachrichten und zahlreiche weitere aufs höchste belastende Tätigkeiten seien oft an der Tagesordnung. Dazu kämen weitere Faktoren wie Stress oder psychische Sättigung – und das alles im Rund-um-die-Uhr-Dienstbetrieb: „Im Polizeibereich Beschäftigte empfinden die Arbeitsumwelt nicht anders, als alle anderen Beschäftigten auch. Der Unterschied liegt nur in der Spezialität der ihnen übertragenen Aufgaben. Aber im Hinblick auf Stress, Über- und Unterforderung oder Monotonie gelten für uns Polizisten dieselben Regeln, wie für alle anderen Menschen auch, die sich in entsprechenden, oder besser gesagt, krankmachenden Arbeitsumgebungen aufhalten müssen.“

Was Kolleginnen und Kollegen als besonders psychisch belastend empfinden, war Ergebnis einer weiteren Umfrage zu Ende letzten Jahres: „Wir leiden unter akutem Personalmangel. Damit verbunden geht eine Arbeitsverdichtung einher, die an den Grenzen des gesellschaftspolitisch Ertragbaren angekommen ist. Die noch verbleibende Zeit wird häufig durch nicht nachzuvollziehende Tätigketen, wie dem Erstellen und Bearbeiten überflüssiger Berichte und Statistiken ausgefüllt.“ Der eigentliche polizeiliche Primärauftrag – die Prävention -, so Radek, gerate immer mehr ins Hintertreffen. Die daraus resultierenden Entwicklungen, insbesondere im Milieu, ließen sich wir an der Kriminalstatistik erkennen.

Die GdP, so versprach Radek den bundesweit angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wolle mit ihrem Engagement auf dem Gebiet der psychischen Belastung am Arbeitsplatz helfen, entsprechende Belastungen abzubauen und dazu beitragen, dass sie überhaupt nicht erst einträten.

arbeitsschutz.jpg v. .l.: Prof. Dr. Anna-Marie Metz, Prof. Dr. Heinz-Jürgen Rothe und Barbara Weißgerber, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Foto: Holecek

Um diesem Ziel näher zu kommen, habe die GdP die – nach ihren Erkenntnissen – bedeutendsten Belastungsquellen in 5 Workshops gesplittet, in denen mit Mithilfe de Teilnehmerinnen und Zeilnehmer die Thematik vertieft und versucht werden soll, Lösungsansätze zu finden, die womöglich geignet seien, um wirkungsvolle Präventionsinstrumente entwickeln zu können.

Eine „fortschreitende Entkernung des Arbeitsschutzes“ kritisierte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, am zweiten Tag des in Potsdam fortgeführten 2. GdP-Arbeitsschutzsymposiums. Bereits die Regierung unter Bundeskanzler Schröder sei dem Arbeitsschutz zu Leibe gerückt und habe konkrete Schutzbestimmungen an den Arbeitsplätzen der Beschäftigten pauschalisiert und verwässert.

feiberg-am-pult.jpg Freiberg (im Bild) „Es ist skandalös, wie mit der Gesundheit der Beschäftigten umgegangen wurde und wird. Die an sich lobenswerte Idee des Abbaus überflüssiger Bürokratie wurde schamlos dazu genutzt, um das Niveau des Arbeitsschutzes deutlich herunterzufahren.“ In Erwartung eines schnellen, eingesparten Euros, so Freiberg, würden Politik und Wirtschaft von einer spontanen Kurzsichtigkeit befallen. Die Rechnung für unterlassene Prävention werde später ein Vielfaches höher ausfallen, als bei rechtzeitigen Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dies aber, so der GdP-Bundesvorsitzende gegenüber den 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Polizei, Wissenschaft und Personalräten, die sich in den letzten beiden Tagen mit psychischen Belastungen im Polizeidienst und ihre gesundheitlichen Auswirkungen auseinanderzusetzten, sei nur die berühmte Spitze des Eisbergs. Als Beispiel nannte Freiberg einen glücklicherweise in der Phase des Referentenentwurfs stecken gebliebener Entwurf zum Leistungsteil der gesetzlichen Unfallversicherung. In nahezu allen Versicherungsfällen hätte dieser dazu geführt, dass die ohnehin spärlichen Zahlungen noch geringer ausgefallen wären als bisher. Die Beschäftigten müssten angesichts dieser Entwicklungen enger zusammenrücken. Freiberg: „Starke Gewerkschaften sind ausreichend gewappnet, um solchen Umtrieben zu widerstehen.“

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Themenbereich: GdP Bundesvorstand | Drucken