Vorgestellt: Mehr Gleichstellung durch individuelle Förderung

kopie-von-march-waltraud.jpgWer verbirgt sich hinter unseren Kolleginnen, die für eine gelebte Verwirklichung von Gleichstellung innerhalb der Bundespolizei antreten? Das Bezirksjournal (Deutsche Polizei) stellt an dieser Stelle unsere Kollegin Waltraud March (Foto) vor, die nunmehr im Zuge der Neuorganisation eine noch umfassendere und weitreichende Verantwortung auf diesem Terrain übernommen hat.


DP: Deine „dienstliche Heimat“ liegt in Koblenz. Jetzt bist du auf vielen Ebenen in deiner Funktion als Gleichstellungsbeauftragte anzutreffen. Unsere Leserinnen und Leser würden gerne etwas über deinen erweiterten Verantwortungsbereich erfahren.
Waltraud March: Als Gleichstellungsbeauftragte der „alten“ Bundespolizeidirektion war ich in einer Behörde mit ca. 650 Beschäftigten in Koblenz, Sankt Augustin, Berlin und Hundstadt tätig. Diese Behörde wurde aufgelöst, ihre Aufgaben flossen in das Bundespolizeipräsidium ein. Das Artikelgesetz zur Änderung des Bundespolizeigesetzes regelt den Auftrag der Gleichstellungsbeauftragten im Artikel 11, Paragraf 6. Es ermächtigt mich zur Wahrnehmung der Gleichstellungsaufgaben im Bundespolizeipräsidium und gleichzeitig bei der Bundespolizeidirektion Koblenz. Als Gleichstellungsbeauftragte bin ich Angehörige und Teil der Verwaltung. Meine Funktion ist dabei  Ansprechpartnerin und kritisches Gegenüber der Behördenleitung zu sein. Darüber hinaus bleibe ich Gesprächspartnerin und Beraterin für die Beschäftigten der Standorte Potsdam, Koblenz, Sankt Augustin, Berlin, Heimerzheim, Hundstadt u.a. mehr. Ich kann so auf einer sehr breiten Ebene aktiv den Prozess der Neuorganisation in der Bundespolizei mitgestalten.
Dass die zu treffenden persönlichen Entscheidungen wie: „Wo finde ich meine neue dienstliche Heimat?“, „Kann ich meine Aufgabe fortführen?“, „Soll ich einen Familienumzug wagen?“, zu belastenden Lebenssituationen führen können, erleben wir alle! Ich versuche daher, die Menschen in den Mittelpunkt meiner Arbeit zu stellen und auf vielfältige Weise zu stützen.
DP: „Unter verstaatlichten und organisierten Menschen geschieht nichts schwerer und seltener als das Vernünftige und Natürliche“, so ein Zitat von Herrmann Hesse. Auf die Verantwortlichen in der Bundespolizei trifft diese Aussage mitunter auch zu. Wie sind deine bisherigen Erfahrungen hierzu?
Waltraud March: Ich wünsche mir während der Umsetzung dieser Neuorganisation, dass wir mit vielen Beispielen belegen werden, dass das „Vernünftige und Natürliche“ machbar ist. Wir müssen uns bei allen Entscheidungen stärker vor Augen führen, dass hinter allen organisatorischen und personalwirtschaftlichen Fragestellungen Menschen stehen und wir über diese Menschen und deren Schicksal urteilen. In diesem schwierigen Prozess kann schnell Unmut entstehen, Fronten könnten sich verhärten. Kommunikation und Transparenz sind die Mittel, die wir immer wieder nutzen müssen, um zu Lösungen zu gelangen. Unser Grundsatz sollte lauten: „Im Zweifel für und mit den Menschen“. Hier sehe ich Chancen, aber auch noch Reserven für weitere notwendige Entwicklungen. Die Verhandlungen über die Dienstvereinbarungen müssen im Positiven münden. Alles andere können wir den Beschäftigten nicht zumuten. Dafür brauchen wir jetzt eine vernünftige Entscheidung, im Zweifel für die Menschen!
DP: Wo siehst du die zukünftigen Schwerpunkte für die Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten?
Waltraud March: Die sehe ich in der weiteren Umgestaltung der Dienst- und Arbeitsbedingungen in der Bundespolizei, sodass wir Frauen und Männern die Möglichkeit geben, Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu leben. Dazu gilt es noch stärker flexible und individuelle Arbeitsplatzmodelle (z.B. Heimarbeit, Telearbeitsvarianten), sowie Arbeitszeitmodelle (z.B. Teilzeit für Männer, Führen in Teilzeit, flexible Arbeitszeit im Team – FAZIT) zu fördern und zu fordern. Ich bin überzeugt, dass der Erfolg der Frauenförderung maßgeblich davon abhängt, wie es uns gelingen wird, Männern den Zugang zu den Familienfreuden und -pflichten noch mehr zu eröffnen, ohne dass sie ihre eigene berufliche Zufriedenheit verlieren. Glückt das, werden sich auch mehr Frauen bei der Berufs-wahl für unsere Organisation entscheiden. Durch starre, männergeprägte Strukturen ist es sehr schwierig und mühsam unsere Frauen in der Bundespolizei zu fördern. Unter anderem sehen wir das daran, dass sich der Frauenanteil seit Jahren nicht spürbar bewegt. Im Vollzug haben wir ca. 10 Prozent, insgesamt unter 20 Prozent Frauenanteil in der Bundespolizei.
DP: Gewerkschaftliche Zielsetzungen spiegeln sich auch in den Werten partnerschaftlichen Umgangs und der Philosophie von Gleichstellung wider. Wo können wir besser werden?
Waltraud March: Sorry, die GdP, Bezirk Bundespolizei, ist da auch noch nicht weiter. Zuwenig Frauen, zuwenig Frauen in führenden Positionen, verkrustete Strukturen, fehlende Bedingungen in den Geschäftsabläufen für die Übernahme von Verantwortung durch Frauen. Die Frauenpolitik in der GdP beschäftigt mich seit mehr als zehn Jahren. Mit der Bildung der Frauengruppen haben wir meiner Meinung nach einen Weg beschritten, der Frauenförderung nicht ausreichend stimuliert. Ich würde gern mehr Frauen in den Funktionen der Vorstände aller Ebenen sehen und durch die gemeinsame Arbeit von Frauen und Männern in der GdP neue Wege zur Frauenförderung finden. Jetzt braucht es den Mut, Zeichen zu setzen und auch hier die Neuorganisation als Chance zu begreifen!
DP: Wir danken dir für dieses Gespräch.

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