Zwischenergebnis der Arbeitsgruppe Ballungsraum

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bereits in dem hier veröffentlichten Artikel vom 17.04.2008 wurde euch angekündigt, dass die ersten Ergebnisse der im März eingerichteten Arbeitsgruppe (AG) auch zu eurer Kenntnis gelangen. In der in Hilden stattgefundenen Sitzung am 17. und 18.06.2008 wurden die von den AG-Mitgliedern in Einzelaufträgen erhobenen Zahlen, Daten und Fakten zusammengetragen und einer Auswertung Bezug nehmend auf die Bundespolizei, die Bundesfinanzpolizei und das BAG unterzogen. Alle Erhebungen und Auswertungen nun an dieser Stelle zu veröffentlichen, würde den Rahmen sprengen.

Zusammenfassend ist jedoch – eindeutiger als vorher abzusehen war – festzustellen, dass die Lebenserhaltungskosten und demgegenüber die durchschnittlichen Bruttoverdienste bundesweit derart stark divergieren, dass ein Handeln seitens des Dienstherrn bzw. Arbeitgebers dringend erforderlich ist, um eine amtsangemessene Lebensführung in allen Teilen Deutschlands zu ermöglichen.

Beispielhaft sei aufgeführt, dass

  • die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter in München mehr als doppelt so hoch ist wie beispielsweise in Leipzig oder Flensburg,
  • die Preise für ein vergleichbares Reihenhaus mit 120 qm Grundfläche deutschlandweit von 130.000 € bis hin zu 350.000 € oder sogar darüber hinaus reichen,
  • es sich in Frankfurt/Main derzeit teurer leben lässt als in New York – Platz 9 im Ranking der höchsten Lebenshaltungskosten in Städten weltweit (Quelle Welt online mit Bezug auf die Untersuchung der Economist Intelligence Unit),
  • sich ein gefährlicher Trend abzeichnet, da immer mehr Beschäftigte des öffentlichen Dienstes einer Nebentätigkeit nachgehen (müssen?).

Der letzte Anstrich lässt sich sicher darauf zurückführen, dass das Realeinkommen im öffentlichen Dienst hinter dem zurückbleibt, was gerade in wirtschaftlich starken Regionen Deutschlands in der freien Wirtschaft erreicht wird. Zwar sind in Unternehmen selten klar strukturierte Bonussysteme für bestimmte Standorte zu finden, aber es gibt sie. Nicht zu vergessen, dass insbesondere bei nachgefragten Arbeitskräften bereits in den Einstellungsgesprächen und den dabei stattfindenden Gehaltsverhandlungen regionale Spezifika deutliche Unterschiede beim vereinbarten Bruttoverdienst oder den Rahmenbedingungen nach sich ziehen. Durch die Gesetzes- und Tarifbindung bleibt für uns jedoch kein Raum für individuelle Vereinbarungen, um auch bei teureren Dienstorten (an die man bekanntlich auch unfreiwillig gelangen kann) „in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen“ leben zu können. Nicht ohne Grund bekam die ein oder andere Dienststelle insbesondere im Tarifbereich vor einer Einstellung den Satz „Da bekomme ich doch aber mehr Hartz IV“ zu hören. Und das, wo doch anzunehmen ist, dass alle Beschäftigten von Bundes(finanz)polizei und BAG im Interesse der Sicherheit gefragtes und dementsprechend alimentiertes Personal sein sollte.

Es gilt daher, das Preisgefälle auszugleichen und durch entsprechende Zulagen sicherzustellen, dass Personal in teuren Regionen finanziell nicht wesentlich schlech-ter gestellt ist als das Umfeld, in dem und mit welchem es arbeitet.

Dabei darf das Augenmerk nicht nur auf Beschäftigte gerichtet werden, die dienstortnah teurer wohnen und leben, sondern auch auf diejenigen, die zu Lasten ihrer Familienpflichten und zum Teil reformbedingt enorme Fahrtwege und –kosten auf sich nehmen. Auch während der Dienstverrichtung sind diese Kolleginnen und Kollegen neben den Fahrtkosten den höheren Preisen z.B. im Nahverkehr oder bei der Verpflegung ausgesetzt.

Der Anreiz, Dienst in Ballungsräumen zu verrichten, kann nicht nur über anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgaben erfolgen, sondern muss finanziell Nieder-schlag finden, um sich nach dem Dienst auch hinreichend erholen und regenerieren zu können. Dies ist nicht möglich, wenn monatlich gerechnet werden muss, wie die Ausgaben durch die (immerhin regelmäßigen) Einnahmen gedeckt werden können und Freizeitangebote mangels Finanzierbarkeit ungenutzt bleiben müssen.

An dieser Stelle bedankt sich die Arbeitsgruppe für die vielfältigen Forenbeiträge im Internet sowie den sonstigen Mitteilungen Eurerseits. Ergänzend sei versichert, dass die im Zusammenhang aufgeworfenen Themen (z.B. DUZ, Personalverwendungskonzepte, Einstellungsproblematik etc.) auch aufgenommen wurden und dem Bezirksvorstand zugeleitet werden.

Eure GdP AG – Ballungsraum

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Themenbereich: Finanzielles & Laufbahn | Drucken