Krankenversicherung – gesetzlich oder privat?

Interview mit Jürgen Schmidt, SIGNAL IDUNA

Krankenversicherung – ob gesetzlich oder privat – ist bei Beamten nicht die Frage, vielmehr: Beihilfe oder Heilfürsorge?

  • Wie ergänze ich die Beihilfe richtig?
  • Wozu Anwartschaftsversicherung?
  • Wie muss/kann ich meine Familie absichern?

Jürgen Schmidt ist Direktionsbevollmächtigter bei der Polizeiversicherungs-Aktiengesellschaft (PVAG) der Landesdirektion Berlin und stand uns für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung.

GDP: Herr Schmidt, welche Auswirkungen kommen durch die Gesundheitsreform auf die privaten Krankenversicherungen und auf ihre Versicherten zu?
J. Schmidt: Für langjährig versicherte SIGNAL-IDUNA Kunden ist ein Wechsel in andere private Krankenversicherung uninteressant, da hier gravierende Kosten entstehen würden:
Bei einem Wechsel erfolgt 18 Monate Zwangsverweildauer in einem Basistarif (vergleichbar mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung). Weiterhin entsteht ein höherer Beitrag durch „Wechselzuschlag“. Dies trifft auch auf die beihilfeberechtigten Beamten zu.

GDP: Wer ist jetzt wie zu versichern?
J. Schmidt: Seit 1. April 2007 gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung eine Versicherungspflicht für alle Nichtversicherten. In der privaten Krankenversicherungen gilt seit 1. Juli 2007 ein Zugangsrecht für alle Nichtversicherten im Standardtarif. Mit der Einführung einer generellen Versicherungspflicht für alle zum 1.Januar 2009 sollte kein Bürger in Deutschland mehr ohne eine Krankenversicherung sein.

GDP: Welche Neuerungen kommen ab 2009 auf uns zu?
J. Schmidt: Das sind die Einführung eines Basistarifes sowie eine Versicherungspflicht für alle. Eine Kündigung wegen Nichtzahlung der Beiträge kann nicht mehr erfolgen.

GDP: Sehr erstaunt war ich über die hohe Anzahl von nicht krankenversicherten Menschen. Welche Möglichkeiten der Versicherungen für Nichtversicherte gibt es?
J. Schmidt: Nichtversicherte, die zuletzt einer gesetzlichen Krankenversicherung angehörten, wenden sich an die letzte Krankenkasse, in der sie versichert waren. Nichtversicherte, die zuletzt einer privaten Krankenversicherung angehörten, wenden sich an ihre letzte private Krankenversicherung. Nichtversicherte, die überhaupt noch nicht einer Versicherung angehörten, wenden sich an die GKV oder an die PKV – falls versicherungsfreier Arbeitnehmer, Selbstständiger, Beamter, Heilfürsorgeberechtigter.

GDP: Auch einige unserer Kolleginnen und Kollegen sind ohne Versicherung und nehmen nur die Beihilfe in Anspruch. Gibt es hier auch Änderungen?
J. Schmidt: Ja, generelle Versicherungspflicht besteht für beihilfeberechtigte Beamte in dem Teil, der durch die Beihilfe nicht abgedeckt ist. Weiter betrifft die Versicherungspflicht auch seine berücksichtigungsfähigen Angehörigen.

GDP: Beamte mit Heilfürsorge benötigen eine Anwartschaftsversicherung (AWV) und die obligatorische Pflegepflichtversicherung. Welche Arten der Versicherung gibt es hier?
J. Schmidt: Bei der großen Anwartschaftsversicherung erwirbt man sich neben dem Recht, den passiven Versicherungsschutz zu einem bestimmten Zeitpunkt in aktiven Versicherungsschutz umzuwandeln, einen erheblichen Beitragsvorteil, da man versicherungstechnisch in die Altersstufe des ehemaligen Eintrittalters kommt. Weiterhin ist es ratsam, eine Zusatzversicherung abzuschließen. Diese deckt zum Beispiel die Senkung der Leistungen der Heilfürsorge im Bereich des Zahnersatzes ab (Senkung der Erstattung durch die Heilfürsorge bei Zahnersatz von 60% auf 40%).

Heilfürsorgeberechtigte werden erst versicherungspflichtig mit Ende des Heilfürsorgeanspruchs, da hier erst der Beihilfeanspruch in der Regel beginnt.

GDP: Welche Vorteile hat der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung?
J. Schmidt: Man erwirbt vollen Privatpatientenstatus für die spätere Aktivierung in einen Beihilfetarif mit voller Leistung. Ohne AWV hat man nur die Zugangsgarantie in den leistungsschwachen Basistarif. Der Basistarif hat den Leistungsumfang einer gesetzlichen Krankenversicherung, weitere Leistungskürzungen durch Gesetzgeber sind vorhersehbar.

GDP: Was sollte man bei den Ehepartnern und Kindern beachten?
J. Schmidt: Für die Ehepartner und Kinder sollte in jedem Fall eine Anwartschaft abgeschlossen werden!

GDP: Warum?
J. Schmidt: Der berufliche Werdegang kann heute noch nicht zu 100 Prozent vorausgesagt werden. Ehepartner können vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden; sie können sich selbstständig machen. Kinder könnten in Zukunft den Beamtenberuf ausüben; sie können im schlimmen Fall keinen Beruf ausüben und so weiter.

GDP: Welche Vorteile bietet die SIGNAL-IDUNA zusätzlich für unsere Mitglieder an?
J. Schmidt: Ein entscheidender Vorteil für GdP-Mitglieder, welchen der Partner SIGNAL IDUNA bietet, ist die beitragsfreie Anwartschaft für die Tarife AB, SB-R, SB-W, AEB, SEB und PVB. Eine kostenfreie Aktivierung erfolgt in einer Frist von drei Monaten nach Ausbildungsende und erfolgter Verbeamtung.
Nach Feststellung der Änderung des Beihilfesatzes ermöglicht die SIGNAL IDUNA ihren Mitgliedern in einer Frist von sechs Monaten (ohne erneute Gesundheitsprüfung) den Anteil der privaten Krankenversicherung anzupassen! Dies gilt sowohl bei Veränderungen während der aktiven Dienstzeit, als auch bei dem Eintritt in den Ruhestand (Pension).

GDP: Wie kann sich die Beihilfe mit dem 65. Lebensjahr ändern?
J. Schmidt: Spätestens ab dem 65. Lebensjahr erhaltet Ihr eine Versorgung, die aus zwei Teilen besteht:
1. die erdiente Pension
2. 2. Rente der Deutschen Rentenversicherung
Mit der Entlassung aus dem aktiven Dienst (meist mit 60) bekommt der Beamte Beihilfe normalerweise in Höhe von 70 %.

Am Anfang gibt es keine Probleme, die können dann auftreten, wenn die Versorgung aus Pension und BfA-Rente besteht, denn dann passiert Folgendes: Mit der Beantragung der Rente (ab 65. Lebensjahr) bekommt man einen Zuschuss zur Kranken- und Rentenversicherung (Höhe in den NBL, Stand 01.2001 6,9 % KV plus 0,425 % PV). Gern nimmt man diesen Zuschuss in Anspruch, aber Achtung !!!
Überschreitet dieser Zuschuss den Betrag von 40,00 Euro sinkt der Anspruch auf Beihilfe von 70 % auf 50 %!!!

Folgen:
1. Es entsteht eine Lücke in der Krankenversicherung von 20 %.
2. Eine Nachversicherung in der PKV ist zwar prinzipiell möglich, ergibt aber keinen Sinn, denn der Mehrbeitrag übersteigt den höheren Zuschuss. Da dieser Zustand erst relativ spät festgestellt wird, ist eine Nachversicherung meist nur mit Beantwortung der Gesundheitsfragen möglich.
3. Viel Ärger, um diese ganze Angelegenheit wieder zurechtzurücken, wenn überhaupt möglich.

Was ist zu tun:
Man kann den Zuschuss auch bei 39,90 Euro kappen lassen.

Wir danken für die Beantwortung unserer Fragen. Unser Tipp: Setzt Euch mit Fachleuten in Verbindung, die sich wirklich mit der Beamtenversorgung auskennen.

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Themenbereich: Recht | Drucken

5 Kommentare
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  1. Mein Mann ist pensionierter Polizeibeamter mit Anspruch auf Beihilfe und LKH einschl. Anwartschaft für mich.
    Ich habe jetzt fast das Rentenalter erreicht.
    Nun stellt sich für uns die Frage: Was ist günstiger für mich als Ehefrau; in der gesetzlichen Krankenversicherung zu verbleiben oder in die Beihilfe zusammen mit der LKH zu wechseln. Bzw. wer hilft uns bei der Entscheidungsfindung?