Hanning: Kein Kompetenzgerangel bei GSG-9-Einsatz vor Somalia
Berlin: Der Abbruch des Einsatzes zur Befreiung des entfĂŒhrten deutschen Frachters “Hansa Stavanger” vor der KĂŒste Somalias war nicht die Folge eines Kompetenzgerangels in der Bundesregierung. Das machte August Hanning, StaatssekretĂ€r im Bundesinnenministerium, am Mittwoch vor dem Innenausschuss deutlich. Derartige Informationen, die zuletzt durch die Medien gingen, seien falsch, sagte Hanning. Die Entscheidung zum Abbruch des Einsatzes sei vielmehr deshalb gefallen, da die logistischen Vorraussetzungen nicht mehr gegeben waren.
Zur Befreiung des am 4. April entfĂŒhrten Frachters “Hansa Stavanger” sei auf Beschluss des Krisenstabes die GSG-9 nach Mombasa entsandt worden, sagte der StaatssekretĂ€r. Dort hĂ€tte das Einsatzkommando der Bundespolizei “mit nationalen KrĂ€ften geĂŒbt”. Da fĂŒr die Befreiungsaktion eine seegestĂŒtzte Basis benötigt wurde, habe man Kontakt mit den amerikanischen StreitkrĂ€ften aufgenommen und schlieĂlich den HubschraubertrĂ€ger USS Boxer nutzen dĂŒrfen. Die an Bord verlaufenen Ăbungen seien durchaus erfolgreich gewesen, betonte Hanning. Zwei Tage vor dem geplanten Einsatz sei dieser jedoch von den USA als zu risikoreich eingestuft worden. Der seegestĂŒtzten Plattform beraubt, sei dem Krisenstab nichts anderes ĂŒbrig geblieben, als die MaĂnahme abzubrechen, sagte der StaatssekretĂ€r.
Auf Nachfrage erlĂ€uterte Hanning, dass die Verantwortung fĂŒr den Einsatz beim Bundesinnenministerium gelegen habe. Es habe jedoch eine enge Abstimmung mit dem AuswĂ€rtigen Amt und dem Bundesverteidigungsministerium gegeben. “Es gab in den Spitzen der HĂ€user keine Divergenzen”, stellte er klar.
Die Unionsfraktion bedauerte das “unerfreuliche Ergebnis” der Aktion, rĂ€umte jedoch ein, dass “richtig gehandelt wurde”. Um zukĂŒnftig nicht mehr auf auslĂ€ndische Partner angewiesen zu sein, mĂŒsse darĂŒber nachgedacht werden, die Marine umzurĂŒsten, damit der Piraterie besser Einhalt geboten werden könne. Aus Sicht der SPD-Fraktion ist das Ergebnis “kein Misserfolg”. Einen zu risikoreichen Einsatz abzubrechen sei vielmehr eine “StĂ€rke” und möglicherweise sogar die schwierigere Entscheidung gewesen. Die FDP-Fraktion befĂŒrchtete, dass durch EinsĂ€tze der GSG-9 im Ausland die konsequente Trennung von Bundespolizei und Bundeswehr gefĂ€hrdet sei. Die Linksfraktion bezeichnete die BekĂ€mpfung der Piraterie zwar als “polizeiliche Aufgabe”. Die Entscheidung, den Einsatz der GSG-9 dem der SonderkrĂ€fte der Bundeswehr vorzuziehen, dĂŒrfe jedoch nicht aus der Motivation entstehen, dann nicht das Parlament informieren zu mĂŒssen. Auch die GrĂŒnen forderten, der Innenausschuss mĂŒsse zumindest im Nachhinein ĂŒber AuslandseinsĂ€tze der Bundespolizei informiert werden.
