„Eine ungeheure Belastung“, Jörg Radek im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung

Mehr Personal für die Polizei, Alkoholverbot und höhere Strafen für Gewalttäter – die Forderungen von GdP-Vorstand Jörg Radek

SZ: Am Montag waren in Rostock 1500 Polizisten eingesetzt. Warum ist die Situation dennoch eskaliert?

Radek: Die Masse allein wirkt nicht mehr abschreckend. Das hat etwas mit Spielpaarungen zu tun, aber auch mit einer größeren Gewaltbereitschaft. Da können auch 1500 Polizisten zu wenig sein.

SZ: Was erlebt ein Polizist, wenn er die Zuschauertribüne betritt?

Radek: Da werden Feuerwerkskörper gezielt auf Polizisten gerichtet, Glasflaschen und Steine geworfen.

SZ: In der Saison 2007/2008 wurden rund um Fußballspiele 932 Personen verletzt, unter ihnen 187 Polizisten. Haben Polizisten Angst vor Fußballeinsätzen?

Radek: Nein, Polizisten können damit umgehen. Manche Kollegen sind aber zehn Wochen ohne Pause eingesetzt. Das ist eine ungeheure Belastung. Wer Wochenende für Wochenende Fans begleitet, statt Zeit mit der Familie zu verbringen, kann das kaum aushalten. Hinzu kommen ja noch andere Großveranstaltungen. Anlässe, die vor zehn Jahren mit zwei Streifenwagen zu erledigen waren, benötigen heute eine Hundertschaft.

SZ: 1,4 Millionen Arbeitsstunden entfallen auf Fußballeinsätze in den oberen Spielklassen. Gleichzeitig wurde bei der Polizei drastisch Personal reduziert . . .

Radek: Es gibt Lücken, die wir nicht mehr kaschieren können. In der Folge muss eben ein Stadtmarathon von einem privaten Sicherheitsdienst betreut werden. Es gibt vermehrt Veranstaltungen, die wir nicht mehr bedienen können.

SZ: Sollten die Vereine deshalb für die Polizeieinsätze zahlen?

Radek: Das halte ich nicht für probat. Wenn Fans nach einem Spiel im Hamburger Schanzenviertel randalieren, dann fragt sich der Verein zu Recht: Was haben wir damit zu tun? Außerdem sind Vereine Steuerzahler. Lieber sollten die, die Fernseheinnahmen haben, einen Fonds einrichten, um bessere Sicherheitsmaßnahmen in unteren Klassen zu finanzieren.

SZ: Was hilft aus Ihrer Sicht gegen Gewalt in Stadien?

Radek: Mehrere gesellschaftliche Gruppen müssen zusammenwirken. Stadionverbote sind ein wirksames Mittel. Hinzu müsste ein Beförderungsverbot im öffentlichen Nah- und Fernverkehr kommen, damit verurteilte Randalierer nicht in die Nähe der Stadien gelangen. Alkoholverbote helfen auch; Alkohol bietet aber eben eine gute Einnahmequelle. Städte, denen Stadien gehören, müssen sensibler werden. Mitte November werden wir uns mit dem DFB zusammensetzen. Gemeinsam müssen wir die Randalierer aus der Anonymität herausholen.

SZ: Was fordern Sie von der Politik?

Radek: Wir brauchen mehr Personal, sofort. Und härtere Strafen bei Angriffen gegen Polizisten.

Interview: Katja Riedel

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.254, Mittwoch, den 04. November 2009 , Seite 2

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