+++WICHTIG+++ Ab 15. Juni 2010 - Mitarbeiterbefragung - Klartext 2010 +++Wichtig+++

5. März 2010

Klartext 2010

Von Sven Hüber, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei

Klartext 2010 heißt: Wir haben ein paar Fragen. Und zwar zur Mitarbeiterzufriedenheit. Wann wurde das letzte Mal danach in der Bundespolizei gefragt? – Stimmt: 1996. Damals regierte noch Helmut Kohl das Land, Manfred Kanther war Innenminister, die Bundespolizei hieß Bundesgrenzschutz und bestand zur Hälfte aus bereitschaftspolizeilichen Verbänden. Seither hat der Begriff der Mitarbeiterzufriedenheit eher den Anstrich von Behäbigkeit und Innovationsverweigerung verpasst bekommen: Wer zufrieden ist, scheint veränderungsunwillig.
Stattdessen blühten andere Begriffe inflationär auf und bekamen Worthülsengewicht:
Zielvereinbarungen, Kennzahlen und „Produkte“ ersetzten den Wert von Mitarbeiterzufriedenheit, für die es eben keine Kennzahl gibt.

Heute sucht man in allen Strategiepapieren – und mehr oder weniger groben oder feinen Reformkonzepten der Bundespolizei auch nur das Wort Mitarbeiterzufriedenheit oder Berufszufriedenheit vergeblich.

Das ist einer der unschönen Unterschiede zu den Polizeien der Länder. Denn dort findet sich, wie der Polizeiwissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Lange in „Die Polizei der Gesellschaft“ beschreibt, in fast allen
Reformkonzepten die Mitarbeiterzufriedenheit als eines von vier Organisationszielen wieder. Nur bei der Bundespolizei nicht. Warum eigentlich? Die anzustrebende Mitarbeiterzufriedenheit ist nach Prof. Lange (eigentlich) ein Ziel der ganzen Polizeiorganisation, weil persönliche Erfolge von Mitarbeitern immer auch dienstliche Erfolge sind. Dabei haben Mitarbeiter die Erwartung, sinnvolle Arbeit zu leisten, sich in das Arbeitsleben einzubringen und Gestaltungs- und Entscheidungsräume eigenverantwortlich zu nutzen. Wenn man ihnen diese Möglichkeit gibt, steigt die Zufriedenheit und damit auch die Leistung, wobei die motivierende Kraft in erster Linie aus der Überzeugung kommt, etwas bewirken oder bewegen zu können. Natürlich haben auch die Landespolizeien einen oft unschönen Bruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Aber das Ziel, zufriedene Mitarbeiter zu haben, wird dort wenigstens als Ziel der Polizei benannt und drückt Wertschätzung aus.

Will die Bundespolizei zufriedene Mitarbeiter? – Ist das ein Ziel des täglichen Wirkens in den Dienststellen? Spannende Fragen…

Man könnte meinen, wenn sie es wollte, würde man die Mitarbeiter auch danach befragen.
Tut sie aber nicht. Warum eigentlich nicht?

Natürlich gab es immer wieder einmal Ansätze, sich den eigenen Mitarbeitern insgesamt zuzuwenden, um – wie es zu der Befragung vor 14 Jahren hieß – „Informationen über Verbesserungsmöglichkeiten in der internen Organisation und Kommunikation sowie zum Grad der Mitarbeiterzufriedenheit zu gewinnen“. Zudem sagte man damals noch eine Bekanntgabe der Ergebnisse zu. Das hat sich allerdings im weiteren Verlauf unserer Polizeigeschichte dramatisch geändert. – Leider! Zwar gab es noch vereinzelt Ansätze regionaler Befragungen. Das war es dann aber auch schon. Im Jahr 2004 wagte das Bundesinnenministerium sich noch einmal daran, ein Konzept für Mitarbeiterbefragungen zu erarbeiten, das dann allerdings den Leidensweg so vieler Konzepte ging: lange erarbeitet und dann schnell verblüht.

Von dem Vorhaben, als Teil eines „umfassenden Controlling“ den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, „ihre Sichtweisen, Kenntnisse und Erfahrungen“ einzubringen und „Informationen über Verbesserungsmöglichkeiten (…) sowie zum Grad der Mitarbeiterzufriedenheit zu gewinnen“, blieb nichts mehr übrig: die Ergebnisse einer Probebefragung im Osten verschwanden heimlich, still und leise. Und die ministerielle Zusicherung an den Staatssekretär, die Mitarbeiterbefragung „nach der Fußball- WM 2006 in allen Behörden der Bundespolizei zeitgleich“ durchzuführen, fiel dem Vergessen anheim.

Dabei gibt es deutlichen Handlungsbedarf!

Die Stimmungslage in der Bundespolizei ist durchwachsen. In der so genannten „Beerlage-Studie“ der Hochschule Magdeburg-Stendal über den Arbeitsalltag von Einsatzkräften der Bundespolizei in Berlin wurden schon im Herbst 2006 einige Warnlampen angeknipst:
Denn eingeschränktes Wohlbefinden, „Burn out“ und krankheitsbedingte Fehltage in der Bundespolizei resultieren danach weniger aus dem Polizeidienst selbst, sondern aus den Rahmenbedingungen der Arbeit.

Das müssen zum Beispiel auch diejenigen wissen – und damit ihr eigenes Handeln reflektieren –, die als dienstlich Verantwortliche mitten in der Reform in einigen Bereichen einen Kleinkrieg mit den Personalräten anzetteln, um familien- und pendlerunfreundliche Arbeitszeitmodelle durchzudrücken.
Dazu müssten sie aber die Mitarbeiter befragen, um deren Zufriedenheit mit solchen fragwürdigen Rahmenbedingungen zu erfahren. Die GdP möchte nicht so lange warten, bis ein dienstliches Erwachen wieder einsetzt. Sie hat Prof. Dr. Gerd Strohmeier und die Technische Universität Chemnitz beauftragt, eine unabhängige wissenschaftliche Studie über die Mitarbeiterzufriedenheit in der Bundespolizei zu fertigen und dazu alle GdP-Mitglieder zu befragen.
Die Antworten von 19 000 GdPMitgliedern sind mehr als repräsentativ für die Bundespolizei. Und für die GdP, aber auch für die Vorgesetzten aller Ebenen und die politisch Verantwortlichen kann es nicht egal sein, wie es um die Mitarbeiterzufriedenheit in einer der wichtigsten Sicherheitsbehörden Deutschlands bestellt ist und was zu tun bleibt.

Deshalb wollen wir, dass unsere Mitglieder in dieser Befragung Klartext reden. – Endlich wieder mal.

Einträge:

Wohldenn, es möge so sein. Ich bin gespannt auf das anschließende Ergebnis - wobei ich vermute, wohin da die Reise gehen wird - und darauf, ob und wie bzw. wann man seitens des Dienstherrn bereit ist gegenzusteuern.

Denn das bleibt für uns alle das sehr interessante Fazit dieser Befragung. Lasset uns die Schreiber schwingen…

Eintrag von Jens H. am 5.März 2010


Solange unsere eigentlichen Führungskräfte des höheren Dienstes VISIONEN (ich empfehle die “Übersetzung” aus dem Fremdwörterbuch) haben, wir vergeblich versuchen jeden Blödsinn aus der freien Wirtschaft in der Bundespolizei umzusetzen versuchen, Führen durch Zielvereinabrung, Controlling und Neue Steuerung vor das Führen durch klare, einsatztaktisch richtige und ergebnissorientierte Entscheidungen; Solange wird es mit der Mitarbeiterzufriedenheit bergab gehen.

Kurzum: auf das Ergebniss der MA-Befragung bin ich sehr gespannt, auch wenn ichmir das Ergebniss denken kann ;-(

Man sollte auch andere Sachen aus der Wirtschaft übernehmen: VERANTWORTLICHKEIT, Leute die Fehlentscheidungen getroffen haben, sollten auch von Ihren Posten abgelöst und nicht befördert werden. Bitte nicht alles aus der Wirtschaft übernehmen - Boni-Zahlungen an unsere “Manager” müssen wirklich nicht auch noch sein.

Solange wir uns weigern den Tatsachen ins Gesicht zu schauen, aber in der Öffentlichkeit uns als 100% Polizei verkaufen, solange wird es uns nicht möglich sein, die eigenen Fehler zu erkennen und diese abzustellen.

Beispiele gibt es 1000ende:

- Zielvereinabarung zu den Ergebnissen (Trefferquote) von 22Ia “Kontrollen” (ich dachte immer es sind Befragungen)
- Tagebuchnummernhascherei (100 Anzeigen Sachbeschädigungen/Graffiti gegen unbekannt sind wichtiger und statistisch besser als -1- qualifizierter und vorbereiteter Zugriff)
- 94% der MA haben den Dienstposten bekommen, den sie wollten

Ergänzungen oder 997 weitere Gründe sind gerne willkommen

Ich schließe mit den bekannten Worten “… wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen…”

Eintrag von POK am 5.März 2010


Warum eigentlich nur GdP Mitglieder?
Gebt doch mal allen Beamten in diesem Laden die Möglichkeit sich zu diesem Thema zu äußern.Aber das würde wohl ein zu böses Erwachen geben.
MfG A.K.

Eintrag von A.K. am 5.März 2010


A.K.: Warum nur GdP- Mitglieder…
… wer hat es erfunden, wer macht es… nicht die Bundespolizei, nein, die GdP!
Es können doch alle Beamtinnen und Beamte, alle Tarifbeschäftigten der GdP beitreten - und somit auch mitmachen!

Eintrag von grünmaier am 5.März 2010


Ich hoffe, dass die Befragungsergebnisse dann auch veröffentlicht werden, am besten in der BILD auf der Titelseite, denn leider werden sonst die zu erwartenden katastrophalen Ergebnisse unter den Tisch gekehrt!!!

Eintrag von UllaM am 5.März 2010


Den eintigen und akuten Handlungsbedarf den ich in dieser tollen, sonnigen und demokratischen “RepubliCk” sehe ist DIE SICHERHEIT UND DER SCHUTZ JEDES EINZELNEN PVBs.

Alles andere, liebe Kolleginnen und Kollegen, hat keine Priorität. Es ist euer, und das Leben eurer gelibten Familie die auf dem Spiel steht!

Macht euch doch mal ein wenig Gedanken… nicht viel, eine Minute reicht.

Schönen weisen Samstag

Eintrag von Echaufierter am 6.März 2010


Zum Eintrag vom POK !

Hast Du nicht die Änderung des BPolG mitbekommen ! 22 1a Kontrollen und Streichung aller Aufgaben, hierzu sind jetzt die § 12 und 13 zu verwenden, denn unsere Aufgabe ist jetzt Zahlen für Deutschland und Polizistenausbildung im Ausland.

Zum Beitrag !
Spart das Geld für Mitarbeiterbefragungen und Studien, studiert lieber die Eintragungen der Kolleginnen und Kollegen auf diesen Seiten aus den letzten Jahren sowie die STellunganhmen der KG, DG und Personalräte, dann wisst ihr was wir wollen !

Eintrag von Reformgewinner am 6.März 2010


Wann startet die Befragung?
Ich weiß so eine Studie muß gut vorbereitet sein.
Aber es wird Zeit, wenn in dieser Legislaturperiode noch etwas erreicht werden soll.

Für den nächsten Innenminister ist das nur wieder Schnee von gestern.

Eintrag von KSB aus dem Norden am 6.März 2010


Mal Klartext von unserem IL: Wer als POM jetzt nicht den Aufstieg macht, hat beim derzeitigen System in den nächsten gut 10 Jahren keine Beförderung zur erwarten. Toll, oder? Da lohnt sich Leistung in unserer Behörde! Wozu eigentlich noch mehr tun, als ordentlich den Bürger bedienen, denn der kann nichts dafür. Der Rest kann einem doch mittlerweile egal sein. So demoralisiert man seine PVB, danke Dienstherr!

Eintrag von Undertaker am 8.März 2010


Was ich nur nicht verstehe, und einige habe auch danach schon gefragt oder in diese Richtung gedacht.
Wieso nicht alle Mitarbeiter befragen?
Die Ergebnise diese Umfrage werden doch angreifbar werden, als nicht objektiv hinstellbar, wenn sie einen gewissen “Gewerkschaftsanstrich”haben.
Der Gegner spielt mit gezinkten Karten und hat jede Fairness verloren.
Warum sollte er das Ergebnis dieser Befragung nicht laut in Zweifel ziehen, wenn der Kreis der Befragten von vorne herein als parteiisch anzusehen ist?

Eintrag von shottersheriff am 9.März 2010


Die GdP kann nur ihre Mitglieder befragen, weil es eine Befragung innerhalb der GdP ist.
Wollte man alle Mitarbeiter befragen - was ja sehr verständlich ist - bräuchte man die Zustimmung des BMI. Und was glaubt ihr, was der BMI sagen würde?
Im Übrigen ist es für die Relevanz der Befragungsergebnisse nicht in erster Linie wichtig, wieviele befragt wurden, sondern was und in welcher Art gefragt wurde. Die befragte Gruppe muss natürlich repräsentativ genug sein, um einen generalisierbaren, also auf die gesamte Organisation übertragbaren, Aussagewert zu bekommen.
Ich denke, dass eine Gruppe von 19.000 Befragten in einer Organisation mit etwas über 40.000 Angehörigen durchaus repräsentativ sein wird.
Vermutlich wird der Professor zur “Objektivierung” eine Art Kontrollgruppe heranziehen oder etwas ähnliches machen, um die Ergebnisse methodisch abzusichern. So eine Studie besteht ja nicht nur aus der reinen Befragung, sondern vor allem aus der Analyse: da muss dann schon den Ergebnissen auf den Grund gegangen werden.
Da kann dann der BMI hüpfen wie er will: wenn alles richtig läuft - wovon ich ausgehe - wird das Ergebnis der Studie hieb- und stichfest sein.
Natürlich ist eine wissenschaftliche Studie nicht ganz unangreifbar. Aber das ist ein eher akademisches Problem… Erstmal ist sie in der Welt und man muss sich damit befassen, gute Öffentlichkeitsarbeit vorausgesetzt.

Eintrag von Jürgen P. Rubeck am 10.März 2010


Ich finde diese Studie sehr gut und wichtig. Ich könnte mir vorstellen, dass die Wirkung am größten ist, wenn man VON ANFANG AN die Medien, z.B. ein Nachrichtenmagazin (Stern, Focus, Spiegel?) mit ins Boot nimmt. Die müßten an soetwas doch Interesse haben!

Eintrag von Chris am 11.März 2010


Ist es für eine Polizeigewerkschaft wirklich so schwer, andere Polizeigewerkschaften anzusprechen?

Ist Konkurrenz wichtiger als eine gemeinsame Strategie?

Warum wird nicht eine gemeinsame Befragung durchgeführt um möglichst alle Beschäftigten zu erreichen ?

Mögliche Antworten:
Die Probleme können nicht so gravierend sein.
Egoistische Ansichten in den Hirarchien.
???

Eintrag von jbj am 12.März 2010


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