Mitarbeiterbefragung

Interview mit Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Technische Universität (TU) Chemnitz

Der Bezirk Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) führt eine Mitarbeiterbefragung – unter Leitung von Professor Dr. Gerd Strohmeier (Foto) – durch. Hierzu wiesen wir bereits in unseren Publikationen und anderen Veröffentlichungen hin. Das Interesse und die Nachfrage zu dieser Befragung ist groß. Zu allem vorab Wissenswerten befragte die Deutsche Polizei (DP), Bezirksjournal Bundespolizei, den Leiter dieser Studie.

DP: Herr Professor Strohmeier, Sie haben bereits über 45000 Bundeswehrsoldaten zu deren Berufszufriedenheit befragt. Jetzt sollen die GdP-Mitglieder in der Bundespolizei folgen. Warum sollten in großen Organisationen solche Befragungen der Mitarbeiter überhaupt stattfinden?
Prof. Dr. Strohmeier: Die Gründe für eine solche Befragung sind vielfältig. Zunächst erscheint es wichtig, GdP-Mitgliedern in der Bundespolizei die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu Fragen ihres Berufs und möglichen Problembereichen zu äußern. Dabei soll ein aktuelles und aussagekräftiges Stimmungsbild hinsichtlich der Berufszufriedenheit in der Bundespolizei gezeichnet und auf Probleme und Fehlentwicklungen, aber natürlich auch positive Aspekte aufmerksam gemacht werden. Auf dieser Grundlage ist es möglich, eine substanzielle Debatte in der Öffentlichkeit sowie auch in der Politik zu führen.

DP: Wie spannend ist es aus wissenschaftlicher Sicht, die innere Befindlichkeit einer seit
zwölf Jahren komplett neustrukturierten Bundespolizei aufzunehmen?
Prof. Dr. Strohmeier: Eine Befragung in der Bundespolizei ist aufgrund der vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen in diesem Beruf grundsätzlich von herausragendem wissenschaftlichen Interesse. Dieses wächst natürlich angesichts der erwähnten kompletten Neustrukturierung.

DP: Die letzte dienstliche Befragung zu Arbeitszufriedenheit und Berufsmotivation gab es im damaligen Bundesgrenzschutz 1996. Macht es für die Qualität der Befragung einen Unterschied, dass jetzt die GdP die Initiative ergreift und eine Befragung ihrer Mitglieder in der Bundespolizei zur Berufszufriedenheit bei der TU Chemnitz in Auftrag gibt?
Prof. Dr. Strohmeier: In vielerlei Hinsicht! Schließlich ist die Befragung aus dem Jahre 1996 – gerade mit Blick auf die vielfältigen Umstrukturierungen und Veränderungen – veraltet. Es ist von zentraler Bedeutung, ein aktuelles Stimmungsbild zu zeichnen. Dass dies unabhängig sowie gemäß sozialwissenschaftlicher Standards erfolgt, garantiert die Bearbeitung durch die Technische Universität Chemnitz.

DP: Wie objektiv sind die Ergebnisse solcher Befragungen? Und wer kann von den Er-gebnissen profitieren?
Prof. Dr. Strohmeier: Durch die unabhängige Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Befragung gemäß sozialwissenschaftlicher Standards wird eine größtmögliche Objektivität erreicht. Ein Forscherteam an einer Universität kann es sich schließlich auch nicht leisten, eine nicht durch und durch solide Befragung durchzuführen. Profitieren werden von den Ergebnissen die entsprechenden Interessensvertreter und v.a. die politischen Entscheidungsträger und dadurch letztlich auch die Befragten selbst, deren Interessen auf der Grundlage der Befragung weitaus besser wahrgenommen werden können.

DP: Für viele GdP-Mitglieder ist es wichtig, dass für eine unbefangene offene Antwort die Anonymität absolut gewahrt wird. Ist dies bei dem Befragungsprojekt der Universität gewährleistet?
Prof. Dr. Strohmeier: Die Anonymität der Befragung wird absolut gewahrt! Selbst für Universitätsmitarbeiter, die ohnehin strengstens zur Vertraulichkeit verpflichtet sind, wird es nicht möglich sein, eine Zuordnung einzelner Antworten zu Befragten vorzunehmen.

DP: Wird die Befragung in Papierform oder elektronisch am PC auszufüllen sein?
Prof. Dr. Strohmeier: Der Fragebogen wird sowohl im Internet als auch auf dem Postweg erhältlich sein. Allerdings ist es weitaus einfacher, bequemer und weniger zeitaufwändig, die Fragen im Internet zu beantworten.

DP: Und die Auswertung obliegt dann ausschließlich Mitarbeitern der Universität?
Prof. Dr. Strohmeier: Nicht nur die Auswertung, auch die Vorbereitung und Durchführung obliegt ausschließlich fachlich qualifizierten Universitätsmitarbeitern.

DP: Wie lange werden Vorbereitung, Befragung und Auswertung dauern?
Prof. Dr. Strohmeier: Insgesamt ist mit einem knappen Jahr zu rechnen. Wir werden nichts überstürzen und äußerst sorgfältig vorgehen. Die wissenschaftliche Sorgfalt hat oberste Priorität!

DP: Herr Professor Strohmeier, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Themenbereich: Allgemein, Bundespolizei - Reform | Drucken