Der flexible Mensch in der Bundespolizei – sozial entwurzelt und lautlos

Die Menschen in der Bundespolizei durchleben zur Zeit die dritte Neuorganisation seit 1992. Mitarbeiter in unserer dienstlichen Organisation haben dabei einiges über sich ergehen lassen müssen. Vom Schengen -Weißbuch der 80iger Jahre, Wegfall der Grenzkontrollen zu den westeuropäischen Nachbarn, Wegfall von Standorten zum Zwecke der personellen Auffüllung an den Grenzen zu den osteuropäischen Nachbarn bis zu Aufbau von Dienststellen in den Ballungräumen. Die Aufgabenerfüllung erforderte räumliche Beweglichkeit. Wir haben vor den Folgen von sozial entwurzelten Menschen in einer Polizei gewarnt. „Tarnargument“ zur Förderung des Beharrungsvermögen wurde uns unterstellt.

Organisationspsychologie ist kein „Wellnessthema“.  Oder gar die Vorstufe zum „Betreuten Arbeiten“. Im Gegenteil,  mit der Beerlage – Studie liegt nun ein amtliches Attest vor. Eine Auftragsarbeit für das BMI. Wir müssen diese Ergebnisse sehr ernst nehmen. „Burnout“ ist kein Modethema. Miriam Meckel schreibt in ihrem Bestseller „Brief an mein Leben“: „Irgendetwas stimmt nicht, wenn Unternehmen Mistrauen zum Kern ihrer ‚Unternehmskultur‘ erheben.“ Laut Medienberichten liegt der „Laptop -Panne“ am Münchner Flughafen vom Januar diesen Jahres menschliches Versagen zur Grunde. Diese Reaktion war vorhersehbar. Es wäre jedoch falsch zu schlußfolgern, die Summe von menschlichem Versagen macht das Versagen einer Organisation aus. Die Frage ist doch, ob die Organisation der Arbeit und das Ausbleiben von Menschenführung individuelle Fehler fördert. Vielleicht beginnt es mit den falschen Vorbildern. Führung in der Polizei wird seit den 90iger Jahren mit Betriebsführung verwechselt. Die Flexibilität in der gegenwärtige Arbeitswelt – unabhängig, ob öffentlicher Dienst, Industrie oder Handel – wird auch in der Polizei verlangt.  Doch wenn alle es so halten, muss es trotzdem nicht richtig sein. Wir können nicht mit den Schultern zucken und so tun als seinen die Erkenntnisse eine Naturgewalt, die zu akzeptieren ist. Wir wollen keine Mitarbeiter, die so,  wie der Soziologe Richard Sennett beschreibt, ständig „umgetopft“ werden. Wohin solch eine Praxis führt, ist nun bewiesen. Die Menschen entfremden sich von ihrer Arbeit. Lautlosigkeit, also Schweigen, kann auch ein Ausdruck von Resignation seien. Wir werden diesen „Lautlosen“ eine Stimme geben.

Jörg Radek

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Themenbereich: Bundespolizei - Reform | Drucken