Konrad Freiberg Polizist und Gewerkschaftschef vor dem Rückzug ins Private

Er hat einen Lieblingssatz, und der heißt: „Das will ich einmal ganz deutlich sagen.“ Gut, das behauptet in Politik und Verbandswesen mancher von sich und speziell dann, wenn er viele Worte macht, ohne dabei etwas zu sagen. Doch das kann man von Konrad Freiberg, dem scheidenden Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), wirklich nicht behaupten. Seine Botschaft ist stets klar und knapp, seine verbale Artillerie von schwerem Kaliber. Wie das bei dieser Waffengattung so ist, sind die Treffer schwer, aber nicht in jedem Einzelfall zielgenau. So könnte Freibergs jüngste Forderung nach Sondergesetzen bei Gewalt gegen Polizisten, die angeblich immer schlimmer werde (aber sagte die GdP das nicht schon zu Zeiten von Wackersdorf und Startbahn West?), die falschen Prioritäten setzen: Wenige Tage zuvor hatte amnesty international der deutschen Polizei nämlich ein wenig vorteilhaftes Zeugnis ausgestellt, dem zufolge, freundlich gesagt, zu viele Beamte mit dem Schlagstock etwas zu locker bei der Hand sind. Dennoch geht mit dem 58-jährigen Hamburger Freiberg, der sich im November in den Ruhestand zurückziehen wird – Nachfolger soll sein Vize Bernhard Witthaut werden –, kein Hardliner. Er war als GdP-Chef zehn Jahre lang sogar ein Gegengewicht zu einer Politik, für die, allzu oft, nur das verschärfte Gesetz ein gutes Gesetz ist. Er teilt nicht die Ansicht, durch immer mehr Sicherheit garantiere der Staat die Freiheit. Das mag daran liegen, dass Freiberg 1968 zur Polizei kam als ein junger, von Willy Brandt überzeugter Sozialdemokrat – und wie dieser entschlossen, mehr Demokratie zu wagen, und sei es im eigenen Apparat. Der war noch straff militärisch organisiert und von Veteranen beherrscht, die sehr wenig Gefallen an langhaarigen Nachwuchspolizisten hatten; erst recht nicht, wenn diese Initiativen zur Abschaffung des militärischen Grußes und der Kriegswaffen bei der Polizei ins Leben riefen. „Ich habe damals in der Ausbildung noch Handgranaten geworfen und mit dem MG geschossen“, sagt Freiberg, „und mich gefragt: Was soll das?“ Gerade nach dem 11. September, als Furcht und Hysterie um sich griffen, blieb Freiberg besonnen. Er widersetzte sich mit Erfolg allen Plänen, der Bundeswehr Aufgaben im Inland zu übertragen oder die klare Trennung von Polizei und Nachrichtendiensten zu verwässern. SPD-Innenminister Otto Schily grüßte ihn bei Beamtentreffen gern mal mit einem Knurren, das man durchaus als Respekt vor einem lästigen Widersacher werten konnte. Freiberg warnt, damals wie heute: „Die ewigen Forderungen nachhärterenGesetzen sollen oft nur übertünchen, wie der Staat tatsächlich in die Polizei zu investieren bereit ist – letztlich zu Lasten der Sicherheit.“ Abbau von Stellen, Schließung von Wachen auf dem Land, als Reform getarnte Kürzungen an Geld, Ausrüstung und Personal: „Wir haben heute 10 000 Polizisten weniger als früher, aber mehr Gesetze.“ Kein Zweifel, umgekehrt wäre es ihm lieber. Jetzt muss, oder will, er loslassen. Freiberg hat spät geheiratet, aber einen Job, der das Privatleben auffressen und mit sich bringen kann, dass man 250 Nächte im Jahr in Hotelzimmern schläft. Er hat sich nun entschieden.

(Quelle:Joachim Käppner;süddeutsche Zeitung)

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