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13. Juli 2010

Konrad Freiberg Polizist und Gewerkschaftschef vor dem RĂĽckzug ins Private

Er hat einen Lieblingssatz, und der heißt: „Das will ich einmal ganz deutlich sagen.“ Gut, das behauptet in Politik und Verbandswesen mancher von sich und speziell dann, wenn er viele Worte macht, ohne dabei etwas zu sagen. Doch das kann man von Konrad Freiberg, dem scheidenden Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), wirklich nicht behaupten. Seine Botschaft ist stets klar und knapp, seine verbale Artillerie von schwerem Kaliber. Wie das bei dieser Waffengattung so ist, sind die Treffer schwer, aber nicht in jedem Einzelfall zielgenau. So könnte Freibergs jüngste Forderung nach Sondergesetzen bei Gewalt gegen Polizisten, die angeblich immer schlimmer werde (aber sagte die GdP das nicht schon zu Zeiten von Wackersdorf und Startbahn West?), die falschen Prioritäten setzen: Wenige Tage zuvor hatte amnesty international der deutschen Polizei nämlich ein wenig vorteilhaftes Zeugnis ausgestellt, dem zufolge, freundlich gesagt, zu viele Beamte mit dem Schlagstock etwas zu locker bei der Hand sind. Dennoch geht mit dem 58-jährigen Hamburger Freiberg, der sich im November in den Ruhestand zurückziehen wird – Nachfolger soll sein Vize Bernhard Witthaut werden –, kein Hardliner. Er war als GdP-Chef zehn Jahre lang sogar ein Gegengewicht zu einer Politik, für die, allzu oft, nur das verschärfte Gesetz ein gutes Gesetz ist. Er teilt nicht die Ansicht, durch immer mehr Sicherheit garantiere der Staat die Freiheit. Das mag daran liegen, dass Freiberg 1968 zur Polizei kam als ein junger, von Willy Brandt überzeugter Sozialdemokrat – und wie dieser entschlossen, mehr Demokratie zu wagen, und sei es im eigenen Apparat. Der war noch straff militärisch organisiert und von Veteranen beherrscht, die sehr wenig Gefallen an langhaarigen Nachwuchspolizisten hatten; erst recht nicht, wenn diese Initiativen zur Abschaffung des militärischen Grußes und der Kriegswaffen bei der Polizei ins Leben riefen. „Ich habe damals in der Ausbildung noch Handgranaten geworfen und mit dem MG geschossen“, sagt Freiberg, „und mich gefragt: Was soll das?“ Gerade nach dem 11. September, als Furcht und Hysterie um sich griffen, blieb Freiberg besonnen. Er widersetzte sich mit Erfolg allen Plänen, der Bundeswehr Aufgaben im Inland zu übertragen oder die klare Trennung von Polizei und Nachrichtendiensten zu verwässern. SPD-Innenminister Otto Schily grüßte ihn bei Beamtentreffen gern mal mit einem Knurren, das man durchaus als Respekt vor einem lästigen Widersacher werten konnte. Freiberg warnt, damals wie heute: „Die ewigen Forderungen nachhärterenGesetzen sollen oft nur übertünchen, wie der Staat tatsächlich in die Polizei zu investieren bereit ist – letztlich zu Lasten der Sicherheit.“ Abbau von Stellen, Schließung von Wachen auf dem Land, als Reform getarnte Kürzungen an Geld, Ausrüstung und Personal: „Wir haben heute 10 000 Polizisten weniger als früher, aber mehr Gesetze.“ Kein Zweifel, umgekehrt wäre es ihm lieber. Jetzt muss, oder will, er loslassen. Freiberg hat spät geheiratet, aber einen Job, der das Privatleben auffressen und mit sich bringen kann, dass man 250 Nächte im Jahr in Hotelzimmern schläft. Er hat sich nun entschieden.

(Quelle:Joachim Käppner;süddeutsche Zeitung)

Artikel aus der SZ

Einträge:

…ich bin sprachlos angesichts dieses Artikels in einer sogenannten “Qualitätszeitung” wie der SZ. Und da wird jemanden wie Sarrazin “Populismus” vorgeworfen ?. Na ja, irgendwann erreicht auch Herrn Käppner die Raelität dieses Landes im berĂĽhmten RotweingĂĽrtel seinere Klientel. Wen wird er dann rufen ? Die, die dann nicht mehr da sind oder nicht mehr kommen wollen /können ?. Viel SpaĂź dann Herr Käppner. Sie werden niemanden leid tun, sie haben es so gewollt und herbei geschrieben.

P.S.: Lieber Kollege Freiberg…sei dir sicher, die Kollegen wissen dein Lebenswerk zu wĂĽrdigen !

Eintrag von Mr T. am 13.Juli 2010


Schade,

auch als Nichtgewerkschaftsmitglied habe ich ihn dennoch geschätzt.Wünsche dem Kollegen alles Gute.

Eintrag von gelegenheitsgast am 13.Juli 2010


Ein Guter geht, ein sehr Guter.
Aussprechende Anerkennung für die Leistungen, die stets zu unser aller Wohl erbracht wurden und für die er erbittlich gekämpft hat.
Danke.

Eintrag von Flat75 am 14.Juli 2010


Mit Konrad Freiberg geht ein Kapitän von Bord, der den Interessen ALLER Polizeibeschäftigten eine deutliche Stimme verliehen hat. Gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit ! Ich war von seinem rhetorischen Geschick mehr als einmal begeistert.

Herrn Freiberg sage ich Chapeau und Danke für den langjährigen persönlichen Einsatz zu unser aller Wohl !

Von seinem designierten Nachfolger Bernhard Witthaut, habe ich aus Niedersachsen schon viel Gutes gehört und darf ihm schon jetzt viel Glück und Geschick bei seinem Tun und Handeln wünschen.

MfG
kimi

Eintrag von kimi am 14.Juli 2010


WĂĽnsche ihm alles erdenktlich Gute. Ein groĂźartiger Verteidiger polizeilicher Strukturen.

Eintrag von erlich am 14.Juli 2010


… niemals geht man so ganz!

Geniesse deine Familie

Eintrag von BKE PVB am 14.Juli 2010


Konrad Freiberg hat der Polizei Verhältnismäßigkeit im Umgang mit dem Bürger und mit sich selbst nahe gebracht. Das ist sein großes Verdienst.

Aber im richtigen Leben gibt es immer Leute, die alles zurĂĽckdrehen. Und deren Mittel und Methoden sind feiner und effektiver geworden….

Jetzt brauchen wir jemanden, der die GlacĂ©-Handschuhe auszieht…..

Eintrag von :-( am 16.Juli 2010


Sind das hier Nachrufe? Noch ist Konrad Freiberg unser GdP- Vorsitzender- ich erwarte noch einige passende Worte zur Polizei und zur Innenpolitik!
Und unser “Kony” kommt bestimmt auch noch mit dem einem oder anderen gut raus!
Also…

Eintrag von matthias HH am 16.Juli 2010


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