Burnout – Studie den Personalvertretungen vorgestellt

In einem beeindruckenden Vortrag hat Prof. Dr. Irmtraud Beerlage die Ergebnisse der Studie „Organisationsprofile, Gesundheit und Engagement in Einsatzorganisationen“ – die sogenannte Beerlage Studie –  und dabei besonders die dort erarbeiteten Ergebnisse für die Bundespolizei am 1. September 2010 im Bezirkspersonalrat und am 8. September 2010 im Hauptpersonalrat vorgestellt.

In einem wissenschaftlich vollkommen unstrittigen Prozess wurden in den Jahren 2007 und 2008 mit aussagekräftigen Befragungsinstrumenten unter sorgfältiger Auswahl der beteiligten Dienststellen, in einem breiten Spektrum von Aufgaben und regionalen Besonderheiten, Belastungen und wahrnehmbare Resourcen erhoben. Wie bereits öffentlich bekannt, wurden dabei im Bereich der Bundespolizei insgesamt massive, quantitative Arbeitsbelastungen festgestellt, die sich negativ auf das psyhische Wohlbefinden der betroffenen Kolleginnen und Kollegen auswirken und in der Folge bereits zu einer deutlich höheren Burnoutquote (im Jahr 2007 wurden 15 % und im Jahr 2008 bereits 25,4 % hoch ausgebrannter Kolleginnen und Kollegen gemessen) geführt haben.

Dies stellt eine massiv negative Abweichung sowohl zu den ebenfalls gemessenen Rettungsdiensten und Berufsfeuerwehren, aber auch zu den, im gleichen Prozess gemessenen Polizeien der Länder dar. In der Folge haben im Jahr 2008 74,8 % der gemessenen Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei eine eher geringe Verbundenheit mit ihrer Organisation dargestellt.  Auffällig ist weiter, dass die Ressourcen Kommunikationskultur, Fairness und Gerechtigkeit sowie Kontrolle und Handlungsspielraum insgesamt negativ aber in der Bundespolizei noch ein Stück negativer ausgeprägt sind. Prof. Beerlage machte auch deutlich, dass Burnout keine Krankheit ist. Burnout entwickelt sich jedoch dann, wenn der Überlastungsprozess nicht gestoppt wird, über den, in der Bundespolizei zunehmend wahrnehmbaren Burnout – Zynismus und der zunehmden Belastung des inneren Wohlbefindens und der inneren Ruhe zwangläufig hin zu Erkrankungen.

Nachfolgend stellen wir die Präsentation zur Verfügung – Leider in Schwarz-Weiß, da die Datei in Farbe zu groß war.

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„Die Ergebnisse dieser Studie sind zusammen mit den, ebenfalls in Kürze vorliegenen Ergebnissen der  Klartext 2010 – Studie der Technischen Universität Chemnitz für die Bundespolizei und ihre 40.000 Kolleginnen und Kollegen eine riesige Chance.

Wenn es gelingt, mit diesen unstrittigen Ergebnissen, gemeinsam und aktiv über alle Ebenen die überlastenden Rahmenbedingungen in der Bundespolizei abzubauen, können wir in ein paar Jahren wieder deutlich bessere und gesündere Rahmenbedingungen in der Bundespolizei haben. Bei diesem Prozess müssen und können alle Kolleginnen und Kollegen in der Bundespolizei mitgenommen werden.

Die verloren gegangene Glaubwürdigkeit muss zurückgewonnen und neues Vertrauen aufgebaut werden. Prof. Beerlage hat dazu klare Handlungsempfehlungen vorgeschlagen.  Weitere Handlungslinien müssen gemeinsam erarbeitet werden. Ich weiß, dass das idealisiert klingt. ich weiß aber auch, dass wir zu diesem Prozess keine wirklich ernstzunehmende Alternative haben. Nahezu alle, die heute in der Bundespolizei arbeiten, werden absehbar auch in der Bundespolizei in Rente bzw. in Pension gehen.

Deshalb kann es uns allen nicht egal sein, wie diese Organisation heute aussieht und wie die Organisation in fünf oder zehn Jahren aussieht. Es hat überhaupt keinen Sinn, sich immer stärker auch selbst zynisch dazu aufzustellen und  sich damit noch stärker in den Frust zu reden.

Wir als Gewerkschaft der Polizei werden uns jedenfalls mit allen, unseren Möglichkeiten dazu einbringen, dass dieser Weg ein erfolgreicher Weg sein kann. Und wir werden dabei mit jedem offen und fair zusammenarbeiten, der, wie wir, die vorhandenen Probleme ehrlich wahrnimmt und, wie wir, die notwendigen Veränderungen auch durchsetzen will!

Es geht um nicht weniger als um die Zukunft der zweitgrößten Polizei in Deutschland und von 40.000 Menschen. Nicht der Weg in immer mehr Zynismus sondern der Weg hin zu mehr Menschlichkeit ist unser Weg. Wir können ihn gemeinsam gehen. Jeden Tag, an jeder Dienststelle und auch hier in unserem Forum. Ein besseres Klima in der Bundespolizei – Dafür lohnt es auf jeden Fall sich einzusetzen. Mögichst viele, burnoutfreie Dienststellen in der Bundespolizei, das ist unser Ziel,“ so Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, Bezirk Bundespolizei.

Nachfolgend stellen wir die Präsentation zur Verfügung – Leider in Schwarz-Weiß, da die Datei in Farbe zu groß war.

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Themenbereich: Internes & Personalien | Drucken