Lasten der Beamtenversorgung: Billige Polemik vernebelt Unterschlagung von Beiträgen

Berlin: „Mit billiger Polemik soll vertuscht werden, dass die Politik sei Jahrzehnten die von den Beamten geleisteten Beiträge für ihre Altersversorgung unterschlagen hat“, kommentiert der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, die jüngsten Angriffe von Steuerzahlerbund und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IDW) auf die Höhe der Beamtenpensionen und die Höhe der Versorgungslasten.

Die Einkommen der Beamten seien von jeher niedriger als die der Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft. Witthaut: „Es hat immer geheißen: Wenn Du Beamter wirst, verdienst Du weniger, aber das kommt Deiner späteren Versorgung zugute. Experten haben errechnet, dass mit diesen niedrigen Einkommen ein Versorgungsbeitrag von rund 7 v.H. von den Beamten geleistet wurde. Dieses vorenthaltene Gehalt haben die Politiker verpulvert, statt Rücklagen aufzubauen. Ich nenne das schlicht Unterschlagung.“

Wenn jetzt die Öffentlichkeit mit hohen Versorgungslasten, die bei den Ländern aufgelaufen seien, verunsichert werden solle, so diene das nur dem Zweck, die weitverbreiteten Vorurteile über so genannte Beamtenprivilegien zu bedienen, so Witthaut weiter.

Witthaut: „Die abertausend Beamten bei Polizei, Bahn und Post hat in der Vergangenheit niemand um die Höhe ihrer Besoldung beneidet. Auch ihre Ruhestandsbezüge können oft nicht mit den Renten von Arbeitnehmern konkurrieren, die – wie ebenfalls in der Vergangenheit üblich – zusätzlich durch lukrative Betriebsrenten aufgestockt werden.“

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Themenbereich: Aus dem Bundesvorstand | Drucken

17 Kommentare
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  1. Richtig so! Diesen Artikel will ich nun auch in der Bild, im Spiegel, im Focus und der FAZ sehen, nicht nur hier, wo kaum ein Nicht-Polizist hinschaut. Diese Sau muss genauso oft durchs Dorf getrieben werden (am Besten monatlich), wie die Politik und der Steuerzahlerbund, sowie deren Experten die Beamten, durch solche Kommentare, immer zu neuen Abstrichen zwingen will.

    Sollte meine Pension in Zukunft aufgrund von Gesetzesänderungen unter die derzeitigen paarundsiebzig Prozent fallen, dann ist es mit meiner Loyalität gegenüber der etablierten Politik endgültig vorbei……

  2. Betrachten wir doch mal die Zahlen:

    global news 2265 11-01-11: Deutschland: Land der spaltenden Hetze gegen Arbeitslose, Islamisten, Rentner und jetzt mal wieder Beamte

    „Im Übrigen ist die Zahl von 3 Billionen Euro angeblicher Pensionslasten so nicht nachvollziehbar. Nach dem 4. Versorgungsbericht der Bundesregierung von 2009 kosteten die Versorgungsleistungen für die Beamten von Bund, Ländern und Gemeinden 2007 gerade einmal 25 Mrd Euro oder 1 % der deutschen Wirtschaftsleistung, also weit von jedem Betrag, der Deutschland nach WaS ersticken könnte. Aus dem Interview mit Verbandspräsident Karl Heinz Däke ergibt sich deutlich, daß es sich bei den drei Billionen Euro nicht nur um die Altersansprüche aller Staatsdiener sondern auch die Gehälter aller aktiven Beamten handelt. Man sieht, wie unsauber die Journalie hier in ihrer Propagandawut gearbeitet hat.“

    Quelle:
    http://www.jjahnke.net/rundbr80.html#2265

    Unter dem Link findet ihr alle vergleiche in Zahlen, Fakten, Diagrammen und Ländervergleiche.

    Eigentlich müßten sich die Gewerkschaften hier zusammentun und die Sache mal klarstellen lassen und zwar mit der Auflage an das Blatt, einer Richtigstellung. Aber bitte auf Seite eins. Wenn notwendig auch durch ein Gericht, bei Prommis und Politniks Funktioniert es ja auch.

    Aber haben wir auch den Mut dazu?

  3. @ Andreas Wiedner

    Ich stimme dem GdP-Vorsitzenden, wie auch Dir, voll zu.
    Nur, ich denke die Pensionen werden unter die 70 % – Marke fallen. Wir werden bald die Zeche dafür zahlen müssen für den Einstellungswahn im öffentlichen Dienst unter der Regie dersten Regierung Willy Brandt (1969 – 1974), die den ÖD vollkommen aufgebläht haben (wobei ich nicht die Polizei meine). Wenn diese Beamten in den nächsten Jahren in Pension gehen schaun mer mal wie es dann aussieht.

    Schönen Tag noch

  4. Sehr guter Beitrag, nur hier liest ihn keiner außer den paar GdP Mitgliedern.

    Wie Kollege Wiedner schon schrieb gehört dieser Artikel in alle Zeitungen und vor allem in das Boulevarblatt „Bild“.

    Den Menschen in Deutschland wird bzgl. des Beamtentums schon seit Jahrzehnten das blaue vom Himmel vorgelogen und ihnen so absichtlich etwas falsches vorgegaukelt.

    Ich denke da nur an die Bild welche (2009 oder 2010) die Rente eines durchschnittlichen Arbeinehmers mit der Pension eines Beamten der Besoldungsgruppe A 15 verglichen hat. Einfach lächerlich!

    Bitte geht hier mal an die Öffentlichkeit

    Gruß Frage

  5. Passt wieder ins Bild, gestern hat man auch wieder unseren Innenminister im TV warnehmen dürfen (ging um Lohnerhöhungen im ÖD) mit der sinngemäßen Aussage:“ auch der ÖD muss sich der derzeitigen Lage stellen“.
    Wir sind seit Jahren nur am abwehren, dass es nicht schlimmer kommt, es werden Forderungen um Forderungen erhoben. Die eine oder andere kommt schlußendlich wieder durch und führt dazu, dass uns noch mehr genommen wird, zwar nicht soviel wie zuerst gefordert, aber immerhin doch, dass es zu Arbeitszeit- oder Einkommenseinbußen kommt.
    Wir kommen überhaupt nicht dazu (keine Kritik an der GDP!) in die Offensive (Verbesserungen) zu gehen, da wir immer nur die Vorschläge der Politik abwehren oder abmildern müssen.
    Man kommt sich vor, als muss man unendlich dankbar sein, Polizist zu sein. Was für eine Gnade.
    Ich bin noch nicht soweit (der Beruf macht mir Spass!), aber irgendwann, werde ich mir die Einbußen auf anderem Wege zurück holen. Ich hoffe es kommt nicht dazu, aber wer weiß, wie ich mich in 10 Jahren fühle.

  6. also bei der Bahn wollen sie 6 % mehr…6!!!nicht 0,6 wie bei uns…und da hat die Bahn schon 3 Prozent angeboten…freiwillig. Da wird man sich dann irgendwo bei 4,5% treffen. warum?? Weil sonst kein Lokführer mehr in den Führerstand steigt.
    Und bei uns???Latschen alle schön zum Dienst und der Laden läuft ja nach außenhin…
    Warum also mehr zahlen??
    Danke Dienstherr!

  7. Ich kann mich dem Kollegen Wiedner nur anschließen. Eine Richtigstellung (gern auch als eingeklagte Gegendarstellung) auf Seite 1 der täglichen Sensations-Heische des Springer-Verlages wäre angenehm. Wen es interessiert: auf der Internet-Seite des dbb ist eine Broschüre veröffentlicht, was es denn mit den sogenannten „Privilegien“ auf sich hat (nämlich nichts, wenn man es seriös betrachtet).
    Aber mal ehrlich: welcher mündige Durchschnittsbürger möchte sich sein schönes Vorurteil gegen Beamte durch Fakten kaputtmachen lassen…?
    Ich würde mir eine Riesen-Kampagne zur Klarstellung wünschen, die mit diesem Mumpitz endlich einmal aufräumt und zwar nicht nur in dem Käseblatt von Springer, sondern in allen Zeitungen. Brandmarkt doch diese Spinner endlich einmal als die Lügner, die sie sind.

  8. Mir platzt der Arsch, wenn man sich die Beiträge in den verschiedensten Boulevard-Blättern durchliest, zu der Stellung des Beamten in unserer Republik. Jetzt erst in der neuen Ausgabe des Sterns.
    Da wird eine Komissarin in ihrer Altersversorgung mit einem Arbeitnehmer verglichen.
    Ich will das Fass gar nicht erst aufmachen: „…hätte der ein oder andere in der Schule früher besser aufgepaßt, hätte….“
    Nein ein Arbeitnehmer, nehmen wir mal einen Handwerker, hat eben nicht einen vergleichbaren Bildungsstand gegenüber einem Polizeibeamten, der ein Studium durchlaufen mußte, um dieses Amt zu erreichen.
    Außerdem sind die alt hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums so, dass sie mit keinem vergleichbaren Beruf in einen Sack gesteckt werden können.Stichwort Dienst und Treuepflicht. Die „Fürsorgepflicht“ des Dienstherren setze ich mal in „“.
    Wir haben soviele Pflichten , können nicht streiken, uns nicht wehren. Wir müssen und mußten Einbußen hinnehmen, von Arbeitszeiterhöhungen mal ganz abgesehen, Streichung Urlaubsgeld/ Weihnachtsgeld,etc.
    Wenn man den Faktor Arbeitszeit mit einem Mitarbeiter von VW vergleicht, so kommen einige Stunden Mehrarbeit eines Polizisten gegenüber dem VW Arbeiter zusammen.Von der Überstundenvergütung speziell an den Wochenenden nicht zu sprechen. Das aufs Jahr hochgerechnet, verbunden mit den finanziellen Einbußen kann man nicht oft genug erwähnen, wenn mal wieder über „der“ Beamten öffentlich an den Pranger stellt, der zuviel verdient und überversorgt in Pension geht.
    Liebe Kollegen halten Stand und kämpft weiter für uns!

    Munter bleiben, irgendwie!

  9. Ich hoffe, dass uns endlich mal die Wahrheit gesagt wird.
    Wie sieht unsere Zukunft aus? Können wir uns auf unseren Dienstherrn verlassen? Die ständigen Diskussionen über die Pensionen, Krankenversicherung (ist dann meine Anwartschaftsversicherung für die Katz?), Pflegeversicherung verunsichern mich doch sehr.
    Ich vermute, dass uns irgendwann die Hosen runtergezogen werden und dann stehen wir mit nichts da. Wenn man mir heute sagen würde, dass meine Pension drastisch gekürzt werden muss, dann kann ich leider nicht mehr Volltags bei der Bundespolizei arbeiten. Nein, dann muss ich mir ein zweites Standbein (ausserhalb der Bundespolizei)aufbauen.
    Traurig für die Kollegen die kurz vor ihrer Pension stehen und nichts mehr tun können. Ich hoffe, dass unsere Gewerkschaften jetzt in die Offensive gehen und der Politik ihre Grenzen aufzeigen. Viel Glück dabei!!!

  10. Im letzten Jahr habe ich es schriftlich bekommen von der OFD 1450 Euro Netto Pension, abzüglich Krankenversicherung ca. 1200 für jeden Monat übrig als A9, ist nicht viel für die ganzen Jahre.
    Pensionseintritt 03/2016
    Viele Kollegen lachen sich darüber eins, manche sagen aber auch „Was werden wir wohl bekommen?“.

  11. @ arnoheinze@freenet.de

    Da kann etwas nicht stimmen!
    Das aktuelle Mindestruhegehalt (A 4 Enststufe zugl. Erhöhungsbetrag) beträgt 1.395,87 EUR. (§ 14 BeamtVG).

    Grüße

  12. Die Pension ist auf Pensionsbeginn 03/2016 berechnet und stimmt.

  13. @ arnoheinze@freenet.de

    A9, 60 Jahre alt (03/2016),der bekommt mehr als 1450 Euro Pension.
    Das was du ansprichst mit 1450 Euro ist der mindest Pensionsanspruch z.b. wegen PDU. Den erhält jeder, wenn er Beamter auf Lebzeit ist und in jüngeren Jahren aus dem Dienst „entlassen“ wird.

  14. @Eintrag von Controller am 11.Januar 2011

    Es stimmt, was Du schreibst, jedoch kennen wir ja nicht die Eckdaten von Arno. Kann ja sein, dass er seine Jahre nicht vollbekommen hat oder früher in Elternzeit war, oder in der freien Wirtschaft war und erst später Beamter geworden ist, oder unbezahlten Urlaub hatte. Das wird ja alles abgezogen, teils zwar wieder mit Zulagen aufgehübscht aber es zählt mit rein.
    Für ein A9 wäre die Pension allerdings gering….

    @Dirk Oetzmann: Dein ersten Satz trifft ins Schwarze!

    Ich hab noch einen, der passt gut rein: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr, urteilt selbst:

    http://www.dbb.de/dbb-beamtenbund-2006/3155_4614.php

    Anm. der Redaktion: Der Beitrag wurde gekürzt, da der o.a. Link auf den Artikel verweist.

    Die Redaktion

  15. Mit dieser Diskussion soll doch nur von der Überversorgung der Mandatsträger abgelenkt werden. Wir füttern zudem, gemessen an der Bevölkerungszahl, immer noch das größte Parlament der Welt durch. Dort könnte man sicher mal über Reformen nachdenken. Wie überall gilt auch hier : Masse ist nicht automatisch Klasse….

  16. Hier der nächste Fauxpas des DBB!!!
    http://www.dbb.de/dbb-beamtenbund-2006/3155_4644.php

    Ich bin ja ehrlich: Derzeit bin ich noch in Elternzeit und bevor ich wieder in den aktiven Dienst „wechsel“, möchte ich auch wieder Mitglied einer Gewerkschaft werden. Da ich das Laufbahnverlaufsmodell Bundespolizei von DPolG / BGV sehr gut finde und unterstütze, wollte ich dort Mitglied werden. Was jedoch der DBB als Dachverband, bezüglich des Streikrechts für Beamte von sich gibt, ist unter aller Kanone und spiegelt unter Garantie nur die Meinung des Vorstandes (Heesen und Stöhr) wieder, nicht die der Basis! Die Leute heben immer mehr ab!
    Tja, für mich ist das ein No-go! Der DGB sieht dies anders….. daher kann sich die GdP bald über eine neues Mitglied freuen…

    Viele Grüße
    Andreas

  17. Lieber Andreas,
    wir freuen uns auf Dich und heißen Dich schon jetzt im Kreis von 20.000 Kolleginnen und Kollegen des Bezirks Bundespolizei willkommen.
    Das Laufbahnverlaufsmodell der Beamtenbundsgewerkschaften ist übrigens auch nur eine Täuschung.
    Der Beamtenbund hat im Rahmen der Gesetzgebung zum Dienstrechtsneuordnungsgesetz im Unterschied zur Gewerkschaft der Polizei kein eigenes Laufbahnrecht für die Bundespolizeien eingefordert. Er hat sich vielmehr für ein Laufbahnrecht ausgesprochen, dass ganz ausdrücklich bei jedem Laufbahnwechsel eine Prüfung vorsieht. Damit hat der Beamtenbund genau das Gegenteil davon getan, was er in seinem Laufbahnverlaufsmodell fordert und dieses zu einem Zeitpunkt, wo er sein Laufbahnmodell schon breit veröffentlicht und Stimmen bei den Personalratswahlen damit eingeworben hatte.Du bist auf dem richtigen Weg.
    Herzliche Grüße
    Die Redaktion