Mitgliederzahlen der DGB-Gewerkschaften: Immer mehr Berufstätige

Trotz Krise und demografischer Entwicklung ist es den Gewerkschaften 2010 gelungen, die Mitgliederzahlen bei rund 6,2 Millionen zu konsolidieren und zu stabilisieren. Gegenüber 2009 ist der Mitgliederrückgang von 1,7 auf 1,1 Prozent gesunken und liegt damit deutlich unter dem der Vorjahre. Drei Gewerkschaften, die GEW, die GdP und die NGG, konnten 2010 ein Mitgliederplus erzielen.

Ende 2010 zählten die acht DGB-Gewerkschaften 6193252 Mitglieder. Im Schnitt sind 2010 täglich 750 Menschen neu in die Gewerkschaft eingetreten. Im Vergleich zu 2009 hat sich die Zahl der Abgänge verringert.

Das gilt auch für die vom massiven Rückgang der Beschäftigtenzahlen in der Baubranche besonders gebeutelte IG BAU: Die Zahl der Austritte habe sich seit 2005 nahezu halbiert, erklärt der IG BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel. Es sei absehbar, dass sich die Lücke zwischen Zu- und Abgängen weiter schließe.

Das ist der IG Metall bereits 2010 geglückt – trotz Krise. Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, betont, dass es 2010 gelungen sei, die Mitgliederentwicklung von der Beschäftigungsentwicklung zu entkoppeln. Zwar sind in der Krise zwischen Januar 2009 und Mai 2010 rund 200000 Arbeitsplätze im Organisationsbereich der IG Metall abgebaut worden, und 150000 Leiharbeitskräfte haben ihren Job verloren, dennoch ist die Zahl der Mitglieder in den Betrieben lediglich um 0,3 Prozent gesunken.

„Stabil durch die Krise“

„Die IG Metall ist stabil durch die Krise gekommen. Wir haben unsere betriebliche Stärke gehalten“, erklärt Wetzel. So sei es gelungen, die Zahl der Neuaufnahmen im Jahresvergleich um 7,9 Prozent auf rund 92000 zu erhöhen. Die Austritte konnten um 7,6 Prozent verringert werden. „Dies haben wir den vielen Projekten, Initiativen und Kampagnen zu verdanken, die wir in den letzten Jahren angestoßen haben“, betont Wetzel. Allein die LeiharbeiterInnen machen zehn Prozent der Neuaufnahmen aus.

Mehr Berufstätige

Der Anteil der Mitglieder, die aktiv im Berufsleben stehen, blieb bei den meisten Gewerkschaften 2010 stabil. Viele konnten ihn sogar erhöhen. Etwa ver.di: Im dritten Jahr in Folge ist es ver.di gelungen, die Zahl der erwerbstätigen Mitglieder zu steigern. Damit ist der Anteil erwerbstätiger Mitglieder, der im Dezember 2001 bei gut 70 Prozent lag, auf über 75 Prozent gestiegen. Zwar hat ver.di 2010 insgesamt 43745 Mitglieder weniger als im Vorjahr. Der Rückgang sei aber vor allem auf Austritte von Rentnern und Arbeitslosen zurückzuführen, so der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Vor allem in Tarifrunden steige die Zahl der Mitglieder: „Wenn sich Dinge zuspitzen, steigt die Bereitschaft der Beschäftigten zum Eintritt in die Gewerkschaft spürbar.“

Wieder Plus bei GEW und GdP – jetzt auch bei NGG

Die GEW hat die Trendwende erreicht. Nach 2008 und 2009 kann sie auch 2010 ein Mitgliederplus vorweisen. „Insbesondere in den Tarifauseinandersetzungen ist es gelungen, viele Beschäftigte für die GEW zu gewinnen. Außerdem ernten wir jetzt die Früchte der Mitgliederoffensive, für die der Gewerkschaftstag 2005 den Startschuss gegeben hat“, erklärt der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Auch die GdP hat 2010, wie bereits im letzten Jahr, gegenüber dem Vorjahr ihre Mitgliederzahl um 0,9 Prozent erhöht. Das gilt auch für die NGG, obwohl es etwa in der Hotel- und Gaststättenbranche mit vielen kleinen Betrieben und prekär Beschäftigten schwierig ist, Mitglieder zu gewinnen. Die NGG führt ihren Erfolg vor allem auf ihre betriebsnahe Tarifpolitik sowie ihr konsequentes Eintreten gegen prekäre Beschäftigung und für einen gesetzlichen Mindestlohn zurück.

Erscheint in: einblick 2/2011 vom 31.01.2011

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