GdP: Kein Personal für Pirateriebekämpfung

Berlin/Hilden, den 05. Februar 2011: „Die Forderung der deutschen Schiffsreeder, Bundespolizistinnen und Bundespolizisten zur Pirateriebekämpfung auf ihren Handelsschiffen einzusetzen scheitert schon daran, dass die Bundespolizei für diese Aufgabe überhaupt kein Personal zur Verfügung hat“. Das stellte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bezirk Bundespolizei, Josef Scheuring (57) in Berlin fest.  „Die Bundespolizei verfügt mit dem § 6 des Bundespolizeigesetzes über die gesetzliche Ermächtigung für eine solche Aufgabe, sie ist aber mit ihren derzeitigen, gesetzlichen Aufgaben im In – und Ausland nicht nur voll ausgelastet sondern in Teilbereichen bereits deutlich überlastet. Die Folgen daraus sind in der Bundespolizei durch massive Burnoutraten und stark zunehmende, überlastungsbezogene Erkrankungen überdeutlich. Obwohl der Bundesregierung diese Situation auch durch eine Studie der Hochschule Magdeburg – Stendal bekannt ist, hat sie auch im Jahr 2010 weiter Personal bei der Bundespolizei abgebaut und will diesen Personalabbau auch die nächsten Jahre fortführen,“ so Scheuring. Für eine, auch nur halbwegs funktionierende Piratenabwehr müßten nach Auffassung der GdP mindestens 1.000 gut ausgebildete Polizistinnen und Polizsten eingesetzt werden. „Dies würde massive Sicherheitslücken besonders bei der Terrorbekämpfung im eigenen Land aufreißen und zu weiteren, krankmachenden Überlastungen bei der Bundespolizei führen“, so Scheuring.

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16 Kommentare
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  1. Die Stellungnahme der GdP ist absolut richtig.

    Darüber hinaus ist es ein Hohn, wenn (millionenschwere) Schiffsreeder ihre Schiffe zuerst nach Billiglohnländern ausflaggen um an Lohnkosten, Sozialleistungen und an Sicherheitsstandards zu sparen und dann nach Schutz durch die Deutsche Polizei rufen.

    Da sollten die Herren Reeder mal ansetzen, wenn man solche Pläne diskutieren möchte !!

    MfG
    kimi

  2. Ich sehe neben dem personellen Problem auch noch ein materielles. Mit welchen Waffen sollen wir das denn tun???? Nur mit einer P30 oder MP5 ist das ja wohl eine Witzidee, wenn ich im TV so sehe, was unsere „Kundschaft“ da so an Ballermännern mit sich trägt. Oder glauben die Damen und Herren etwas, wir könnten die Piraten beim 5-Uhr Tee taskmäßige von ihrem Tun abbringen?

    Also ich fahre da unterhalb einer GAU-8/A Avenger 30 mm seven-barrel Gatling gun (4500-6000 Schuss/Min) nicht runter.

  3. @ kimi. Volltreffer !!!!
    Die Praxis des Ausflaggens wurde seit Ende der 80er Jahre intensiv praktiziert. Tausende Jobs in Deutschland und bei guten z.B. portugisischen Seeleuten, die zuvor Jahrzehnte in Deutschland (auf Deutschen Schiffen) gearbeitet und hier ihre Steuern bezahlt haben, sind durch Kiribatis und Filipinos, die unter zum Teil sklavenähnlichen Bedingungen auf deutschen Schiffen gearbeitet haben ersetzt worden.
    -Fahrzeiten von bis zu DREI JAHREN ohne die Familie gesehen zu haben,erlebte ich persönlich mit.
    -Hungerlöhne von ca. 300 $US/Monat für körperliche Schwerstarbeit waren keine Seltenheit.Die haben ihr Geld nur durch massig Überstunden „verdient“.
    -schlechte Ausbildung, insbesondere bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten, aber auch im allgemeinen Schiffsbetriebsdienst.

    Wieviel Geld die Reeder,Schiffseigner(Aktionäre) und sonstige hierbei verdient haben wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

    Jedenfalls sind das meine persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, als ich noch auf Großer Fahrt mitte der 80er bis Anfang der 90er weltweit unterwegs war.

    Erst nachdem die Branche für den Nachwuchs so uninteressant wurde, haben Verdi, das BVM, sowie der Verband deutscher Reeder im „Maritimen Bündnis“ 2003 gegengesteuert. Im Jahre 2009 fehlten rund 10000 qualifizierte Schiffsoffiziere weltweit.Heute fahren wieder rund 500 von rund 3400 Schiffen unter Deutscher Flagge.

    Ich habe Besatzungen erlebt, die bis auf den Kapitän und der ersten Offizier und dem Leitenden Ingenieur nur aus Filipinos bestanden. Sicherheit Ade.

    Außerdem ist Piraterie nicht erst seit den Ereignissen rund um Somalia ein Problem.Nur hat nie ein Hahn danach gekräht.
    Die Fahrtgebiete rund um Ostafrika und im Bereich der Malakastrasse sind schon immer berüchtigte Pirateriegewässer gewesen.Bis Heute.

  4. Nicht nur Personell ist das unter aller Kanone! Materiell sind wir nicht mal annähernd so gut ausgestattet wie die Piraten. Panzerfäuste haben wir nicht anzubieten, auch keine schweren Maschinengewehre.
    Und ne kuschelige „Gefährderansprache“ wie bei uns in Deutschland kann man bei denen getrost knicken. Ausserdem muss der rechtliche Teil stimmen. Wenn ein Boot mit Piraten kommt, ich dass sehe, will ich ohne Vorwarnung ballern können, ansonsten hat das kein Zweck!

    Summasummarum sollte diese Aufgabe dem Militär zukommen! Wir als Polizisten sind für solche Einsätze nicht ausgestattet!

  5. Regierunseigentum: Du spricht´s mir aus der Seele: Bevor ich zu diesem Haufen gekommen bin war ich Seemann!
    1977 hatte die deutsche Seeschifffahrt ihren Höhepunkt: Unter schwarz, rot, gold! Heute führen unsere „deutschen“ Schiffe Flaggen von Inseln, welcher kein Mensch kennt.
    Meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, welcher unter der echten deutschen Flagge gefahren sind und die Pfeffersäcke (Reeder) DICK und REICH gemacht haben, sind heute auf das billigste Rentenkonto angewiesen!!!
    Diese, Entschuldigung,………….. (Reeder), jammern nun nach der Bundespolizei? Die sollen ihre Gewinne mal erst bei den Finanzämtern eintragen! Die richtigen Sklaventreiber und Sklavenhändler sind die Pfeffersäcke in Hamburg und Bremen, oder wo es sonst noch solche bunten Reeder gibt!
    Ich war gerne Seemann, bin heute aber auch gern bei der Bundespolizei!

  6. @kimmi

    Guter Beitrag.

    Eine Behörde der BRD kann nicht auf einem Schiff unter fremder Flagge hoheitlich tätig werden.

    Da werden die Reeder wohl kurzzeitig ihre Schiffe unter deutsche Flagge fahren (in Deutschland Steuern zahlen).

  7. @ hijack

    Mit Deiner Meinung liegst Du falsch!

    SEERECHTSÜBEREINKOMMEN DER VEREINTEN NATIONEN

    Artikel 105
    Aufbringen eines Seeräuberschiffs oder -luftfahrzeugs

    Jeder Staat kann auf Hoher See oder an jedem anderen
    Ort, der keiner staatlichen Hoheitsgewalt untersteht, ein Seeräuberschiff oder -luftfahrzeug oder ein durch Seeräuberei erbeutetes und in die Gewalt von Seeräubern stehendes Schiff oder Luftfahrzeug aufbringen, die Personen an Bord des Schiffes oder Luftfahrzeugs festnehmen und die dort befindlichen Vermögenswerte beschlagnahmen. Die Gerichte des Staates, der das Schiff oder Luftfahrzeug aufgebracht hat, können über die zu verhängenden Strafen entscheiden sowie die Maßnahmen festlegen, die hinsichtlich des Schiffes, des Luftfahrzeugs oder der Vermögenswerte zu ergreifen sind, vorbehaltlich der Rechte gutgläubiger Dritter.

  8. @Andreas Wiedner

    Bitte, was?

  9. Erklär Dich , Du Wicht….mit Bitte, was? ….kann ich nichts anfangen!

  10. @ Thema deutsche Reeder: 2005/2006 herum haben die Reeder Höchstlöhne für nautisches und technisches Personal geboten. Es wurde gar versucht, Personal der Küstenwache abzuwerben.
    Nur wer die Reeder kennt, weiss, wie schnell die wieder Tarif zahlen.
    Die Reeder sind knallhart beim Thema Geld.
    Bei Unterstützung der Reeder sollte die Bundesregierung eine Abgabe verlangen. Diese Abgabe muss aber auch dort ankommen, wo sie benötigt wird und sollte nicht irgendwelche Haushaltlöcher stopfen.
    Weiter denke ich, dass die Piraterie in erster Linie von der Marine bekämpft werden muss. Denn die haben die technische Ausstattung, um auch gegen Piraten vorzugehen, die mit grösseren Waffen aufkreuzen.
    Denn ganze Einheiten der Küstenwache als Geleitschutz Richtung somalische und andere gefährliche Gewässer zu schicken, wäre nicht so klug, da sie gegen die dort stark bewaffnete Piraten schlecht aufgestellt wären.
    Zudem die Fregatten längere Standzeiten in See haben und für längere Einsätze konzipiert sind.
    Ob man hier mit polizeilichen Kräften kooperiert oder gar gemeinsame Einsätze fährt, steht auf einem anderen Blatt.
    Doch die GDP hat vollkommen Recht. Die Bundespolizei ist schon in Punkto innere Sicherheit überbelastet. Sie muss erst einmal im Innenland besser aufgestellt werden. Vor allem was die Personalstärke angeht.

    Nur eines steht auch fest: Solange in Deutschland nur diskutiert wird und man nicht handelt, lachen sich die Piraten ins Fäustchen.
    Indien hat es vorgemacht, wie man gegen Piraten vorgeht.
    Und es muss keiner die Ammenmärchen gewisser politischer Kreise glauben (links, grün etc.) . Die erzählen, dass die Piraten aus Hunger die Schiffe überfallen. Sicher haben die nicht viel, aber die werden von ganz oben gesteuert. Woher sollten die sonst wohl gewisse Waffen haben ? Von ihren Ersparnisse ? Wohl kaum.
    Dahinter steckt eine knallharte Organisation, die erheblich viel Geld daran verdient, wenn ein Schiff ausgelöst wird. Denen ist es auch egal, wenn mal ein Piratenkommando absäuft. Denn dahinter stehen tausende neue Leute Schlange. Die Piraten bekommen ein paar Dollar und die Hintermänner machen sich ein schönes Leben.

  11. Die Piraterie läuft dort ähnlich wie ein Börsengeschäft.Dort kann JEDER sich an einem Überfall beteiligen, indem er z.b. die Waffen für einen Überfall kauft und zur Verfügung stellt. Die Hauptakteure stellen Schnellboote und Personal und der Rest wird durch Beteligung finanziert. Es ist dann wie an der Börse ein Risikogeschäft. Gelingt die Aktion, wird Lösegeld bezahlt, wie lange hat es gedauert (Unterhaltskosten etc.) und es errechnet sich dann ein Gewinn, der dann „Ausgeschüttet“ wird, je nachdem wie man sich beteiligt hat. Misslingt es, ist die Investition weg.

    Man darf aber auch nicht vergessen, dass der dortigen Bevölkerung durch „unerlaubten Fischfang“ durch ausländische Fischereischiffen und durch Giftmüll Verklappung die Lebensgrundlage entzogen wurde.Ich will jetzt nicht die Piraterie als alternative Lebensgrundlage gutheißen, aber solange man die Ursachen nicht angeht, werden die Menschen dort weiterhin von Piraterie leben.

  12. Sind wir doch mal ehrlich.
    Wir auf Schiffen mit dem guten alten G1 bewaffnet erschießen dunkelhäutige Menschen. Also die Bilder will ich mal in der Presse sehen und dann soll mal die Regierung sagen, dass war ok. Ich weiß nicht, irgenwie komisch der Gedanke.

    Aber wir sind ja positiv und hochflexibel. Hier die Lösung:
    * Je Schiff ein Trupp mit 5 Mann (Freiwillige)
    * Pro Tag auf Schiff eine Zulage von 125,- Euro
    * Auszahlungsmöglichkeit von anfallenden Überstunden
    * Pro Mann:
    1 Sturmgewehr + 500 Schuß
    P30 + 3 Magazine
    Kevlarhelm + persönliche Weste mit entsprechender Schutzklasse
    Funk
    Nachtsichtgerät
    usw.
    * Pro Trupp
    Satellitentelefon
    usw.

    Und bei genug Kohle finden sicha uch genügend Freiwillige.

  13. mit augenzwinkern lesen.

    125,- euro pro tag und mann: warum nicht das geld den piraten, die wie ein lotze an bord genommen werden muß, als „schutzgebühr“ zahlen und schon kommen die schiffe gefahrlos durch das gebiet.

  14. Sicherlich finden sich bei entsprechender Bezahlung genug Leute. Aber was willst du mit der Minimalbewaffnung den ausrichten??? Eine Sturmgewehr, eine Pistole???? Lächerlich.

    Mindestens das hier: GAU-8/A Avenger 30 mm seven-barrel Gatling gun (4500-6000 Schuss/Min)

    Und nicht 500 Schuss, sondern 5 Tonnen. Bei der Feuerrate kommst du sonst nicht weit.

  15. Also wenn man sich hier den ein oder anderen Kommentar im Bezug auf einen möglichen Einsatz von Polizeibeamten auf deutschen Seeschiffen anschaut, könnte man meinen wir seien eine Söldnertruppe oder bei der Mafia und keine Polizei eines demokratischen Rechtsstaates !

    Wir sind hier nicht im „Call of Duty“ Forum unterwegs !!!

    Bemerkungen wie:
    „Wenn ein Boot mit Piraten kommt, ich dass sehe, will ich ohne Vorwarnung ballern können,…“

    haben nichts mit Rechtsstaatlichkeit zu tun.

    Andreas, Du solltest wirklich einmal darüber nachdenken ob Du den richtigen Beruf gewählt hast.

    Wer sich sonst noch angesprochen fühlt, sollte einmal darüber nachdenken.

  16. Davon abgesehen, dass wir personell eh am ertrinken sind: Denkt an Oberst Klein u. wie es ihm nach der bombardierung der gestohlenen tanklaster ergangen ist: Nach der abwehr eines piratenangriffes wirst du genauso zerpflückt wie Klein. Die deutsche politik u. öffentlichkeit/presse handeln durchweg nach der maxime: „Wasch mir den pelz, aber mach mich nicht naß!“

    Und der Bund wird den überlebenden, asyl beantragenden piraten, auch noch den rechtsanwalt bezahlen….