„ Klartext gesprochen – Jetzt klare Konsequenzen ziehen!“

Forderungen der Gewerkschaft der Polizei aus der „Strohmeier-Studie“ der Technischen Universität Chemnitz zur Berufszufriedenheit in der Bundespolizei

Die Gewerkschaft der Polizei fordert, dass die politische, ministerielle und polizeiliche Führung der Bundespolizei die „Mitarbeiterzufriedenheit“ zu einem zentralen Anliegen der Organisation macht. Voller Einsatz im Polizeidienst kann nur mit zufriedenen und motivierten Mitarbeitern funktionieren!

1. Belastung senken – Ausgleich schaffen!

Wir brauchen deutlich mehr Personal, um die polizeilichen Aufgaben im In- und Ausland wahrnehmen zu können! Die GdP fordert die Regierungskoalition zur sofortigen Rücknahme der Stellenkürzungen in Vollzug und Verwaltung und einer deutliche Erhöhung der Einstellungszahlen von Polizeianwärtern auf! Nur eine Neuorientierung auf konsequent regionale Personalgewinnung wird der Personalnot vor allem in den Ballungsräumen entgegenwirken. Der Kreislauf „Immer neue Aufgaben mit immer weniger Personal“ muss durchbrochen werden!

Die GdP fordert für die Mitarbeiter im Schicht- und Einsatzdienst deutlich bessere Ausgleichsmaßnahmen und einen umfassenden Ansatz dazu. Die Bundesregierung muss die Forderungen des DGB zur „Neuordnung des Ausgleichssystems für Wechselschicht-, Schicht- und Einsatzdienstleistende des Bundes“ auf die Tagesordnung nehmen und umsetzen!
Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit ist zurückzunehmen und mit der GdP neue, auf den Polizeidienst und die Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmte Rahmenbedingungen für die Arbeitszeit auszuhandeln. Nur durch die Kombination von mehr verfügbarem Personal und fairen Arbeitszeitrichtlinien kann die Belastung durch Mehrarbeit und Wochenenddienste verringert werden.
Durch eine Faktorisierung der langjährig von Polizeibeamtinnen und –beamten im Schicht- und Einsatzdienst verbrachten Zeiten ist deren Altersgrenze stufenweise verkürzen. Zur Abpufferung der Überalterung der Polizeieinsatzkräfte muss die Alterteilzeit in der Bundespolizei als Instrument einer sozial ausgewogenen Personalpolitik wieder eingeführt werden. Die Dienstbelastungen müssen auch durch eine Erhöhung der Urlaubszeit für Beamte im Schicht- und Einsatzdienst und lebensältere Kolleginnen und Kollegen besser ausgeglichen werden.
Die Bundespolizei muss endlich ein geschlossenes Gesundheitspräventionsprogramm erhalten, dass auch Vorsorgekuren für Schicht- und Einsatzdienst leistende Polizistinnen und Polizisten vorsieht. Auf „Burn-out“-Syndrome, steigende Krankenzahlen und Organisationszynismus muss endlich gemeinsam mit den Gewerkschaften und Personalvertretungen reagiert werden!

Die GdP fordert, zum Ausgleich wechselnder Einsatzorte und zur Verhinderung von immer wiederkehrenden Massenumzügen der Beamten, die personellen Wechsel- und Austauschmöglichkeiten mit den Polizeien der Länder wieder zu öffnen.

2. Gute Polizeiarbeit braucht bessere Rahmenbedingungen!

Die persönliche Bekleidung und Ausstattung der Polizeibeamten muss weiter verbessert werden. Die Beschäftigten der Bundespolizei müssen Zugriff auf die qualitativ bestmögliche Dienst- und Einsatzbekleidung haben.
Gute Polizeiarbeit hat ihren Preis und muss fair bezahlt werden! Die Bundespolizei darf nicht weiterhin Schlusslicht bei der Stellenstruktur im Vergleich mit den Polizeien der Länder sein. Deshalb müssen die Planstellenobergrenzen im mittleren Dienst kurzfristig auf mindestens 60 Prozent Besoldungsgruppe A 9/A 9mZ und der Stellenanteil des gehobenen Dienstes auf mindestens 50 Prozent angehoben werden. Die GdP fordert eine Fortführung des verkürzten Aufstiegsverfahrens und eine weitere Absenkung der unnötigen Altersschwelle sowie eine Zulassung von Polizeiobermeistern zu diesen Kurzverfahren.
Die längst überfällige und seit Jahren zugesagte Verbesserung der Stellenbewertung muss durch das Bundesinnenministerium unverzüglich umgesetzt werden. Die GdP fordert moderne und transparente Personalentwicklungskonzepte und eine faire Neugestaltung des Beurteilungssystems.
Die für gute Polizeiarbeit unverzichtbaren Arbeitnehmerrinnen und Arbeitnehmer müssen aus den permanenten Stellenkürzungen ausgenommen werden und brauchen berufliche Fortbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

3. Mehr Berufszufriedenheit durch weniger Bevormundung und Reglementierung

Die GdP fordert die Bundesregierung auf, mit dem Bürokratieabbau ernst zu machen und damit sofort in der Bundespolizei zu beginnen! Die Eigenverantwortung, Kreativität und Eigenentscheidungsmöglichkeit in den operativen Dienststellen muss wieder Vorrang vor zentralistischen Überreglementierungen haben. Die Reglementierungsdichte durch Weisungen, Erlasse und Verfügungen muss innerhalb eines Jahres auf das niedrigst mögliche Maß heruntergefahren werden. Die GdP fordert eine Einstellung der Versuche der Kennzahlensteuerung. Die Delegation von Entscheidungen auf die niedrigst mögliche Verantwortungsebene und die klare Kompetenzabgrenzung zwischen den Behörden- und Dienstebenen ist überfällig.

4. Nur wer Familie und Beruf vereinbaren kann, wird guten Dienst leisten!

Die GdP fordert, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich stärkeres Gewicht bei der Planung und Durchführung aller Maßnahmen der Dienst- und Einsatzorganisation erhält. Dies gilt für die Personalplanung und -entwicklung genauso wie für familienfreundliche Arbeitszeitregelungen und familiengerechte Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote, insbesondere für Beamtinnen und Beamte mit betreuungsbedürftigen Kindern. Dafür müssen auch regionale Kooperationsmöglichkeiten mit den Polizeifortbildungseinrichtungen der Länder stärker genutzt werden.

Share

Themenbereich: Aus dem Bezirksvorstand | Drucken

7 Kommentare
Eure Meinung zu diesem Beitrag ist uns wichtig: »

  1. Es ist doch alles nicht so schlimm, Herr Seeger hat gerade auf der Homepage des Präsidiums veröffentlicht, dass er die Studie „sehr ernst“ nimmt Außerdem seien bereits erste Gegenmaßnahmen eingeleitet worden.
    Puh, haben wir ein Glück, gerade noch mal gutgegangen.
    Aber war nicht das letzte, was Herr Westerwelle sagte auch “ …. wir haben verstanden?…“

  2. Bravo Herr Seeger! Wie in Ihrer Homepage dargelegt, sind “ Ihre “ Mitarbeiter zum großen Teil zufrieden!!
    Schade, dass Sie und Ihre sog. Führung absolut nichts verstanden haben!
    Danke, wir an der Basis haben von Ihnen nichts anderes erwartet!

  3. Der „Karren“ Bundespolizei wird gerade so richtig an die Wand gefahren.

    Zu wenig Personal, Überalterung, Überbelastung, keine Rückendeckung von Oben,keine Akzeptanz beim pol.Gegenüber, ein Riesenwasserkopf mit „vielen Häuptlingen und wenig Indianern“.
    Hut ab…!
    Was hat die Zentralisierung gebracht?
    Chaos bei der Aufgabenverteilung, fröhliche Landverschickung mit regelmäßigen Verstößen gegen Lenk- und Ruhezeiten bzw. wöchentl.Arbeitszeiten ( AZV ).

    Wieviel Beamte sind tatsächlich einsetzbar? die Hälfte? ein Drittel?
    Wieviel neues Personal wird eingestellt, wieviele verlassen uns schon allein altersbedingt?
    Es ist alles ein Witz, wer es schönreden will, brauch nur unseren Funk anzuschauen.
    Willkommen im 21 Jahrhundert, Entwicklungs- bzw. Schwellenland.

    Abschließend, und das weiß bei uns jeder, ist es auch sehr erfrischend, wenn man als „Quotenopfer“ bei dem derzeitigen Beurteilungssystem null Chancen auf Verbesserung hat.Da wird die Beurteilung 3-4 mal kopiert.

    Es ist völlig egal, ob man gut arbeitet, sämtliche Qualifikationen und Ausbildungen genossen hat, oder faul auf der Haut liegt. Leistung/Eignung/Befähigung. Super Motivation in dieser Bananenrepublik.
    Jeder sollte sich ein zweites Standbein suchen und versuchen auszusteigen, wenn er kann.

  4. Hallo,
    klar muss der Stellenabbau im Tarifbereich gestoppt werden,
    aber die Zentrallisierung in der Verwaltung sowie bei den Arbeitern gehört gestoppt (BImA,BVA)
    Wir brauchen wieder unsere eigene Leute.

  5. Genau, „unser“ Herr Seeger (ist eigentlich schonmal jemandem aufgefallen das er hier von keinem als Kollege bezeichnet wird..) nimmt die Studie natürlich ernst. Wie die davor und und und..Aber auch wir haben verstanden, das hoffe ich auf jeden Fall. Wie wäre es denn mal mit einem gebastelten Misstrauensvotum,Unterschriften sammeln und ab ans BMI ;o) Langsam macht sich das Gefühl breit, das drastischere Schritte notwendig sind. Denn sind wir mal ehrlich, wirklich dran glauben das sich jetzt was ändert können wir doch nicht mehr, oder? Dafür wäre schon lange Zeit gewesen. Das Problem liegt doch ganz klar in Potsdam. Wie der Volksmund schon sagt, der Fisch stinkt immer vom Kopf an ;o) Solange unsere „Manager“ an den Hebeln sitzen und nicht endlich wieder anfangen polzeilich zu denken, haben wir eben nichts anderes zu erwarten. So einfach ist das. Am Ball bleiben bitte!

  6. Danke für diese Erhebung, sie zeigt unmissverständlich wie es in unserer Bundespolzei aussieht. Also md und teilweise gd. Ich glaube nicht, das ein hd sich aktiv beteiligt hat. Wenn ja Hut ab und dann folgende Frage: Was tust du in deinem Amt für deine Mitarbeiter. Doch zurück zur Befragung. Potsdam erkennt die Mißstände und hilft(schön wäre es). Und die Hilfe sieht wie folgt aus: Schublade auf und eine neue Reform gezogen. Geht doch. Postdam tut was!!!!!!!!!

  7. Ich glaube nicht, das ein hd sich aktiv beteiligt hat.
    Eintrag von rhinokatze am 14.April 2011

    …dochdoch, haben sie…. – prozentual zum Gesamtbestand sogar genauso viele wie Angehörige der anderen Laufbahngruppen.
    Besonders Interessant hierbei, dass diesen Kollegen hD manche Dinge wie z.B. die „Ergebnisorientierte Steuerung“, „Kennzahlen“ etc. offenbar im gleichen Maße auf den Sack gehen wie dem Rest der Belegschaft…
    Was mir fehlt, ist die Konsequenz hieraus: nämlich auch ihren Vorgesetzten gegenüber deutlich zu machen, dass dieser Schwachsinn schnellstens eingestampft gehört!