GdP: Polizei soll Schiffe vor Piraterie schützen

Witthaut: „Gegen Piraten sind Polizisten besser als Private“

Berlin. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt den Plan der Bundesregierung, deutsche Sicherheitsfirmen mit dem Schutz deutscher Handelsschiffe vor Piratenangriffen zu schützen, ab. GdP-Bundesvorsitzender Bernhard Witthaut: „Um Piratenangriffe wirksam abwehren zu können, müssten die Sicherheitsleute über großkalibrige automatische Waffen verfügen. Wir wissen aber in der deutschen Öffentlichkeit zu wenig über diese speziellen Sicherheitsfirmen, die solche Dienstleistungen anbieten, als das wir jetzt unbesorgt die Privaten aufrüsten sollten“.

Die GdP ist überzeugt davon, dass in der Beherrschung von Schusswaffen und in der Bekämpfung von kriminellen Akten ausgebildete Polizeibeamte zum Schutz von Schiffen grundsätzlich besser geeignet sind als private Sicherheitsfirmen. Polizeibeamte handelten mit geübter Besonnenheit und nach Recht und Gesetz. Den Einsatz privater Sicherheitsleute bezeichnete Witthaut vor diesem Hintergrund als unnötiges Wagnis. „Für mich ist das nach wie vor eine hoheitliche Aufgabe,“ sagte der GdP-Vorsitzende und forderte den Gesetzgeber auf, durch eine Ergänzung und damit Klarstellung des Bundespolizeigesetzes endlich den Schutz deutscher Handelsschiffe zu einer staatlichen und somit hoheitlichen Aufgabe zu machen.

Kampf gegen Piraten: Deutschland führt EU-Einsatz vor Somalia an

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Themenbereich: Auslandseinsätze | Drucken

18 Kommentare
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  1. Ja – super Idee, lasst uns nach Afrika ziehen und Frieden bringen. Ich denke AO von mindestens 6 Monaten sollten es schon sein. Und danach gleich nach Berlin…

    Quelle: n-tv 18.08.2011

    Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte indes, die Bundespolizei und Beamte aus anderen Bundesländern in der Hauptstadt einzusetzen. Die Beamten sollten „mindestens sechs Monate“ die Berliner Kollegen unterstützen, betonte GdP-Chef Michael Purper in der „Berliner Morgenpost“. Die Hilfe sei notwendig, weil der Berliner Senat in den vergangenen zehn Jahren rund 4000 Polizisten eingespart habe. Dadurch stünden „heute nur noch rund 15.000 voll einsetzbare Beamte für Gesamt-Berlin zur Verfügung“. Im Jahr 1990 seien es allein in West-Berlin 22.000 gewesen.

    Hier können wir sehen wo die Reise der BPOL hingeht bzw. sind wir ja schon fast da.
    Aber ich dachte schon, dass unsere GdP die Personalsituation in der BPOL kennt?.

  2. Wenn man betrachtet wie kritisch jeder Einsatz der Bundeswehr gegen diese schwer bewaffneten und skrupellosen Piraten bewertet wird, kann man diese Aufgabe nicht ernsthaft rechtsstaatlich unbekümmerten „Privatfirmen“ (siehe USA „Blackwater“) überlassen.
    Wenn die Bundespolizei z.B. PVB für die Begleitung von unteren Fußballvereinen stellt, Rüstungsfirmen zur Vertragserfüllung in Saudi-Arabien unterstützt und Einsatzkräfte zum „Schnäppchenpreis“ zur Unterstützung der Länder stellt, damit die ihre BePo reduzieren können, dann haben wir auch das Personal für die Begleitung von Schiffen.
    Der Personalansatz muss ja nicht denkend sein, sondern sporadische Besetzungen ähnlich wie bei FSB würden bei ersten Einsatzerfolgen schon Wirkung zeigen.
    Entscheidend für diese Einsatze wird ein tragfähiges Konzept inkl. adäquater Bewaffnung sein. Mit G-36 kurz wie in AFG braucht man gar nicht erst anfangen, sondern 50 BMG (12,6mm) mit Hochleistungszieloptik wären der Anfang für polizeilich sauberes Tätigwerden. Die Personalvertretung hätte klare Anforderungen/ein Konzept und es gibt genügend interessierte Kollegen/ Kolleginnen.
    Die Bundespolizei kann das und noch viel mehr, ist nur die Frage ob die Politik und die Führung das will?

  3. Es handelt sich eindeutig um eine Aufgabe der deutschen Marine und nicht der Polizei.

  4. Es handelt sich nach der geltenden Rechtslage ziemlich eindeutig um eine Polizeiaufgabe. Der Blick in die Gesetze erleichtert wie immer die Rechtsfindung:

    http://www.gesetze-im-internet.de/bgsg_1994/__6.html
    http://www.gesetze-im-internet.de/bseeschg/__1.html
    http://www.gesetze-im-internet.de/seezustbv/BJNR044200994.html

    Warum die Politik das seit geraumer Zeit nicht zur Kenntnis nehmen möchte? Weil die Konsequenzen dieser Erkenntnis erheblich wären: Eine „Ertüchtigung“ der deutschen Polizeikräfte für die verbesserte Wahrnehmung der Polizeiaufgaben auf hoher See (eine Aufgabe, die schon seit Jahrzehnten übertragen ist!) benötigt Geld (das angeblich nicht da ist), zusätzliches Personal (das niemand einstellen möchte) und organisatorische Neuausrichtung (Stichwort Nationale Küstenwache), die von Politik und einigen Behörden derzeit nicht gewollt ist. Deswegen wird behauptet, sie sei unnötig. Das wirkliche Leben zeigt aber, dass dem nicht so ist. Das Thema wird spannend bleiben …

  5. Ich möchte nicht in der Haut des Verantwortlichen stecken, wenn sich nach einem Schußwechsel herausstellt, dass es sich gar nicht um Piraten gehandelt hat, sondern dass harmlose Bauern nur ihre Schusswaffen spazierengefahren haben und provoziert wurden…

  6. Auf keinen Fall Aufgabe der Bundespolizei..!

  7. Wie immer zäumt man das Pferd von hinten auf.
    Niemanden hat es in der Vergangenheit interessiert wie die Zustände in Somalia sind. Mit Abzug der Amerikaner, Anfang der 90er ist das Land sich selbst überlassen. Der reiche Westen hat die dortige Anarchie als gegeben hingenommen. Piraterie hat es schon immer an der ostafrikanischen Küste gegeben. Auch in Indonesien (Mallackastrasse) machen Piraten Jagd auf Seeschiffe. Dort verschwinden komplette Besatzungen und Schiffe spurlos. Niemand fordert die Marine oder die Polizei gegen die dortigen Piraten einzusetzen.

    Die deutschen Reeder haben sich von Beginn der 80er bis Mitte der 90er durch Ausflaggung eine goldene Nase zu Lasten der deutschen Seemänner verdient und schreien jetzt nach dem Staat.

    Das derzeitige Problem der somalischen Piraterie gäbe es nicht, wenn die Menschen in Somalia in einer geordneten Staatsform in Frieden leben könnten. Also sollte man nicht darüber reden welche Art von Bewaffnung man dort einsetzen will, sondern welche Art von Entwicklungshilfe gemeinsam mit der UNO und der afrikanischen Liga angemessen ist um den Menschen zu einem würdigen Leben zu verhelfen.

    Das ganze Drama kann man doch auch in Hahiti beobachten. Jahrelang eine korrupte, menschenverachtende Staatsform.
    Tausende leben in Slums. Dann ein Erdbeben, große Empörung und Betroffenheit in der westlichen Welt. Spenden wurden gesammelt.
    Und nun? Hat sich was geändert? Nein. Die Menschen hausen noch immer im Elend, die empörte westliche Gesellschaft hat Hahiti wieder den Rücken zugewandt. Die Spendengelder sind zu erheblichen Anteilen versickert. Es interessiert niemanden.
    Genau das gleiche passiert in Somalia. Man spendet ein wenig Geld um sein Gewissen freizukaufen.
    Wenn man dieses Problem lösen will, muß man das Übel an der Wurzel packen und nich an den Folgen rumdoktern.

    Meiner Meinung nach hilft in Somalia nur folgendes:
    Truppen (NATO Truppen mit UN Mandat gemeinsam mit Truppen der Afrikanischer Liga) müssen zunächst die anarchistischen Zustände in Somalia beseitigen. Alleine das wird einige Jahre dauern. Dann muß in einem Jahrzehntelangem Prozess eine geordnete Staatsform hergestellt werden. Wie lange so etwas dauert sieht man doch in Afg., im Irak oder auf dem Balkan.
    Wenn dort (Afg. und Irak) in den nächsten Jahren die Truppen abgezogen werden, geht es dort doch bestimmt auch wieder drunter und drüber. In Ländern, wo Generationen von Menschen nur Krieg, schießen und Armut kennen, lassen sich solche Probleme nicht in 10 bis 15 Jahren lösen. Erst eine nächste im Frieden heranwachsende Generation kann das jeweilige Land wieder auf die Füße bringen.
    Das kostet viel Zeit und noch mehr Geld.
    Ich glaube nicht, dass wir dazu bereit sind das alles über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahre zu investieren.
    Also bleibt alles wie es ist. Auf der einen Seite die reiche westliche Welt und auf der anderen Seite die bettelarmen, vom Krieg gezeichneten Menschen in Somalia.

  8. Ob Bundespolizeiaufgabe oder nicht, darüber kann man sicherlich trefflich diskutieren; rein rechtlich muss man sicherlich dem Kollegen Hinz Recht geben.
    Ob man sich aber auch über die Konsequenzen im Klaren ist?
    (die angesprochene 12,6mm-Waffe oder die gute alte MK 20 sind von ihrer Wirkung her ja eigentlich nicht so seehr polizeiliche Waffen…)

    Aber gut, hier kommen wir sicherlich in einen Bereich, in dem es nicht nur schwarz und weiss gibt, sondern äußerst vielschichtige Überlegungen notwendig sind.

    Mal ganz davon abgesehen, dass mir aber erst mal jemand sagen müsste, wo zum Teufel wir jetzt auch noch dafür das Personal hernehmen wollen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass mit diesen sog. „robusten Einsätzen“ die Gefahr besteht, die Bundespolizei zu ihren Ursprüngen zurückzuführen, d.h. hin zu einer Grauzone zwischen Polizei und Militär.

    Es gibt nicht erst seit gestern die Überlegungen , der Bundespolizei, auch und vor allem in Hinblick auf die Auslandseinsätze, eine „Gendarmeriestruktur“ zu verpassen. (Diese Überlegungen sind auch keineswegs völlig abwegig, weil sich damit natürlich die internationale Zusammenarbeit erheblich vereinfachen ließe, sprich: Teile der Bundespolizei könnten danach unter militärischem Kommando tätig werden)

    Nun ist aber beileibe nicht alles, was machbar und in Teilen sogar sinnvoll sein könnte, auch wünschenswert.

    Ich sehe hierin einen Dammbruch , was die bisherige strikte Trennung von Polizei und Militär anbetrifft und ggf. auch einen Türöffner, um diese Vermischung auch auf den Inlandsbereich zu transferieren. Nächste Stufe könnte dann der auch bereits lange angedachte Einsatz der Bundeswehr im Inneren sein (für „einfache“ Polizeiaufgaben ) Vielleicht treibt man die Vermischung aber auch noch weiter und vielleicht springt dann ja auch als Nebenprodukt dieser Diskussion die Wiedereinführung des Einfachen Dienstes bei der Polizei raus , oder auch einer „Wachpolizei“ nach Berliner Vorbild.

    Apropos Berlin: Welcher Teufel den Kollegen Purper geritten hat, die dauerhafte Verstärkung der Berliner Polizei durch Kollegen anderer Länder bzw. des Bundes zu fordern, erschliesst sich mir auch nicht so ganz. Ich nehme mal zu seinen Gunsten an, dass hier eine bewusst überspitzte Äußerung handelte, um auf die fraglos beschissene Situation in Berlin aufmerksam zu machen.
    Ansonsten müsste man ihm nämlich wohl klarmachen, dass wir uns nicht auch noch gegenseitig kaputtmachen sollten; – das erledigen nämlich bereits andere und man zeige mir das Bundesland oder die Bundespolizeidienststelle, die nicht bereits jetzt personell auf dem letzten Loch pfeift!

    Die langjährige Praxis der Bundespolizei, nämlich Löcher mit Löchern zu stopfen hat zwar offenbar, weil so schön einfach, einen gewissen Charme und nach wie vor Konjunktur , geniesst auch in weiten Teilen unserer Führung Akzeptanz, trotzdem müssen wir als Gewerkschafter ja nicht jeden Blödsinn nachmachen!

    Aber nochmal zurück zu den Piraten:
    Zu welchem Ergebnis man nach (hoffentlich!) sorgfältigen Überlegungen auch immer kommt, einig sind wir uns aber wohl darin, dass diese Aufgabe auf keinen Fall in die Hände von Privatiers gehört, oder?

  9. Man kann auch gleich auf jedem Schiff neben der Bundespolizei auch Mitarbeiter des BAMF mitfahren lassen, da alle Piraten im Falle einer Festnahme sowieso einen Asylantrag stellen werden.

  10. @Perspektivloser

    Und neben dem BAMF-Mitarbeiter werden selbstverständlich diverse Sozialbetreuer und Psychologen sowie ein Ärzteteam, dass eventuelle Krankheiten und Verletzungen behandelt, benötigt.

    Nicht zu vergessen noch ein Mitarbeiter des Jugendamtes für die minderjährigen Piraten sowie der Kindernotdienst, falls die Festnahme nach 15:30 Uhr erfolgte.

    Dies erfordert natürlich entsprechende Büros, Therapieräume, Begegnungszentren für jugendliche Straftäter mit kindgerechter Ausstattung sowie Gebetsräume für diverse Religionen auf dem Schiff.

    Das wird eng.
    Aber so wie die Bundespolizei oft im Lande untergebracht ist, auf paar qm mit Sperrmüllmobiliar, findet sich schon noch ein Eckchen…

  11. Das ist nur ein weiteres Armutszeugniss unserer Regierung.

    Wie war das, es sind bald wieder große Wahlen?

  12. Was habt ihr eigentlich? Ich finde es gut. In der Zukunft werden sich somit auch Jobalternativen zum Job in der BP bieten. Wenn jetzt noch die Gesetze so geändert (angepaßt) werden, dass die Pensionsansprüche für die geleistete Zeit erhalten bleiben, dann steht einen Abschied nichts mehr entgegen. Hurra! Und es wird über kurz oder lang so kommen.

  13. Seid Monaten verfolge ich die Diskussion über den Einsatz der Bundespolizei auf zivilen Schiffe mit grossem Interesse und bei alle den Kommentaren frage ich mich manchmal echt ob hier einige vom grossen Abenteuer träumen oder einfach den Sinn für die Realität verloren haben.

    Jeder von uns hat die gleiche Ausbildung genossen, die da darauf ausgelegt war die freiheitlich Demokratische Grundordnung zu verteidigen, in Inland. Durch die ganzen Reformen haben wir immer mehr Aufgaben im Ausland übernommen und im Inland pfeifen wir auf dem letzten Loch und durch die Sparbeschlüsse der Bundesregierung wissen wir heute schon das dies noch nicht das Ende der Fahnenstange seien wird.

    Die Traumvorstellung vieler junger Beamter, auf einem Schiff vor Afrika sich nen Schusswechsel mit Piraten zu liefern, scheint bei einigen Beamten einen ziemlich hohen Reiz auszuüben, nur der Unterschied an der Sache ist folgender: Die Piraten schiessen, weil sie aufgrund der Verhältnisse in ihrem Land ums überleben kämpfen, so einen Piraten zu erschiessen hat nichts mit einer Heroischen Augabe zu tuen und wir sind auch nicht dafür ausgebildet gegen solche Menschen in solchen Umständen Auge in Auge John Wayne zu spielen. Das hat nichts mit Polizei zu tuen, sondern eher mit Terroristenbekämpfung. Wenn überhaupt ausser dem Militär dazu jemand in der Lage wäre dann unsere Spezialeinheiten, wie z.b. die GSG9.

    Diese Kräfte haben die Ausbildung und was noch viel wichtiger ist auch die Betreuung, wenn es doch mal Tote geben sollte, was auf beiden Seiten in der aktuellen Lage nie ausgeschlossen werden kann, um seelisch damit fertig zu werden.

    Keinen der Beamten aus dem Einzeldienst oder Ehus die ich kenne, möchte ich 6 Monate auf so nem Frachter sehen mit der Gefahr dort irgendwo beerdigt zu werden. Wir könnten natürlich wie sich auch einige wünschen noch ne Spezialeiheit innerhalb der Bundespolizei aus dem Boden stampfen, aber wollen wir das, wo wir jetzt schon kein Geld haben.

    Ein Piratenschiff fährt mit Vollspeed auf einen Frachter zu, wird der Polizist dann erstmal mit Megaphone den unmittelbaren Zwang ankündigen, bevor er das Feuer eröffnet?. Wird er ihm klarmachen können, das sich Polizisten auf dem Frachter befinden?. Nicht was wir in unserer Ausbildung gelernt und trainiert haben, lässt sich bei einem Angriffsfall auf so einem Schiff praktizieren, allerdings sind wir bestimmten Regeln unterworfen worden um auf Menschen direkt schiessen zu können. Ein Kollege oben beschrieb schon welche dicken Waffen man nutzen müsste, HUHU das hier ist nicht Counterstrike oder Battlefield. Ein Polizist versucht erstmal eine friedliche Lösung zu finden, da wir es mit Tätern und Opfern zu tuen haben. Erst ein Soldat hat das Recht einen Feind direkt zu bekämpfen und falls erforderlich zu töten. Erschiesst ein Soldat im Kampf einen Feind, dann ist das zwar tragisch aber rechtlich nicht zu beanstanden. Erschiesst ein Polizist einen Täter hat das immer eine Untersuchung der Umstände zu folge. Was bedeutet hat der Beamte die rechtsstaatlichen Prinzipien und die Verhältnismässigkeit eingehalten. Also jeder der hier die Bundespolizei verheizen möchte sollte sich erstmal überlegen ob wir mit unseren Mitteln, unserer Gesetzeslage überhaupt die richtigen Kräfte für so einen Einsatz sind.

    Für mich ist und bleibt das eine Aufgabe des Militärs und falls es nach so einer Aktion zu Festnahmen kommen sollte, können diese später an die Polizei übergeben werden. Aber wehe dem Tag an dem einfache Polizisten oder noch schlimmer Sicherheitsfirmen vor dem Horn von Afrika anfangen Krieg zu spielen. Dann ist für mich auch das letzte Rechtsstaatliche Prinzip in unserem Land vor die Hunde gegangen.

  14. Als ich vor zwanzig Jahren zur Polizei ging hätte ich nie gedacht, dass von einem erwartet wird weltweit von einem Kriegsschauplatz zum anderen zu ziehen und gegen Soldaten, Sölndner, Terroristen und Piraten vorgehen soll.
    Und das alles obwohl der Staat eigentlich gar kein Geld mehr hat und das Personal, die Ausrüstung und das Geld immer weiter reduziert.

  15. Dem Kollegen Gerhard Medgenberg stimme ich in mancher Hinsicht zu. Vor allem in einer: Wir sind in Deutschland sicherheitspolitisch an einer Weggabelung angekommen. Die bisherigen Konstruktionen unserer Polizei- und Militärstrukturen sind in die Jahre gekommen und passen zum Teil nicht mehr zu neuen Herausforderungen und Aufgabenstellungen. Veränderungen wären nötig. Das ist auf dem Gebiet der maritimen Sicherheit so, das ist beim Thema „Gendarmerie“ so, es gibt noch einige weitere derartige Themen. Diese „neuen“ Herausforderungen (Piraterie, Terrorismus, Polizeiarbeit in Krisenregionen) zeigen uns, dass die polizeilich-militärische Schnittstelle nicht als eine klare Linie existiert, die man eindeutig definieren kann, so wie wir uns das jahrzehntelang vorgestellt haben. Vielmehr ist sie eine Schnittmenge, sozusagen eine Zone, in der den eingesetzten Kräften sowohl polizeiliches als auch militärisches Know-How abverlangt wird. Diese Kräfte (zu Lande, zu Wasser, wo auch immer) haben das Recht auf angemessene Ausbildung, Ausrüstung, Organisationsform und einen rechtlichen Status, der sie schützt und ihrer Aufgabe gerecht wird. Ohne wenn und aber, ohne Scheuklappen.

    Der jetzige Zustand auf dem Gebiet „Polizeilicher Schutz der Hochseeschifffahrt“ ist jedenfalls verbesserungswürdig. Es geht schließlich nicht nur um Piraterie vor dem Horn von Afrika (das wird nur manchmal vergessen), sondern um die Grundlagen der maritimen Sicherheit auch in Nord-, Ostsee und Atlantik: Wenn die Polizei den Auftrag und die Befugnisse hat, aber nicht die nötigen Schiffe, wenn die Marine die Mittel, aber nicht die Befugnisse besitzt – so die Argumentation der Bundesregierung – dann ist es an der Zeit, beides zumindest teilweise zusammenzuführen. Dann ist das nämlich nicht nur vor Somalias Küste so, sondern auch bei uns zuhause! Und das, was da entstehen müsste, würde mit Sicherheit etwas für Deutschland und Europa ganz Neues sein. Mit neuem Selbstverständnis, mit neuem „Corporate Design“, mit neuer Organisationsform, vielleicht mit ganz neuem Status? Eine deutsche oder gar europäische Coast Guard?

    Es gibt gute Beispiele dafür, dass so etwas geht: Die US-amerikanische Küstenwache ist in den Jahren 1915 bis 1939 als ein Zusammenschluss von mindestens zehn behördlichen und privatrechtlichen Organisationen unter Beteiligung der Marine als eine ganz neue Organisation entstanden. Sie ist DIE US-Behörde für alle Belange der Schifffahrt und des Küstenschutzes, sie ist Verwaltungsbehörde, Hochseepolizei, Rettungsdienst, Umweltpolizei, Zulassungsstelle, Seegrenzpolizei, Leuchtturmbetreiber, Havariekommando und so weiter – und sie hat militärischen Status. Wo liegt das Problem – es funktioniert!

    Eine (ergebnis-) offene Diskussion über die Neuausrichtung der gesamten maritimen Administration Deutschlands einschließlich des Polizeivollzugs auf See ist seit Jahren eine Notwendigkeit – und sie wird seit Jahren von mehreren Seiten erfolgreich abgewürgt. Die Leidtragenden sind in jedem Fall aber z.B. Seeleute auf deutschen Schiffen und deren Angehörige sowie Küstenbewohner, Schiffspassagiere sowie alle, die irgendwie auf die Sicherheit der Seewege angewiesen sind. Und das sind in Deutschland als drittgrößter Seehandelsmacht nicht gerade wenige.

    Jedenfalls bin ich sehr froh, dass die GdP sich konstruktiv des Themas „Pirateriebekämpfung“ annimmt. Ich weiß, dass es etliche sachkundige Polizeikollegen und Marinekameraden gibt, die sich mit Leidenschaft und Kompetenz in den Themenkreis „Maritime Sicherheit“ einbringen würden, wenn die öffentliche Diskussion nur endlich freigegeben wäre. Bitte nicht nachlassen, da ist noch sehr viel zu tun.

  16. Ich stimme mit den meisten überein, das ist defintiv keine Aufgabe für eine Polizei. Ob dies nun zwangsläufig bedeutet, das wäre eine Aufgabe der Bundeswehr oder von Reedern bezahlten Söldnern, ähm ich meine privaten Sicherheitsfirmen, ist eine interessante Frage.

    Aber um uns mach ich mir keine Sorgen. Wir schaffen es nicht einmal, eine geschlossene Einheit in den Kosovo zu schicken wegen der dortigen Sicherheitslage, obwohl dafür extra eine Einheit aufgestellt und eine zweite geplant wurde, dann ist das wohl sehr unwahrscheinlich, Kollegen mit MG’s an Bord eines Tankers einzusetzen. Auch wenn sich das hier manche wünschen…

  17. Sehe das, wie Marco W., aber neue Einsatzgebiete rufen schon!

  18. Ich denke einiges wird bei der ganzen Diskussion leider von politischer Seite übersehen: man gibt hier Privatunternehmen ( den Reedereien ) die Möglichkeit andere Privatunternehmen ( z.B. ControlRisk; Xi ö.ä. )für eine Aufgabe einzusetzen, die ( meiner Meinung nach ) eigentlich eine Aufgabe der BPOL wäre. Das kann ein schlechtes Beispiel für andere Privatunternehmen sein, die schon seit geraumer Zeit versuchen die BPOL lieber durch Privatunternehmen zu ersetzen ( DB AG ??? Airlines ??? ),um eine Menge Geld zu sparen und natürlich Firmenpolitik vor Sicherheitspolitik zu stellen oder zumindestens eine eigene Sicherheitspolitik zu fahren. Wie soll man diesen Unternehmen erklären, dass in ihrem Bereich Bundespolizisten „unersetzlich“ sind und bei dem Schutz deutscher Schiffe kann eine “ Bestreifung “ durch Privatunternehmen erfolgen ? Die Gefahr ist zumindestens denkbar, dass das Beispiel “ Privater “ an Bord deutscher Schiffe als Argument taugt für den eigenen Bereich Zuständigkeiten der Bundespolizei auszuhöhlen. Auch sehe ich es kritisch, dass die “ Privaten“ Schusswaffen führen und einsetzen dürfen. Ich denke die GDP sollte dafür eintreten, dass diese Aufgabe durch die Bundespolizei durchgeführt wird. Bei einer entsprechenden Aus-bzw. Fortbildung und einer leistungsgerechten Bezahlung werden sich Bundespolizisten finden, die auch diese Aufgabe zur Zufriedenheit meistern werden. Hier könnten auch die Länder mit ins Boot geholt werden.