KLARTEXT 2010 – Gelungene Veranstaltung auf Rhein-Main


Am 18. August 2011 fand bei der Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt/Main die Vorstellung der Ergebnisse der „Klartext-Studie“ statt. Christina Gransow, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Technischen Universität Chemnitz sowie Sven Hüber, stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) präsentierten insgesamt zehn zentrale Auswertungsergebnisse in Vernetzung zu den Einschätzungen der Befragungsteilnehmer aus der GdP-Direktionsgruppe Flughafen Frankfurt/Main, den Abfrageergebnissen bundesweit in der Bundespolizei sowie den Befragungsteilnehmern aus dem Ballungsraum Frankfurt/Main. Auf Initiative des Vorsitzenden der GdP-Direktionsgruppe, Martin Schmitt und auf Einladung des Präsidenten der Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt/Main, Wolfgang Wurm, konnten ca. 80 Kolleginnen und Kollegen aus allen Laufbahngruppen und Organisationseinheiten zu dem vierstündigen Informationsaustausch begrüßt werden.
Sven Hüber reflektierte in seinen einleitenden Erklärungen, warum die GdP diese Studie in Auftrag gab. So erhoffte sich die Gewerkschaft der Polizei belastbare Antworten auf:

-Belastungsparameter im Schicht- und Einsatzdienst,
– zur demographischen Entwicklung (ein Drittel unserer Polizistinnen und Polizisten befinden sich in einem Lebensalter von 50 Jahren und älter),
– zum gewachsenen Frauenanteil in der Bundespolizei, der nach Auffassung der GdP weiter anwachsen muss und Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich einer stärkeren Vereinbarkeit von Beruf und Familie,
– der Erhöhung von Belastung, welche sich letztendlich durch die ständige Fortentwicklung der Informationstechnik auslöst
– die Frage der Qualifizierungsmöglichkeiten in allen Beschäftigungsgruppen,
– die immer stärker um sich greifende „Vorgabendichte“,
– den Umstand eines höheren Gewaltpotenzials beim polizeilichen Gegenüber und die daraus für den Polizeiberuf resultierenden Folgen,
– die immer größer werdenden räumlichen Distanzen im Hinblick auf das Verhältnis des Vorgesetzten zum Mitarbeiter,
– den Umstand, dass es im mittleren Dienst keine Führungsfunktionen mehr gibt,
– die stärkere internationale Einbindung der Bundespolizei,
– die „Überdehnung“ der Organisation in einigen Bereichen,
– die Personalnot,
– den Umstand, dass sich Anerkennungen von Lebens- und Arbeitsleistungen rudimentär darstellen,

um nur Einiges des Dargestellten zu skizzieren.

Anhand der nachfolgenden zehn Einzelkapitel erfolgte im Anschluss die Präsentation der Sozialwissenschaftlerin der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Chemnitz,
Frau Gransow, zu:

– Arbeitszeit,

– allgemeine dienstliche Belastung,

– Arbeitsprozesse und Ergebnisse,

– Arbeitsumfang/Ausrüstung und Bekleidung,

– Abordnungen und heimatferne Verwendung,

– Behandlung durch Vorgesetzte,

– berufliche (Fort-)Entwicklung,

– Vereinbarkeit von Familie und Beruf,

– Bezahlung sowie

– Personalgewinnung.

Während der Präsentation der Ergebnisse sowie im Anschluss konnten jeweils Aussprachen hinsichtlich Bewertung und möglicher daraus folgender Handlungsaufträge geführt werden. Da zu den einzelnen Fallgruppen im Konkreten mehrere Kategorien abgefragt wurden, können zu den Fragestellungen hinsichtlich der zu ziehenden Schlussfolgerungen und den jeweilen Handlungsfeldern ,ad hoc‘ noch keine Antworten gegeben werden.

Mit dieser Veranstaltung wurde jedoch – parallel zu den sich bereits ausgelösten Handlungsfeldern – ,Kontrapunkte‘ gesetzt, an denen die Verantwortlichen weiter arbeiten werden. Die Bereitschaft hierzu wurde von allen Beteiligten signalisiert.

Zu den überörtlich zu lösenden Problemfeldern wird sich der Bezirk Bundespolizei der GdP mit einem Positionspapier bei den politisch Verantwortlichen zu Wort melden und diesbezüglich wird die „Klartext-Studie“ auch Anfang September 2011 den Parlamentariern des Innenausschusses des Deutschen Bundestages präsentiert.

Martin Schmitt, Vorsitzender der GdP-Direktionsgruppe Flughafen Frankfurt/Main

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6 Kommentare
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  1. Bin mal gespannt, wie sich die Studie gerade bei uns auf dem Airport auswirkt. Aber ich bin in diesem Zusammenhang absoluter Pessimist, denn getan hat sich bis dato noch nichts. Und die Studie ist ja schon länger im Umlauf. Das Geld für die Studie hätte sich die GdP sparen können. Denn mehr als heiße Luft kommt dabei nicht raus. Unsere Führung wird so weitermachen wie bisher. Da bin ich mir ganz sicher. Ist ja auch egal, dass es bei uns Kollegen gibt, die mehr krank sind, wie im Dienst. Wir haben ja genügend davon und bekommen sicherlich demnächst noch mehr, wenn das neue Terminal eröffnet wird. Wo die herkommen ist doch egal, hauptsache neue PVB. Was für ein Irrsinn, kann ich da nur sagen.

  2. Die Führung hat es noch nicht ganz verstanden, dass man die Bundespolizei nicht wie einen Betrieb in der öffentlichen Wirtschaft führen kann. Immer mehr Produktivität erzielen, weniger kosten, immer höhere Zielvorgaben, etc.

    Ich kann einen Polizisten doch keine Vorgaben machen wie viele Leute er im Jahr Verhaften, wie viele Festnahmen, wie viele Anzeigen er schreiben soll, etc.
    Und dabei nicht vergessen, immer schön die Mütze auf und auf gleiche Streifenkleidung achten.

    Soll ein Feuerwehrmann auch zu 100% seiner Arbeitszeit nur Brände löschen, immer größere, mindesten 10 am Tag ???
    … oder sollte er auch etwas tun, damit Brände erst gar nicht entstehen?

    Ich habe die Hoffnung, dass der ein oder andere hier versteht was ich meine.

    Unsere „Leitwölfe“ nimmt sowieso keiner mehr ernst.

    In diesem Sinne Servus !!!

  3. Genau das was „Servus“ geschrieben hat trifft den Nagel auf den Kopf!
    Wir sind eine Polizei, und unsere Arbeit haben wir gerade dann gut gemacht wenn NICHTS passiert ist.
    Leider ist die Präventive Tätigkeit nicht messbar.
    Leider werden wir als „Bundespolizei GmbH“ (Gemeinschaft mit beschränkter Handlungsfähigkeit) „geführt“.
    Von diesem Gedanken muss sich schnellstmöglich verabschiedet werden.
    Ansonsten geht die „Produktivität“ der Bundespolizei stetig weiter nach unten.
    In diesem Sinne

  4. Lieber Kollege „Airportknecht“,

    ich teile deinen Pessimismus nicht und ich glaube auch, dass die Finanzierung dieser Studie gut angelegtes Geld darstellt. Kapital, das uns mittel- und langfristig helfen wird, Renditen zur Realisierung berechtigter Belange für unsere Kolleginnen und Kollegen zu erwirtschaften. Denn es hat sich in der Tat schon einiges in der Vergangenheit getan; – auch am Flughafen.
    Ich gebe dir recht, dass die Auswirkungen noch nicht überall – als entlastende Momente – zu spüren sind und es noch eine Menge zu tun gibt. Unsere Initiativen stellen jedoch ein probates Mittel auf diesem schwierigen Verhandlungsterrain zur Zielerreichung dar. Nicht zuletzt auch die Ergebnisse der Klartext-Studie. Unsere Chancen bestehen in unserer Einflussnahme im politischen Raum. Dort werden die Rahmenbedingungen für unsere Arbeitsverhältnisse letztendlich auch gelegt und der Gesetzgeber hat Organisationsentscheidungen im öffentlichen Dienst ausdrücklich in die alleinige Verantwortung des Dienstherrn gelegt. Von daher löst sich diesbezüglich keine personalrätliche Mitbestimmung aus.
    Aber niemand wird an den Ergebnissen so ohne Weiteres vorbei kommen. Und die Personalgewinnung und -entwicklung für den Flughafen Frankfurt/Main muss zukünftig eine zentrale Bedeutung einnehmen.
    Wir, als GdP-Direktionsgruppenvorstand und als Personalräte, thematisieren diese Problemstellung bei allen erdenklichen Möglichkeiten. Doch derzeit haben die Verantwortlichen für die Bundespolizei keinerlei Antworten parat. Weder für Ballungsräume (und auch hierzu liegen unsere Vorstellungen auf dem Tisch), noch für die vernetzende demographische Betrachtung des Personalkörpers der Bundespolizei insgesamt. Und genau das stellt das Problem dar … Traurig aber wahr.
    Doch wir möchten nichts unversucht lassen, weiter werbend für spürbare Entlastungen für unsere Kolleginnen und Kollegen anzutreten.
    Ich biete dir gerne an, dass du mit mir hierzu in einen Dialog trittst (Hausapp. 4090).

    Liebe Grüße von Martin Schmitt

  5. Es wird sich auch durch diese Studie nichts, aber auch gar nichts ändern. Sie wird mit großem TamTam durch die Führungsebenen zur Kenntnis genommen, das wars. In zwei Jahren spricht niemand mehr davon. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  6. Eines stimmt schon: Klartext hat schonungslos die großen Probleme unserer Behörde ans Licht gebracht.

    Wir alle haben gedacht, dies wird der Beginn von Änderungen, vielleicht einer neuen und ausnahmsweise richtigen Reform und möglicherweise ein Umdenken in den Teppichetagen unserer Firma.

    Ich kann leider auch nicht mehr als ein zur „Kenntnis nehmen“ ausmachen. Und das eigentlich auch nur, weil man daran nicht vorbei kommt. Da helfen die Beteuerungen, „…man nehme den Inhalt der Studie sehr ernst…“ , auch nicht weiter.

    Ich denke, Holger Hüsten hat recht, wenn er hier schreibt, dass sich nichts ändern wird. Die einen trauen sich nicht (Potsdam) und den anderen ist es wurscht (Bundesregierung). Unser IM muss/ will in 2 Jahren wieder gewählt werden, und da stehen wichtigere Dinge auf der Tagesordnung.

    Der Einsatz der Gewerkschaft ist aller Ehren wert. Aber sagt doch mal selbst: es passiert doch nichts.
    Wenn ich nur daran denke wie lange schon die Diskussion
    mit SU und Lebensarbeitszeit im Schichtdiesnt, DUZ, Großtadtzulagen usw. geführt werden. Im Resultat nichts, nada, niente. Arbeitsgruppe, Kommission, Beratung und dann wieder vertagt. bla, blah, blah..

    Es wird so sein wie es immer gewesen ist, ausser vielleicht mit Abstrichen in der Amtszeit von Otto Schily. Man sitzt alles aus. Irgendwann verstummen die lästigen Kritiker dann schon. Eigentlich sind wir da fast schon am Ziel.

    Das Einzige was mich noch antreibt? Das Lob und die Anerkennung durch den Bürger auf der Strasse. Und natürlich die Kohle um meine Familie zu ernähren.

    LG Schutzmann