Castor 14 – Urlaub einmal anders

4 Tage im Betreuungsteam der Gewerkschaft der Polizei

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nachdem ich in den letzten Jahren im Bereich der technischen Absicherung beim Castortransport in den Einsatz kam, stellte ich als freigestelltes Personalratsmitglied plötzlich fest, es ist „Castor“, und du bist nicht dabei.
Als ich in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Bezirkspersonalrates Martin Schilff auf die Betreuungsteams der GDP aufmerksam wurde, stand für mich fest, auch dieses Jahr wirst du beim Castortransport dabei sein. Also nichts wie hin, Urlaub eingereicht, Anreise und Rückreise geplant, und schon konnte es los gehen. Das ich dann noch gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bezirks Bundespolizei, Josef Scheuring und Martin Schilff, sowie der Gleichstellungsbeauftragten des Bundespolizeipräsidiums Waltraud March in einem Betreuungsteam unterwegs sein durfte, war natürlich ein zusätzliches Highlight. Aber auch das zweite Team mit Jörg Radek, Judith Hausknecht und Holger Jungblut war in Sachen Einsatzbereitschaft kaum zu toppen.
Zunächst einmal muss ich sagen, Betreuungsteam der GDP heißt nicht Spaß und gemütliche Abende, nein, es heißt da sein für die Kolleginnen und Kollegen, und das 24 Stunden rund um die Uhr. So endete der erste Betreuungstag morgens um 03:00 Uhr und ich muss ehrlich gestehen, ich war geschafft. Doch was man draußen an der Strecke erleben durfte, entschädigte für jede Anstrengung. Zu sehen mit welcher Professionalität und Engagement die Kollegen diesen hoch anstrengenden Einsatz durchführten war eine Freude, und ihnen mit einer Tasse Kaffee oder Tee die kalte Nacht ein wenig angenehmer zu gestalten machte einfach nur Spaß. Auch die Gespräche an der Strecke waren sehr angenehm und so verging die Zeit wie im Fluge.
Nach vier Stunden Schlaf hieß es aufstehen, frühstücken und Proviant für die Einsatzkräfte aufnehmen. Schon ging es wieder an die Castorstrecke und dabei bleiben mir Namen wie Wendisch-Ewern, Pommoissel, Dumstorf, Metzingen und Hitzacker sicherlich noch einige Zeit in Erinnerung. Gerade weil sich der Castor 14 zu einem der am längsten andauernden Castoreinsätze entwickeln sollte, war unsere Betreuung umso wichtiger. Dabei möchte ich stellvertretend für alle anderen einmal Andreas Puschmann und Dietmar Meyer-Fißmann aus der Zentrale des Gesamtpersonalrates der Direktion Bereitschaftspolizei in der Schlieffenkaserne namentlich erwähnen. Hier liefen die Drähte zusammen und wenn wir eine Information benötigten oder ein Anliegen der Einsatzkräfte zu bearbeiten war, reichte ein Anruf über die Hotline, und die Beiden kümmerten sich.
Auch Tag zwei war viel zu schnell zu Ende und man hatte trotz aller Betreuung das Gefühl, vielleicht hätten wir doch noch die eine oder andere Truppbesatzung anfahren können. Doch irgendwann waren auch unsere Reserven erschöpft und es ging zurück zur Übernachtung in den Wohncontainer in der Schlieffenkaserne. Ich schlief hervorragend und möchte an dieser Stelle ein großes Lob an die Reinigungskräfte in der Schlieffenkaserne weitergeben. Picobello ist glaube ich der richtige Ausdruck um die Sauberkeit in den Zimmern und den Sanitäranlagen zu beschreiben. Dafür meinen herzlichen Dank.
Nach einer kurzen Nacht hieß es erneut Proviant aufnehmen. Mittlerweile hatte sich die vorgesehene Ankunftszeit des Castors in der Umladestation weit nach hinten geschoben, als eine Ankettaktion der bäuerlichen Notgemeinschaft für einen längeren Halt des Castors in Dahlenburg sorgte, war schon abzusehen, dass sich die Ankunft des Zuges in Dannenberg auf Montag verschieben sollte.
Der Castor 14 wird sicherlich als einer der gewalttätigsten Transporte in die Geschichte eingehen. Doch trotz Hackenkrallen, Zwillen, schraubengespickten Golfbällen und anderer hoch gefährlicher Gegenstände, zeigten die eingesetzten Kräfte immer das richtige Augenmaß und Presseberichte von überreagierenden Polizeibeamten entbehren aus meiner bescheidenen Sicht jeglicher Grundlage. Wie drückte es ein Kollege in der News-Zeitung „Schlieffen aktuell“ aus: „Sicherheit der Angeketteten vor Schnelligkeit“. Dieser Aussage ist glaube ich nichts hinzuzufügen.

Ein besonderer Dank geht aber auch an die Einsatzküchen und Versorger mit ihrem zu jeder Tag- und Nachtzeit freundlichen und zuvorkommenden Personals. Egal ob in den Großküchen von Bund und Land in Neutram, in der Theodor-Körner-Kaserne, der Schlieffenkaserne, im Breeser Weg oder in Uelzen, um die zu nennen, die ich kennen lernen durfte, die Verpflegung war hervorragend, und bei einer längeren Einsatzdauer hätte meine Waage sicherlich einige Kilo mehr angezeigt. Dabei versorgte alleine der Versorgungspunkt Wietzetze am Sonntag 3500 Einsatzkräfte mit warmen Mahlzeiten.
Bei allem Lob, sicherlich gab es auch den ein oder anderen Kritikpunkt, doch das waren aus meiner Sicht Einzelfälle, die auch entsprechend zu recherchieren sind.
Auch bei der Einsatzdauer wurden wir auf den einen oder anderen Härtefall aufmerksam gemacht. Doch auch hier war dies nicht flächendeckend zu beobachten, sondern es blieben aus unserer Erkenntnis heraus Einzelfälle.

In der heißen Phase, sprich auf den letzten Kilometern des Transportes war dann kaum noch eine Betreuung der Kolleginnen und Kollegen möglich, jedoch standen wir in der Schlieffenkaserne telefonisch und per Internet bereit, um den Einsatzkräften zu helfen. Auch hier konnten wir Versorgungsengpässe an die Versorger weiterleiten und für Abhilfe sorgen. Am frühen Montagmorgen gegen 04:00 Uhr war es dann geschafft und der Castor hatte die Umladestation in Dannenberg erreicht.

So stand am vierten und letzten Tag nur noch aufräumen und abbauen auf dem Programm. Jörg Radek ließ es sich jedoch nicht nehmen noch einmal nach Dannenberg raus zu fahren, um ein letztes Mal die Lage vor Ort zu erkunden.

Ich sitze nun im Zug in Richtung Potsdam und schreibe meine Gedanken und Empfindungen nieder. Ich kann nur sagen, dieser „Urlaub“ hat sich für mich gelohnt. Nicht nur das ich viele tolle Kolleginnen und Kollegen kennen lernen durfte, nein ich fahre auch mit dem Gefühl aus Lüneburg weg, wirklich etwas getan zu haben und den gewerkschaftlichen Geist und das gewerkschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl gespürt zu haben und dies im Dienste für die Kolleginnen und Kollegen an der Einsatzstrecke.
Dafür sage ich euch allen Dank und ich kann euch eins versprechen, ich komme wieder in den Einsatzraum, sei es beim nächsten Castor, Stuttgart 21 oder anderswo, und ich werde mich mit aller meiner gewerkschaftlichen Kraft dafür einsetzen, dass hoch professionell arbeitende Polizeibeamte und Tarifkräfte auch die entsprechende Wertschätzung und Entlohnung erhalten, die sie verdient haben.

Rolf Schmitt (Direktionsgruppe Präsidium)

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Themenbereich: Fussballeinsätze und Gewalt | Drucken