DGB: Der öffentliche Dienst: Kein Musterarbeitgeber

DGB veröffentlicht Daten zur Arbeitsqualität im öffentlichen Dienst

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes erleben im Arbeitsalltag häufig starken Zeitdruck. Viele leiden unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen und gehen davon aus, dass sie ihren Ruhestand nicht mehr gesund erreichen werden – die Arbeit macht sie krank. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom DGB im Oktober 2011 unter dem Titel „Die Arbeitsqualität im öffentlichen Dienst aus Sicht der Beschäftigten“ herausgegebene Sonderauswertung der Daten des DGB-Index Gute Arbeit für die Jahre 2009 und 2010.

Der DGB-Index Gute Arbeit – das steckt dahinter
Die DGB-Gewerkschaften haben 2007 begonnen, eine regelmäßige, jährliche Berichterstattung über die Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beschäftigten in Deutschland aufzubauen – den DGB-Index Gute Arbeit. Diese Berichterstattung bildet die Basis, um repräsentativ aus Sicht der Beschäftigten über die Qualität der Arbeit in Deutschland zu informieren und für eine Verbesserung der Arbeitsrealität zu werben. In den Jahren 2009 und 2010 wurden insgesamt 12.080 abhängig Beschäftigte aus ganz Deutschland befragt, von diesen waren 2.958 im öffentlichen Dienst beschäftigt. Auf den Antworten dieser Beschäftigtengruppe basiert die Sonderauswertung öffentlicher Dienst.

In den DGB-Index fließen 15 Dimensionen der Arbeitsqualität, darunter beispielsweise Aufstiegsmöglichkeiten, Führungsqualität und Arbeitsintensität, ein. Jede dieser Dimensionen basiert auf einer oder mehreren Fragen. Insgesamt gibt es 31 indexbildende Fragen. Die wahrgenommene Qualität der Arbeit wird durch das Verhältnis von positiven Faktoren der Arbeitsgestaltung (Ressourcen), der Verbreitung von Belastungen und den Angaben zu Einkommen und Beschäftigungssicherheit bestimmt.

Mittelmäßige Arbeitsbedingungen
Durch Punkteverteilung bei einzelnen Fragen ergibt sich eine Clusterung in drei Qualitätsstufen der Arbeit: gut, mittelmäßig und schlecht. Im Rahmen der Sonderauswertung öffentlicher Dienst bewerten 18 Prozent der Befragten ihre Arbeitsqualität als schlecht, 54,6 Prozent als mittelmäßig und 27,4 Prozent als gut. Gute Arbeit steht für ein hohes Maß an Einfluss- und Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitsplatzsicherheit sowie wenige körperliche und emotionale Belastungen. Im Bereich mittelmäßiger Arbeit bergen die Arbeitsbedingungen wenig Entwicklungs- und Lernförderliches, dafür etliche körperliche und emotionale Belastungen. Im Bereich schlechter Arbeit fehlen nahezu alle Faktoren, durch die Arbeit zu einer Quelle des Wohlbefindens der Beschäftigten werden kann.

Arbeitsfähig bis zum Ruhestand?
Mehr als ein Drittel der befragten Beschäftigten im öffentlichen Dienst gab an, mindestens drei Mal pro Woche unter Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen zu leiden. Ebenso viele litten häufig unter Erschöpfungszuständen. Stressinduzierte Beschwerden führen die Liste der arbeitsplatzbezogenen Gesundheitsbeschwerden eindeutig an.

Die Einschätzung der eigenen zukünftigen Arbeitsfähigkeit hängt eng mit der Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes zusammen. Daher wurden die Beschäftigten in der Erhebung gebeten, vor dem Hintergrund ihrer derzeitigen Arbeitssituation und ihres Gesundheitszustandes zu beurteilen, ob sie in ihrer Tätigkeit das Rentenbzw. Pensionsalter erreichen werden. Das Ergebnis ist alarmierend: Nur jeder zweite Beschäftigte im öffentlichen Dienst geht davon aus, seine Tätigkeit unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zum Ruhestandsalter ausüben zu können.

Wie die Sonderauswertung öffentlicher Dienst zeigt, sind insbesondere hoher Zeitdruck und Hetze bei der Arbeit Faktoren, die die zukünftige Arbeitsfähigkeit negativ beeinflussen: Mit dem Erhalt ihrer Arbeitskraft bis zum Ruhestandsalter rechnen 62,6 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die keiner Hetze ausgesetzt sind, aber nur 25,2 Prozent der Beschäftigten, die in sehr hohem Maße unter Zeitdruck arbeiten. Von den Befragten im öffentlichen Dienst geben 32 Prozent an, in hohem bzw. sehr hohem Maß unter Zeitdruck arbeiten zu müssen.

Handlungsauftrag: Gesundheits­för­derung
Die Qualität der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst ist mittlerweile erheblich unter Druck geraten. Während in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer die Vorstellung prägend ist, die öffentlichen Arbeitgeber seien im Vergleich besonders gute Arbeitgeber, so zeichnen die Ergebnisse der „Sonderauswertung öffentlicher Dienst“ des DGB-Index Gute Arbeit ein anderes Bild: Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bewerten ihre Arbeitsbedingungen nicht signifikant besser als die Befragten der allgemeinen Repräsentativerhebung des DGB-Index Gute Arbeit. Es ist erstaunlich, dass öffentliche Arbeitgeber im Vergleich zu großen Unternehmen kaum Prävention betreiben. Im Hinblick auf die Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treten sie keineswegs als „Musterarbeitgeber“ in Erscheinung. Die Ergebnisse dieser Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit machen deutlich: Veränderungen sind dringend nötig. Der Handlungsauftrag, Arbeit gesundheitsförderlich zu gestalten, richtet sich an die öffentlichen Arbeitgeber.

Quelle: DGB Beamtenmagzin 10/2011

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4 Kommentare
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  1. Was fällt mir zu Gesundheitsförderung ein…?
    Die beste Prävention wäre, aus der Klartext-Studie die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Das alleine würde die Burnout-Quote vermutlich schon halbieren. Und würden sich einige hohe Herren einmal den kategorischen Imperativ des Immanuel Kant zu Herzen nehmen…aber ich träume schon wieder…das ist ja gar nicht gewollt.

  2. Was ist denn das bisherige praktische Ergebnis der Klartextstudie? Es erfolgten Vorstellungen auf Direktionsebene, die schön anschaulich auf den Intranetseiten dargestellt wurden. Man prüft und verspricht.
    In meiner Inspektion hat der L die Studie und die Folgen bisher mit keinem Wort erwähnt, de facto erfolgte durch Abordnungen eine weitere Arbeitsverdichtung. Ich erwarte auch für die Zukunft keine Besserung, den der Mitarbeiter wird als Person nur noch in den Lippenbekenntnissen der Vorgesetzten wahrgenommen.

  3. HÄÄÄÄÄÄÄÄÄH?? Versteh ich nicht! Es wird doch nun wirklich, seit gefühlt „gestern“ alles getan um die gestressten und vom harten Grenz-und Polizeidienst gezeichneten Beamten wieder fit zu bekommen. Hier der Intranet-Beweis aus der DIR Berlin.

    Gesund und erfolgreich im Büro

    Gesund arbeiten am PC (pdf 191-KB)

    „Gymnastik im Büro“ und „Richtig sitzen auf dem Bürostuhl“ !!! (pdf 417-KB)

    Das sichere Fahrrad für den Arbeitsweg (pdf 2001-KB)
    (bestimmt sehr Interessant für Beamte mit Anflugstrecken ab 20km)

    RADschlag-Praxistipps (pdf 70-KB)

    Lass Dich sehen (pdf 3075-KB)

    Für Alle, für die diesmal nichts dabei war – einfach warten, die Gymnastik für den Bahnsteig und das Vorfeld, kommt bestimmt im zweiten Teil.

  4. @quidam
    Richtig, ick freu mir schon auf den zweiten Teil!