Die Vereine haben doch selbst Angst!

GdP – Vize fordert mehr Mut von den Klubs

Jörg Radek, stellv. Bundesvorsitzender der GdP, im Interview mit Matthias Wolf (Frankfurter Rundschau).

Herr Radek, wie bewerten Sie die Entscheidung, Dynamo Dresden vom DFB-Pokal auszuschließen?
Eine solche Maßnahme haben wir immer gefordert. Um endlich jene Vereine zu bestrafen, die ihr Fanmilieu nicht in den Griff bekommen. Der nächste Kandidat ist für mich der FC Hansa Rostock. Da sind die Krawalle zuletzt, wie gegen St. Pauli, ja im Punktspielbetrieb passiert — also sollte der DFB mit Punktabzügen reagieren.

Die Vereine sagen, sie täten alles, um die Gewalttäter zu stoppen.
Aus meiner Sicht wird eben zu wenig getan von einzelnen Klubs. Der DFB differenziert sehr wohl. Bei Hertha BSC blieben vor ein- einhalb Jahren nach einem Platzsturm einzelne Blöcke leer — das war angemessen. Dresden und Rostock sind aber Wiederholungstäter. Immer wieder sorgen die gleichen Gruppierungen für Randale — ohne vom Verein gestoppt zu werden. Das zeigt doch, wie sehr diese Klubs, aber auch Eintracht Frankfurt oder der Karlsruher SC, in den Klauen dieser Fangruppierungen sind.

Was befürchten Sie konkret?
Ich habe Angst davor, dass es bald Tote gibt. Was passiert, wenn eine Massenpanik ausbricht, weil —wie gegen St. Pauli — mit Leuchtmunition in Zuschauergruppen geschossen wird? Diese Typen sind gemeingefährlich, das muss auch die Vereinsführung spüren und konsequent sein. Da kann man nicht nur, wie in Rostock, auf die Justiz oder die Polizei deuten. Die Vereine haben es selbst in der Hand, uns solche Leute auszuliefern. Stattdessen werden wir teilweise sogar blockiert. Es gibt Vereine, die stellen uns nicht einmal das Videomaterial aus dem Stadion zur Verfügung — aus Furcht, die Fanszene könnte das als Vertrauensbruch werten.

Wie schwer ist es, Beamte für Fußballeinsätze zu begeistern?
Die Leute halten durch — dafür haben sie meinen Respekt. Das Problem ist: Sie kriegen keine Erholungsphasen mehr. Nehmen wir dieses Wochenende: Castor-Einsatz, Stuttgart 21— und vier Risiko-Spiele. Früher waren das nur Derbys mit ein bisschen Brisanz. Heute sind das Hochsicherheitseinsätze, bei denen Auseinandersetzungen vorprogrammiert sind. Und bei denen Familienväter in Uniform Angst um ihre Gesundheit haben müssen.

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11 Kommentare
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  1. Moin Kollegen,

    ich war noch nie ein Fussballfan, habe aber bei den Einsätzen teilweise gute Gespräche mit einzelnen Fans führen können. Dies liegt aber leider lange zurück; zwischenzeitlich schlägt mir und all den eingesetzten Kollegen meist Respektlosigkeit, Beleidigung und Aggressivität entgegen.

    Wenn ich als Uniformträger einem sogenannten Fan in selber Art u. Weise gegenübertreten würde, wäre mir am kommenden Tag eine Schlagzeile in der Presse sicher (dank COP-Recorder u. Handy-Video).

    Die Vereine wären gut beraten, sich nicht nur mit Worten von ihren vermeintlichen Fans zu distanzieren.

    Sehr effektiv halte ich den Ausstieg der Sponsoren, wie es jetzt aktuell dem Hansa Rostock wiederfahren ist. Hierdurch werden die Vereine in Zugzwang gesetzt und auch jeder noch so gewaltbereite „Fan“ wird irgendwann verstehen, dass es ohne die Millionen der Sponsoren keinen Spieler auf das Grün treibt um einem Ball hinterher zu laufen.

    Bei dem Wort Fussball schwillt mir zwischenzeitlich enorm der Hals.

    Ich wünsche allen Kollegen die entsprechende Gelassenheit um die hohlen Kommunikationsversuche der betrunkenen Fans zu überstehen und eine verletzungsfreie Rückkehr von den Einsätzen!!

  2. Lieber Jörg

    Meinst du wirklich im ernst, der Verein kann etwas dafür, dass ein kleiner Teil seiner „Fans“ von Gott ohne Hirn auf diese Welt geschickt worden sind??? Der Verein trägt nicht die Schuld. Schuld sind allein die Täter. Die gilt es zu bestrafen und nicht den Verein, dessen Spiele sie für ihren Krawall benutzen. Setzt euch in der Politik und der Justiz dafür ein, dass wir diesen Leute geben dürfen, wonach ihnen dürstet. „Knüppel aus dem Sack“. „Hart, härter, Krankenhaus.“ Nicht jeder Verein hat das Geld sich eine Fanbetreuung wie der 1. FC Bayern zu leisten. Und für die sozialen Brennpunkte in ostdeutschen Städten kann der Verein auch nix.

    Ich gebe dir recht, dass die Figuren ein echtes Problem sind. Aber ich glaube nicht, dass der Schuldanteil der Vereine aussreichend ist, solche Saktionen zu rechtfertigen.

  3. Definitiv ist der Ausschluss von Dynamo völlig unverhältnissmäßig.Aber die leichteste Art sich des Problems von DFB Seite zu entledigen. Da müßte man die halbe Bundesliga ausschliessen siehe BVB Schalke am Wochenende. Da ist aber die Lobby zu groß und keiner traut sich ran… Mit Ausschlüssen trifft man sicher ein paar Richtige aber auch sehr viele Falsche. Entweder wird Adressatengerecht verfahren oder es geht nach dem Gießkannenprinzip mit gefangen mit gehangen. Und ich denke gerade Dynamo tut in verschiedenen Projekten viel für die Fans obgleich eben nicht immer alles gelingt. Schöne Geste von St.Pauli für dieses Projekt 6500 Euro zu spenden.

  4. gerade im Fall Dynamou Dresden war ein Exempel überfällig.
    Ausschluss aus dem DFB-Pokal war m.M.n. noch das Geringste, was passieren konnte

  5. Lieber Kollege Radek,

    ich kenne Ihre persönliche Einstellung zum Fußball im Allgemeinen, oder zu Fans im Speziellen nicht. Aber als Polizist erwarte ich von Ihnen mehr als diese undifferenzierte, klischeehafte und destruktive Stellungnahme. Insbesondere dann, wenn Sie als Gewerkschaftsvertreter den Eindruck erwecken (wollen), für alle Polizisten zu sprechen.

    Hat der Verein Dynamo Dresden Ihnen Videoauswertungen vorenthalten? Gibt es andere Aspekte, die den Vereinsverantwortlichen vorzuwerfen wäre? Was hätte der Verein im Vorfeld konkret noch tun können, um Einfluss auf das Verhalten zu nehmen? Wie kann es sein, dass bei einem angekündigten Fanmarsch die Polizei nicht in der Lage ist, die Einlasskontrolle aufrecht zu halten bzw. bei Auseinandersetzungen den Fanmarsch zu stoppen? Beim 1. Mai machen wir es doch auch. Gab es alkoholfreies Bier im Stadion, oder hat der Verein von Dortmund als Antwort auf solche und weitere Hinweise von Dresdener Verantwortlichen geäußert, dass man regelmäßig Champions-League-Spiele etc. ausrichte, weshalb man keine Belehrungen eines 2.Liga-Aufsteigers benötige?

    Wo bleiben Ihre konstruktiven Vorschläge (bspw. Hausrecht des Gästeblocks an Gastverein inkl. Einlasskontrollen etc.)? Haben Sie sich im Internet mal die Videos angesehen, als Kollegen aus NRW im Block bei ruhiger Lage den Dresdener Ordnungsdienst aus max. einem Meter mit RSG4 ins Gesicht sprühen? Ich will keine Kollegenschelte betreiben, aber mit dem Finger nur auf andere zeigen ist ein wenig zu einfach.

    Gerade von einem Vertreter der Polizei muss ich erwarten können, be- und entlastende Argumente vorzubringen, diese zu gewichten und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Der Ruf in alter Law&Order-Manier entspricht dabei eher Stammtischniveau.

    Fakt ist, die Strafe ist unverhältnismäßig, weil dem Verein nach allen vorliegenden Informationen kein schuldhaftes Fehlverhalten oder Unterlassen vorzuwerfen ist. Benennen Sie Versäumnisse, andernfalls sollten Sie als Polizist gegen die Verfolgung Unschuldiger protestieren. So interpretiere zumindest ich meinen Beruf…

    Wie weit soll das führen? Wenn jemand eine Straftat begeht, dabei aber das Trikot seines Lieblingsvereins trägt, wird der Verein bestraft, wenn der Täter nicht gefasst werden kann? Als Exempel für das Fehlverhalten seiner Fans?

    Interessant werden auch die nächsten Tage, wie die Urteile bei anderen Vereinen ausfallen werden. Zwangsabstieg von Mönchengladbach, Schalke, Dortmund, Frankfurt, usw. ist wohl die logische Konsequenz.

    Und bitte hören Sie auf, den Medien nach den Lippen zu reden und von Randale und Ausschreitungen zu sprechen, wenn Fans ein Bengalo in die Luft halten. Wird selbiges geworfen, bin ich ganz bei Ihnen. Auch bei Knallkörpern etc. Aber diese Dramatisierung ist unehrlich und einer objektiven Polizeiarbeit unwürdig.

    Aber auch da geht die eigene Behörde leider mit schlechtem Beispiel voran und spricht von verletzten Beamten durch Bengalos und Knallkörpern, wobei man dabei jedoch unterscheiden sollte.

    Ich höre jetzt aber auf, da es kaum jemand liest und die eigentlichen Adressaten beratungsresistent wirken.

    Mit kollegialen Grüßen…

  6. Ein weiteres Beispiel dafür, wie pauschale Berichterstattung dafür sorgt, dass Ursache und Wirkung völlig verkannt werden. @Jörg, ich bin schwer enttäuscht.

  7. Liebe Kolleginnen,liebe Kollegen,
    die Gewerkschaft der Polizei befasst sich seit geraumer Zeit mit der Gewalt aus Anlass von Fussballspielen. Wir haben dazu sehr konkrete Vorschläge unterbreitet. Sie finden sich auch auf dieser Seite.
    Für die Maßstabsgerechtigkeit seiner Urteile ist das DFB – Sportgericht zuständig.
    Wir haben als GEWERKSCHAFT DER POLIZEI angesichts der verletzter Unbeteiligter und verletzter Kollegen ein konsequenteres Vorgehen seitens der Verursacher gefordert.
    Die Anlässe setzt nicht die Polizei.Die Anlässe werden von jenen Vereinen gesetzt, aus deren Umfeld fortwährnend Gewalt gegenüber den Einsatzkräften ausgeübt wird.
    Wir haben zum Jahresbeginn eine gemeinsame Veranstaltung mit Fangruppierungen, DFB und DFL unter der Überschrift „Feindbilder abbauen“.
    Wir sind gesprächbereit. Ich sage dies auch vor dem Hintergrund das die überwiegende Zahl der Fußballfans friedlich ihren Sport begleiten und sehen wollen.

  8. Moinsens!!

    Folgender Artikel zum „Fußballproblem“:
    http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/nach-hannovers-groesstem-erfolg-schlagstoecke-und-schlechte-laune_aid_689675.html

    Besonders gut hat mir folgender Auszug gefallen.
    Zitatanfang:
    96-Anhänger klagten über das harte Vorgehen der Polizei, der Einsatzleiter sagte dazu: „Es ist in Belgien so, dass wir eher einen Wasserwerfer einsetzen als einen verletzten Kollegen zu haben. Einige Fans waren einzig darauf aus, die Polizei zu provozieren.“
    Zitatende

    So gehen unsere Nachbarn mit dem Problem um.
    Ich persönliche würde mir solche Einsatzleiter wünschen!!

    Gruß

    AB

  9. @ AB

    Belgien, Frankreich, Großbritannien, überall das gleiche Spiel.:

    Presse = veröffentlichte Meinung gegen Polizei.

    Da kann man sich als Bildgeiler Politiker nicht auf die Seite von Recht und Ordnung stellen.

    Der Unterschied in Liege (Lüttich) liegt in der Schluss-jetzt-Reaktion der Bevölkerung auf die Krawalle früherer Jahre….

    Bei uns wird die Bevölkerung von unserer allseits geliebten Presse allerdings nicht gefragt….

  10. @ Jörg:
    „…
    die Gewerkschaft der Polizei befasst sich seit geraumer Zeit mit der Gewalt aus Anlass von Fussballspielen. Wir haben dazu sehr konkrete Vorschläge unterbreitet. Sie finden sich auch auf dieser Seite.“

    Ich habe jetzt doch mehr oder weniger intensiv gesucht. Wirklich gefunden habe ich jedoch nichts konkretes.

    „Für die Maßstabsgerechtigkeit seiner Urteile ist das DFB – Sportgericht zuständig.“
    Auch der DFB sollte rechtsstaatlichen Grundsätzen folgen. Dies kann ich aber bei Sippenhaft und Exempelurteilen nicht erkennen

    „Wir haben als GEWERKSCHAFT DER POLIZEI angesichts der verletzter Unbeteiligter und verletzter Kollegen ein konsequenteres Vorgehen seitens der Verursacher gefordert.“
    Ein klares JA zu dieser Aussage. Und Verursacher sind in jedem Fall Einzeltäter.

    „Die Anlässe setzt nicht die Polizei.Die Anlässe werden von jenen Vereinen gesetzt, aus deren Umfeld fortwährnend Gewalt gegenüber den Einsatzkräften ausgeübt wird.“
    Diese Aussage lehne ich grundsätzlich ab. Wenn du Spieltage als Anlässe meinst, musst du auch konsequent sein, und diejenigen zur Verantwortung ziehen, die die Spieltage ansetzen. Und das ist auch der DFB. „Ironiesmiley“

    „Wir haben zum Jahresbeginn eine gemeinsame Veranstaltung mit Fangruppierungen, DFB und DFL unter der Überschrift “Feindbilder abbauen”.
    Wir sind gesprächbereit.“
    Ich habe an der letzten Veranstaltung in FFM teilgenommen. Im Ergebnis muss ich für mich feststellen, dass sich nichts geändert hat. Jeder zeigt auf den anderen und deren Schuld.

    „Ich sage dies auch vor dem Hintergrund das die überwiegende Zahl der Fußballfans friedlich ihren Sport begleiten und sehen wollen.“
    Und genau diese Aussage trifft auf ALLE Vereine zu.
    Ich erspare mir an dieser Stelle eine Aufflistung von Verfehlungen der „Guten“ Vereine im Pokal und den Ligen.

  11. und noch ne nette Lektüre, die die Situation recht gut beschreibt:
    http://www.1953international.de/start.php?artid=9#01id9