Ausgebrannt

Öffentlicher Dienst taugt nicht mehr als kurzfristiges Sparobjekt

(Quelle: Behörden Spiegel/Carsten Köppl) Personalabbau, hoher Krankenstand, Überalterung: Ist mit dieser Verwaltung bald kein Staat mehr zu machen? Zu lange hat die Politik den “ Öffentlichen Dienst“ nur unter Kostenaspekten betrachtet, heißt es bei den Gewerkschaften. Und in der Tat häufen sich die Anzeichen, dass die Verwaltung die Grenzen ihrer Belastbarkeit bereits überschritten hat. Vom Dienstherrn kommen vorsichtige Signale der Einsicht.

Sehr viel schlechter könnten die Kennzahlen eigentlich nicht mehr aussehen: Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst (Bund) sind im Schnitt etwa 45 Jahre und damit drei Jahre älter als die Gesamtbevölkerung. Nach dem Gesundheitsförderungsbericht 2009, der Anfang 2011 vom Bundesministerium des Innern herausgegeben wurde, fehlten die Beschäftigten (Bund) im Schnitt 17,76 Tage, Pflichtversicherte fehlten 2010 nur 14,8 Tage. Rund zwei Drittel der neuen Arbeitsverträge im Öffentlichen Dienst sind befristet und nur wenige dieser Verträge münden dann auch in eine Übernahme. Das spricht nicht für die häufig ins Feld geführte gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie beim öffentlichen Dienst, denn wer nur einen Zeitvertrag hat, stellt seinen Kinderwunsch hinten an.
Guckt man in einzelne Sparten, sieht es zum Teil düster aus: Eine von der Gewerkschaft der Polizei in Auftrag gegebene Studie von Prof. Dr. Gerd Strohmeier von der TU Chemnitz zeigt, dass von etwa zwei Dritteln der Bundespolizisten die Arbeitsbelastung als äußerst groß empfunden wird. Dies habe gravierende Folgen auf die Berufszufriedenheit und die Gesundheit, sagte der Experte auf dem Schöneberger Forum des DGB Mitte November. Auch die Sonderauswertung Öffentlicher Dienst des DGB-Index Gute Arbeit vom Oktober 2011 zeichnet ein ähnliches Bild der Lage: So geht nur jeder zweite Beschäftigte davon aus, seine Tätigkeit unter den jetzigen Bedingungen bis zum Ruhestand ausüben zu können. Mehr als ein Drittel der Befragten leiden häufig an Erschöpfungszuständen, „stressinduzierte Beschwerden führen die Liste der arbeitsplatzbezogenen Gesundheitsbeschwerden an“, heißt es vom DGB. „Die frühere Rolle als Modellarbeitgeber fällt dem Öffentlichen Dienst immer schwerer“, resümiert Dr. Karsten Schneider, der neue Abteilungsleiter Beamte und Öffentlicher Dienst beim DGB. Hinzu kommt noch der permanente Personalabbau: Auf Bundesebene fallen 10.000 Stellen bis 2014 weg und in vielen Ländern gibt es ebenfalls Sparprogramme. Auf Ebene des Bundes gibt es aber einen leisen Hoffnungsschimmer, dass zumindest die pauschale Stelleneinsparung von 1,5 Prozent jedes Jahr eingestellt wird. So sagte Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, auf der DGB-Veranstaltung: „Wir sind an einem Punkt angekommen, wo man den Personalabbau überdenken sollte.“ Und auch ihr Staatssekretärskollege aus dem Bundesfinanzministerium, Werner Gatzer, sagte, er werde seinen Minister dahingehend beraten, auf die pauschalen Stelleneinsparungen zu verzichten.

Der Öffentliche Dienst braucht eine langfristige Personalmanagementstrategie, um auch in Zukunft seinen Aufgaben noch gerecht werden zu können. Dazu gehören ein Qualifikations- und ein Gesundheitsmanagement. Frühere Versuche, hier Besserungen zu erzielen, sind ohne Ergebnis geblieben. So haben BMI, DGB und DBB jeweils Vereinbarungen zur Verbesserung der Gesundheit und der Weiterbildung beim Bund unterzeichnet. Auch Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, zeigte sich auf dem Schöneberger Forum über den Erfolg der Initiativen enttäuscht.
Solche Fragen sollten zukünftig Gegenstand eines Tarifvertrages werden. Bei der kommenden Tarifrunde für die Beschäftigten von Bund und Gemeinden wird es aber laut Gewerkschaften vorrangig um eine „ordentliche Erhöhung der Einkommen“ gehen – vielleicht eine verpasste Chance.

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10 Kommentare
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  1. Die Studie der GdP kommt in der Medienwelt an.
    Der Druck muß jetzt weiter hochgehalten werden.
    Gute Arbeit der GdP

  2. In Zeiten knapper Kassen, bzw. Finanzkrise mit Sorge ums eigene Geld ist das Thema „armer öffentlicher Dienst“ sicherlich Top Thema Nr.1 in der Bevölkerung, um uns zu unterstützen. Nee, is klar….

    Gruß

  3. Ich teile den Kommentar von Michael. Aber abweichend bin ich der Meinung, dass es keine knappen Kassen gibt. Geld ist genug da. Nur die Empfänger sind „elitär“ auserwählt. Wenn ich einen Kredit von 500 Tausend € beantragen würde, als Privatmensch, würde man den nicht nur nicht genehmigen, sondern an meinem „Verstand“ zweifeln. Tut niemand bei Politikern. Völlig normal, dass jemand solche Summen (wofür eigentlich) braucht. Kann ja nicht für Miete ..u.s.w. sein…, bekommen doch alles gestellt…Dienstwagen……….

  4. Ein interessanter Artikel……. sehr lesenswert!
    Für den öffentlichen Dienst in Deuschland, als verlässlicher Partner unseres gesellschaftlichen Miteinanders und Gemeinwesens, sollte eine seriöse Nachhaltigkeit in der politischen Ausrichtung, Vorrang vor einer möglichen kurzsichtigen betriebswirtschaftlichen Spar-Betrachtung haben. Dazu sind die politischen Entscheidungsträger unseres Landes, im Sinne einer mittel- und langfristigen Qualitäts-Positionierung, verpflichtet.

  5. Studien zum Thema Burn Out und die Hinweise an die große Generalität haben doch im Gurnde überhaupt nichts gebracht. Besser wäre man ginge in die Offensive, anstatt unsere Führung und die Politik auf Mißstände hinzuweisen.
    Eine gute Schlagzeile in der Presse z.Thema Burnout, wäre die Schlagzeile „25% der Bundespolizisten geisteskrank!“ …nur mal schaun was das für eine Welle schlagen würde!?

  6. Zum Thema:Burn Out
    Man sollte nicht vergessen, das wer ausgebrannt zu sein glaubt, derjenige auch vorher „gebrannt“ haben muss. Damit sind vielleicht einige müde, kaputt, abgeschlafft oder lustlos. Aber bestimmt nicht ausgebrannt.

    Zum Thema: Alter
    In der Tat muss sich die Behörde etwas für die älteren Mitarbeiter überlegen.
    – Rentensystem (Schichtdienstler gehen mit 55 in Rente / Stab- und Innendienst mit 65 – damit ist der Ausgleich geschaffen)
    – Wechsel zu anderen Behörden (Heimatnah)
    – Struktur / Verwendungsmodel
    dem Thema muss sich dringend und ergebnissoffen gestellt werden. Keine Überlegung darf tabu sein. Es geht um die Gesundheit der Polizisten.

    Zum Thema: Klartext Studie
    Viele Fragen / Antworten haben mich erschreckt. Wenn man zur Polizei geht, dann weiß man vorher, dass man am Wochenende (Einsatzschwerpunkten/- zeiten) und imSchichtdienst arbeitet. Man weiß, dass die Karriere und das „Reich-Werden“ nicht als Polizeibeamter zu erreichen sind, man weiß dass man der „Prügelknabe“ der Nation ist… man weiß, dass man sich für den geilsten Job der Welt entscheidet, aber dass es viele „Unwegsamkeiten“ gibt.
    Ich arbeite viele Wochenenden – das ist mein Job!! Was soll ich denn Mo-Fr 08:00 – 15:00 Uhr machen? Fußball, Demo, Castor, Gewalt das sind doch alles Wochenendlagen. Dafür habe ich den Beruf gewählt, um als Polizist bei Straftaten und Gefahren vor Ort zu sein und Sicherheit zu gewähren. Das geht aber nicht zu Bürozeiten. Ich bin jedoch nicht befragt worden bei Klartext. Die Auswertung ist aber mal behördenfremddenkend geschehen. Wobei sich zeigt, dass das Berufsbild bei einigen wohl im argen ist. Es gibt also schon viel zu tun; jedoch pro unserem Auftrag.

    zum Thema: permanente Personalabbau:
    es fehlen im Moment (ohne Personalabbau) mindestens 3000 junge PVB mD. Aber statt jetzt für die Direktionen einzustellen, werden die Zahlen reduziert; ein riesen Fehler.

  7. Lieber aeM!

    Ich bin mir jetzt echt nicht sicher! Schreibst Du jetzt um zu provozieren, damit Burn Out weiterthematisiert wird und hier eine Diskussion entsteht? Oder ist das was Du schreibst Dein Ernst???
    Ich frage mich wirklich wer von uns allen zum Arzt muß?! Die „lustlosen Burn-Outler“, oder die „fleißigen Gesunden“?!

  8. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!
    Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier!
    Dann sind wir alle nicht mehr hier!
    Am Christbaum dann die Kerzen brennen!
    Ein Funke fliegt! Ein Ast sich biegt!
    Auf einmal steht die Tann‘ in Flammen!
    Das Christkind schreit, der Baum sich neigt!
    Von wo kommt Rettung in höchster Not?!
    Der Weihnachtsmann! Er sieht langsam rot!
    Zum Schluß läuft er Amok und alle sind tot!
    Geführt vom Stern drei Könige kommen!
    Die drei Weisen werden sie genannt!
    Was sie finden…es ist beklommen!
    Weihnachtsbaum, Stall, Krippe, Christkind…alles ist abgebrannt!
    Der Weihnachtsmann liegt tot im Eck!
    Ein Kopfschuß hat ihn niedergestreckt!
    Zum Schluß ein Vers aus der heiligen Schrift…
    Das Leben ist wie eine Blume, weht der Wind darüber ist sie dahin!
    Amen!

  9. Lieber aeM

    Du unterliegst einem Irrtum. Um am sog. Burnout-Syndrom zu erkranken muss man vorher nicht zwangsläufig „gebrannt“ haben. Falls Du mal Zeit findest, würde ich Dir empfehlen, Dich mal mit einschlägiger Fachliteratur zu befassen. Auch in einigen Ausgaben des SPIEGEL; Stern und des FOCUS wurde das Thema ausgiebig dargelegt. Es können sehr viele Faktoren zum Burnout führen.

    Frohe Weihnachten

  10. Es ist eigentlich auch vollkommen wurscht, ob die Burnout-Quote nun bei 25% liegt, bei nur 22% oder auch 27%!
    Wesentlich wichtigeres Ergebnis der Beerlage-Studie ist vielmehr, dass der Anteil der Betroffenen bei der Bundespolizei ca. doppelt so hoch ist wie bei den meisten Länderpolizeien! (Und das kann jetzt auch kein noch so schöner Intranetbeitrag widerlegen, da diese Zahlen das Ergebnis e i n e r Studie darstellen)

    Sollte uns das, liebe Brüder und Schwestern, nicht zu denken geben? (frei nach Otto…)

    Den massgeblichen Leuten offenbar noch nicht so recht, denn die Abwiegler wähnen sich anscheinend wieder stark im Aufwind, und so stellen denn auch Direktionspräsidenten bereits wieder öffentlich die Aussagen der Studie in Frage! – Ebenso, wie ja bekanntlich nach der Strohmeier-Studie in Windeseile in einigen Bereichen auf Direktions- oder sogar Inspektionsebene eigene Befragungen zur Zufriedenheit durchgeführt wurden.

    Schade, eigentlich hatte ich gedacht, wir wären schon weiter, die Frage des „ob“ sei geklärt und nun wäre es verstärkt daran, das „wie“ (nämlich der Abhilfe…) zu diskutieren!
    Der Weg ist übrigens auch bereits seit der Beerlage-Studie vorgezeichnet:
    u.a.
    -Belastung verringern (d.h. Arbeitsverdichtung zurückfahren)
    -Funktionierende Teams herstellen bzw. überhaupt zulassen
    -Handlungsspielräume herstellen bzw. zulassen

    Sehr viele der Probleme haben uns die Dauerreformen, insbesondere durch die fortschreitende Zentralisierung, überhaupt erst geschaffen, u.a. dadurch, dass nahezu alle auch noch halbwegs funktionierenden Strukturen zerstört wurden, es im Gegenzug aber bis heute nicht gelungen ist, diesen etwas auch nur halbwegs wieder funktionierendes entgegenzusetzen.

    Das wird voraussichtlich auch nicht gelingen, solange es niemand wagt, dem jeweils amtierenden „Kaiser“ mitzuteilen, dass er ziemlich nackt dasteht…

    …und dass das auch jeder sehen kann…