Organisierte Tätergruppen nutzen offene Grenzen

Josef Scheuring

Josef Scheuring

Berlin/Hilden. Organisierte Tätergruppen nutzen den Wegfall der Grenzkontrollen offenbar zunehmend, um besonders in deutschen Großstädten Diebstähle und Wohnungseinbrüche durchzuführen: Nachdem der Düsseldorfer Polizeipräsident Herbert Schenkelberg bereits im Oktober 2011 auf einen Anstieg dieser Delikte um 55 % in seiner Stadt hingewiesen hat, hat jetzt auch die amtierende Polizeipräsidentin Berlins, Margarete Koppers, einen Anstieg dieser Delikte um 24 % im Jahr 2011 verzeichnet. Für beide Polizeiexperten ist ein Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Delikte und dem Wegfall der Grenzkontrollen offenkundig.

„Wir haben bereits bei Wegfall der Grenzkontrollen im Dezember 2007 auf diese mögliche Entwicklung hingewiesen und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen dazu eingefordert. Inzwischen hat nicht nur die Bundespolizei ihr Personal in den Grenzräumen reduziert, sondern auch die Polizeien der Länder bauen dort ständig weiter Personal ab“,  so Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei.

 

Gleichzeitig sparten vor allem die osteuropäischen Nachbarstaaten aus Finanzgründen massiv an ihren Polizeien. Laut GdP entstehen damit für die Tätergruppen geradezu ideale Bewegungs – und Rückzugsräume. „Eine weitere Reduzierung der Bundespolizei in diesen Grenzräumen wird die Situation zwangsläufig weiter verschärfen. Wenn  Europa neben der Finanzkrise nicht auch noch mit einer Krise der inneren Sicherheit belastet werden will, müssen die Bundesregierung und die Länderregierungen jetzt diese Entwicklung zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln“, so Scheuring weiter.

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In der Presse:

RP Online: Verstärkt Einbrüche durch organisierte Verbrecher

 

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13 Kommentare
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  1. Ach nee, Grenzöffnung, Wohlstandsgefälle, Anstieg Kriminalität, Rekorddiebstahlszahlen bei Autos, Fahrrädern, Baumaschinen, Traktoren und LkW. Zunahme von Ladediebstählen, Zunahme des Schmugges von Zigaretten, BTM, Waffen, Schleusungen von Menschen und Anstieg (Wiederanstieg)der illegalen Migration.
    All das wurde vorhergesagt – aber das Eintreffen bis heute von unseren Reformern geleugnet.

    Polizei und Sicherheit nach Zahlen.

    Und das geht so.

    Mach eine Reform. Schicke Personal per AO (am besten gute Einzeldienstler mit viel Erfahrung und Spass an ihrem Job) zu Schwerpunktdienststellen und lass sie dort Streife laufen.

    Am Heimatort befinden sich ja immer noch die nach Sozialpunkten ausgewählten Leute. Also viele Mütter, Väter, Ältere, Kranke oder sonst irgendwie „Leistungsgeminderte“. Dazu natürlich, der komplette Wassrkopf einer Inspektion. Dieser wurde ausversehen nicht reformiert und von einer AO waren diese Damen und Herren auch befreit. Obwohl die Erweiterung des eigenen Horizonts einigen „Alteingesessenen“ nicht geschadet hätte.

    Nach 10,11 oder mehr AO-Raten hat man dann den vorhergesagten Rückgang der „Grenzkriminalität“ erreicht und fühlt sich bestätigt, wenn auch von den Betroffenen nicht verstanden. Ist ja auch klar – weniger Personal, weniger Aufgriffe bei einer selbsternannten „Fahndungspolizei“…aber das nur am Rande.
    Mit ein bisschen geschürten Frust unter den Beschäftigten sinkt dann noch mal ganz leicht die Motivation zu großen Taten. Die Statistikt sinkt weiter und die Anzeige in der Exel-Tabelle entwickelt sich endlich in die gewünschte Richtung – Null.

    Ziel erreicht könnte man meinen – aber nein.

    Dann kommt das Jahresende und der Brief vom Präsi.
    Oben wird danke gesagt und Schiller zitiert, weiter unten in einem schlanken Halbsatz „die sicherlich 2012 endende Reform“ erwähnt und ganz unten auf „die dann folgenden strategischen Neuausrichtungen“ verwiesen. Diese schließen sich natürlich an eine zuvor erfolgte genaue, ganz genaue Evaluierung des bisher Erreichten an. Das Ergebnis dürfte ja wohl schon klar sein…

    So stellen sich die Mitrarbeiter Transparenz und Mitnahme vor und jeder weis genau wo es lang geht.

    Eine Reform an deren Ende überall Personal fehlt (gut überall nicht, dass „Gehirn“ der Behörde ist ja gut versorgt) – ist gescheitert aber nicht an den tausenden betroffenen Mitarbeitern die einen guten Job machen(wollen).

    Euch allen eine gutes Jahr…

  2. Dazu passt auch das „Interview“ mit dem Abteilungsleiter B auf der Intranetseite.
    Ist doch alles ok bei der Bundespolizei.

  3. Mensch Kollegen, grämt Euch doch nicht weiter über die vielen „Prioritätensetzungen“ des Dienstherren, bei denen ja auch immer wieder die Millionen mit allen Händen aus dem Fenster geschmissen werden! (Siehe auch die momentanen Planungen für einen neuen Standort in Bautzen mit Perspektive als BPOLI trotz mit Steuerzahlermillionen gerade erst neu gebauter bzw. energetisch sanierter Diensstelle in Ebersbach/Sa.! Aber das wäre ein Thema für sich…).
    Spart Eure Kraft- und Gesundheitsresourcen möglichst für den Zeitpunkt des unmittelbar bevorstehenden Crash`s dieses in allen Bereichen maroden Staates-und Finanzsystems, auch und gerade im Interesse Eurer Familien!!! Das reinigende Gewitter ist in diesem Saftladen D. schon lange überfällig – damit unsere Entscheidungsträger, Verantwortliche will ich diese nicht nennen, mal wieder zur Besinnung kommen wem sie eigentlich zuallererst zu dienen haben.
    Ich wünsche allen Kollegen einen guten Rutsch ins 2012 und vor allem Gesundheit für Eure Familien!

  4. Der Einschätzung von Jupp Scheuring und der beiden Sicherheitsexperten wäre an sich nichts weiter hinzuzufügen, doch dieses Phänomen ist nicht erst seit der Grenzöffnung im Osten zu verzeichnen. Schon der Beitritt der osteuropäischen Staaten zur EU und die Verlagerung der Außengrenzen haben auch spürbar zu einer Verlagerung von Flüchtlingsströmen geführt und das ist an Zahlen deutlich belegbar. Ein Vergleich der Aufgriffe von Illegalen und der Personausstattung an Inspektionen im Grenzbereich zu den Niederlanden, Belgien und zu Frankreich widersprechen der These von quidam, dass mit weniger Personal und durch Abordnungen die Aufgriffszahlen zurückgehen müssen. Unsere Inspektion im westlichen 3-Ländereck liegt bei den Illegalenaufgriffen unter den ersten 3 Inspektionen bundesweit und das als Kategorie-3-Dienststelle und mit knapp 60 Prozent Personalausstattung. Dieses Jahr werden wir noch einmal einen Anstieg bei den Aufgriffen um 60 Prozent haben. Ein Rückgang der Aufgriffszahlen an der Ostgrenze liegt bestimmt nicht daran, dass an dort nur „viele Mütter, Väter, Ältere, Kranke oder sonst irgendwie Leistungsgeminderte” Dienst machen. Bei uns wurden die Dienstposten nach den selben Kriterien besetzt, wie in den anderen Bereichen der Bundespolizei. und wir haben noch Bedarf und Arbeit ist mehr als genug da. Was wir brauchen, ist eine klare Aufgabenkritik und eine personelle und materielle Ausstattung, die sich an der Lebenswirklichkeit orientiert.

  5. Ist schon einmal von den hohen Herren und Damen auf die Idee gekommen, dass der Antsieg der Kriminalität analog dem Abbau von Polizeibeamten und Dienststellen einherrgeht?
    Die Kriminellen waren auch früher schon da, nur waren da noch genug Beamte vor Ort…

  6. Wir sind ja eine moderne Fahndungspolizei. Nur wenn ich sehe, mit was für Technik wir hier im Osten versuchen zu „Fahnden“…Gute nacht Marie.

    Der letzte Aufgriff in DD hat es wieder gezeigt. Es wird geschleust. Und zwar hochprofessionel!!!

    Die Bundespolizei hat nunmal den Nachteil, das sie Kontrolldelikte feststellt bzw. feststellen muss. Und wie das Wort schon sagt. Kontrolldelikte werden eben nur festgestellt, wenn kontrolliert wird bzw. werden kann. Und mit dem Personal und der Technik fischen wir hier im Promillbereich…

    Ich könnte mich nur aufregen… Aber das bringt auch nichts.

  7. Dazu passt ja folgende Informationen des IM Brandenburg sehr gut:

    Ab sofort werden bis auf weiteres mehrere LESE (Bereitschaftspolizei) des Land Brandenburg im Grenzraum nach Polen verwendet, um dort die grenzüberschreitende Kriminalität insbesondere bei Fahrzeugdiebstählen und Wohnungseinbrüchen zu verhindern.

    Jetzt hab ich keine Frage mehr. Die Sicherung der Grenzen bis zu 30 km ist die Kernaufgabe der Bundespolizei. Aber nein, wie von hoher Stelle der Bundespolizei ausgeführt wurde, ist keine Erhöhung der grenzüberschreitenden Kriminalität seit Öffnung der Grenzen zu verzeichnen. Hab ich hier was verpasst, oder macht das IM Brandenburg eine andere Lageeinschätzung als unsere Behörde??!!!
    Na dann viel Spass den Kollegen der Landespolizei für die nächsten Monate!!

  8. @Älterer Beamter

    das siehst du falsch, unser Präsi hat doch klargestellt Kfz-Diebstahl ist Landessache, ebenso sind Einbrüche Landessache, du darfst nur fahnden, fahnden, fahnden, damit man nach P Zahlen melden kann, und bei bedarf wirst du in den Ballungsraum versetzt, damit du noch mehr fahnden, fahnden, fahnden kannst.

  9. Dies wurde bereits Anfang der 90er im letzten Jahrhundert vor der Einführung des Schengener Abkommens als selbst erfüllende Prophezeiung gesehen; war aber politisch gewollt. Die kontrollfreie Reise innerhalb Europas wurde quasi als Grundrecht „jeden“ Bürgers eingestuft. Die „paar“ Straftäter muss der Staat aushalten können.
    Nun hat sich allerdings das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung geändert. Daher ist die derzeitige europäische Sicherheitspersonalpolitik – Einsparung durch Personalabbau – eher kontraproduktiv. Deutschland sollte Vorreiter sein und verstärkt gegen den Verlust des inneren Sicherheitsgefühls arbeiten. Wenn die derzeitigen demokratischen Politiker und deren Organisationen, dazu zähle ich auch die Gewerkschaften, keine zeitnahe Lösung finden, wird dieses Thema sehr schnell von der „braunen“ Ecke eingenommen (siehe auch Dänemark). Und das wollen wir alle nicht.

  10. Auch wenn der Präsi meint das die Verbringungskriminalität Aufgabe der Lapo ist , können wir unsere Augen davor nicht schließen.Das Jahr hat gerade begonnen und es geht schon wieder wie bei Cobra 11 auf der Autobahn los.
    Illegale gibt es auch aber die muß man erst mal in der Schleierfahndung heraus filtern. Und mit unseren T4/T5 und ohne Kilometer wird das eng.Man hat ja sogar beim Rückbau des GÜG und beim Neubau von Autobahnanschlußstellen vergessen Kontrollbuchten zu beantragen.
    Hinzu kommt das in unserer Inspektion die Reform noch im Schritt ….. ist.Neben der Ungewissheit vor bevorstehenden Zwangsversetzungen ,AO zum Airport,werden jetzt nochmal zusätzlich Beamte zur Kontrolle der Kreuzfahrtschiffe in den Häfen abgeordnet.
    Ich finde dieses Forum ja toll.Man erfährt Neuigkeiten und hört auch die Probleme der anderen beamten.Aber kann man das nicht mal ausdrucken und der Führung und den Politikern vorlegen,das die vielleicht mal erfahren wie es an der Basis aussieht.

    Anm. der Redaktion: Liebe/r Kollege/in, die Druckfunktion zu jedem Artikel steht dir zur Verfügung sobald du den Artikel aufrufst. Am Ende jedes Artikels ist der „Themenbereich“ vermerkt und in der selben Spalte befindet sich die Druckfunktion.

    Die Redaktion

  11. Im letzten Europaauschuss des Brandenurgers Landtages hat der Staatssekretär im Innenministerium Brandenburg Balkendiagramme gezeigt , viele, sehr viele, dass in der Grenzregion lange nicht alles so schlimm ist. Gleichwohl erreichen mich E- Mails von Polizisten der Landespolizei und Bundespolizei , dass die Lage , die Verfssung der Kollegen wirklich am Ende ist. Ich versuche dies in meiner Fraktion darzustellen, stelle mich damit aber ins Abseits und werde als Spinner betrachtet. So funktioniert Politik. Was nicht stimmen darf kann eben nicht stimmen. Bei allen Einsparungen leistet sich aber Brandenburg ein teueres Orchester . Klar , dass ist wichtiger als Polizeibeamte. Die Kripo kricht auf dem Zahnfleisch und Prävention, na ja – muss nicht sein. Und doch wird im Januar ein Evaluationsbericht im Landtag verabschiedet der besagt, eigentlich ist alles gut. Habt ihr euch schon mal gefragt , was nach den drei Monaten ist, wenn die Hundertschaften wieder weg sind.

  12. Orchester, dass ist das Stichwort. Die BPOL hat ja wohl drei davon-unglaublich…aber man soll ja nicht immer zuerst bei der Kultur sparen.
    Zudem braucht ein flotter Dampfer wie die Bundespolizei ja auch die nötige musikalische Untermalung – die Titanik hatte das ja schließlich auch.
    Und hier noch eine Idee 21: Alle drei Orchester zusammen, plus die schicken Großraumbusse wäre doch eine super schnelle Eingreiftruppe in hunderstschaftgröße – und wirklich einsetzbar bundesweit. Mich würde zudem mal interessieren ob die Jungs und Mädels bei Abendvorstellungen auch DUZ bekommen??? Und Polizeizulage?? Naja, egal.

  13. Das Kernproblem von „Schengen“ war und ist der Verzicht auf geeignete Ausgleichsmaßnahmen zum Wegfall der Grenzkontrollen, die bis dahin eine wichtige Filterfunktion innehatten. Hinzu kommen die enormen technischen Unzulänglichkeiten (z.B. fehlendes europ. AZR). Auf europäischer Ebene werden leider immer wieder irgendwann Entscheidungen auf den Weg gebracht, nur um sie auf den Weg zu bringen. Was dabei herauskommt, wird dann hinterher beurteilt und gnadenlos schön geredet.

    Fakt ist, Deutschland ist spätestens nach dem Schengen-Beitritt der Schweiz ein Land, das ausschließlich von Binnengrenzen umgeben ist. Dass angesichts dieses Umstandes immer noch von Zuständigkeiten in 30-km-Bereichen gesprochen wird, ist wirklich erstaunlich. Die Illegalen machen nach 30 km sicherlich nicht halt; deswegen war der gedankliche Ansatz der ‚Werthebach-Kommission“ dahingehend richtig, dass die BPOL zusammen mit dem Zoll präventive Inlandszuständigkeiten (FKS … usw.) auf dem Gebiet des AuslR erhält. Alles andere macht m. E. schon lange keinen Sinn mehr.

    Es grüßt der ErmB