Demografischer Wandel erfordert eine vorausschauende Personalpolitik

Bild: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

Die Deutschen sind ein schrumpfendes Volk. Wir werden nicht nur älter wir werden auch weniger. In der Bundespolizei beträgt der derzeitige Altersdurchschnitt 41,37 Jahre.  Für die Bundespolizei bedeutet das ausgehend von der gegenwärtigen Altersstruktur für die nächsten 11 Jahre ca. 9.800 Ruheständler. Gleichzeitig geht die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland insgesamt zurück. Die Zahl der unter 20jährigen wird von heute ca. 16 Millionen wird in den nächsten Jahren stetig abnehmen.

Daher wird es für den Bund im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Privatwirtschaft schwieriger werden, den Bedarf an Fachkräften zu decken. Die Bundesregierung selbst kommt in ihrem Demografiebericht zu der Einschätzung: „Auch für die Polizei ist zu erwarten, dass der Bedarf an geeigneten Bewerbern für den Polizeivollzugsdienst nur schwer zu decken sein wird.“

Diese Feststellung ist umso erstaunlicher, als das Handeln der nachgeordneten Verwaltung ihr nicht folgt. Mit der Abschaffung sowohl des unbegrenzten und als auch des begrenzten Praxisaufstieges und der Verschlechterung der Alterszugangsgrenzen für Beamtinnen und Beamte, die an einem Aufstieg mit begrenzter Ämterreichweite teilnehmen wollen, von 40 auf 45 Jahre wurden im letzten Jahr die Erkenntnisse des Demografieberichts schlicht ignoriert.

Im gehobenen Dienst erreichen nach dem Auslaufen des Attraktivitätsprogramms bis 2022 ca. 2.900 Mitarbeiter ihre Altersgrenze. An diesen Zahlen wird deutlich: Die Bundespolizei muss das entstehende Personalfehl im gehobenen Dienst eigenständig schließen. „Mit Blick auf den Aspekt der Personalbindung sollte diese (= die Personalentwicklung, Anmerk. d. Red.) zum einen auf die derzeitigen Beschäftigten der Bundesverwaltung ausgerichtet sein und dort vor allem auch die Belange älterer Beschäftigter in den Blick nehmen“, so das Ziel für eine für demografieorientierte Personalentwicklung innerhalb der Bundesverwaltung.

Die Zeit ist also reif, um Bausteine für die Einstellung, für den Aufstieg und für die Fortbildung zu entwickeln. Die Altersstruktur stellt veränderte Anforderungen an eine Personalentwicklung. Mit ihr muss aktiv die Chancengleichheit gestaltet und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgenommen werden. Voraussetzung ist jedoch eine vorausschauende Personalpolitik unter Berücksichtigung der Altersstruktur und dem Fachwissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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Themenbereich: Finanzielles & Laufbahn | Drucken

16 Kommentare
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  1. Wenn man in Deutschland etwas ganz Großes baut, dauert Planung und Bauzeit mindestens 10 Jahre. Genug Zeit um entsprechendes Personal zu beschaffen – sollte man meinen.
    Der Wirtschaft gelingt das auch in der Regel – nur unseren selbsternannten Managern mißlingen immer ihre Personalplanungen.
    Egal ob früher ein Grenzübergang im Osten gebaut wurde oder Flughäfen, Terminals und Bahnhöfe im Westen, die 10 Jahre bis zur Fertigstellung vergingen für unsere Personalplaner immer unfair zu schnell.
    Kurz vor Fertigstellung der Bauwerke und Übernahme der Aufgaben wurde dann meist festgestellt, dass noch offene Dienstposten zu besetzen sind.
    …und schon setzte der übliche Reflex ein – Umschichtung – von Nord nach Süd, von Ost nach West, vom Einzeldienst in den Verband aber doch meistens vom Verband in den Einzeldienst…Das man damit, der DDR-Volkswirtschaft gleich, einen Mangel mehr recht als schlecht beseitigte aber zwei Neue entstanden, nahm man schon wie selbstverständlich in Kauf.

    Warum wundert es mich da nicht, dass der demographische Faktor, der seit Erfindung der „Pille“, ganz Westeuropa als dunkler Schatten begleitet – erst im Jahr 2012 bei der Bundespolizei für –leichtes- Unbehagen sorgt.

    Positiv ist natürlich, dass wir über die Jahre eine wirklich homogene Truppe geworden sind – Ü45 und durch die (not)verordnete integrative Aufgabenwahrnehmung auch noch alles können.
    Kritiker sagen, aber nichts richtig – sie würden vielen guten Jungs und Mädels damit unrecht tun.

  2. Ich würde keinen Cent darauf setzen, dass die Bundespolizei in 20 Jahren noch existiert.

    In der Inspektion liegt der Altersdurchschnitt bereits bei knapp 50 Jahren, d.h. in spätestens 15 Jahren werden die Kräfte maximal noch für ein paar Flughäfen reichen, etwas später ist dann endgültig Schluss.
    Und vermutlich ist dies vom Bund genau so politisch gewollt.
    Und inzwischen (und nach fast 30 Jahren Schichtdienst mit der Aussicht auf 12 weitere Jahre) ist mir dieses auch völlig egal, meine Kollegen und ich sind einfach nur noch müde.
    Was man nicht mehr am Leben erhalten will, sollte sterben dürfen…
    Allerdings in Würde, aber das ist sicherlich zuviel verlangt.

  3. Südberliner: Wieso erst in 20 Jahren???

  4. Jedoch, auch hier gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.

    Sehr geehrte Administratoren,

    gegen welche der o.g. Punkte hat man Beitrag verstossen?

    Mit freudlichem Gruß

    H. Jeß
    GdP- Mitglied

  5. Südberliner: Wieso erst in 20 Jahren???

    Ach, eine Anhebung der Pensionsaltersgrenze ist doch immer drinne, wenn Steuergelder eingespart und dann zu Wahlkampfzwecken wohltätig verteilt werden müssen, um den Machterhalt zu sichern.
    Und die Länder wollen uns und unsere Aufgaben natürlich auch nicht übernehmen, weil (siehe oben) kostet Geld.
    Ergo muss der Bund so lange wie möglich die Bundespolizei auf Sparflamme vor sich hin mickern lassen.
    Leidtragende sind dann natürlich die üblichen Verdächtigen, welche immer mehr Polizeiarbeit leisten sollen und dabei immer älter werden.
    Mein Mitleid mit jungen dynamischen hochgeschossenen Powerpoint-Rittern, Excel-Tabellen-Helden und ÖP-Schwätzern hält sich dagegen in Grenzen, ich kann dieses hohle Verbreiten von heißer Luft mit anschließendem Verschwinden in der Büroetage nicht mehr ertragen.
    Ein mehrjähriger Einsatz in der Kontrolllinie würde allen Beteiligten weiterhelfen und die Demographie nachhaltig verbessern…

  6. Wo kein politischer Wille, da keine Gestaltungsmöglichkeit!

    Ich denke aber auch, dass viele Politiker gar nicht wissen, dass in ihrem Bundespolizeibeamte leben!

    Das Problem ist bekannt aber Löungen zu teuer wie immer!

  7. „Mein Mitleid mit jungen dynamischen hochgeschossenen Powerpoint-Rittern, Excel-Tabellen-Helden und ÖP-Schwätzern hält sich dagegen in Grenzen, ich kann dieses hohle Verbreiten von heißer Luft mit anschließendem Verschwinden in der Büroetage nicht mehr ertragen.“
    Südberliner 23. Februar 2012

    -:)
    Seh´ich genauso! Die Problematik lässt sich jedoch nicht lediglich auf das in diesem Bereich verbratene Personal beschränken, sondern weitet sich durch die aus diesen Bereichen eingeforderte Zuarbeit um ein Vielfaches aus!

    So werden dann selbst (sind eh´wenig genung!) positive Ansätze ruckzuck wieder ins Gegenteil verkehrt!

    Kleines Beispiel gefällig?

    Nun, die ach so gepriesene „Prozesssteuerung“, uns als „Handlungshilfe“, „Checkliste“ usw. verkauft, mutiert zunehmend zu einem retrograd angewendeten „Fehlersuchelement“, welches unter dem Strich dazu beiträgt, dem Kollegen an der Basis auch die letzte eigene Gestaltungsmöglichkeit zu nehmen und so den allgemein ohnehin vorhandenen Frust noch weiter zu verstärken!

    Dass die gesamten „Powerpoint-Ritter“ (gefällt mir!) nicht in dieser Anzahl im ODP zu finden sind, sondern der Umfang der in diesen Bereichen tätigen um ein vielfaches in Form mannigfaltiger Schattenstrukturen aufgeblasen wurde, gibt dem Ganzen natürlich noch einen weiteren Kick!

    Hierbei muss man immer wieder betonen: ich weiss, dass das Leben der in diesen Bereichen tätigen Kollegen beileibe kein Zuckerschlecken ist, die Organisation jedoch sieht einen derartig hohen Anteil dieser Tätigkeiten schlicht nicht vor! (Könnte man auch niemandem verkaufen, wenn das klar und deutlich niedergelegt würde…)

    Die Basis hätte auch gerne mehr Personal, um a) ihren Aufgaben mal wieder vernünftig nachgehen zu können und b) in Form von planbarer Freizeit eine gewisse „Work-Life-Balance“ wieder herzustellen!

    Im Gegensatz zu den „Rittern der Tafelrunde“ ( nein, die Verballhornung verklemm´ich mir…) fehlt ihnen jedoch die Möglichkeit, einfach mal eben Personal „nachzuziehen“!

    Und deshalb ist das Gleichgewicht zwischen operativem Dienst und Zuarbeit eben empfindlich gestört bzw. in seiner Wirkung umgekehrt worden!

  8. Eigentlich hatte ich hier schon mal zum Beitrag von GM geschrieben. Ist aber verschwunden..Oh Wunder. Nun denn, Gerhard hat mit seinem Beitrag klar erklärt, warum die BPOL einfach nur krank ist.

  9. Powerpoint-Ritter, Ritter der Tafelrunde….hmmm,

    ich fühle mich immer öfter wie einer der „Ritter der Kokusnuss“.

    Oder Don Quichote! Kampf gegen Windmühlen halt.

    Aber sonst, Gerhard und Südberliner….

    Euren coments ist nichts hinzuzufügen.

  10. Den vorhergehenden Meinungen schließe ich mich an (insbesondere 6 und 8).
    Weitere Kommentare spare ich mir, da sie ja leider nicht veröffentlicht werden (hier geht’s mir wie 9.).

  11. Ihr glaubt doch nicht aller Ernstes dass die Bundespolizei noch qualifiziertes Personal bekommt. Wenn Ihn der Bundespolizei noch 40 jährige Polizeibeamte mit A 8 umher rennen oder vielleicht mit A 8 in Pension gehen und gleichzeitig in anderen Bundesländern 20 jährige mit A9 als Eingangsamt Ihre Laufbahn beginnen, dann kann die Bundespolizei froh sein wenn Sie noch ein paar Sonderschüler abgrast. Sorry, schaut Euch doch mal um in der freien Wirtschaft werden aktuell Bonuszahlungen bis 10000 Euro in Erwägung gezogen, welcher einigermassen gut gebildeter Mensch geht da noch zur Bundespolizei. Wertschätzung das ist unter anderem das aktuelle Leitbild. Das sieht bei der Bundespolizei so aus : nach 25 Dienstjahren, also einem Viertel Jahrhundert bekommt ein Beamter 325 Brutto. Was er nach 40 geleisteten Arbeitsjahren bekommt, davon möchte ich erst gar nicht reden.Die Ausrede zählt auch nicht, wenn man sagt, dass andere ist ja schliesslich die private Wirtschaft. In Österreich bekommen die Beamten vom Staat je nach Dienstzugehörigkeit 3 Monatgehälter als Wetschätzung bezahlt.Das sich der Staat dafür nicht schämt. Dafür muss heute ein Polizeibeamter erdulden, das er angespuckt wird, beleidigt wird, Steine an den Kopf bekommt usw. Aber warscheinlich sind dem dtsch. Staat seine Beamten weniger wert, als manchem Bauern seine Hühner.

    Schönen Tag noch

  12. Hallo Pit,
    also ich hab mir von den 200 Euro netto der Prämie zum 25jährigen Dienstjubiläum eine gute Lederjacke gekauft, musste nur noch 90 Euro dazulegen.
    Da hat man was fürs Leben, für die restlichen 20 Jahre Schichtdienst.
    Das sollte doch als Ansporn für junge, qualifizierte und ehrgeizige Menschen ausreichen, bei der Bundespolizei einzusteigen.
    Immerhin hat man einen sicheren wechselnden Arbeitsplatz, und dies sogar bundesweit.
    Aber nun genug der Ironie, alles wird gut, Euch einen angenehmen Dienst und kommt gesund nach Hause.

  13. Ich glaube der demographischen Wandel ist nicht nur ein Bundespolizeiproblem sondern ein generelles Polizeiproblem. In den Ländern sieht es wahrscheinlich nicht besser aus. Meine Bekannten von der LaPO NW haben die gleichen Nöte, zu wenig Personal, geringe Wertschätzung durch die Regierung und in der Bevölkerung, Beförderungsstau, etc..
    Es muss grundsätzlich etwas geändert werden, damit wir durch ausreichendes und qualifiziertes Personal auch die uns gestellten Aufgaben in bester Qualität bewältigen können.
    Eine Idee wäre die Ausbildung zum Polizeibeamten mit einem Bachelor-Studiengang gleichzusetzen. Vorraussetzung: 100% ige Umsetzung der zweigeteilten Laufbahn und Anhebung des Grundgehaltes um mindestens 10 Prozent.
    Wer die Besten haben will und von diesen auch viel verlangt, muss auch kräftig zahlen. Wenn weiter so gespart wird, sehe ich viele von uns als Aufstocker beim Jobcenter oder als Nacht- / Parkplatzwächter oder Security im Einkaufscenter, um in der Freizeit den Lebensunterhalt zu sichern. Schöne Aussichten….

  14. Mein aus Russland stammender Stiefsohn wollte sich dieses Jahr für den mittleren Dienst in der BPOL bewerben, da ja Bewerber mit Migrationshintergrund gesucht werden. Er hatte in Russland 7 Semester Jura studiert, aber leider kein Englisch gehabt, was aber Voraussetzung für die Bewerbung ist. Also war es nichts mit der Bewerbung, wäre auch gern an den Frankfurter Flughafen gegangen. Jetzt arbeitet er halt dann weiter als Parkhausaufsicht.

  15. Hahaha, Das ich nicht lache!!!!
    Ha ha ha vorausschauende Personalpolitik!!!
    In unserer Behörde?
    Die kommt doch nicht mal mit sich selbst klar!
    Dafür brauchen wir erstmal Leute die sich mit Personal auskennen!

  16. Die Bundespolizei wird hier die gleichen Probleme bekommen, wie alle andere Behörden und Unternehmen in der freien Wirtschaft auch. Folglich werden wir uns bei den Bewerbern in unserem Anforderungsprofil (nach unten) anpassen und gleichzeitig auch ordentlich was bieten müssen.

    Allerdings habe ich nach 30 Dienstjahren nicht mehr unbedingt die Erwartungshaltung, dass zeitgerecht auf die bevorstehende Entwicklung reagiert wird. Erst wenn es fünf vor zwölf bzw. ganz zu spät ist, wird irgendetwas passieren!

    Ganz allgemein wird Deutschland wohl nicht drumherum kommen, als Einwanderungsland attraktiver zu werden. Woher sollten wir sonst noch Bewerber bekommen?

    Es grüßt der ErmB