Kommentar des Monats: Respekt

Kommentar von Martin Schilff im Bezirksjournal der Zeitschrift „Deutsche Polizei“, Ausg. Mrz '12

Von Martin Schilff, Mitglied des Vorstands der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei.

„Andere zu respektieren? … – Dazu entschließt mancher sich nicht eher, bevor sie ihn geringschätzen.“ (Otto Weiss, [1849–1915], deutscher Aphoristiker und Schriftsteller). Hamburger Wissenschaftler, die sich mit dem Thema „Respekt“ beschäftigen, zogen als Resümee, dass „Respekt das Schmiermittel der Gesellschaft“ sei. Damit alles wie geschmiert läuft, ist also gegenseitiger Respekt erforderlich. Mir wirft sich die Frage auf, ob dieser erforderliche Respekt den Beschäftigten der Bundespolizei immer zuteil wurde?

Das ist sowohl durch das Verhalten unseres polizeilichen Gegenübers sowie der für die Bundespolizei verantwortlichen Politiker und unserer Polizeiführung trotz der immer wieder so positiv bemerkten hervorragenden Aufgabenerfüllung aller Beschäftigten der Bundespolizei zumindest fraglich … Sogenannte Fußballfans greifen Kolleginnen und Kollegen in Zügen und auf Bahnhöfen grundlos mit dem Ziel an, sie zu verletzen. Beim Einsatz anlässlich des letzten Castortransportes nehmen militante Störer billigend Verletzungen unserer Einsatzkräfte in Kauf und haben noch nicht einmal Skrupel, ein Dienst-KFZ in Brand zu setzen, in dem eine Kollegin sitzt. Das entspricht nicht meinen Vorstellungen von respektvollem Umgang. Hinzu kommt dann auch noch, dass Richter entscheiden, dass das Tragen von T-Shirts mit der verachtenden Aufschrift „ACAB“ keine Beleidigung darstellt und straffrei bleibt.

Respekt? Politiker in verantwortlicher Position lassen bei der Bundespolizei ein personelles Fehl entstehen und weisen uns immer mehr zusätzliche Aufgaben zu, ohne zusätzliches Personal dafür einzustellen. Und das, obwohl ihnen die Belastungssituation bei der Bundespolizei nach den Umfragen der Professoren Dr. Beerlage und Dr. Strohmeier bekannt ist. Allerdings ist für mich dabei nicht nur die Frage des Entgegenbringens von Respekt gegenüber den Beschäftigten, sondern auch gegenüber den Mitgliedern des Deutschen Bundestages zumindest zu hinterfragen. Insbesondere auch zur Antwort der Bundesre- gierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ zur Berufszufriedenheit bei der Bundespolizei, dass nämlich die „Beerlage-Studie“ umfassend ausgewertet und daraus ableitend Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitsbelastung z. B. durch Flexibilisierung der Dienstpläne getroffen wurden …

Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Dienststellen, in denen ohne Not – und vor allem entgegen aller Vereinbarungen – bestehende Dienstpläne verändert werden sollen, obwohl der Schichtdienst sowieso schon nicht geeignet ist, Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf optimal herzustellen und zu leben, empfinden gerade dies nicht besonders respektvoll! – Nur durch den Einsatz der Personalvertretungen vor Ort und die Bereitschaft dieser Kolleginnen und Kollegen auch vor den Verwaltungsgerichten gegen die rechtswidrigen Anordnungen der Oberbehörde zur Änderung der Dienstpläne vorzugehen, wurde eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen bisher verhindert. Bei der Bundespolizei existiert gerade auch aus diesen Gründen eine Besorgnis erregende Krankenrate. In einigen Bereichen der Bundespolizei waren 2011 über 30 Krankentage pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter zu verzeichnen. Im Gegensatz zu 2010 stiegen diese Zahlen sogar noch weiter an. Trotzdem wurden bis heute keine echten Maßnahmen zur Vorbeugung ergriffen. Selbst Maßnahmen, die keine direkten Kosten verursachen, wie die seit Jahren geforderte Möglichkeit zur Teilnahme von Tarifbeschäftigten und Verwaltungsbeamten am Dienstsport, werden nicht realisiert. Geschweige denn kostenträchtigere Maßnahmen wie z. B. die dringend erforderlichen Vorsorgekuren für Schichtdienstleistende.

Respekt? Die Stellenbewertung bei der Bundespolizei und damit auch die Beförderungssituation, besonders im Bereich der Verwaltung, ist die schlechteste aller deutschen Polizeien. Anstatt dies endlich tiefgreifender – und mit dem unbedingten Willen zur Realisierung von Verbesserungen – zu diskutieren, werden in lauen Interviews im Intranet der Bundespolizei Gegenpositionen formuliert.

Respekt? Am 26. September 2011 veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ unter dem Titel „Retter in Not“ einen Artikel, in dem dargestellt wurde, dass nach der Berechnung des Bundespolizeipräsidiums im Jahr 2012 ca. 160 Millionen Euro im Haushalt fehlen würden. Die unterschiedlichsten Sparmaßnahmen bis hin zum Spritsparen bei Streifenfahrten wurden daraufhin eingeläutet. Kurze Zeit später wurde in einem Artikel in der gleichen Zeitung alles revidiert. – Im Gegenteil: Laut Aussage des Abteilungsleiters der Bundespolizei im Bundesministerium des Innern waren entgegen der Ausführungen des Präsidenten sogar in 2011 Ausgabereste bei den Bundespolizei-Haushaltsmitteln in dreifacher Millionenhöhe zu erwarten. Alle Sparmaßnahmen waren also völlig sinnlos … Die Beschäftigten fühlen sich durch solche widersprüchlichen und bis heute weder dienststellenintern noch in der Öffentlichkeit richtiggestellten Aussagen völlig verunsichert!

Respekt? – Auch untereinander? Mein Freund Lothar Kannenberg, Leiter der Jugendhilfe-Einrichtung „Durchboxen im Leben“, welche straffällig gewordenen Jugendlichen den Weg zurück in die Gesellschaft ebnet, setzt dafür sogenannte „Respekttrainer“ ein. Vielleicht sollte bei der nächsten Behördenleiter- oder Führungskräftetagung der Bundespolizei sein Konzept einmal präsentiert werden, denn es wird dringend Zeit, dass mancher sich seiner Verantwortung bewusst wird und den Kolleginnen und Kollegen bei der Bundespolizei endlich Respekt entgegenbringt, bevor diese ihn geringschätzen.

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2 Kommentare
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  1. Ausgezeichneter Kommentar!!!

    -Respekt?- Vor unseren Politiker und unseren „Managern(!)“ ?

    Habe ich leider irgendwo in den letzten Jahren verloren!

  2. Wenn man über Jahre von allen Seiten getreten wird und von Oben nur runter gelogen wird, geht der Respekt verloren.
    Der kommt nicht wieder, auf einen Politer mit Hochachtung hochsehen geht nicht mehr, sorry. Auf die unglaublich vielen wichtigen Vorgesetzten hochblicken mit Respekt, wohl kaum. In immer kürzeren Abständen kommen immer wieder andere Vorgesetzte für Durchlauffunktionen die auf unseren Rücken versuchen Dinge zum Nachteil zu verändern (Kennzahlen, Fussballeinsätze, schlechte Ausstattung etc.).
    Es sind so viele Dinge, nicht nur der POM nach 25 DJ, die zum inneren Ende geführt haben. Wir werden nur noch an der Nase rumgeführt, Respekt ist was anderes.