Tarifrunde 2012: Die Geduld der Polizei ist am Ende

Berlin. Die Beschäftigten der Polizei bei Bund und Kommunen erwarten von der Anfang März beginnenden Tarifverhandlung eine deutliche Einkommenssteigerung. „Die Beschäftigten bei der Polizei haben es verdient, dass ihr Einsatz für die innere Sicherheit in Deutschland anerkannt wird. Ohne die Tarifbeschäftigten ist die Aufgabe nicht zu leisten,“ sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ver.di, GEW und dbb tarifunion.

Die Polizeien des Bundes seien pausenlos in gefährlichen Einsätzen bei Fußballkrawallen, unfriedlichen Demonstrationen und bei der Bekämpfung schwerer Kriminalität, so Witthaut weiter. Witthaut: „Das gilt für alle Beschäftigten. Freie Wochenenden kennen sie kaum noch.“ Die GdP, so kündigte Witthaut an, werde sich in den Verhandlungen nachdrücklich für eine zeit- und inhaltsgleiche Übernahme des Tarifabschlusses auf die Beamtinnen und Beamten bei Bund und Kommunen einsetzen. „Witthaut: „Der öffentliche Dienst leistet insgesamt gute Arbeit. Wir lassen uns nicht spalten.“

Die Polizei-Beschäftigten wüssten sehr wohl, dass beim Bund hohe Steuereinnahmen die Kasse klingeln lassen und auch in den Städten und Gemeinden die gute Wirtschaftslage für solide Gewerbesteuereinnahmen sorgt. Witthaut: „Die öffentlichen Arbeitgeber müssen davon jetzt ein anständiges Stück an ihre Beschäftigten weitergeben. Schon jetzt zeigen die rückläufigen Zahlen geeigneter Bewerbungen bei der Polizei, dass der Nachwuchs sich hin zu besseren Perspektiven in der freien Wirtschaft orientiert.“

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland und die Aussichten für die nähere Zukunft seien gut, so Witthaut. Zwar versuchten die öffentlichen Arbeitgeber mit den Schwierigkeiten in der Euro-Zone Einkommenssteigerungen abzuwehren. Witthaut: „Wenn es das nicht wäre, würden sie auch mit dem Abschmelzen der Polkappen argumentieren.“ Witthaut bezeichnete die Stimmung unter den Polizisten als aufgebracht. „Die kritische Masse ist erreicht“, warnte Witthaut.

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Themenbereich: Finanzielles & Laufbahn | Drucken

4 Kommentare
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  1. Das Reallohneinkommen weist in den letzten Jahren ein deutliches Minus aus, in Verbindung mit anderen Leistungen, die dem öffentlichen Dienst genommen wurden, ist diese Forderung durchaus berechtigt.
    In welcher Höhe sie dann in den Verhandlungen durchsetzbar ist, wird sich zeigen.
    Die recht übersichtlichen Lohn/-Gehaltserhöhungen der letzten Jahre wurden, mit Dreingabe aus der Substanz, durch erheblich gestiegene Energiekosten und auch Gebühren, locker eleminiert = Real Minus.
    Diese Erhöhung kann und wird die Binnennachfrage beleben, davon profitiert der Handel und somit die Gesamtwirtschaft.
    Herr Schäuble kann sich dann wieder über höhere Steuereinnahmen freuen. Damit lässt sich dann wieder das Insolvente Griechenland und weitere Wackelkandidaten stützen.

  2. Ich bin es satt, dass bei jeder Geschichte immer und immer wieder die Anhänger des Fussballs herhalten müssen. Lasst und den Sport verbieten oder ins Ausland verlagern. Dann können gefühlte 30 % von uns den job wechseln.

  3. Ich denke, dass eine gestaffelte Erhöhung sinnvoll wäre

    mD: +45%
    gD: +30%
    hD: + 20%

    dazu eine Anpassung des Ortszuschlages mit Ballungsraumzulage für
    – FFM
    – München
    – Stuttgart

    zur Steigerung der Attraktivität einen FFM Zuschlag von 150 Euro Netto.

    Anpassung der Wechselschichtzulage und DUZ (Erhöhung um mindestens 50%)
    Anrechnung der Wechseldienstzeiten und Nachtarbeit auf den Eintritt in den Ruhestand (Wer im Schichtdienst und viel Nachts gearbeitet hat kann je nach Dauer mit 57 in Rente gehen; wer wenig im Schichtdienst gearbeitet hat kann bis zu 65 arbeiten – um ein Mittel zu bilden)

    Einführung des Urlaubsgeldes.

    DAS SOLLTE DAS STARTPAKET FÜR DIE TARIFVERHANDLUNG SEIN.

  4. Hallo liebe Kollegen,

    zunächst einmal muss ich sagen, dass ich die Forderung der Gewerkschaften für richtig und sinnvoll erachte.
    Das ergibt sich einerseits aus der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation und zum anderen aus dem berechtigten Interesse aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen.

    Auch wenn als Kompromiss „nur“ 2-3% herauskommen sollten, stellt das für dieses Jahr 2012 ein akzeptables Ergebnis dar.

    Dementsprechend kann ich mich meinen Vorrednern mit fast schon dreisten Forderungen von +45% nicht anschließen.
    Das ist nicht nur nicht durchsetzbar, sondern steht auch in keinem Verhältnis zu BERECHTIGTEN Forderungen. Das sind Wunschgedanken.
    Natürlich wäre es schön, ein so sattes Lohnplus zu erhalten, aber wie gesagt, WUNSCHgedanken.

    Anders sieht es da mit dem Forderungen nach höherem DuZ und Ballungsraumzulage aus.
    Wenn ich im steten Schichtdienst voll arbeite, das heißt, alle vorgesehenen Nachtschichten, Sonntage, Samstage und Feiertage arbeit ohne Frei zu machen, gehe ich mit rund 200€ mehr nach Hause als Kollegen, die schön im Tagesdienst sitzen und jedes Wochenende frei haben.
    DAS ist ungerecht.
    In der freien Wirtschaft ist ein Lohnplus von bis zu 1000€ netto für die Schichtarbeit nicht selten.
    Hier sollte die GDP einen Ansatz finden!

    5€ DuZ wären ein sehr, sehr guter Anfang und würden mich für meine Schichtarbeit gerecht entlohnen.
    Ich stelle mir hierbei ein gestaffeltes Modell vor:
    5€ Sonntagsarbeit
    5€ Nachtarbeit (Ist Nacharbeit wirklioch weniger Wert als Sonntagsarbeit?? Eher nicht!)
    1€ Samstagsarbeit (Alle die das jetzt als zu wenig empfinden: Samstags arbeiten ist nicht wirklich schlimm und in vielen Arbeitsbereichen der freien Wirtschaft ohne Zusatzvergütung PFLICHT)

    Alternativ:
    6€ Nachtarbeit
    6€ Sonntagsarbeit
    0€ Samstagsarbeit

    Mit wäre es lieber, mehr für Nachtarbeit zu bekommen, als die paar Cent am Samstag!

    Zur Ballungsraumzulage:
    Wer dienstlich GEZWUNGEN (!!!) ist, im Einzugsgebiet FFM, München, Stuttgart, zu wohnen, sollte eine entsprechende Zulage erhalten. Wer allerdings weit außerhalb wohnt, hat KEIN Anrecht hierauf. Seien wir mal ehrlich, auf dem Dorf kostet es nicht so viel zu leben als in Frankfurt!!
    Die Fahrtkosten sollten über eine erhöhte Pendlerpauschale (30-35cent/km) besser als zur Zeit vergütet werden.

    Ach ja: Thema früher in den Ruhestand: NUR mit Abschlägen bei dem Ruhegehalt wie bei der Alterteilzeit in den freien Wirtschaft. Nur so ist es gerecht für die Kollegen, die bis zum regulären Eintritt in den Ruhestand arbeiten wollen/müssen.

    In diesem Sinne,
    soviel zu meiner Meinung.

    Grüße