Arbeitgeberangebot provoziert weitere Warnstreiks

Potsdam. Als „völlig indiskutabel und eine Luftnummer“ hat der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, das sogenannte Angebot bezeichnet, dass die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes in Bund und Kommunen am Montagmittag in der 2. Runde der Tarifauseinandersetzungen GdP, ver.di, GEW und dbb-tarifunion vorlegten. Witthaut: „Weder in der Höhe, noch in der Laufzeit, noch in der Struktur, noch bezüglich der Auszubildenden, noch als solches kann man das als Angebot bezeichnen, was die Arbeitgeber uns da bieten. Mit ihrem Vorschlag für 2012 liegen die Arbeitgeber weit unterhalb der Inflationsrate. Reallohnverluste in größerem Ausmaß wären die Folge.“

Das Arbeitgeberangebot sieht eine Erhöhung der Tabellenentgelte (auch für Auszubildende) ab 1. Mai 2012 um 2,1 Prozent sowie ab 1. März 2013 um 1,2 Prozent, also um insgesamt 3,3 Prozent für eine Laufzeit von 24 Monaten vor. Desweiteren bieten die Arbeitgeber eine Einmalzahlung für alle Beschäftigten in Höhe von 200,-Euro (für Auszubildende 40,- Euro), die sie in ihrem Vortrag als soziale Komponente bezeichnen. Weiterhin sieht das Arbeitgeberangebot „verbindliche“ Regelungen zur Übernahme nach der Ausbildung (bei entsprechendem dienstlichen Bedarf) sowie Verbesserungen bei der Übernahme von Fahrtkosten zu den Berufsschulen vor.

Dazu GdP-Vorsitzender Bernhard Witthaut: „Dieses Angebot provoziert geradezu weitere Warnstreiks bei den Beschäftigten, die das Vorgehen der Arbeitgeber nur als provokant empfinden können.“

 

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Themenbereich: Finanzielles & Laufbahn | Drucken

12 Kommentare
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  1. Dieses Angebot würde auch erst ab Mai gelten. Damit würde sich die Laufzeit des alten Vertrages noch verlängern. Und der war wirklich übel und lang genug. Da haben wir bereits 2011 gegenüber anderen Abschlüssen tüchtig verloren.
    Das ist nicht hinnehmbar!

    Mir ist klar, dass der öffentliche Dienst immer weiter gegenüber anderen Tarifgruppen verlieren wird. Zudem sind Prämienzahlen ala Daimler und VW nicht möglich. Aber wir können für uns verlangen ähnlich Abschlüsse wie die Beschäftigen der staatsnahen Firmen Post (4% für 12 Monate) und Lufthansa (3,5% für 13 Monate + 1075 Urlaubsgeld) zu bekommen. Selbst die Renten haben gestern einen besseren Abschluss bekommen.
    Bitte keinen Abschluss über zwei Jahre.

    Das wird mit diesen Verhandlungspartner auch in der dritten Runde nichts werden.
    Und dann kann die Antwort nur sein:
    Legt dieses Land still. €s reicht!

  2. Die betretenen Gesichter der Vertreter des Bundes und der Kommunen nach der Ablehnung des gemachten Angebots waren kaum anzusehen. Und auch die gebetsmühlenartige Wiederholung des bekannten Problems der leeren Kassen ist kaum noch zu ertragen.
    Sicherheit und Dienst am Bürger ist nicht zum Spartarif zu erhalten. Geiz ist eben nicht geil!
    Was in den Verhandlungen bisher wohl nicht zur Sprache kam ist die Frage der Arbeitszeit. Die Beamten des Bundes arbeiten seit Jahren 41 Stunden pro Woche, ohne jeglichen Ausgleich dafür zu erhalten. Die dahingehend erfolgte Anhebung von zuvor 38,5 Stunden pro Woche ist nicht unerheblich. Vor allem die Kollegen, die im Schichtdienst tätig sind spüren die Mehrbelastung sehr deutlich.
    Daher gehört dieses Thema unbedingt auf die Verhandlungsliste!

  3. Hallo !

    Den Ausführungen des Kollegen Witthaut ist nichts hinzuzufügen. Ein „Angebot“ unterhalb der Inflationsrate von durchschnittlich 2,3 % im Jahr 2011 ist eine absolute Frechheit und eine beispiellose Provokation der Kolleginnen und Kolegen des öffentlichen Dienstes ! Die Reaktion der Gewerkschaften auf dieses „Arbeitgeberangebot“ war die einzig richtige ! Für die weiteren Verhandlungen Wünsche ich euch ein langes durchhalten und einen Abschluss, den man auch als solches bezeichnen kann !

    Mit kollegialem Gruss

    Bundesbakki

  4. Höre gerade im Radio die Begründung eines Gewerkschaftvertreters zu den Forderungen, und er vergleicht es mit Bankvorständen, Abgeordneten und Ehrensold des Bundespräsidenten. Gehts noch? Das sind wir doch gar nicht…was soll dieser Vergleich? Vergleicht uns mit den anderen Bevölkerungsgruppen, welche auch 170 und mehr Stunden arbeiten und auch Lohnerhöhungen bekommen haben, welche höher als die unsrigen waren und sind. Sonst können wir auch wieder als Quasi „Öffentlichen Dienst“ den A16 Beamten nehmen, der ja schon so viel hat…

  5. so sieht also die Wertschätzung des Dienstherrn aus. Es hat keiner erwartet, das sofort -hier- gebläkt wird, als die Forderung von Verdi auf dem Tisch lag, aber veräppeln lassen wir uns auch nicht. Hart bleiben, heißt die Devise.

  6. Es wird alles leider nichts nuzten. Hier hilft nur ein Streik.
    Streikrecht auch für die Beamten, sonst werden wir weiterhin wie Knechte nach Gutsherrenart behandelt.
    Eine entsprechende befürwortende Studie der EU zum Streikrecht für Beamte gibts schon lange.
    Warum wird das nicht weiter verfolgt ?

    Reiner Mischer

  7. Das vorgelegte Angebot ist weit unter der Gürtellinie und eine Frechheit für alle Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst.

    Wir, die Kolleginnen und Kollegen, haben bereits beim alten, jetzt abgelaufenen, Tarifvertrag „Augenmaß“ und Zurückhaltung gezeigt.

    Bereits letztes Jahr (2011) haben wir, während des Wirschaftshoch in Deutschland, nur winzige Einkommenssteigerung hinnehmen müssen, obwohl die Inflation in Deutschland um einiges höher war.

    01.01.2011 – 0,6 % und am 01.08.2011 – 0,5 % bei den Beamten gar statt 0,5% nur 0,3%

    Wenn es uns wirtschaftlich schlecht geht, dann soll der öffentliche Dienst Zurückhaltung üben und wenn es uns wirtschaftlich gut geht auch…was soll das???

    Was können die Kolleginnen und Kollegen für eine verfehlte Steuerpolitik???

    Nichts!!! Aber die Personen, die die Steuerpolitik im Bund bestimmen, erhöhen sich ihre Diäten um 3,8% (2012) und um 3,7% (2013). Ist das Gerechtigkeit???

    Hier muss man bis zum Schluss kämpfen…!

    Und wenn die Arbeitsgeber eine Laufzeit von 24 Monaten wünschen, dann sollen sie sich diesen auch etwas kosten lassen, aber sicher nicht mit diesem „Armensold“, wo man sich nicht mal seinen „Polo“ volltanken kann.

  8. Hauptsache man erhöht sich selbst fleißig das ohnehin schon übertriebene Geld! Stichwort:
    „Mehr Gehalt für Bundestagsabgeordnete: Regierung und SPD haben sich darauf geeinigt, die Diäten 2012 und 2013 um je 292 Euro zu erhöhen. Damit verdienen die Volksvertreter bald fast 8000 Euro monatlich.“ (http://www.sueddeutsche.de/politik/bundestag-diaeten-steigen-ab-abgeordnete-verordnen-sich-mehr-geld-1.1113005)

    Ganz zu schweigen vom Ehrensold für einen bestimmten Bundespräsidenten. Lächerlich!

  9. @DFS: Prämien a la Daimler oder VW sind nicht möglich. Doch aus meiner Sicht schon, denn es kann nicht nur Leistungs-/Nasenprämie an einige wenige bezahlt werden, die von allen finanziert wird. Oder wie schon geschehen, dass manche Personen diese Leistungsprämien zwei- oder drei- bzw. mehrmals bezahlt bekommen, während andere noch nie eine solche erhalten haben…(siehe auch Spiegelbericht Bundesverkehrsministerium)

    Die Forderungen nach einem höheren Einkommen sind zweifelsohne mehr als berechtigt. Lässt doch der Staat seine Bediensteten u.a. damit bluten, in dem er sich die notwendigen Steuern und Sozialabgaben die er zum Betrieb seines Haushalts benötigt nicht einnimmt, bzw. Fehler in Steuergesetzen die zu Miliardenverlusten führen nicht berichtigt.

    Da hilft nicht die Aussprache vom höherwertigen Kulturangebot in der Großstadt, wenn die Kollegen/-innen weder über das dafür notwendige Eintrittsgeld noch die notwendige Zeit übrig haben, da sie neben ihrem regulären unregelmäigen Dienst auch am Wochenende auch noch einen Nebenjob an ihren Dienst- oder freien Tagen ausüben müssen, um den Lebensunterhalt für sich selbst und ihre Kinder gewährleisten zu können.

    Wie meine Vorredner schon dargestellt haben. Wie viele in der Politik gibt es – neben dem ehemaligen Bundespräsidenten, die sich ihre Tätigkeit nicht nur durch stetig steigende Diaten versüßen, sondern auch durch Zuwendungen und Geschenken Dritter bzw. anderen Mandaten in Wirtschaftsunternehmen…

    Auf stehen und kämpfen….

    Sicherheit ist unbezahlbar.

  10. @BuFiPO – Was die Leistungspräme betrifft teile ich die Auffassung unserer Gewerkschaftsspitze. Sie sollte für notwendige Beförderungen zum Abbau des Obermeistbauchs genutzt werden. Und beim Zoll sollte sicherlich auch befördert werden.

    Dass unsere Politiker beim eigenen Einkommen eine andere Sichweise an den Tag legen ist ja bekannt. Da hätte ich gerne eine Offenlegung des Gesamteinkommens. Dann könnten wir sehen, dass bei unseren Spitzenpolitikern die knapp 8000 € eines einfachen Abgeordneten nur die Spitze des Eisbergs sind.

    Wieviel verdient unser Innenminister eigentlich? In wievielen Aufsichtsräten sitzt er? Arbeitet er zusätzlich noch als Anwalt? Bekommt er ein zusätzliches Gehalt seiner Partei?
    Die Parteienfinanzierung wurde ja auch leicht verbessert…

    An der Quelle saß der Knabe.
    €s reicht.

  11. Hallo Kollegen, dieses Arbeitgeberangebot ist wirklich eine Farce, bzw. Volksverdummung. Allein schon die Frechheit für
    24 Monate abschließen zu wollen. Es soll ja Stess vor der Bundestagswahl vermieden werden, wie durchsichtig ist das denn.
    Hoffentlich können wir uns mit 12 Monaten durchsetzen. Eine mehrmonatige Verzögerung für die Beamten scheint mitlerweile
    auch obligatorisch zu sein, leider. Einmahlzahlung von 200,00€ ist ein schlechter Witz. Hier müssen mindestens 100,00€ pro Monat
    als Sockelbetrag her.
    Kollegen bleibt hart dran, wenn Streik, dann richtig!

  12. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin mir sicher, dass sich unsere Gewerkschaften diesesmal nicht mit einem 0815 Angebot einlullen lassen.

    Wenn die Arbeitgeber schon eine Laufzeit von 24 Monaten wünschen, dann müssen sie sich das auch teuer erkaufen!

    Die Zeit der falschen Bescheidenheit sollte nun endlich vorbei sein!

    Mir ist es völlig egal wie viele Milliarden Schulden der Staat usw. hat!

    Mir ist es auch egal wie viele Schulden die Kommunen haben!

    Für diese Misswirtschaft sind nicht die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich, NEIN, unsere Verhandlungspartner auf der Arbeitgeberseite, die sind für die hohen Schuldenstände verantwortlich!!!!

    Die sind verantwortlich, dass der Spitzensteuersatz massiv gesenkt wurde!!!

    Die sind verantwortlich, dass große Dienstwagen steuerlich massiv bezuschusst werden!!!

    Die sind verantworlich, dass Hoteliers steuerlich massiv entlastet wurden!!!

    Die sind verantwortlich, dass es immer mehr Millionäre gibt und keiner sich (zumindet ein bisschen) am allgemeinen Wohl beteiligen!!!

    Die sind verantwortlich, dass Banken, die große Krisen verursachen, nicht zur Kasse gebeten werden!!!

    Die sind verantwortlich, dass nicht mal 1Cent als Steuer für Transaktionen eingetrieben werden!!!

    usw……..

    Die Zeit der „kleinen“ Brötchen, wenn alles um uns herum massiv teuerer wird und wir durch ständige Stellenstreichungen immer noch mehr leisten sollen, muss jetzt endlich vorbei sein.

    Egal und wenn es viele Wochen dauert…durchhalten…