„Klartext“-Empfehlungen im Bundesinnenministerium diskutiert

Diskutierten Maßnahmen zur Reduzierung der Überbelastung: Franz-Josef Hammerl (BMI) und Prof. Dr. Gerd Strohmeier (TU Chemnitz)

Berlin. Zu einem intensiven Meinungsaustausch trafen im Bundesministerium des Innern in Berlin Prof. Dr. Gerd Strohmeiner von der Technischen Universität Chemnitz und die Spitze der Abteilung Bundespolizei des BMI unter Leitung von Ministerialdirigent Franz-Josef Hammerl zusammen. Der stellvertretende GdP-Bezirksvorsitzende Sven Hüber nahm ebenfalls an dem Gespräch teil.

Gegenstand waren die 22 „Maßnahmeempfehlungen zur Reduzierung der Überbelastung und Sicherstellung der Aufgabenerfüllung der Bundespolizei“, welche die Wissenschaftler der TU Chemnitz aus dem umfangreichen empirischen Befunden der Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundespolizei abgeleitet hatten. Prof. Dr. Strohmeier unterstrich, dass dies keine Gewerkschaftswünsche seien, sondern Empfehlungspunkte, die sich für die Wissenschaftler ganz klar aus den Befunden der Untersuchung ergeben hätten.  Ministerialdirigent Hammerl betonte, dass die Strohmeier-Studie „Klartext 2010“ auch aus Sicht des BMI sehr hilfreich sei und bereits durch ihre intensive Diskussion in der Bundespolizei vieles bewirkt habe.

Im Zuge des intensiven Gesprächs wurden verschiedene Einzelempfehlungen sehr interessiert debattiert, von besserer Einsatzplanung mit frühzeitigeren verlässlichen Kräfteanforderungen über belastungsdifferenzierte Ausgleichsmaßnahmen für langjährig im Schicht- und Einsatzdienst befindliche, vor allem lebensältere Mitarbeiter bis zu Veränderungesbedarfen im Beurteilungssystem und einer weiteren Stärkung des Sozialwissenschaftlichen Dienstes (SWD). Der Abteilungsleiter Bundespolizei machte mehrfach deutlich, wie sehr ihm an einem Ausbau von „Kultur, Kommunikation und Transparenz“ in der Bundespolizei liegt und wie stark er ein besseres „Wir-Gefühl“ in der Bundespolizei von einer in erster Linie auf die Menschen in der Bundespolizei und ihre Wahrnehmung der Arbeitswelt orientierten, veränderungsbedürftigen Führungskultur abhängig macht. Eine andere Kultur erfordere, in der Bundespolizei mehr und vorurteilsfrei offen miteinander zu reden.

 

Die Maßnahmeempfehlungen böten eine gute Grundlage, vor allem auch im Bereich der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundespolizei deutlich vorwärts zu kommen; ein Anliegen, das vom Bundesinnenministerium sehr nachhaltig gefördert und unterstützt wird. Als Beispiel wurden die neuen Möglichkeiten des mobilen Arbeitens für eine familienfreundlichere Arbeitswelt auch in der Bundespolizei genannt, die ein Festhalten am bisherigen prinzipiellen Ausschluss von Polizeibeamten an Telearbeit und mobiler Arbeit nicht mehr zeitgemäß erscheinen lassen und auch in der Bundespolizei geändert werden müssten.

Aus Sicht des Bundesinnenministeriums sei festzustellen, dass die universitären Maßnahmeempfehlungen „unseren Kurs unterstützen“, durch Abbau von Defiziten die Bundespolizei weiter zu einer leistungsstarken und von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Zufriedenheit und Stolz erlebten Polizei auszubauen. Das Bundesinnenministerium werde deshalb eine intensive Aussprache zu den Maßnahmeempfehlungen mit den Führungskräften der Bundespolizei unterstützen.

Über die Maßnahmeempfehlungen wurde auch in der Presse berichtet:

Freie Presse: Chemnitzer Forscher: Bundespolizei ächzt unter Überlastung

JuraForum: Mit Klartext gegen die Überlastung von Bundespolizisten

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Themenbereich: Aus dem Bezirksvorstand | Drucken

6 Kommentare
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  1. Kurz und knackig:

    Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

    All die Maßnahmeempfehlungen zeigen Problemfelder auf, sei es Überbelastung, innerer Zustand, Berufszufriedenheit.
    Durch wissenschaftlich belegte Defizite in der Bundespolizei soll diese weiter zu einer leistungsstarken und von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Zufriedenheit und Stolz erlebten Polizei ausgebaut werden.

    Allerdings hakt das Ganze an einem einzigen Wort: REALITÄT!

    Ich finde es spitze, dass ein so kompetenter Mann wie Herr Strohmeier im Auftrag der GdP eine wissenschaftlich fundierte Arbeit geleistet hat.
    Aber wo und bei wem in der politischen Klasse findet diese Arbeit Beachtung und was ergibt sich daraus?

    Ich persönlich freue mich über jede Verbesserung.
    Realistisch betrachtet habe ich aber sehr wenig, bis keine Hoffnung, dass sich irgendwelche Zustände verbessern.
    Nach 30 Dj. und erlebter Reformrealität glaube ich nicht, dass die Dinge sich verbessern, schon gar nicht zügig.
    Im Jahr 2 nach Klartext!

  2. …nun ja, wenn ich diesenBericht mit dem aus dem Intranet von heute (?, hab´ leider nicht aufs Datum geschaut) vergleiche, dann muss ich mich schon fragen, ob denn hier von demselben Treffen berichtet wird…
    Ich gehe mal davon aus, dass Herr Hammerl guten Gewissens behauptet, ein Großteil der Probleme sei bereits in Angriff genommen. Ich gehe allerdings auch davon aus, dass die Berichtskette von den Inspektionen aufwärts an irgendeiner Stelle zur Be******kette mutiert.

    Anders ist nämlich wohl nicht zu erklären, dass von den gesammelten Segnungen ausser Absichtserklärungen bislang unten nichts oder so gut wie nichts angekommen ist!
    Es sei denn, man betrachtet z.B. ein von oben befohlenes Gesundheitsmanagement bereits als Durchbruch, obwohl dieses, alle guten Bräuche missachtend, an einem wirklich sehr guten Entwurfes aus dem BPR vorbei durchgedrückt wurde; oder man betrachtet es als einen Durchbruch im Hinblick auf Familienfreundlichkeit, dass einer Zertifizierungsfirma pro Direktion 16-18000 Euronen in den Rachen gestopft wurden, damit man sich zukünftig mit diesem Zertifikat auf dem Briefkopf schmücken kann und ansonsten einige Dinge beherzigt, die von verantwortungsbewussten Dienststellenleitern auch in den vergangenen Jahrzehnten bereits so praktiziert wurden.
    Wie sollten diese gut gemeinten Absichten (?) auch wirksam werden, solange wir nicht erkennen, dass wir zunächst mal weg müssen vom „Wachstums“- und Rationalisierungswahn?
    Durch diesen werden a l l e guten Ansätze ziemlich blitzartig ad absurdum geführt. (Falls sie das nicht schon selbst tun und im Rahmen irgendwelcher angestrebten Verbesserungen oder „Kontinuierlicher Verbesserungsprozesse“ für einen ebenso kontinuierlichen Stressnachwuchs sorgen)
    Nein, wir müssten da schon den festen Willen zur Entschleunigung mitbringen und dafür Sorge tragen, dass wir uns irgendwann mal wieder vornehmlich unseres Auftrages besinnen und weniger danach schielen, wie wir diesen mit immer weniger Personal immer „rationeller“ erledigen können. Diese Bestrebungen haben unter dem Strich bereits jetzt soviel gekostet, dass wir uns diese eigentlich garnicht leisten könnten!

    Richtig ist allerdings, dass ohne „Klartext“ das Thema überhaupt nicht auf die Agenda gekommen wäre! Richtig ist auch, dass es, da von unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt, nicht so leicht als Gewerkschaftspropaganda abgetan werden kann, gleichwohl einer der besten Schachzüge der GdP der letzten jahrzehnte war! Insofern war dieses Geld (im Gegensatz zum o.a.) auch mit Sicherheit gut angelegt!
    Sorgen wir alle mit langem Atem dafür, dass es Zinsen trägt

  3. Habt Ihr ein Glück, bei der Bpol wird darüber wenigstens
    nachgedacht.

    Bei meinem Haufen heißt es immer:

    Wir sind gut aufgestellt, die Mitarbeiter sind
    im allgemeinen zufrieden, Beförderungsprobleme
    sind bei uns unbekannt…………. etc. pp.

    Mfg.

  4. Die Sonne scheint!

    Laut Intranetbeitrag sind die Probleme erkannt und noch viel
    besser – viele sind bereits schon in Angriff genommen worden,
    da stockt mir der Atem!

    Ich kann es mir nur schwer vorstellen das sich diese Herren mit den Problemen ernsthaft auseinandersetzen wollen!

    ……………………………………………………..

  5. Das Geld für die Studie „Klartext“ hätte man sich sparen können. Heute braucht man zur Lösung oder Erörterung von Problemen / Mißständen egal welcher Art ( beruflich wie auch privat ); Rechtsanwälte , Wissenschaftler oder sonstige Schlaumeier, die damit viel Geld verdienen. Einfach nur lächerlich !

  6. Wenn schon das Personal (PVB) in den Grenzinspektionen im Osten fehlt, warum wird dann nicht endlich der Erlass des BMI umgesetzt?
    Bestellung nach §63 Vollzugsdienst, Hilfspolizeibeamte
    An unserer Dienststelle ist meist nur eine vollwertige Streife vorhanden und ansonsten nur eine 1 PVB/ 1 BUK Streife tätig. Diese 1/1 er Streife kann rein gar nichts machen, da die rechtliche Absicherung, die der Erlass mit der Bestellung nach § 63 Abs. 2 BPOLG erfüllen würde, nicht umgesetzt wird.
    Dieser Erlass ist seit Mitte 2010 vorhanden.
    Wenn natürlich immer nur gemeldet wird: alles in Ordnung, es läuft alles prima usw. wird sich hier nichts ändern. Die Kollegen PVB werden weiterhin Übergebühr beansprucht, obwohl eine Entlastung vorhanden jedoch nicht gewünscht wird.
    Gruß Ostler