Gespräch mit Staatssekretär Fritsche über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundespolizei

Josef Scheuring, Jürgen Stark und Felizitas Miklis mit Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche

Berlin. Zu einem Gespräch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundespolizei, trafen sich am 18. Juni die Vorsitzende der Frauengruppe Bundespolizei Felizitas Miklis, Jürgen Stark (im Vorstand zuständig für unsere Frauengruppe) und der Bezirksvorsitzende Josef Scheuring mit dem Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Klaus-Dieter Fritsche.

Hintergrund war die Aktion der Frauengruppe anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Internationalen Frauentages am 8. März 2011. Die Frauen hatten damals eine Sternfahrt nach Berlin durchgeführt, um dort dem Staatssekretär ihre Forderungen zur Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen der Frauen in der Bundespolizei zu überreichen. Ein Jahr später – zum Internationalen Frauentag 2012 – hat die Frauengruppe eine Postenkartenaktion an den Bundesinnenminister durchgeführt, um die eingereichten Forderungen zu verstärken. Beeindruckend viele Frauen aus der Bundespolizei unterstützten diese Forderungen mit ihrer Beteiligung an der Postkartenaktion.

Bei dem Gespräch überreichte Felizitas Miklis diese Postkarten jetzt Staatsekretär Fritsche und machte dabei noch einmal die Ziele der Gewerkschaft der Polizei deutlich. „Die Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten in der Bundespolizei müssen zwingend den Bedürfnissen von Familien und Alleinerziehenden angepasst werden. Wir halten dafür sowohl Aufstiegsverfahren in Teilzeit, als auch die Einrichtung von Fernstudiums für dringend geboten. Auch die Verfügbarkeit von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aller Altersstufen muss im Aus- und Fortbildungsbereich selbstverständlich werden“, so Miklis.

Die Vorsitzende der Frauengruppe machte weiter darauf aufmerksam, dass gerade auch im Bereich der Tarifbeschäftigten, wo ein großer Prozentsatz der Frauen in der Bundespolizei arbeite, keine Qalifizierungsmöglichkeiten und damit keine beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden seien. Dabei seien doch in der Bundespolizei eine ganze Reihe von Aufgabenfeldern vorhanden, in denen Tarifbeschäftigte auch in höherwertigen Aufgaben eingesetzt werden könnten. „Damit könnte der Polizeibereich entlastet und gleichzeitig berufliche Perspektiven geschaffen werden“, erläuterte Miklis.

Fritsche teilte daraufhin mit, er habe die Bundespolizeiakademie beauftragt, die Möglichkeit des Aufstiegs in Teilzeit konkret zu prüfen. Für die Kinderbetreuung seien zudem mit Erlass des Ministeriums die notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt worden. Er habe aber auch auf der Führungstagung der Bundespolizei deutlich gemacht, dass die Herstellung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Bundespolizei klar vom Bundesminister des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich eingefordert wird und ständige deren Verwirklichung ständige Aufgabe aller Führungskräfte in der Bundespolizei sei. Nicht nur weil es ein grundgesetzlich bestehender Anspruch ist, sondern auch weil man im Ministerium diese Frage für gesellschaftspolitisch immens wichtig und übergeordnet ansehe, wolle man eindeutige Verbesserungen bei der Vereinbarung von Familie und Beruf erzielen – gerade auch unter den besonderen Herausforderungen in der Bundespolizei.

Josef Scheuring stellte klar heraus, dass die GdP die klaren Forderungen des Ministers und auch die deutlichen Aussagen des Staatssekretärs auf der Führungskräftetagung der Bundespolizei ausdrücklich unterstützten. Solange sich jedoch zeitgleich zu solchen politischen Forderungen die reale Situation in der Bundespolizei zunehmend verschlechtere, sei eher die politische Glaubwürdigkeit gefährdet als das politische Ziel erreicht. „Wer, wie in den letzten Jahren geschehen, bisher regionale Aufstiegsverfahren nach Lübeck zentralisiert, die Aufstiegsmöglichkeiten mit der neuen Bundespolizeilaufbahnverordnung verschlechtert und jahrelang tatenlos zusieht, wie verheiratete oder in Lebenspartnerschaft lebende Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei aus unterschiedlichsten dienstlichen Gründen an weit auseinander liegenden Dienstorten arbeiten müssten, der kann eben nicht glaubhaft die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einfordern“, so Scheuring.

Die Ernsthaftigkeit der Umsetzung dieses wichtigen Ziels kann nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei nur mit verbindlichen Festlegungen eingefordert werden. „Warum wird nicht angewiesen, dass Anträge auf die Zusammenführung von Familien und Lebenspartnerschaften an einer Bundespolizeidienststelle spätestens nach einem halben Jahr vollzogen sein müssen und zwar ohne dass hundert nachrangige, dienstliche Gründe dagegen eingelegt werden. Solange ein solches Handeln nicht angewiesen wird, wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Bundespolizei weiter nur verwaltet aber nicht gelebt“, so Scheuring.

Jürgen Stark ging abschließend auch auf die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen in Führungsfunktionen der Bundespolizei ein und machte an praktischen Beispielen die vorhandenen Probleme deutlich. Staatssekretär Fritsche reagierte diesem Punkt gegenüber äußerst aufgeschlossen und unterstrich die aus seiner Sicht unbedingte Notwendigkeit, deutlich mehr Frauen in der Bundespolizei in Führungsverantwortung zu bringen. Nicht zuletzt auch, um genau dadurch eine Kultur der gelebten Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen.

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Themenbereich: Aus dem Bezirksvorstand | Drucken

8 Kommentare
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  1. Warum soll ich den einen Aufstieg machen in Lübeck?
    Das fliegende Personal(md) wird auch ohne solch einen Lehrgang in den gd überführt!

  2. So lange Wechselschichtdienstleistende 41 Std/Woche machen dürfen, hat die Familie das Hintertreffen. Nix mit Vereinbarkeit Familie und Beruf.

  3. Moinsens!

    Zitatanfang:
    Er habe aber auch auf der Führungstagung der Bundespolizei deutlich gemacht, dass die Herstellung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Bundespolizei klar vom Bundesminister des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich eingefordert wird und deren Verwirklichung ständige Aufgabe aller Führungskräfte in der Bundespolizei sei.
    Zitatende

    Davon, liebe Kollegen, sind wir doch aufgrund von Arbeitsverdichtung, 41-Std.-Woche und immer neuen Ideen von flexiblen Flexdienstplänen weit entfernt.
    In meinem Microkosmos der Bundespolizei (75 Prozentdienststelle) wird das Personal immer weniger. Zusätzlich durch altersbedingte Abgänge suchen mittlerweile viele Kollegen die Flucht in wie auch immer geartete Sonderverwendung. Neues Personal kommt nicht nach und die Vorgaben in Bezug auf Mindeststärken bleiben bestehen.
    Das führt natürlich dazu, dass der immer kleiner werdende Personalkörper immer flexibler die Löcher stopfen muss, der durch die o.g. Abgänge und kurzfristige krankheitsbedingte Ausfälle von Kollegen entstehen.
    Ein altbekannter Grundsatz: „Reserven bilden“ ist da schon lange nicht mehr drin.

    In diesem Zusammenhang empfinde ich das o.g. Zitat schon fast als Nackenschlag.

    Schönes WE ( für den, der es hat)
    ruhigen Dienst und kommt heile nach Hause (wenn Ihr wie ich am WE in der „Bütt“ steht)

    AB

  4. und schon rufen die ersten dienststellen ( flughäfen) wieder nach verstärkern, weil ja die urlaubszeit ansteht.

    und wieder müssen abordnungen gestellt werden. soviel zum theme beruf und familie

  5. Warum wird nichts für die Reduzierung der Wochenarbeitsstunden getan?

  6. Nicht nur die Flughäfen rufen. Auch die Kreuzschifffahrtkontrolleure haben es (wie jedes Jahr mit Erfolg) getan. Manche Rufe werden ge- (er) hört, andere nicht. Woran liegt das wohl?????? Weder der OB von Berlin, noch der MP von BB werden je für ihr Versagen bzgl. des Flughafens zur Verantwortung gezogen werden. Zahlt alles der Steuerzahler. Und die Bundespolizei versucht notgedrungen in Tegel und Schönefeld ihren Job zu machen. Mal wieder auf Kosten der Menschen. Zumindest hat sich der P. der Direktion Berlin bei seinen Leuten entschuldigt, das er gegebene Personalversprechungen nicht einhalten kann. Es sei dahingestellt, ob er es hätte können, wenn die Eröffnung wie geplant geklappt hätte. Macht alles nichts, Hauptsache in Berlin wird gefeiert……..,Gründe finden die immer.

  7. Udo Lindenberg – Odysee .Das Lied hören und an unsere Behörde denken:-)

  8. Vereinbarkeit von Familie und Beruf .
    Ich selber bin davon betroffen und habe nichts positives erfahren. Selbst die Aussage des Personalrates:“ Wenn du Teilzeit machen würdest, dann könnte ich dir helfen, denn so machen es ja auch unsere Kolleginnen“. Wiedereinmal musste ich mir selber helfen, in dem ich jetzt nicht mehr Heimatnah verwendet werde, sondern täglich ca. 2 Stunden Fahrzeit in Kauf nehem, damit ich meinen familieären Verpflichtungen gegenüber meinen Kindern und des Jugendamtes nachkommen kann. Man stelle sich vor, ich habe halt das falsche Geschlecht. Außerdem musste ich sehr viele Federn lassen ( Beurteilung, Ansehen, Wertigkeit u.s.w.)
    Dies ist nur ein sehr kurzer Abspann einer 4-jährigen Odysee.