Gesundheitsreport: Weite Arbeitswege machen krank

Erich Westendarp / pixelio.de

Das Schwerpunktkapitel des diesjährigen Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse identifiziert einen eindeutigen Risikofaktor für psychische Erkrankungen: die Mobilität. Für den vorliegenden Bericht wurde erstmals die Entfernung vom Wohn- zum Arbeitsort der Beschäftigten herangezogen. Die Daten zeigen: Berufspendler, zu denen etwa 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zählen, sind seltener und insgesamt weniger krankgeschrieben, als wohnortnah arbeitende Erwerbstätige. Sie sind jedoch häufiger und langwieriger von psychischen Erkrankungen betroffen. Dieses Risiko nimmt nicht nur mit jedem weiteren Wohnortwechsel zu, sondern steigt auch mit dem Alter.

Es wäre damit im Rahmen eines behördlichen Gesundheitsmanagements geboten, die gesundheitlichen Ressourcen der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern. Dabei geht es darum, Strategien zu entwickeln, die Arbeit der Beschäftigten gesünder zu gestalten, zum Beispiel mit einer variablen Arbeitszeitgestaltung. Bei den Themen Mobilität und Flexibilität werden deshalb künftig mehr denn je auch die Arbeitgeber gefordert sein. Der Bericht belegt zudem, dass Menschen in den Ballungsräumen überdurchschnittlich häufig aufgrund psychischer Leiden krankgeschrieben werden.

Für die Bundespolizei hat bereits die Studie „KLARTEXT“ dargestellt, dass zu den schwierigen beruflichen Rahmenbedingungen auch die Belastungssituation der Fernpendler ein Problem ist. Etwa die Hälfte der Beschäftigten in der Bundespolizei sind (Fern-)Pendler und infolgedessen einer besonderen mentalen und finanziellen Belastung ausgesetzt. Diese könnte durch die Schaffung von nachhaltigen und der heutigen Lebenswirklichkeit angemessenen Umzugskosten- und Trennungsgeldregelungen entschärft werden. Entsprechende Regelungen ließen sich in Anlehnung an bestehende Regelungen für Zeitsoldaten in der Bundeswehr schaffen, denen eine Wahloption zwischen Umzug und weiterem Trennungsgeldbezug eingeräumt wird.

In jedem Fall machen die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Gesundheitsreports erneut den unmittelbaren Handlungsbedarf deutlich. Jörg Radek

Zum Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse

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Themenbereich: Über den Tellerrand | Drucken

1 Kommentar
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  1. Es wird endlich Zeit, dass in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für die Probleme von Pendlern entsteht. Es werden schließlich immer mehr. Trennungsgeld und Reisekosten helfen schon gut. Viele Arbeitnehmer und Beamte würden gerne umziehen, wenn zusätzlich noch andere Lockmittel hinzuträten. Zu den „harten Faktoren“ (Geld) könnte auch das Bereitstellen eines Arbeitsplatzes für den Ehepartner gehören. Stellenpools mit anderen Behörden vor Ort sind anzustreben. Andere Branchen und andere Länder sind uns da im Kampf um die besten Köpfe voraus.
    Die Damen und Herren Politiker fordern zunehmend Mobilität ein. Vergessen wird dabei, auch die alteingesessene Bevölkerung in die Pflicht zu nehmen , die oftmals aus Glück nicht zu den Pendlern gehören muss. Aufgeschlossenheit sollte man einfordern können. Unaufgeschlossenheit und Gleichgültigkeit gehören in den Bereich Fremdenfeindlichkeit und somit an den Pranger. Wenn Beamte und Arbeitnehmer ihre alten Freunde „1 zu 1“ wiederbekommen würden, ist auch ein Verlassen der Heimat einfacher. In Nordamerika heißt das „Frontier-Bewusstsein“.