Macht dem „Berufsnomadentum“ ein Ende!

Jörg Radek, stellv. Vorsitzender des GdP Bezirk Bundespolizei

Die Situation der Beschäftigten in der Bundespolizei ist seit 1992 wegen Veränderungen  von Zumutungen geprägt. Wir wollen keine Mitarbeiter, die  ständig “umgetopft” werden. Wohin solch eine Praxis führt, ist wissenschaftlich bewiesen. Die Menschen entfremden sich von ihrer Arbeit. Es hat nichts mit Folklore zu tun, wenn die Mitarbeiter ohne Zielorientierung durch die Republik geschickt werden. Bereitschaft zur bundesweiten Verwendung ist nicht die Freifahrt für die „Deutschlandreise“ als Berufsnomade.

Verbindliche Planungssicherheit muss wiederhergestellt werden. Das Vertrauen gewinnen wir zurück, indem wir die Lebensentwürfe und Lebenserwartung der Menschen in der Bundepolizei ernst nehmen. Problemverwalter, die – aus welchen Gründen auch immer – keinen Perspektivwechsel einnehmen können oder keine Idee entwickeln, scheuen sich eine Herausforderung anzunehmen. Seit 2008 wäre Zeit gewesen, um Konzepte zu entwicklen. Das ist nicht die Augenhöhe, die gebraucht wird. Es ist nicht  die Haltung, die notwendig ist, die Personalverwendung aus der Sackgasse zu führen. „Bedarfsfestlegung“, „Personalbemessung“ und „Schwerpunktdienststellen“ beschreiben die  Hilflosigkeit in der Personalwirtschaft anstatt Lösungen aufzuzeigen. Das Ziel der Demografiestrategie der Bundesregierung ist es, jedem Einzelnen entsprechend seiner Lebenssituation und seines Alters Chancen zu eröffnen, seine Potenziale und Fähigkeiten zu entwickeln und seine Vorstellungen vom Leben zu verwirklichen. In der Bundespolizei erlebt diese Strategie ihren „Realtest“ und besteht diesen nicht. In der politischen Marketing-Rhetorik ist die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ hochaktuell. Die Feststellung, dass Familie und Beruf für die Bundespolizei schon immer eine große Bedeutung gehabt hat, wirft die Frage auf, warum sich dies in einer zeitgemäßen Personalpolitik nicht wiederspiegelt? Die Antwort hätte zum Inhalt, den Berufs- und  Lebensverlauf der Menschen zusammen zu führen. Die Bausteine Berufseinstieg, Anschlussverwendung, Aufstieg, Fortbildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden in einem „Bauplan“ für einen „Regelkreislauf Personal“ verbunden. Das notwendige Wissen der Mitarbeiter ist die zentrale Fähigkeit einer Organisation, die den Menschen und der Gemeinschaft dient. Dieses Wissen zu erhalten und auszubauen ist ebenfalls Aufgabe eines Personalverlaufes.

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6 Kommentare
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  1. ….und wieder Bravo!

    Es ehrt euch, dass ihr trotz beeindruckend gewonnener PR-Wahlen an den „heissen“ Themen dranbleibt! – Das ist auch richtig und wichtig so, zeigt sich doch , dass der einzige Weg zu Veränderungen der ist, es „ihnen“ permanent um die Ohren zu hauen!
    Möglichst nicht nur hier, sondern auch in den allgemein zugänglichen Medien !
    Dasind aber zweifellos auch wir von den Basisorganisationen gefragt ! – Danke für die Anregung :-)

    Es ist völlig richtig: die offiziell dienstliche Diskussion verengt sich auf begriffe wie „Bedarfsfestlegung“, „Personalbemessung“ und „Schwerpunktdienststellen“
    und suggeriert damit , wie sagt man so schön, „Alternativlosigkeit“ . Das einzige, was damit real dokumentiert wird, ist allerdings eher Hilflosigkeit!

    Momentan werfen die Kontingente von sog. „Sommerverstärkern“ mal wieder ihre Schatten voraus.
    Obacht, Opa erzählt wieder aus dem Krieg: Der Begriff „Sommerverstärker“ stammt aus einer Zeit, als der Anteil Verband/Einzeldienst ungefähr 90/10 betrug! – Es war zudem für junge Verbandskollegen die Gelegenheit, mal für 3 Monate in den Einzeldienst hineinzuschnüffeln und viele wie auch ich selbst fanden auf diesem Wege zu ihrer Dauertätigkeit bei der Firma .

    Wo aber sollen zur Zeit Verstärker herkommen?

    Aus den ausgebluteten Verbänden, die kaum noch die laufenden Einsätzen stemmen können?
    Aus den „Personalabbaubereichen“ ? (damit könnte man ja zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nachdem die sonstigen Personalkonzepte, die diesen Namen aber kaum verdienen, versagt haben?)
    Aus den 75 bzw. 82 % Dienststellen? (Wobei hier der Verdacht naheliegt, dass aus genau diesen Gründen die Reform nicht für abgeschlossen erklärt wird, da der hierdurch inszenierte Selbstbetrug in der Folge höchst offenkundig würde und die Differenz zwischen Dienstposten und Planstellen wieder zum Thema…..)

    Vielleicht sollte man die verschwendeten Energien auch mal darauf verwenden, einen ODP in die Welt zu setzen, der nicht vornehmlich von Wunschvorstellungen, sondern von der Realität geprägt ist und es den Dienststellen mal auf eine gewisse Zeit erlaubt, mit dem auszukommen, was man hat! (und nicht mit dem, was man gern hätte und man auch den verdacht nicht los wird, dass der, der am lautesten schreit, auch am meisten Personal bekommt. – Das Modell hat ja zwischenzeitlich auch in der Öffentlichkeit einen Namen: Löcher mit Löchern stopfen!

    Zum Thema Unterschrift: Ja, die bundesweite Verwendbarkeit hat jeder von uns unterschrieben! – Zum einen allerdings war für mich als jetzt altem Sack die Bundesrepublik um einiges kleiner, als ich das unterschrieben habe und zum zweiten : schaut euch mal auf den Dienststsellen um, wer denn da wirklich aus der jeweiligen Region stammt? Will sagen: die absolut meisten haben ihren Beitrag zur Mobolität bereits geleistet, und die weitaus meisten davon wiederum nicht nur einmal!

    Dieses Modell des Berufsnomadentums hat vielleich mal zu Zeiten funktioniert, als es bei der BuPo noch „Zeitsoldaten/-Beamte“ gab (….Männer wie wir, Z 8 und Z 4!…), mit Sicherheit jedoch nicht mehr zu Zeiten, wo es sich aus gutem Grund um einen Lebensberuf handelt und jedem Menschen, auch uns, das Recht zugestanden werden sollte, auch irgendwann irgendwo mal sesshaft zu werden!
    Es ist doch kaum jemand alleine auf der Welt! Überall hängt doch in der Regel eine Familie dran, über die man seitens unseres Dienstherrn so ganz nebenbei einfach mal mit verfügt!

    Dieses Menschenrecht sollte man auch uns nicht vorenthalten! Es sei denn, man betrachtet das Ganze Theater in der Tat als alternativlos….Dann verkommen allerdings auch alle Beteuerungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu reinen Lippenbekenntnissen. Oder aber man schafft dafür Ausgleichsmassnahmen, nicht nur finanzieller Natur, die diesen Namen auch verdienen!

    Damit wir uns nicht missverstehen:ich würde zwar aus heutiger Sicht wohl eher bei einer Länderpolizei anheuern , was aber weniger der Tätigkeit als vielmehr dem Dauerchaos zumindest mal seit der „Reform“ II zuzuschreiben ist: aber auch nach 38 Dienstjahren habe ich nicht unbedingt das Gefühl, beruflich irgendwas falsch gemacht zu haben. (selbst die Mobilität habe ich eher als Bereicherung denn als Belastung empfunden – früher war da allerdings auch eine gewisse Freiwilligkeit mit im Spiel….)

    Wenn ich aber heute einem jungen Menschen empfehlen sollte: „geh zur Bundespolizei und mach was aus deinem Leben!“ , hätte ich doch schon arge Bauchschmerzen….

  2. Als ich versetzt werden wollte, konnte mir die Personalabteilung wegen „eines hohen Fehls an qualifizierten Beamten im gehobenen Verwaltungsdienst“ keine Freigabe erteilen. Bei der Bundespolizei wird man nämlich immer nur gegen seinen Willen versetzt, Freiwillige bleiben da, wo sie sind. Für mich war die Reform und die Auflösung der alten Dienststelle ein ausgesprochener Glücksfall.

    Menschenrechte werden durch das Berufsnomadentum allerdings nicht verletzt. Wir werden ja nicht vertrieben, sondern die Versetzungen erfolgen im Rahmen eines freiwilligen Beamtenverhältnisses. Menschenrechte bzw. deren Verletzungen sind noch ganz was anderes.

    Im übrigen bedeutet die Bemerkung – als ich unterschrieben habe, war die Bundesrepublik um einiges kleiner – der Verfasser will nur nicht in den Osten. Eine Bemerkung, die 20 Jahre nach der Wiedervereinigung völlig deplatziert ist.

    Wie der Verfasser richtig schreibt, war die Bundespolizei noch nie in der Lage, ihr Personal dort einzustellen und vorzuhalten, wo es auch wirklich benötigt wird. Und die steigenden Abordnungszahlen zeigen, daß sie dazu immer weniger in der Lage sein wird.

  3. Nun ich gehöre zu einem anderen „Stamm“ – egal…., aber Baum ist Baum…..

    Wer kann schon voraussagen wo es ihn im Laufe seines Lebens hin verschlägt? Junge Menschen – die heute noch (Bundes-)Polizist werden wollen, tun dies vor allem aus dem Ideal heraus „Polizist“ sein zu wollen, weil sie diesen Beruf mit etwas verbinden.

    Heute glaubt man zu erkennen, dass es andere Einflüsse sind, dass nicht mehr der Beruf allein die Rolle spielt, sondern viele andere Umstände mit eine Rolle spielen.

    Der Begriff „Heimat“ nimmt heute sicher keine andere Wertigkeit ein als noch vor 20 bis 25 Jahren. In vielen Regionen waren Arbeitsplätze knapp und das Einkommen niedrig. Da nahm man es in Kauf – wie viele anderen Pendler (z.B. Bauhandwerker) in die Großstadt zu „pendeln“ und sich am WE oder seinen dienstfreien Tagen in Richtung „zu Hause“ zu bewegen. In der Hoffnung früher oder später das Pendeln aufgeben zu können.

    Heute in Zeiten ungehemmt steigender Mieten und Lebenshaltungskosten (auch in Bundeseigentum befindliche Wohnungen) und dem Wunsch nach Familie – bleibt man gerne dort wo man verwurzelt ist – und sich auch die Eltern um den Nachwuchs kümmern können oder man mehr vom Einkommen hat (Baugrund, Haus usw.).

    Auch einige wenige Unternehmen haben das Potential ihrer Mitarbeiter bereits erkannt und sorgen dafür, dass sie sich in ihrem Umfeld wohl fühlen. Angefangen von der Beschaffung einer passenden Immobilie bis hin zum Kita-Platz oder Kinderbüro. Und dem angemessenen Gehalt…

    In meinem Bekanntenkreis gibt es „ehemalige“ Grenzschützer, die deshalb zum „BGS“ gingen, weil es vor Ort eine Dienststelle gab, heute sind sie (nicht alle) bei der LaPo. Also zu Hause.

    Beamte (gehobener Dienst) bei der Steuerverwaltung entscheiden sich in vielen Fällen auch den Dienst zu quittieren – haben sie doch die Möglichkeit, wenn sich beruflich keine heimatnahe Verwendung anbietet (u.a. ausgelagerte Dienststellen) als „Steuerberater“ ihr Brot zu verdienen. Und sie tun es auch….

    Aber was soll ein Beamter (mD/gD) Bundespolizei anstreben? Hier gibt es keine Möglichkeiten im gelernten Beruf sich „freiberuflich“ oder „selbständig“ zu machen. Notfalls heißt es in jungen Jahren kündigen, von vorne beginnen, oder sich schulisch weiter bilden und woanders eine Laufbahn starten, die eine heimatnahe Verwendung ermöglicht.

    Der Begriff Schwerpunktdienststellen (gibt es bei den Staatsanwaltschaften auch) zeigt die Unfähigkeit von „Behörden (dahinter sitzen immer auch Menschen) sich auf Veränderungen in einem sich bewegenden Umfeld einzustellen, bzw. diese rechtzeitig zu erkennen. Dienststellen werden einfach „stillgelegt“ – hunderte Kilometer entfernt für viel Geld neu gebaut…

    In den letzten Jahren wurde immer mehr Personal abgebaut – aus kostentechnischen Gründen. Beamte waren nichts als nackte Zahlen, die dem Staat zu teuer sind und ihn zu Überlegungen bemüßigten, wie man sich ihrer entledigen kann. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

    In unserem Staat (in anderen Staaten auch) sind Mächte am Werk, die das Ziel verfolgen alle geltenden Regeln zu zerstören und Kontrollen durch Sicherheitsbehörden zu unterbinden, um ungestört ihre Gier nach mehr Macht und Geld ausdehnen können. Geld spielt keine Rolle wenn man das Beispiel diverser Banken nimmt, die Millareden (nach außen hin) vernichtet haben – der Staat zahlt ja bzw. der Steuerzahler.

    Bei guter Planung denke ich müsste es heute möglich sein, dass kein Bundespolizist mehr von seinem Wohnort entfernt sein müsste als in einem Radius von 50 km und alle mindestens nach A11 besoldet werden könnten (+Polizeizulage in „angemessener“ Höhe)…

  4. Hallo Zusammen,

    ich habe sowieso keine Ahnung, wie dass alles zusammenpasst.

    Da gibt es einen Flughafen, SCHWERPUNKTDIENSTSTELLE, und obwohl dort Vollbeschäftigung (keine freien Dienstposten)
    herrscht wird trotzdem dorthin abgeordnet.
    Mein Gott, was hätte man sinnvollerweise mit dem Geld der letzten zehn oder zwölf
    Abordnungsjahre alles Gute anstellen können.

    Gleichzeitig bekommt man im Aufenthaltsraum zumeist keinen freien Platz mehr.
    Na logisch, bei einer Besetzung von 120%.

    Da klang es fast wie eine Drohung, als ein Personalvertreter dieses Airports dann sagte, „seid doch froh,
    dass wir alles mit Abordnungen richten können. Sonst würde es Versetzungen geben müssen“!

    Hmmm…. ich frage mich bloß auf welche Dienstposten denn? Sind doch keine frei!

    Keine Ahnung, wie dass alles zusammenpasst.

    Passt auf Euch auf!

  5. Zu 4.
    Das war doch vor 25 Jahren schon so, dass die Einsatzabteilungen dauerhaft einen Einsatzzug zum Flughafen Ffm (Einzeldienst) schicken mußten um den sogenannten „Dreiersprung“ auffangen zu können. Heute heißt das gelber Schein.
    Heute in Zeitungen: Pendler empfinden das Fahren zum Arbeitsplatz egal ob Pkw od. Bahn als gestohlenen Lebenszeit.
    Das ist unseren hohen Herren aber egal.

  6. Das Nomadentum begann bereits 1990. Damals wurden die GSE-Beamten an der ehemaligen DDR-Grenze wie räudige Hunde davongejagt. Die Kollegen von den Verbänden (z. B. Goslar) konnten das Problem bis 1998 aussitzen. In den 8 Jahren konnten diese sich noch nachträglich Sozialpunkte „beschaffen“.