Öffentlicher Dienst: Die Zukunft gestalten

In den kommenden 15 Jahren werden im öffentlichen Dienst rund 1,7 Millionen Beschäftigte in den Ruhestand gehen. DGB und Gewerkschaften fordern neue Wege, um den demografischen Wandel zu gestalten. Mehr Neuzugänge, aber auch alternsgerechte Arbeitsbedingungen sollen her. Mit einem Modellprojekt zeigt ver.di, wie das aussehen kann.

Berechnungen des DGB, basierend auf den Zahlen des Statistischen Bundesamtes, machen deutlich, was auf den öffentlichen Sektor bis zum Jahr 2027 zukommen wird. Rund 686 000 BeamtInnen und rund eine Million ArbeitnehmerIn­nen des öffentlichen Dienstes (ÖD) gehen in den Ruhestand. Gleich­zeitig werden schätzungsweise nur eine Million neu ausgebildete Beschäftigte hinzukommen. Macht ein Defizit von rund 700 000 Be­schäftigten. Karsten Schneider, Leiter der Abteilung Beamte und öffentlicher Dienst beim DGB-Bundesvorstand, kritisiert die Politik: „Wenn die Bundesregierung glaubt, auf eine demografische He­rausforderung hinweisen zu müs­sen, sollten auch konkrete Schluss­folgerungen für den öffentlichen Dienst gezogen werden.“ Um das Angebot an öffentlichen Dienstlei­stungen für die BürgerInnen auch in Zukunft zu gewährleisten, müsse deshalb sofort mit dem Aufbau von Personal begonnen werden.

Mehr als 1,7 Millionen Beschäftigte scheiden bis 2027 aus dem öffentlichen Dienst aus.

Problematisch ist dabei: Seine Vormachtstellung als Musterarbeit­geber droht der öffentliche Dienst zu verlieren. Studien weisen darauf hin, dass die Beschäftigten zuneh­mend über schlechtere Arbeitsbe­dingungen klagen. So zeigt eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit, dass nur 18 Prozent der Beschäftigten im ÖD ihre Ar­beitssituation positiv bewerten. 27,4 Prozent sind sehr unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen. Sie beklagen unter anderem mangeln­den Respekt, körperliche Schwerarbeit, einseitige Belastungen und emotionale Überforderung. Über ein Drittel kommt zu dem Schluss, dass sie unter den aktuellen An­forderungen nicht bis zum Renten­alter durchhalten werden.

ver.di-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp kritisiert die mangeln­de Gesundheitsprävention. „Im Hinblick auf die Förderung der Gesundheit der Beschäftigen tritt der öffentliche Dienst keineswegs als ‚Musterarbeitgeber‘ in Erschei­nung.“ ver.di fordert deshalb, phy­sische und psychische Belastungen durch Gefährdungsbeurteilungen zu erfassen.

An anderer Stelle gestaltet ver.di bereits den Wandel im öffentlichen Dienst. Mit dem Modellprojekt „Beruf und Pflege besser verein­baren – Alternsgerechte Arbeits­bedingungen gestalten“ sollen alters- und alternsgerechte Ar­beitsbedingungen im öffentlichen Dienst umgesetzt werden. Ziel ist es, den demografischen Wandel gemeinsam mit Personalräten und kommunalen Arbeitgebern zu meistern. Wie zum Beispiel in Konstanz: Dort bieten die tech­nischen Betriebe gesundheitlich eingeschränkten KollegInnen Alternativen an. Auf so genann­ten Lastenfahrrädern reinigen sie Gehwege und Straßen von Leicht­müll wie Zigarettenschachteln oder Plastiktüten. BürgerInnen und Be­schäftigte schätzen diese Form der altersgerechten Arbeit.

Ein weiteres Beispiel liefern die Marburger Kindertagesstätten. Hier können ErzieherInnen, die das 55. Lebensjahr überschritten haben, mit einer Zusatzqualifikation spe­zielle Funktionen in der Kita über­nehmen. So erkunden sie mit den Kindern den Wald, üben Deutsch oder lernen die Umwelt näher kennen. Zudem sind Arbeitspro­zesse neu geregelt worden, sodass Heimarbeitstage genutzt werden können. Das erleichtert die Pflege von Angehörigen. Bis 2013 kön­nen sich weitere kommunale und öffentliche Arbeitgeber am ver.di­Projekt beteiligen.

Neben solchen Maßnahmen fordern DGB und die Gewerkschaf­ten eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Weiterbil­dung und einen gleichberechtigten Zugang von Menschen aus unter­schiedlichen Kulturen zum öffentli­chen Dienst.

(Quelle: DGB Einblick 11/12)

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