Studie: Arbeit am Wochenende wird zum Normalfall

Maiplakat 1956

Wochenendarbeit wird in Deutschland zusehends zur Regel. Nur noch ein Drittel der Beschäftigten hat frei an Samstagen und Sonntagen, so die DGB-Studie „Stressfaktor Wochenendarbeit“. Für Erholung, Kultur und Familie bleibt immer weniger Zeit. Der DGB fordert eine Anti-Stress-Verordnung.

Von Annelie Buntenbach, DGB-Bundesvorstandsmitglied

Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt: Wochenendarbeit wird immer mehr zur Regel, gleichzeitig steigt der Arbeitsstress überdurchschnittlich an. Nur ein Drittel der ArbeitnehmerInnen hat tatsächlich an Samstagen und Sonntagen frei. Dagegen müssen 35 Prozent der Beschäftigten regelmäßig an einem oder beiden Wochenendtagen arbeiten. Zudem nimmt die ohnehin zunehmende Arbeitshetze am Wochenende noch einmal zu: 62 Prozent derer, die auch am Wochenende zur Arbeit gehen, leiden unter Stress. Besonders betroffen sind die Beschäftigten im Gastgewerbe, im Handel und im Bereich Erziehung und Unterricht.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf leidet

Eine solche Entwicklung ist ungesund für Beschäftigte, Familien und auch für die Kultur. Vor allem Alleinerziehende stehen vor neuen Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denn die Kinderbetreuung ist gerade am Wochenende ein Riesenproblem.

Es kann nicht richtig sein, dass die Belastungen am Arbeitsplatz steigen und gleichzeitig immer weniger Zeit für Erholung und Kultur, Familie und Kinder bleibt. Dass ein Drittel der Wochenend-ArbeiterInnen auch noch mehr als zehn Überstunden pro Woche machen muss, zeigt, wie wenig Zeit für die notwendige Erholung bleibt.

Es ist dringend erforderlich, den Stress am Arbeitsplatz abzubauen, um den gefährlichen Boom an psychischen Erkrankungen und Burnout zu stoppen. Dafür müssen der Arbeitszeit und den Arbeitsbelastungen wieder Grenzen gesetzt werden. Der DGB-Slogan aus dem Jahr 1956, „Samstags gehört Vati mir“, bleibt weiter aktuell. Nur dass heute zwei Versionen nötig sind, damit samstags auch „Mutti“ Zeit für ihre Kinder hat.
Anti-Stress-Verordnung notwendig

Da die Arbeitgeber Stress nicht freiwillig reduzieren, sind dazu auch neue rechtliche Vorgaben zum Umgang mit psychischen Belastungen – wie eine Anti-Stress-Verordnung – notwendig. Die Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass die zum Teil erhebliche Kluft zwischen der vereinbarten und der tatsächlichen Arbeitszeit verringert wird. Bei den hohen Arbeitsbelastungen müssen die Beschäftigten auch entsprechende Pausen und Erholzeiten haben. Ein zeitnaher Ausgleich bei der Überschreitung von Arbeitszeiten muss selbstverständlich sein.

Weitere Informationen beim DGB

(Quelle: DGB-Index Gute Arbeit)

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3 Kommentare
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  1. Wie wäre es als erste Maßnahme, dass für jeden Tag Einsatz am Wochenende strikt am nächsten Werktag frei gemacht wird. Also Samstag Einsatz = Montag frei; Samstag und Sonntag Einsatz = Montag und Dienstag frei.
    Akten und Papierlagen bleiben dann eben liegen.

    P.S. Mir ist klar, dass dies für den Einzeldienst wegen dem Schichtbetrieb kaum möglich ist, aber bei der BP wäre es doch ein Anfang.

  2. Ich teile die Auffassung von BePo, auch wenn ich als Einzeldienstler daraus kein Nutzen ziehen würde.

    Auch für den Einzeldienst sind diesbezüglich Ausgleichsmaßnahmen möglich:

    1.) Rückkehr zur 39 Std Woche ( 1 Schicht weniger in 5 Wochen )
    2.) besondere Kurregelung für Schichtdienstler
    3.) pro 10 Jahre Schichtdienst ein Jahr weniger Lebensarbeitszeit

    Die fiskalischen Anreize wie die Beibehaltung der DuZ Steuerfreiheit zu den Nachtstunden bzw die Erhöhung der DuZ Sätze lass ich mal außen vor und betrachte das nur aus dem gesundheitlichen Aspekt.

    Es gibt noch viel zu tun,
    in diesem Sinne

  3. @ BePo

    So machen wir es mit den PVB!!!

    und das ist auch gut so!!!

    Vorgangsbearbeitung folgt dann eben am Dienstag oder Mittwoch! (das reicht auch)

    wobei es aus den Bereichen @rtus zunächst Widerstand gab… aber das waren die, die am Wochenende frei haben ;)