Zeit für eine faire Bewertung!

I. Rasche / pixelio.de

In ihrer Bezahlstruktur und bei Beförderungsmöglichkeiten steht die Bundespolizei im Vergleich zu anderen Polizeien auf den hinteren Rängen. Anerkannterweise leisten die Beschäftigten in der Bundespolizei sehr gute Arbeit. In der monetären Bewertung ihrer Arbeit spiegelt sich dies jedoch nicht wieder.

Zwar haben die Attraktivtätsprogramme den richtigen Weg gewiesen, indem mit mehr Beförderungsstellen im mittleren Dienst und der Erhöhung des Anteils des gehobenen Polizeivollzugsdienstes mühsam der Anschluss an die Polizeientwicklung in Deutschland gehalten wurde. Doch dürfen wir hier nicht stehen bleiben. Die Polizei ist Teil der inneren Verwaltung. Als „Politischste aller Verwaltungen“ wird die Arbeit trotz Zuwachs der wahrzunehmenden Aufgaben weder angemessen noch zeitgemäß bewertet. Die Bundespolizei gehört aber in ihrer Vergütungsstruktur unbedingt in die Spitze der deutschen Polizeien.

Basis einer Bewertung sollte die differenzierte Erfassung aller mit der Stelle verbundenen Arbeitsleistungen und Anforderungen sein. Gesetzlich ist es aber ausreichend, wenn die wesentlichen den Dienstposten prägenden Aufgaben zur Grundlage genommen werden. Welche Aufgaben als „prägend“ definiert werden, obliegt dem jeweiligen Ermessen. Aktuell erfolgt die Erhebung durch eine Auswertung von Stellenbeschreibungen. Darin werden vor allem Aussagen getroffen über:

· Organisatorische Einordnung in die Hierarchie
· Eigenen Verantwortungsbereich und Weisungsbefugnisse
· Vertreterregelungen
· Regelmäßig wahrzunehmende Aufgaben und wesentliche Tätigkeiten (Laufende Fachaufgaben, periodisch wahrzunehmende Aufgaben, Vollmachten, Kompetenzen)

Für eine aufgabengerechte Funktionsbewertung innerhalb einer polizeilichen Organisation sind nach unserer Auffassung jedoch tiefergehende und zusätzliche Kriterien notwendig. Es ist insbesondere zu bewerten, ob sich aus der Arbeitsorganisation besondere Belastungen ergeben, oder welche Wechselwirkungen sich zwischen Funktionsausübung und Lebensbedingungen des Stelleninhabers ergeben, d.h. in welchem Maße die dienstlichen Belastungen das Sozialleben einschränken.

Daher gehören zu einem umfassenden Bewertungsmaßstab nach unserem Verständnis insbesondere folgende Punkte:

· Berufserfahrung
· Komplexität der Funkton – Zu verarbeitende Informationsdichte und Schwierigkeit der Entscheidungsfindung
· Verantwortungsbreite – Führungsverantwortung, Handlungsspielraum, Konsequenzen des Handelns, Maß der Eigenverantwortlichkeit
· Physische und psychische Belastungen – Dienstliches Gegenüber, Konfliktträchtigkeit
· Arbeitsorganisation und Soziale Rahmenbedingung – Schichtdienst, Planbarkeit der Dienstzeiten, Dienst im Ausland, Heimatferne Verwendung

Auch die Arbeit der VerwaltungbeamtInnen und Tarifbeschäftigten muss dringend eine zeitgemäße Würdigung erfahren.  Insbesondere der Konkurrenz zu den kommunalen Verwaltungen muss Rechnung getragen werden, um die Funktionsfähigkeit der Bundespolizei zu gewährleisten. Denn die Unterstützungsleistung der Kolleginnen und Kollegen Verwaltung und Tarif ist zweifelsohne deutlich mehr Anerkennung wert, als ihr bislang zuteilwird.

Die Aufgaben der Bundespolizei insgesamt haben sich in ihrer Vielfalt, in ihrem Umfang, ihrer Menge und den daraus folgenden Belastungen erheblich verändert. Dies muss sich endlich in einer angemessenen Wertschätzung der Arbeit widerspiegeln. Die faire Bewertung ist die Voraussetzung für eine faire Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit der Schlüssel für die verdiente Anerkennung der erbrachten Leistungen.

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Themenbereich: Finanzielles & Laufbahn | Drucken

9 Kommentare
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  1. Nun denn, da will ich die Diskussion ’mal eröffnen.

    Ich kann mich mit allem identifizieren, soweit sich die Darstellung auf Berufserfahrung, Komplexität der Funktion, Verantwortungsbreite und mit Einschränkungen physische oder psychische Belastungen beschränkt.
    Ausdrücklich nicht in die Bewertung von Funktionen gehören die Arbeitsorganisation oder sonstige soziale Rahmenbedingungen.
    Diese Erschwernisse werden bereits durch mannigfaltige Zulagen oder sonstige Bezüge ausgeglichen (DUZ, Wechselschichtzulage, Auslandsdienstbezüge, Auslandsverwendungszuschlag und, und, und [z.B. alle sonstigen Zulagen der EZULVO]).
    Schon gar nicht kann ich das Merkmal „Heimatferne Verwendung“ nachvollziehen. Als selbst von allen drei Reformen und mittlerweile dadurch in Berlin gestrandeter Betroffener habe ich mich nie auf das „Kirchturmsyndrom“ berufen, sondern habe meine Pflicht aus § 72 Abs. 1 BBG immer erfüllt. Bedenken wir bitte alle einmal, dass wir vor der Einstellung in diese Firma darüber belehrt wurden, als Bundesbeamte auch bundesweit eingesetzt werden zu können. Und bloß, weil ich meine ursprüngliche Heimat wegen gerade dieser von mir zu erfüllenden Beamtenpflicht verlassen musste, ist jetzt meine Funktion anders zu bewerten?
    Nein, aus meiner Sicht geht dieser Schuß daneben. Hier muss etwas anderes greifen, wie z.B. die Komplexität der Funktion! Da muss dann halt ein Dienstposten für KSB in Berlin anders bewertet werden als in Kleve.
    Aber wer will hier ein einigermaßen nachvollziehbares und dann auch gerechtes Bewertungsschema vorgeben? Am Ostbahnhof ist das Arbeitsklima zugegebenermaßen etwas rauer als am Geschäftsflughafen Tegel – wer will diese individuellen Verhältnisse in eine Matrix packen und das vor allem – wie gesagt – gerecht? Nitschewo!
    Wir sollten lieber darauf hinarbeiten, dass in unserer Firma jeder rechtzeitig vor seinem Ruhestand auch das von ihm gewünschte Endamt erreichen kann. Ich erlebe täglich meine Kollegen aus Berlin oder dem Brandenburger Umland. Erst vorgestern habe ich lange mit einem 54jährigem POM der Bundeshauptstadt gesprochen. Anfang Juni war ein 51jähriger, brandenburgischer Diensthundführer im Range eines Polizeimeisters (!), der gerade seine Urkunde zum 25jährigen Dienstjubiläum empfangen hatte, mein Gesprächspartner. Und dies sind beileibe keine Einzelfälle.

    Dass es überall etwas zu verbessern gibt, man muss nicht lange suchen, kein Problem. Ein Blick über die Schulter nach links oder rechts dürfte aber in unserem Nehmer- statt Geber-Staat nicht schaden. So schlecht, wie wir uns täglich einreden, geht es uns nämlich nicht.
    1. Fazit: Zeit für eine faire Bewertung –> schon immer!
    2. Fazit: Es wird nicht klappen. Man kann die individuellen Lebenssachverhalte einer Funktion niemals „fair“ bewerten, ohne dass von irgendwo ein Neider schreit!

    Gruß aus der Hauptstadt

  2. Die angesprochenen Punkte münden doch eindeutig in eine zweigeteilte Gehaltsstruktur:
    Das Gehalt setzt sich einerseits aus dem jeweiligen Amt (also Dienstgrad) und andererseits aus der derzeit ausgeübten Funktion zusammen.
    Damit kann man auf jeden Fall allen Kollegen, die unregelmäßig, unplanbar und „jedes Wochenende mitnehmend“ Dienst tun, gerecht werden.

    oder

    Die derzeitigen DuZ-Sätze auf durchgängig € 5,- erhöhen.

    Das aber wiederum erscheint im Zuge der eben vereinbarten Gehaltserhöhung nicht durchsetzbar.

    Also GdP, auf in den Kampf!!!

  3. @Mister XYZ
    Ich kann dieses Totschlagargument „ihr habt für bundesweite Verwendung unterschrieben“ nicht mehr hören, kriege da echt nen Hals.
    Ich habe unterschrieben, ja, aber unter dem Aspekt der Verwendung nach Beendigung der Ausbildung. Sprich, ich ziehe halt da hin, wo ich meine Stelle erhalte.
    Ich habe NICHT unterschrieben, dass ich alle paar Jahre umzuziehen habe oder dauerabgeordnet werde und trotz heimatnaher Stamm-Dienststelle eine Fernbeziehung führe.
    Genau solche Meinungen bzw. Aussagen sind der Grund, dass die Berufsunzufriedenheit bei der BPOL im (mittlerweile deutschlandtypischen) Keller ist.

  4. Schön das ihr die Verwaltung und den Tarifbereich auch ansprecht.
    Ziel muß es, wie „Mister XYZ“ anspricht, unbedingt sein, dass Endamt der zugewiesenen Planstelle bis zur Pension zu erreichen.

    Es kann nicht sein, dass in der Verwaltung und im Tarifbereich mit A7 der letzte Lebensabschnitt beginnt.
    Bei den ständig steigenden Lebenserhaltungskosten ist auch mit A7 irgendwann Ende der Fahnenstange.

    Ich bin doch nicht Beamter geworden um im Pensionsalter noch Zeitungen auszutragen, dass soll sich jetzt nicht arrogant anhören, Respekt vor jedem Rentner der sich so über Wasser halten muß.

    Ich denke mal die Fürsorgepflicht des Dienstherren hört nicht mit der Beendigung des Dienstverhältnisses au, oder doch???

    ROS 53

  5. Hier einmal zur Info ein Beitrag, den ich im Ideen-Managenent am 06. Februar einreichte und der leider negativ beschieden wurde.
    Ich finde, er passt ganz gut thematisch hier rein:

    Problemdarstellung:
    Das aktuelle Beurteilungssystem wird alleine durch Quotierungen getragen.
    Dies sorgt bisweilen für Unmut bei den Mitarbeitern und ist Gegenstand
    permanenter Kritik.
    Gleichzeitig wird auch das Leistungszulagen- bzw. -prämiensystem
    angezweifelt, zu subjektiv erscheint oft die Vergabe, und die zudem noch
    hinter verschlossener Tür – was dem Gedanken der löblichen Anerkennung
    von gezeigter Leistung per se widerspricht.
    Im Ganzen sollte hier eine Anpassung erfolgen, um die Transparenz und
    Akzeptanz zu steigern.
    Es fehlt an „objektiv“ messbaren Kriterien, auf die sich die Mitarbeiter
    stützen können, z.B. Standzeit, Lebensalter, Verweildauer etc.

    Lösungsvorschlag:
    Das jetzige Beurteilungssystem ist nur noch EIN Element bzw. eine Säule
    von mehreren. Die vergebene Note entspricht gleichzeitig einer Punktzahl,
    die mit anderen Punkten verrechnet wird.
    So könnte zusätzlich die Funktionsdauer (Jahre der Tätigkeitswahrnehmung)
    zu einer Punktzahl führen , ebenso die grundsätzliche Zahl der Dienstjahre.
    Weitere Säulen / Punktewerte sind denkbar, z.B. Lebensalter und erfolgte
    Spezialisierung (Zahl absolvierter Lehrgänge u.ä.).
    Dies zusammen ergibt eine Gesamtpunktzahl, die sowohl subjektive
    Elemente (eine persönliche Beurteilung der Vorgesetzten) enthält, aber auch
    fixe Kriterien wie Dienst- und Lebensalter und nachgewiesener Qualifikation.
    Im Idealfall ist der Punkteschlüssel für alle Säulen identisch, d.h. (legt man
    das jetzige Beurteilungssystem mit max. 9 Punkten zugrunde) bei jeder der
    Säulen kann man bis zu 9 Punkte erreichen.

    Auf diese Weise kann ein Mitarbeiter wenige Punkte in einem Bereich durch
    viele Punkte in einem anderen kompensieren, gleichzeitig nützen aber nicht
    alleine die Punkte einer einzigen Säule, wenn er in den anderen Bereichen
    erst wenig erreicht hat.
    Leistung wird dadurch ebenso honoriert wie fortgeschrittenes Alter und
    Erfahrung aufgrund langer Verweildauer.
    Die nächste Änderung ergibt sich nun hierbei bei den Prämien / Zulagen:
    wer eine bestimmte Gesamtpunktzahl erreicht, aber (z.B. aufgrund von
    Quotierung) dennoch aber nicht befördert werden kann (das Beispiel der
    vielen Obermeister bzw. der wiederholten „9er“), erhält als Ausgleich
    automatisch eine Prämie.
    Dies kann das bisherige Zulagen-/ Prämiensystem entweder gänzlich
    ersetzen oder ergänzend zum Tragen kommen.

  6. Zu Flat Nr.5
    das wird nie kommen, weil dann ja keiner mehr erpressbar ist!!!!!!

  7. Alle Vorschläge sind löblich.
    Beurteilungen, Beförderungen und Leistungszulagen sind am Ende ein reines Steuerungsinstrument für den Vorgesetzten bzw. den Dienstvorgesetzten. Egal wie ein Sytem sich darstellt, es wird immer der subjektive Anteil überwiegen.
    Mit dem subjektiven Anteil ist der persönliche Eindruck des Beurteilers gemeint. Dieser nutzt im Endeffekt die Quoten aus oder auch nicht.
    Der subjektive Anteil ist allerdings nicht durch ein Sytem zu ersetzten, vielleicht zu minnimien.
    Eine Objektivierung der subjektiven Eindrücke kann nur durch Schulungen erreicht werden….

  8. Flat1795
    Klasse Vorschlag, ähnlich wie zum Beispiel beim Abitur oder anderen Abschlüssen wo verschiedene Leistungen, Kurse und Prüfungen eine Note ergeben.
    Aber solche logischen Ideen die dem gesunden Menschenverstand entspringen werden bei uns nie und nimmer umgesetzt.

  9. @flat1795

    Sollen denn die Erstbeurteiler nicht genau nach deinen benannten Kriterien bereits beurteilen???

    Und wenn ich zur Leistungszulage nachlese, dann lese ich, dass auch monatliche Zahlungen möglich sein sollen. Wieso wird das denn nicht angewendet?