Personalbedarf – die Berechnung einer Mogelpackung

Jörg Radek, stellv. Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei

Die vorhandene Überlastung der Beschäftigten in der Bundespolizei ist hinreichend nachgewiesen. Von Prof. Dr. Strohmeier wurde im Rahmen der Klartext-Studie sogar ein Maßnahmenkatalog zur Entlastung vorgeschlagen – darunter auch „Personalaufstockung“ und „Besseres Kräftemanagement“.

Doch bereits bei der Festlegung von Parametern für die Personalbedarfsberechnung der Bundespolizei wird von einer falschen Annahme ausgegangen. Grundlage der Berechnung  ist die zu leistende Arbeitszeit der Beschäftigten pro Kalenderjahr. Von der Soll-Jahresarbeitszeit werden unter anderem Durchschnittswerte der Abwesenheiten durch Erkrankungen oder  Kur- und Heilverfahren abgezogen. Diese Werte wurden dem Gesundheitsförderungsbericht der Bundesregierung von 2010 entnommen – womit das Problem auch schon benannt ist. Unter Ziffer 3.1 wird dort nämlich angeführt: „Krankheitstage, die auf Wochenenden oder Feiertage fallen, […] werden nicht berücksichtigt“.   Mit  dieser Ableitung aus der  gesamten Bundesverwaltung wird  die Besonderheit der ständigen Präsenz der Bundespolizei ausgeblendet und die Ermittlung des realen Personalbedarfs zu einer Mogelpackung. Die Formel berücksichtigt die Arbeit, aber nicht den realen Ausfall und führt konsequent zu einem rechnerisch geringeren Personalbedarf für die zu leistende Arbeit. Die Formel berücksichtigt die Arbeit, aber nicht den Ausfall. Für die zu leistende Arbeit ist mit dieser Rechenart grundsätzlich zu wenig Personal vor Ort. Arbeit am Wochenende steht gegen die Familienzeit und die soziale Bindung in der Freizeit. Deswegen wird von 2/3 der Menschen in der Bundespolizei, die Arbeit am Wochenende als Belastung empfunden.

Die belastende Wochenend- und Feiertagsarbeit wird außerdem entwertet. Die Krankenrate der Bundespolizei in der Bundespolizei dürfte unter Berücksichtigung aller Wochentage über dem Durchschnittswert von 18,88 Tagen der gesamten Bundesverwaltung liegen. Eine Personalberechnung, die diesem Umstand – ggf . unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede- nicht Rechnung trägt, ist auch Ursache für  eine Fortentwicklung von Arbeitsverdichtung und demzufolge Überlastung.

Jörg Radek

Share

Themenbereich: Aus dem Bezirksvorstand | Drucken

6 Kommentare
Eure Meinung zu diesem Beitrag ist uns wichtig: »

  1. Wie bitte? Krankheitstage, die auf Wochenenden oder Feiertage fallen, werden NICHT berücksichtig? D. h. für mich im Umkehrschluß, dass Dienste an diesen Tagen seitens der Bundesregierung wohl als irrelevant eingestuft werden!
    Nun gut, dann können wir an Wochenenden und Feiertagen wohl unsere Grenzkontrollschalter und die Bahnhofswachen schließen, die Streifentätigkeit einstellen, Fußball- oder Demoeinsätze und ähnliche Einsätze der Verbände abblasen und an diesen Tagen alle zu Hause bleiben?! Schön, denn dann hätten wir ja jedes WE und an jedem Teiertag fre, so wie in der gesamten Bundesverwaltung eben! Upps, das hätte ich beinahe vergessen: An diesen Tagen müßte dann aber auch der Personenschutz dieser Damen und Herren eingestellt werden!

    Unfaßbar eine solche Aussage! Wieder ein Beleg mehr, dass der Spruch unseres BMI, der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, wohl eher sarkastisch gemeint war!

  2. Denn sie wissen nicht was wir tun!!!

    Oder

    Denn sie wissen nicht was sie tun!!!

    Jedenfalls haben die Damen und Herren keine Ahnung von unserem Job, aber davon eine ganze Menge.

  3. Kann mir das mal jemand erklären ?? Besteht der Verein eigentlich nur noch aus Zahlenspielen ??

  4. Unsere Behörde verlangt immer, dass wir uns uneingeschränkt mit Ihr identifizieren…Identifiziert sich „unsere“ Behörde noch mit uns?

    Ich sehe jeden Tag zunehmend desillusionierte Kollegen über die Gänge „schleichen“ Fast alle waren mal Idealisten, die es eigentlich geärgert hat, wenn sie mal Urlaub nehmen mussten… Sie waren lieber im Dienst und haben ihre Arbeit gerne gemacht…

    Die gleichen Kollegen heute… Ein Trauerspiel.

  5. das kommt dabei raus, wenn man BW`ler oben sitzen hat. denn!!!! Die gehen ja an Wochenenden und Feiertagen nicht arbeiten, also können die die Krankentage da ja ruhig rausrechnen.

  6. Tja. Wer Kritik übt und auch mal nein sagt fliegt raus. Sogar Präsidenten!!!