Keine Filialleiter und keine Kassierer

Josef Scheuring, Vorsitzender des GdP Bezirk Bundespolizei

von Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, Bezirk Bundespolizei

Die Präsidenten der Bundespolizeidirektionen und der Bundespolizeiakademie sind keine Filialleiter. Das hat der Bundespolizeipräsident Dr. Dieter Romann unmittelbar nach der Amtsübernahme festgestellt. Diese Feststellung kann zur wichtigsten Grundlage für die erforderliche, innere Neuausrichtung der Bundespolizei werden. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass dieser Satz um die Aussage – und die Polizistinnen und Polizisten der Bundespolizei sind keine Kassierer an der automatischen Kasse – erweitert wird. Potsdam ist die Konzernzentrale und draußen sind die Filialen mit ihren Filialleitern. Das war in den zurückliegenden Jahren die offen erklärte und konsequent umgesetzte „Firmenphilosophie“ der Bundespolizei. Mit einer solchen Philosophie kann man vielleicht noch Marktketten befriedigend führen. Für die Führung einer Polizei, die mit ihrer Arbeit Sicherheitsgarant an ganz sensiblen Sicherheitsbereichen sein muss, ist eine solche Aufstellung vollkommen ungeeignet. Sie nimmt den Polizistinnen und Polizisten vor Ort die notwendigen Entscheidungsmöglichkeiten und das erforderliche Selbstwertgefühl, sie zerstört die Polizei. Gut ausgebildete und hoch motivierte Polizistinnen und Polizisten werden damit zum herzlosen Teil von „Prozessen“ an den festgelegten „Prozessstellen“. Kennzeichenerfassung und Determinantendenken ersetzen die, für gute Polizeiarbeit notwendige, eigene Flexibilität und Kreativität.

Die Polizei verliert damit für die zentralen, polizeilichen Herausforderungen, der Bekämpfung des internationalen Terrors und der organisierten, illegalen Migration ihren Kern. Orientierungslosigkeit, Überlastung und Zynismus bestimmen zunehmend den Arbeitsalltag. Die Menschen wenden sich von ihrer Organisation ab und werden krank. Das ist das, in der Bundespolizei ganz deutlich wahrzunehmende Bild einer Organisation von Filialleitern und der Kassierer an der automatischen Kasse. Dr. Romann hat das Ende dieser Firmenphilosophie verkündet. Hinter dieser Botschaft liegt eine riesige Herausforderung. Vor allem auch für die früheren Filialleiter. Sie haben mit allen anderen, die Führungsverantwortung für sich beanspruchen, deutlich mehr Verantwortung als die bisherige „Kassenaufsicht“. Führen, die Menschen in der Organisation insgesamt zu einer lebendigen, motivierten Organisation, zu einer starken und schlagkräftigen Polizei zu entwickeln, ist angesagt. Das Filialleitersystem in der Bundespolizei ist gescheitert. Und wer es auf seiner Führungsebene trotzdem fortführt, scheitert ebenfalls. Die Bundespolizei kann mehr als Filialleiter und Kassierer. Das umzusetzen ist ein anspruchsvolles aber auch ein sehr lohnendes Ziel!

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20 Kommentare
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  1. Bravo, Jupp!

    Sowas wollte ich schon lange mal gelesen haben! Nun ist es an uns, den neuen Präsidenten beim Wort zu nehmen bzw. ihn darauf festzunageln!
    Denn leider wissen wir alle, dass Theorie und Praxis leider ziemlich auseinanderdriften und ich bin mir nicht sicher, dass er das Problem schon in Gänze erkannt haben kann.
    Ausserdem sind wir ja nun in einem wahren Parforceritt in die falsche Richtung losgesprengt (zumindest mal seit Beginn der „Reform III“), dass eine Kursänderung sicher nicht leicht wird!
    Unmögliches wird eben nicht sofort erledigt und Wunder dauern auch nicht etwas länger, sondern es gibt sie schlicht nicht! – Und zaubern kann schon gar keiner!

    Vielleicht hat aber der „Neue“ damals von seinem Vater (Direktor der Grenzschutzdirektion bis, ich glaube, so ca. 1980) ein wenig davon mitbekommen, wie der alte Einzeldienst funktioniert hat: dass er nämlich in erster Linie auf Eigenverantwortung eines jeden Beamten basierte! (Nicht umsonst habe ich mitunter das Gefühl gehabt, in meiner Funktion als Sommerverstärker beim GSE, Wachtmeisterle meines Zeichens…, mehr selbst entscheiden gedurft zu haben (und zu müssen!) als in meiner letzten „operativen“ Funktion als stellv. IL!)
    Das wohlgemerkt vor Beginn der Reform! – Bekanntlich ist es ja seitdem dank galloppierender Zentralisierung und „Verwirtschaftlichung“ nicht gerade besser gworden!

    Nun haben sich die Zeiten sicherlich geändert und auch das „Geschäftsmodell“ des alten GSE kann wohl nicht 1:1 auf die heutigen Verhältnisse übertragen werden, aber eines kann man wohl getrost postulieren:
    Gebt den Leuten wieder ein wenig mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten und ihr werdet feststellen, dass sie in der Masse garnicht so blöd sind, wie man sie gerne hätte, durchaus selbst zu denken in der Lage sind und vermutlich wesentlich weniger Schwierigkeiten mit den angestrebten „neuen“ Verhältnissen haben werden als die „Filialleiter“!
    Diese werden daran wohl erheblich mehr zu knabbern haben, weil man ihnen a) die „Geschäftsgrundlage“ entzieht und sie b) aus dem Seeger-Debakel gelernt haben dürften, dass selbstbewusstes Handeln nicht immer erwünscht ist…

    Hier ist in den letzten Jahren so unendlich viel zerstört worden, dass der Wiederaufbau nicht ganz unproblematisch vonstatten gehen dürfte! Vielleicht muss man aber auch so tief unten gewesen sein wie die Bundespolizei, damit ein Neuanfang überhaupt möglich wird!

    Eines jedoch sollte uns allen klar sein: Wenn diese Chance wieder vergeigt wird, können wir wirklich einpacken!

  2. Wir sind gespannt, ob den Worten auch Taten folgen.

    Bisher haben wir gehört, dass die „Filialleiter“ den Neuen darauf drängen wollen, eine Uniform anzuziehen. Er soll zumindest dem äußeresn Anschein nach einer der ihren sein.

    Was verbirgt sich hinter einer solchen Fesstellung? Nun, offensichtlich sind die Filialstellenleiter nicht begeistert, dass es ihnen eigentlich egal ist, wer unter ihren „Filialen“ Chef ist. Sie wollen machen was sie wollen. Und nun soll ein „Grauer“ das Sagen haben? Welche Anagronie in einer von Prozessen fehlgesteuerten Bundespolizei.

    Die Kollegen an der Basis erwarten, dass Herr Dr. Roman seiner Linie treu bleibt und kein Uniformträger wird. Es wäre ein klares uns sichtbares Zeichen, dass sich etwas verändert. Alles andere wäre unglaubhaft – zumindest an der Basis. Ob diese Basis etwas zählt, bleibt daher abzuwarten.

    Grüße First

  3. Ich weis nicht ob ich lachen oder weinen soll…bei derartigen Ausführungen. Gesetzt den Fall: Die Aussagen Herr Scheurings sind nicht unter der Rubrik „Ironie“ zu verstehen, sondern tatsächlich ernst gemeint, stellen sich mir doch Fragen als „Bediensteter“! Nämlich u.a. die Frage auf welchen rechtlich-fundamentalen Voraussetzungen unsere BuPol in den vergangenen Jahren als „Firma“ fungierte. Man hat sich ja schon so seine Gedanken gemacht bei der Umwandlung von „o.V.i.A.“ in „m.d.W.d.G.b.“. Oder warum ich jetzt nur noch eine schlichte „Ermittlungsperson“ anstatt eines „ErmBea der StA.“ sein soll. „Geschäfts“ordnungen haben Einzug gehalten in den Dienststellen und keine Verfügung wird mehr unterschrieben usw…. Und der 1990 gestrichene Art.23 (aF.) GG für den Geltungsbereich des GG will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen….und die vielen historischen Fakten in den (gottseidank noch nicht zensierten Medien) über den Status der BR für Deutschland seit der Erlöschung der DDR und der alten BRD 1990,warum es seit 1982 bis heut kein Staatshaftungsgesetz mehr gibt…uvm. Mir ergeht es persönlich bei dem Thema “ Die BRD seit 1990-noch ein Staat???“ so, daß sich mit jeder Antwort 10 neue Fragen ergeben.
    Ist es nicht langsam Zeit, daß uns die Verantwortungsträger in all den höchsten Führungspositionen in diesem Lande mal so langsam die Wahrheit sagen? Gerade unter der immer bedrohlicher werdenden Staatsschulden-,EURO-,Banken-und ÜberhauptKrise derzeit. Im Zusammenhang mit dem BundesGGgerichtsurteil zum Inlandseinsatz der BuWehr in der letzten Woche sprach man schon vom „Öffnen der Büchse der Pandora“. Wo soll die Reise für uns BuPos hingehen? Und wo für das Volk?

  4. Klasse Beitrag! Nun ist nur zu hoffen, dass aus Potsdam nicht nur Worthülsen kommen, sondern Taten folgen.

    Sofern Herr Dr. Romann hier auf das richtige Pferd setzt, kann er auch (als politischer Beamter) gerne weiterhin in Zivil seinen Job ausüben. Warum hier so ein großer Wert darauf gelegt wird, dass er eine Uniform anzieht, ist mir sowieso schleierhafte. ich vermute mal, dass die 5-Sterneerfinder dahinter stecken, die leider noch immer in der BGS Welt leben zu scheinen. Denen sei gesagt, dass nicht die Uniform und die Sterne einen guten Polizeibeamten vs. Führungspersönlichkeit ausmachen, sondern dies eine Charaktereigenschaft ist. Aber es ist halt einfacher sich hinter den Sternen und der Uniform zu verstecken. Schade aber so ist das halt 2012.

  5. Uniform für den Präsidenten … ???

    Mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich so etwas höre.

    Aber es scheint war zu sein. Offensichtlich musste ein Ausnahmeantrag beim Bundespersonalausschuss gestellt werden …

    Na dann …

  6. Meiner Meinung nach ist die Umsetzung dieser Forderungen in der Organisation, wie sie heute besteht, nicht möglich. Da hilft nur noch Auflösung, wie bereits von Werthebach vorgeschlagen.

  7. Lieber „Sachbearbeiter“,
    der Werthebach – Bericht hat in der Tat einige, nicht besonders sinnige Dinge vorgeschlagen. Die Auflösung der Bundespolizei hat er allerdings nicht vorgeschlagen.
    Es nützt übrigens im Leben und auch in der Bundespolizei überhaupt nichts, wenn man frusterfüllt vor den Problemen davonläuft.
    Lasse uns gemeinsam an den vorhandenen Problemen arbeiten, denn Du und der überwiegende Teil aller unserer Kolleginnen und Kollegen wird in dieser Bundespolizei in den Ruhestand gehen. Schon deshalb kann es uns nicht egal sein, wie die Bundespolizei heute und in Zukunft aussieht.
    Mit herzlichen Grüßen
    Jupp Scheuring

  8. Hallo Josef

    Du hast Recht mit dem, was Du schreibts… Grundsätzlich. Aber es ist ein Unterschied, ob man, wie im zivilen Leben, eine Chance hat, sein Schicksal einigermaßen selbst zu bestimmen oder ob man wie im dienstlichen Leben auf Gedeih und Verderb seinem Dienstherren ausgesetzt ist.

    Mir ist es nicht egal, wie meine Bundespolizei in Zukunft aussieht. Aber ich kann, außer durch meine Mitgliedschaft in der GDP um Euch zu unterstützen, nicht viel dagegen machen. Den Mund mache ich an gegebener Stelle auf bzw. hab das getan… Mit mäßigem Erfolg und mittlerweile mit der sogenannten imaginären A…karte auf meiner Stirn.

  9. Sehr geehrter Herr Scheuring,
    ich verstehe nicht das sich die Gewerkschaft so gegen den Werthebachvorschag stemmen. Zudem kann man den Schreibern oben nicht unterstellen, dass Sie vor Problemen davonlaufen. Es geht nicht darum uns oder unsere Aufgaben madig zu machen. Sondern es geht um eine zukunftsfähige effiziente Polizei. Kann es erstrebenswert sein ob BaPo oder Lusi Bereich immer im eingeschränkten Zuständigkeitsbereich zu arbeiten. Kann es erstrebenswert sein die Zuständigkeit für nur 2 Verbrechenstatbestände zu haben. Kann es erstrebenswert sein als Azubi durch die ganze Republik zu reisen um ausgebildet zu werden. Ich bin nach wie vor der Meinung. Unsere Beamten sind gut – aber – so geht es nicht weiter. Für mich gibt es nur eine Lösung – Überführung ins Land – Bund zahlt weiter – und man wird sehen wie schnell sich unsere Beamten Landeskompetenzen aneignen. Somit wären die Schichten ob BaPo oder LuSi mit Bund und Landeskompetenz besetzt aber man hätte nur einen Organisationsapparat.
    Auslaufende Stellen mit KW Vermerken versehen – Einsparung der Direktionen und des P. Verschmelzung von KBèn mit BKA.
    Schaut euch doch einmal unsere Vita an. Aus der Notwendigkeit des Grenzschutzes wurden nach der Wiedervereinigung zwangshaft Aufgaben gesucht. Nun ist unsere Organisation zu einer 40.000 Mann Behörde mutiert.

  10. Liebe/r Kollege/in MeineMeinung,

    Ihrem Beitrag Nr. 4 kann ich in Punkto „5-Sterne-Erfinder“ nur beipflichten. Die Ehefrau meines leider Gottes viel zu früh verstorbenen Präsidenten der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin -Randolf Virnich- hat sehr trefflich formuliert. Sinngemäßes Zitat: „Mein Mann hat sich nicht über die Uniform definiert“. Und ich denke mal, dass er es auch nicht über die Schulterstücke getan hat. Er war zu Lebzeiten immer Mensch geblieben und hatte stets ein offenes Ohr für seine Mitmenschen und Kollegen/innen. So sollten es sowohl die „Filialleiter“ als auch die „Kassierer“ innerhalb unserer Organisation halten.

  11. Also ich bin stolz in einer der bedeutsamsten Polizei Europas zu arbeiten.

    Auch wenn nicht alles gut ist.

    Ich frage mich, wie viel von dem „nicht gut“ in der persönlichen Bequemlichkeit bzw. dem selbstsüchtigem Interesse begründet ist.

  12. Ich stelle fest, dass man hier wieder vom Thema abkommt. In wie weit welche Einsparungen oder Zusammenlegungen durchgeführt werden sollten hinsichtlich einer beser funktionierender BPOL ist doch nicht das Thema.
    Zur Zeit ist es doch bei unserem Unternehmen so, dass die Kolleginnen und Kollegen nur noch fuktionieren dürfen und nicht ihre erworbene Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl anwenden dürfen. Da kommt es zu einem Vorfall X und dann muss entschieden werden, ob die Rahmendienstanweisung A, B oder C zutreffend ist um diesen Vorfall X zu lösen. Wird nicht nach diesen Weisungen gehandelt, befinden sich diese PVB im vordisziplinarischen Bereich. Eigenständiges Handeln ist nicht erwünscht oder gar verboten.
    Diese Kolleginnen und Kollegen können sich mit ihrem Beruf Polizist nicht mehr identifizieren und funktionieren nur noch. Das dies keinen Spaß macht ist verständlich.
    Diese Situation muss unbedingt abgeschafft werden und mehr Rückhalt und Unterstützung durch die Vorgesetzten bis hin zur Diretionsleitung wird erwartet.
    Zum selbständigen Arbeiten und eigene Entscheidungen treffen können, da müssen wir wieder hinkommen. Dann gehen auch die Kolleginnen und Kollegen wieder gerne an die Arbeit und identifizieren sich mit ihrem Beruf Polizist.
    Der PVB ist halt ein Mensch und keine Gliederpuppe an Fäden .

  13. „Filialleiter“ und „Kassierer“ ?

    Mir kommt das hier mehr wie „Gutsherren“ und „Bauern“ vor !

  14. rhfm63 23. August 2012 :

    Genau das ist der Punkt!

    Obwohl ich von der Sache her zwar ebenso der Meinung bin, dass es völlig wurscht ist, ob unsere Aufgaben nun unter der Regie eines Landes oder eben des Bundes erledigt werden, obwohl ich ebenso nachvollziehen kann, wenn man sich Gedanken über die Auflösung , oder besser: Angliederung an die Länder, der BuPo macht, diese Lösung auch zweifellos von der Logik her die naheliegendste ist, so sollte man trotzdem folgendes bedenken:

    Es geht weniger um Zuständigkeiten und „Effizienz“ des Gesamtapparates (wenn wir dieses in Abrede stellten, würden wir uns auf die gleiche Stufe mit den Pseudo-Erneuerern stellen, denen wir den ganzen Schlammassel zu verdanken haben), sondern es geht darum, wie wir das Schiff BuPo wieder flott bekommen!
    Mit einer Angliederung an die Länder wäre vordergründig zunächst mal garnichts am eigentlichen Problem getan, da die Reformbestrebungen der meisten Länder genau in die Richtung weisen, die bei uns bereits bilderbuchmässig geflopt hat!

    Vielleicht ist es sogar ein Vorteil, dass wir bereits deratig tief in der ******** stecken. Der Pegel „Oberkante Unterlippe“ ist erreicht und es bleibt zu hoffen, dass die Lösung eben nicht so aussieht, dass eine Stimme aus dem Off die Anweisung erteilt „Mittagspause beendet, alles Hinsetzen!“

    Ich denke eher, dass wir hier in der Tat eine historische Chance haben,uns an die Spitze einer Bewegung zu setzen, deren Ziel es ist, wieder zu erträglicheren Verhältnissen zurückzukommen und dass hiervon darüber hinaus unterm Strich auch die Länderpolizeien profitieren werden!
    Genau genommen ist dies zwar im besten Wortsinne „alternativlos“, aber irgendwer muss den Anfang machen! Warum also nicht wir? – Mit dem Reformchaos haben schliesslich auch wir angefangen und dies derart überzogen wie noch keine Länderpolizei vor uns!

    Mit dem gesamten Management-Blödsinn hingegen liegen wir gut im Mittelfeld aller Polizeien, warum also sollte nicht auch hier von uns diese Richtungsänderung ausgehen?
    Wenn das Problem gelöst oder zumindest mal angegangen worden ist, dann können wir uns immer noch über neue Organisationsformen unterhalten!

    Wie gesagt: nichts gegen diese Überlegungen im Grundsatz, diese werden aber eben nicht unser derzeitiges Problem lösen.

  15. @Gerhard Medgenberg

    Die Frage ist wirklich ob wir unser derzeitiges Problem noch lösen können. Es hat sich alles so weit festgefahren, dass man den Eindruck gewinnt das es nicht mehr zurück geht.
    Immer wenn etwas verbessert oder neu geschaffen werden soll wird es noch schlimmer als es vorher war.
    Ich denke es liegt auch daran, dass sich die Führungskräfte nicht mehr als Polizisten sehen sondern als moderne Manager !
    Deren Vokabular wird immer häufiger aus dem englischen benutzt und es werden diverse Abkürzungen verwendet.
    Und wenn man dann diese „Regelungswut“ sieht alles ständig in Ckecklisten zu standardisieren in Qualitätszirkeln und Steuerkreisen, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass keine Beamten mehr auf der Straße sind.
    Es gibt so viele junge Kommissare-innen die nach ihrer Ausbildung direkt in den Stäben verschwinden und den eigentlichen Polizeiberuf in der Praxis nie kennengelernt haben.
    Es ist wirklich die Frage wo noch alles in der Zukunft hinführt.

  16. Das ist doch genau der Punkt! Die Äußerungen vom neuen Präsi stimmen mich jedenfalls verhalten zuversichtlich, dass dieser ganze Managementmist endlich ausgedünnt wird. Vom kompletten Abstellen rede ich noch nicht mal.
    Und zum Thema Rahmendienstanweisungen: Habt ihr die Dinger mal gelesen? Schönes Layout im CD, aber mit so wenig Inhalt auf so vielen Seiten, dass es eigentlich schon an ein Wunder grenzt.

    Mal sehen was aus den Ankündigungen wird.

  17. Moinsens!

    Wo wir doch schon bei Filialleiter und Kassierer sind, hier eine Leseempfehlung eines Focusartikels:

    http://www.focus.de/finanzen/karriere/tid-27015/missmanagement-das-betriebsdesaster-lebt-vom-hundertprozentigen-bekenntnis-zum-untergang_aid_803944.html

    Gruß

    AB

  18. Hallo zusammen,

    ist euch eigentlich aufgefallen, wie oft in den hier stehenden Beiträgen die Wörter „unsere Firma“, „unser Unternehmen“, „die Filialen“, „management“ usw. verwendet werden?
    Schaut man mal genauer hin, stellt man fest, dass sich z.B. hinter dem Begriff „management“ nichts anderes verbirgt, als Führung, Leitung, Organisation und Erfolgskontrolle. Und warum sagt man es dann nicht so? Weil das andere chic ist und den Anstrich des Modernen trägt (obwohl auch die klassische management-Lehre schon uralt ist!).

    Und was die Konzernzentrale und die Filialen angeht: auch das ist so ein heilloser Quatsch, der einigen übereifrigen Gehirnen entsprungen ist und zu nichts anderem führt, als Verwirrung, Verunsicherung und Frust. Das BPOLP ist eine Bundesoberbehörde, die Direktionen sind Bundesbehörden und alles andere nennt man Dienststellen.
    Diese Begriffe sind allein maßgebend, denn sie sind im Organisationsrecht verankert – und sonst nix.
    Wer versucht, den Staat oder eine seiner Behördenorganisationen wie einen Wirtschaftskonzern zu führen, wird scheitern. Das erleben wir gerade mit der Bundespolizei aber auch anderswo.
    Dass eine Behörde wirtschaftlich und sparsam handeln muss, dazu braucht es kein Pseudo-betriebswirtschaftliches Getue, das ergibt sich aus den Haushaltsgesetzen und -regeln. Was ja nicht heißt, dass man die Art der Buchführung mal überprüfen und evtl. sogar verändern kann.
    Dass eine Behörde aber nicht insgesamt betriebswirtschaftlich geführt werden kann (und darf!), ergibt sich schon aus ihrer Zweckbestimmung: sie ist gerade nicht gewinnorientiert wie ein Wirtschaftsunternehmen, sie darf keine Risiken eingehen, keine Rückstellungen und Rücklagen bilden und schon gar nicht ihr Geschäftsfeld ändern.
    Folglich hat sie auch kein „management“, sondern eine Behördenleitung und es gibt keine Konzernzentrale und keine Filialen, weil wir weder eine Autofabrik noch eine Drogeriemarktkette sind(wie es denen geht, steht ja täglich in der Zeitung).
    Was sich aber in diesen Begriffsverschiebungen deutlich zeigt, ist das Menschenbild, das zu Grunde gelegt wird:
    der Einzelne hat sich im Rahmen von Steuerungsmodellen zu bewegen (nicht „Führung“-smodellen!) und dabei vorgegebene Sollzahlen zu erbringen, möglichst überzuerfüllen (klingt auch irgendwie bekannt, oder?).
    Und die Vorgaben der zentralen Stellen sind möglichst reibungs-, also kritiklos, umzusetzen, damit am Ende der Große Plan aufgeht bzw. erfüllt wird.
    Das hat, trotz aller betriebswirtschaftlichen Tarnung, doch etwas sehr planwirtschaftliches…

    Ich hoffe und wünsche sehr, dass Dr. Romann Ernst macht und nicht nur die Begriffe, sondern auch die dahinter stehende Philososphie eliminiert.
    In einer modernen Bundespolizei muss gelten: Entscheidungen werden dort getroffen, wo die Kompetenz ist, also vor Ort. Und das bedeutet, dass Kompetenzen und Verantwortung für das ganz normale Alltagsleben wieder dort angesiedelt werden, wo sie hingehören: in den örtlichen Dienststellen, bei den Experten, also den Mitarbeitern mit und ohne Uniform.

    Solange man sich aber darüber streitet, ob der Präsi nun einen Uniform trägt oder nicht, solange zeigt man, wie wenig man die strukturellen und wesentlichen Probleme der Bundespolizei begriffen hat.

  19. Jürgen, Du sprichst mir aus der Seele! Dem ist nichts hinzuzufügen!

  20. sergant: Seh ich auch so! Nur, welcher „Plan“ unserer politischen Vordenker steckt wirklich dahinter…? Darüber hat „jürgen“ noch nicht nachgedacht, oder?!
    „..in der Politik geschieht nichts durch Zufall…!“