Kommentar des Monats

Martin Schmitt, Vorsitzender der GdP-Direktionsgruppe Frankfurt/Flughafen

Personalentwicklung: BUPOLY

Von Martin Schmitt, Vorsitzender der Direktionsgruppe Flughafen Frankfurt/Main der Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Brettspiele erleben eine Renaissance. Vielleicht könnte sich im Weihnachtsgeschäft die Idee des Verkaufs eines Gesellschaftsspieles namens „BUPOLY“, also rund um die Bundespolizei, durchsetzen. Wer weiß? – Aber bis Weihnachten ist noch ein wenig hin …

Prinzipiell dürfte die Urform des Spiels – zur Dominanz der Mitspieler durch Monopolbildung im Immobilienbereich – bekannt sein. Es müssten lediglich die Spielregeln angepasst sowie Umwidmungen zu den sich auslösenden Aktionen aus den Ereignis- und Gemeinschaftsfeldern hervorgehen. Als Ideen wären diverse Bindungswirkungen und politische Rahmenbedingungen zu überdenken. Diese könnten – je nach Lage der Dinge angepasst und als Ergänzungslieferungen – das Spielgeschehen stets „up-to-date“ halten.
Dem Grundprinzip Rechnung tragend, gehen die Spieler auf eine Reise und durchlaufen ein Spielquadrat; ständig von vorne beginnend. Immer wieder von Reformentscheidungen und „Reförmchen“ überrascht. Und der Gewinner dürfte dann, nach Maßgabe freier und besetzbarer Dienstposten, einen beruflichen Veränderungswunsch einlösen …
Doch weder bei dem Anspruch der Verwirklichung von innerer Sicherheit durch die Bundespolizei noch bei dem beruflichen Einbringen unserer Kolleginnen und Kollegen handelt es sich um ein Spiel – die Realität ist ernst genug.
Und in Bezug auf die Verwirklichung solider Personalentwicklungsstrukturen treten wir immer noch auf der Stelle; man hat den Eindruck, dass lediglich die gegebene Situation moderiert wird, als dass sich ernsthafte und konzentrierte Auseinandersetzung zur Verwirklichung von Planungssicherheit für unsere Beschäftigten ergeben.

Zufallsprodukt öffentlicher Dienst?

Es könnte fast der Eindruck entstehen… Denn bei ständig steigenden Anforderungen wird es für viele unserer Kolleginnen und Kollegen immer schwerer, ihre Lebensinteressen – sowie die ihrer Familien und Partnerschaften – mit den beruflichen Obliegenheiten in Einklang zu bringen.
Nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) müssen endlich die Grundlagen für ein vorausschauendes Personalentwicklungskonzept Platz greifen. Wann, wenn nicht jetzt? Und solche Festlegungen beinhalten auch Planungssicherheiten zum Zeitpunkt der Einstellung. Die derzeitigen Verfahrensfestlegungen sind nicht mehr länger zu akzeptieren und bedürfen grundlegender Verbesserungen.
Und dazu gehören auch Veränderungsüberlegungen aus problematischen Flughafen- und Ballungsraumdienststellen, aber auch aus der Bundesbereitschaftspolizei heraus. Hierzu gibt es eindeutige GdP-Positionen, über die wir auch schon berichteten. Für uns steht dabei im Vordergrund, dass belastbare Vereinbarungen getroffen werden, die mittelfristig auch heimatnahe Verwendungen unserer Kolleginnen und Kollegen zulassen.
Ja, es ging bereits zu viel an Zeit ins Land … Personalentwicklung – und dies dürfte unstrittig sein – beginnt bereits mit der Werbung. Und viele Facetten schließen sich überlegend daran an: Wie kann eine Verwendung nach einer Tätigkeit in der Bundesbereitschaftspolizei aussehen? Wie kann Dienstverrichtung in teuren Ballungsräumen tatsächlich attraktiver gestaltet werden? Wie kann ein personeller Zu-und Abfluss gerecht, nachvollziehbar und damit transparent geregelt werden?  Wie können berechtigte Weiterentwicklungsansprüche – insbesondere ausgehend von aufgeschichteten Dienstposten als Kontroll- und Streifenbeamte – realisiert werden? Und, und, und …

Wir, als Gewerkschaft der Polizei, fordern seit Jahren Verhandlungen und Antworten hierzu ein. Bis dato: Fehlanzeige!

Wir – als GdP – sind auch bereit, diese Verhandlungen aufzunehmen. Leider hat man den Eindruck, dass ein Zitat Dieter Hildebrandts, welches er einmal seinem Publikum präsentierte, die Wirklichkeit abbildet: „Der Mensch ist Mittelpunkt … Das hätten Sie wohl gerne. Der Mensch ist Mittel (Punkt).“ – Genau dieser Sichtweise gilt es, mit unserem Anspruch und unserer Aufstellung zum Wohl der Menschen in der Bundespolizei entgegenzutreten. Es geht um mehr Gerechtigkeit, es geht um ein Mehr an Transparenz, es geht um unsere Kolleginnen und Kollegen und, um mit einer Textzeile von Klaus Lage zu „seinen“ Monopoly-Betrachtungen abzuschließen: „… denn die Herrn der Schlossallee verlangen viel zu viel.“

Packen wir es endlich an – wir haben die Kraft dazu.

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7 Kommentare
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  1. Martin hat Recht. Der Mensch (Bupolist/in) ist Mittel. Nämlich Mittel zum Zweck, für die Politik.
    So lange wir kein Streikrecht haben, wird sich wenig oder nichts ändern.
    Wir haben kein Druckmittel und sind er Politik ausgeliefert.
    Für die Zukunft der Bupo sehe ich schwarz, insbesondere wenn man die Antrittsrede dieses Dr. Romann gelesen hat.

  2. Was will uns der Verfasser dieses Beitrages sagen??? Das weiß er wahrscheinlich selbst nicht…

  3. Lieber Kollege Schmitt,

    kleine Randbemerkung eines „gelernten“ Personalentwicklers: die Werbung, sprich Personalgewinnung, ist ein eigenes Feld und gehört nach der reinen Lehre nicht zur PE im engeren Sinn (wobei mir aber durchaus klar ist, was Sie meinen und das ist völlig korrekt).
    Aber davon abgesehen: was Sie schreiben, trifft´s exakt.
    In der Bundespolizei geistern seit Jahren einzelne Elemente der Personalentwicklung herum, angefangen von Visionen, also strategischen Überlegungen, über Zielvereinbarungen, Gesundheitsmanagement, Beurteilungswesen, Anreizsysteme usw. usf. Auch Verwendungsrichtlinien kommen immer mal wieder zum Vorschein und verschwinden dann wieder im Nebel…
    Personalentwicklung ist ein umfassendes System, das allen Beteiligten relative Sicherheit geben soll hinsichtlich ihrer Verwendung, ihres Laufbahnziels, ihrer Stehzeiten, ihrer Fort- und Weiterbildungsanforderungen, ihrer Kompetenzentwicklung etc. Dazu gehört eine strukturierte Methodik der Gesunderhaltung, dazu gehört eine permanente Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern und umgekehrt, dazu gehören viele Dinge, die teilweise praktiziert werden, teilweise verteufelt werden, mal halbherzig, mal übereifrig – vor allem aber ohne Plan.

    Die vielen Insellösungen in unserer Organisation bewirken das genaue Gegenteil von dem, was Personalentwicklung eigentlich erzielen soll: Verunsicherung, Burn-out, Absentismus, Motivationsverluste – die Reihe ist nicht vollständig, wie jeder weiß.

    Ein PE-Konzept ist längst überfällig und zwar umfassend für die gesamte BPOL und zugleich verpflichtend für alle ihre Bereiche.

    Falls gewünscht, bin ich gerne bereit, zu unterstützen.

  4. Liebe Kollegen, danke für euer Feedback. Nicknamenutzer „schnuppel“ biete ich an, dass er mich gerne einmal persönlich kontaktiert, um einen Austausch zu seiner Kritik führen zu können. Erreichbar bin ich über die Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt/Main.
    Außerdem würde ich mich gerne mit dem Kollegen Rubeck austauschen … Wie kann der Kontakt hergestellt werden?

    Gruß M. Schmitt

  5. …schon passiert!

    Gruß
    J.P. Rubeck

  6. Ein anderes Spiel der Bundespolizei heißt „Wünsch Dir was!“
    Man wünschte sich § 16 a – und es geschah.
    Man wünschte sich § 30 XII – und es geschah
    Man wünschte sich VAV – und es geschah
    Man wünschte sich 2- und 3-jährigen Massenaufstieg – und es geschah
    Zuschauer und Bestauner: Seiteneinsteiger und POM-Bauch

  7. Hallo Ludolf! Dieses, wie du es nennst, „Wünsch-dir-was-Spiel“ schadet weder dem POM-Bauch noch wie oft behauptet den uneingeschränkten gD-lern. Ohne dieses „Spiel“ wäre der POM-Bauch nämlich nicht kleiner geworden. Durch den geringeren Anteil mD gibt es folglich auch weniger Polizeiobermeister (dies ist jedoch nur einen Tropfen auf den heißen Stein). Natürlich ist die Situation durch das Erreichen der Planstellenobergrenze für den POM äußerst unbefriedigend. Beföderung nach Leistung, Eignung und Befähigung in diesem Bereich ist derzeit ein Hohn!! Aber die GdP arbeitet daran und ein erster Schritt war sicherlich, den Anteil mD zu senken. Verbesserungen werden hoffentlich für die POM und auch für Uneingeschränkten in Zukunft folgen.