Für bahnreisende Fans mehr Sonderzüge – ein „feiner Zug“ der Bahn!

In der Diskussion um Fan-Gewalt im Fußball fordert die Deutsche Bahn von Vereinen und Verbänden mehr Verantwortung für den Transport der Anhänger zu übernehmen. Die Vereine könnten mehr tun.

Von den 18 Millionen Fussballzuschauern in einer Profiligasaison transportiert die Deutsche Bahn ca. 2,8 Millionen. Die Mehrzahl davon friedlich. Doch die Folgen der randalierenden Minderheit erreichen nach Angaben der DB einen einstelligen Millionenbetrag. Nun will der Konzern reagieren. Durch Sonderzüge soll der Fanreiseverkehr vom Regelverkehr getrennt werden. Nach Erkenntnis des Unternehmens würden damit die „normalen“ Reisenden durch die Fussball-Randale weniger in Mitleidenschaft gezogen.

Als Beispiel gelten die  Niederlande, wo die Vereine die Züge chartern und den Transport der Fans komplett übernehmen. Die Vereine und Fangruppen können die Züge ordern und fangerecht gestalten und auch dafür sorgen, dass die Zuschauer sicher zum Stadion und zurück kommen. Bei Schäden können, wie bei einem Mietwagenvertrag, alle entstehenden Kosten beglichen werden.

Das Eisenbahnunternehmen greift damit eine Forderung des GdP-Bezirks Bundespolizei auf. Auf einer Fachtagung im April 2009 in Blumberg wurde der Apell an die Bahn formuliert, durch verstärkten Einsatz von Sonderzügen/Entlastungszügen und Verbesserung der hygienischen Bedingungen, die Situation zu entschärfen. Die Kostenfrage in diesen Fällen müssen nun tatsächlich die Vereine beantworten. Ob es wirklich ein „feiner Zug“ der Bahn wird hängt davon ab, ob das Angebot wie das Angebot angenommen wird.

Jörg Radek

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10 Kommentare
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  1. Hervorragend!!! Aber dann bitte die Züge entsprechend der Fan-Kategorie A/B/C auch in die dazugehörigen Klassen einteilen.

    Für die C-Fans, finde ich, sind Güterwaggons angemessen.

  2. Hallo,

    wäre ich Verantwortlicher eines Fussballvereines, würde ich von dem Angebot der DB-AG keinen Gebrauch machen. Meinem Verständnis nach wäre ich dafür verantwortlich, dass der durch die DB-AG in einwandfreinem Zustand übergebenen Waggons auch in einem solchen wieder zurück erhält.

    Wenn ich mir vorstelle, dass ein Verein aus der geografischen Mitte Deutschlands einen Kantersieg bei einem Verein im Süden Deutschlands erspielt hat und die Fans sich anschließend auf die Rückfahrt begeben, dann haben diese sicherlich bei der Ankuft am Heimatbahnhof nicht nur die Muttersprache, sondern auch den Mageninhalt und sonstige Körperflüssigkeiten verloren. Die Reinigung kostet einen A**** voll Geld.

    War das Spiel nicht erfolgreich, kommen sicherlich neben dem oben genannten schnell demolierte WC-Türen, aufgeschlitzte Sitze und dergleichen mehr auf die Vereinskasse zu…

    Den von der Bahn angegebenen Betrag im Einstelligen Millionenbetrag zur Reiningung /Instandsetzung von Waggons durch die Vereine der 1. und 2.Liga geteilt ergibt sicher einen Betrag im sechsstelligen Bereich, für den der Verein grade stehen müsste…

    Das in die Bahnfahrkarten einzupreisen führt sicherlich schnell dazu, dass die Fans sich ein VW-Bus mieten (oder den eignen PKW nutzen, Benzin und evtl. Mietkosten durch die Mitfahrer teilen und insgesamt dann viel billiger dabei sind…

    Auch bei den Fussballfans ist Geiz geil!

    Mit Gruß
    Kugelblitz

  3. @ kugelblitz

    Deinen letzten Absatz finde ich interessant. Was wäre wenn du Recht hast. Keine bahnfahrenden Fans mehr!

    Klingt doch garnicht schlecht!!!

  4. Es geht doch nur ums Geld. Geld haben die Vereine und die Bahn nicht zu verschenken. Daher schieben sie doch die ganze Verantwortung nur hin und her. Keiner hat sich bisher bereit erklärt Verantwortung zu übernehmen. Auch dieses „Angebot“ der Bahn ist nur eine „Finte“.

    Mein Vorschlag:

    1.) Wie wäre es mit einem generellen Alkoholverbot in Stadien – auch in den VIP Bereichen !!!

    2.) Jeder „Fan“ muss vor Eintritt ins Stadion pusten, ob er Alkohol getrunken hat. Bei Alkohlgebrauch bleibt er draußen. Die Röhrchen muss er selbst bezahlen. Wer nicht pusten will bleibt auch daraußen!

    3.) Bahn und Vereine brauchen strengere Auflagen bei den Sicherheitsdiensten. Es sind viel zu wenige Ordner und Bahnmitarbeiter in den Zügen. Anmerkung: In den Fanzügen sind keine DB Mitarbeiter.

    Vielleicht wird es dann besser

  5. Eine langjährige Forderung könnte endlich zu einem zufriedenstellendem Ergebnis führen, da zwei der Hauptursachen für Frustration der Fans beseitigt wären: Platz und Hygiene.

    Die Trennung zwischen Fans und Normalreiseverkehr ist sowohl von den Beteiligten, als auch uns gewollt. Jetzt muss das Angebot der Bahn nur entsprechend günstig sein, nicht nur finanziell sondern auch zeitlich. Dann werden die Angebote auch angenommen. Wenn dann der Ordnungsdienst im Zug von den Fans selbst verantwortet wird, wie es bei manchen Vereinen bereits erfolgreich praktiziert wird, weil diese durch Cateringeinnahmen die Choreos etc. finanzieren, dann wird der Begleitbedarf durch eigene Kräfte weiter reduziert. Dies führt zu einer weiteren Deeskalation. Wie die Verantwortung der Ordnung im Zug zwischen Verein und Fangruppierungen geteilt/getrennt wird, bedarf sicher einiger Absprachen. Aber darin liegt der Schlüssel für eine Kräfteersparnis am Wochenende.

    Ob dies im Sinne der BePo-Kollegen ist, weil dann die Frage der Auslastung und damit des Bedarfs von 10 Abteilungen gestellt wird, während andernorts der Einzeldienst nach Personal schreit, mag zunächst dahingestellt bleiben. Aber letztlich steht unser gesetzlicher Auftrag über unseren persönlichen Bedürfnissen.

    Und zu den letztgenannten drei Vorschlägen des Schreibers „Tipp“:
    zu 1) Auch ich möchte weiterhin bei einem Fußballspiel mein Bier trinken dürfen, nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in der Kreisklasse. Ist das die Entwicklung, die unser Staat nehmen soll? Alles potentiell gefährliche zu verbieten? Noch weniger Eigenverantwortung, noch mehr an staatlicher Bevormundung? Ich bin mir ziemlich sicher, das ist eine Sackgasse.
    zu 2) Stark alkoholisierte Fans werden schon heute nicht ins Stadion gelassen. Darüber hinaus verweise ich auf Punkt 1.
    zu 3) siehe meine Eingangsformulierung, aber im Prinzip Zustimmung

  6. Gute Sache.Extra Zug und der Halt nicht auf dem Hauptbahnhof , sondern einen kleinen S-Bahnhof.
    Dies hatten wir vor Jahren schon bei einem bekannten (negativ) Klub im Norden der Republik.War eine gute Sache.Raus aus dem Zug ,ab zum Stadium,rein in den Zug und ab.Kein langes warten auf dem Hbf. wo sich dann die Sache nur hochspielte.Wurde dann aber nicht mehr praktiziert,sonder vom Hbf.aus wurden die Fans mit Shuttlebussen zum Stadium gebracht.Das war nicht gut.

  7. Hallo KSB von der Waterkant,

    ich empfehle den Beitrag des Koll. Marco W. Etwas mehr Sachlichkeit wäre angebracht. Güterwagen hatten wir schon mal in den 1000 Jahren zwischen 33 und 45. Ich habe als Angehöriger DER Fußballinspektionen in der Bundespolizei ( Essen und Dortmund ) schon den einen oder anderen Fußballeinsatz in den letzten 20 Jahren mitgemacht. Fazit: Man kann keinem normalen Reisenden raten, am Wochenende mit Nahverkehrszügen zu fahren. Wobei der alkoholisiert A Fan teilweise schlimmer ist als der C Fan. Also, Sonderzüge wo es nur geht. Und damit keiner durch die Maschen schlüpft, den Kauf der Eintrittskarte mit dem Kauf der Zugfahrkarte verbinden. Ohne Zug kein Stadion.

  8. Hallo Weisheiten,

    es gibt ein Vergleichsbeispiel dafür: Die Loveparade in Berlin ist bis 2000 als Demonstration angesehen worden. Die folge daraus war, dass die Stadt berlin für die Beseitung des Mülls aufkommen musste. 2001 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Veranstaltung nicht als Demonstration anzusehen ist. So musste der Veranstalter die Müllbeseitung und anderes Bezahlen und selbst für Ordner sorgen. 2004 fiel die Veranstaltung aus. Insbesondere fehlten dem veranstalter mehr als eine halbe Million Euro, die fast ausschließlich für die Müllbeseitung verwendet werden mussten…

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Vereine des DFB an einer solchen Regelung interessiert sind, in der sie die Kosten für Müll, Graffitti, Vandalismus und anderes in den Zügen übernehmen. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass die Vereine Ordner für die „gesittete Anreise“ stellen und für deren Einsatz ebenfalls aufkommen…

    „Money makes the World go round“ – das gilt auch für den DFB und die darin organisierten Vereine.

    @Vatti:
    Viele Stadionkarten enthalten ja schon die Fahrkarte für die Nutzung des ÖPNV an dem Veranstaltungsort. Für die Anreisen der Gastfans kann ich mir das nicht vorstellen, dass diese sich dazu zwingen lassen…

    Mit Gruß
    Kugelblitz

  9. Hallo Vatti,

    „man kann keinem normalen Reisenden raten, am Wochenende mit Nahverkehrszügen zu fahren. Wobei der alkoholisiert A Fan teilweise schlimmer ist als der C Fan. Also, Sonderzüge wo es nur geht.“

    Dieser Feststellung stimme ich zu! Aber es wird nicht reichen und ich glaube nicht, dass dabei auf die polizeiliche Begleitung verzichtet werden kann.

    Denkt bitte an die kleinen Vereine in den unteren Spielklassen. Die werden sich so etwas nicht leisten können. Aber auch deren sogenannte FANs machen unterwegs „Stress“ wie die Großen

    Im Übrigen halte ich die ewigen Vergleiche mit vor 1945 für überflüssig. Die Masse der Leser hier, wird schon verstanden haben, dass mein Vorschlag nicht ernst gemeint war.

    Und wenn ich recht erinnere, wurde Kollegen bei Einsätzen im Osten der Republik, Anfang der 90er die Unterbringung in zum Teil Güterwaggons angeboten.

    MfG
    KSB von der Waterkant

  10. Der Vorschlag stammt ja schon von 2009. Passiert ist nichts. Es hat selbst für die Fans Vorzüge mit Sonderzügen zu reisen.
    1. Keine Umsteigerei mehr wenn man mit „Schöne Wochenend Tickets“ von einer Ländergrenze (Bundesländer, da der Nahverkehr immer nur bis Ländergenze und nur selten übergreifend geregelt ist)
    2. Zeitlich wesentlich schneller von A direkt nach B.

    Man sollte es halt mal ausprobieren.
    Nach meiner Meinung müßte jeder Verein in der Bundesliga (zum Teil auch 2.BL)
    einen Sonderzug zu Auswärtsspielen Chartern oder selbst besitzen.
    Ich würde niemals am Wochenenden z.B. im Ruhrgebiet in Nahverkehrszügen fahren.(nur IC oderICE)