Wenn Arbeit krank macht

v.l: Jörg Radek, Judith Hausknecht, Martin Schilff, Dr. Carola Reimann, Felizitas Miklis, Holger Jungbluth

Dr. Carola Reimann hat im Namen der SPD-Bundestagsfraktion zu einem Zukunftsdialog für Lösungsansätze hinsichtlich der Belastung und daraus resultierender gesundheitlicher Folgen im Arbeitsleben eingeladen. Eine Delegation der GdP (Felizitas Miklis, Judith Hausknecht, Holger Jungbluth, Martin Schilff, Jörg Radek) nutzte auch diese Gelegenheit, die Überlastung der Bundespolizei in den politischen Raum zu tragen. In der Debatte mit Medizinern, Krankenversicherern, Juristen und Politikern brachten wir die Belange unserer Kolleginnen und Kollegen ein, nahmen gleichwohl aber auch wertvolle Anregungen zur Aufarbeitung der Thematik im Rahmen des Behördlichen Gesundheitsmanagements (BGM) mit.
Es ging in der Diskussion nicht darum, eine vermeintliche Schuldfrage zu klären, welche sich mit Blick auf die Zukunft nämlich nicht stellt. Ziel muss es bleiben, die Rahmenbedingungen für gesundes Arbeiten in der Bundespolizei zu verbessern bzw. zu schaffen. Die ausstehende (in Verhandlung befindliche) Rahmendienstvereinbarung zum BGM gehört dazu.

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24 Kommentare
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  1. Hallo,

    ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Rahmenbedingungen für ein gesundes Arbeiten in der Bundespolizei erst geschaffen werden müssen. Schichtdienst ist sicherlich ein sehr hervorragendes Beispiel dafür, dass nichts gemacht wird! Seit Ende 2007 führt die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Schichtarbeit in der offiziellen Liste wahrscheinlich krebserregender Agenzien. „Rauchen kann Krebserregend sein“ steht auf jeder Kippenschachtel. In Australien und Neuseeland gibt es dazu leckere Bilder von Raucherlungen und -beinen. Und künftig finden wird an der Bürotür: „Schichtarbeit kann Krebserregend sein!“ und ebensolche Bilder. Oder etwa nicht…?

    In vielen Ländern sind regelmässige ärztliche Kontrollen der im Schichtdienst arbeitenden Beschäftigten zwingend vorgeschrieben: Bei uns ist hier leider Fehlanzeige! Es wäre sicherlich im Interesse der Betroffenen (und des Arbeitgebers auch), eine Befragung und ärtzliche Untersuchung in der Bundespolizei durchzuführen, die uns nach häufigen mit (Nacht-)Schichtarbeit verbundene Erkrankungen untersucht bzw. befragt. Das sind insbesondere Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen, Magengeschwüre, Bluthochdruck sowie Herz- und Kreislauferkrankungen.

    Wer seine Beschäftigten zu einer gesundheitsgefährdenden Arbeit anhält (die der Schichtdienst ja zweifelsohne ist), hat auch eine besondere Verantwortung diesen gegenüber. Regelmässige ärztliche Untersuchungen (alle zwei jahre bspw.) sollten das mindeste sein. Entsprechende Kuren und dergleichen oben auf!

    Und wenn solche Dinge festgestellt werden, sollte dieses aus Konsequenzen haben. Konsequenzen die da bedeuten: Raus aus dem Schichtdienst, rein in den geregelten Tagdienst.

    Nur so ließen sich auch die Grundlagen für die Initiative des Brandenburgischen Ministerpräsidenten Platzeck (SPD) umsetzen. Dort sollen nämlich künftig auch die Polizeibeamten bis 67 arbeiten. Sicher nicht nur im Tagdienst…

    OK, unseren Dienstherren stürzt das sicher in ein Dilemma. An Dienststellen, in denen mit Masse regelmässig im Schichtdienst Rund um die Uhr gearbeitet wird (Bahnhöfe, Flug- und Seehäfen) müssten tausende von Stellen sofort nachbesetzt werden oder der Betrieb dort könnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Man stelle sich nur die Pressemeldungen vor, wenn der Flughafen in München nur von von 07:30 Uhr bis 16:15 Uhr geöffnet ist und an Wochenenden und Feiertagen geschlossen ist…

    Wenn ich mal in Pension gehe (keine Ahnung, wann das mal sein wird, der Begriff „Beamter auf Lebzeit“ hat da so eine negativen Touch), möchte ich von meinem Ruhestand auch noch was haben und nicht schon vorher sozialverträglich ableben (oder kurz danach).

    Liebe Gewerkschaft. Setzt euch also für unsere Gesundheit ein.

    Mit Gruß
    Kugelblitz

  2. solange wir uns gesunde junge ( m.e. ca bis 55 jahre ) polizeibeamte leisten , die weder schicht.- noch streifen.- bzw. wochenenddienst leisten müssen, ist es doch kein wunder, dass die anderen mitarbeiter sich kaputt schuften. von einem streifenbeamten oder verbands.- oder mkükollegen wird flexibilität gefordert. meines wissens sind alle mal als polizisten ausgebildet worden, also sollen sie auch – nein sie müssen sogar als solche eingesetzt werden.

  3. Man spricht immer von Gesundheit fördern und BGM aber fordert immer mehr Aufgriffe und Zahlen von den Kollegen. Es werden immer mehr Sondereinsätze- und Sonderkontrollen in den Schichtfreien Tagen eingebaut und verheizt die Kollegen zusätzlich in AHU, PKE, BAO und was es sonst noch so alles gibt. Dazu kommen noch Fußballeinsätze, Überstunden usw. usw.
    Ich finde das alles recht widersprüchlich.
    Sport, 12 Minutenlauf, Schießen wird mittlerweile auch mit „Druck“ ausgeführt und man will Leistung sehen sonst gibt es negative Konsequenzen wie schlechtere Beurteilung etc etc.

  4. @Beamter mD:
    Wir brauchen in der Bundespolizei eine sytematische und verbindliche Gesundheitsfürsorge. Es gibt Belastungsmomente, die liegen allein schon in der beruflichen Tätigekeit (u.a. der Gewalttägkeit gegen über Polizei) oder durch die erforderliche Arbeitsorganisation als Schichtdienst. Doch auch der älterwerdende Personalkörper soll gesund erhalten werden.
    In diesem engen Zusammenhang kritisieren wir seitens der Gewerkschaft die Mehrbelastung durch mehr Aufgaben.
    Ein Abbau der Überlastung allein von einem Behördlichen Gesundheitsmanagment zu erwarten, würde es zu einem „Allheilmittel“ machen. Die Massnahmenemfpehlungen aus der „Klartext 2010“ – Studie der TU Chemnitz für die Bundespolizei umfasst weit mehr, von Personalaufstockung über verlässlichere Dienstplanung, Büroktratieabbau,Auflösung des Beförderungsstaus,permanente Überprüfung und Beschaffung der Bekleidung und Ausrüstung, Prüfung der Aufgabenkompensation. Diese Auszählung ist nicht vollständig. Sie zeigt aber den Handlungsbedarf, der notwendig ist die Überlastung der Menschen abzubauen.
    Wir bleiben dran !
    Jörg Radek

  5. Wenn Arbeit krank macht!!!!
    So heisst das Thema doch,oder?
    Mir fallen pauschal 2 Sachen ein das eine schnellstens mehr ausbilden und das zweite,worüber kein wort verloren wird ist, rückkehr zur 38,5h/Woche!
    Dann sieht die Welt wieder ganz anders aus! Dann kann man sich das ganze BGM und sonst was sparen!

  6. Die Überschrift ist irreführend – es ist nicht die Arbeit die Krank macht – es sind die Rahmenbedingungen.
    Wenn man einmal seinen Job machen könnte wie es eigentlich sein sollte, wären die Meisten von uns zu ganz anderen „Opfern“ bereit. Aber Polizeiarbeit ist nicht mehr wichtig – wichtig sind Zahlen, Kennzahlen, Tabellen, EU Verordnungen, Statistiken…und für operativen Kräfte bleibt nur folgendes übrig:
    -41 Stunden Woche
    -kein Personal
    -Altersdurchschnitt von 45 Jahren aufwärts
    -kein Nachwuchs in den Grenzinspektionen
    -Dauerkranke
    -Hamburger Modell
    -immer mehr Schichtdienstuntaugliche – die wissen wie es geht…
    -der „normale“ Beamte ist der Depp und wird schamlos ausgenutzt, für alles…
    -Einzeldienst für Verbandsaufgaben, Verbände in den Einzeldienst,
    -keine (nicht genügend) Schutz – Ausstattungen, keine einheitlichen Uniformen für den BKE Einsatz/Alarmzüge – grün, blau, schwarz Mix in peinlicher Kombination
    -Schichtdienst in einer fast beamtenleeren Revieren mit Stärken von 1/1/5(BUK)!
    -Sinnlos-Abordnungen ohne Aussicht auf ein Ende – Schichtdienst auch in den Schwerpunktdienststellen um den dortigen Stammkräften ihren flexiblen Dienstplan und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen
    -in der Heimatinspektion, auf Anordnung der DIR, ständiges Gelaber von flexiblen Dienstplänen, Projektgruppen, Planungsphasen…bla bla.. blub
    -Minimalstärken
    -Maximalstärken
    -Optimalstärken
    -wie das funktioniern soll mit Minimal-Stärken wird allerdings nicht mit geliefert
    -Funktionsausschreibungen der DIR bzw. des BPOLP im Wochentakt – woher kommen die Beamten- natürlich aus den Inspektionen, wer macht die Arbeit bzw. wer füllt die Positionen dann aus? Einer der jahrelang dafür ausgenutzt wird und am Ende nichtmal, die sonst übliche feuchte Hand dafür bekommt
    -Willkommen in der Realität BPOL 2012

    Arbeit macht nicht krank…

  7. @quidam: Wenn Du über den Begriff von Arbeit so nachdenkst, warum wertest Du den Beruf als Job ab ?

  8. quidam 8. September 2012

    Du sprichst mir vollkommen aus dem Herzen! – Mit einigen kleinen, aber nicht unwichtigen Ausnahmen:

    Sicherlich gibt es immer wieder den einen oder anderen, der irgendwelche Regelungslücken ausnutzt („Drückebergerproblematik“), aber alles in allem sind nicht die Schichtdienstuntauglichen, die Absolventen des „Hamburger Modells“ oder Teilnehmer an sonstigen Reha-Programmen die Ursache des Problems, sondern die sichtbaren Auswirkungen desselben!

    Die Oberkannte Unterlippe ist bei den Leuten eben unterschiedlich schnell erreicht; will sagen: die Belastbarkeit ist nicht genormt!
    Was hingegen richtig ist, ist die Feststellung, dass nicht von immer weniger „aktiven“ das gesamte Programm zu leisten ist! Gesundheitsprogramme des Dienstherrn , die diesen Namen auch verdienen würden, müssten sich eben darauf konzentrieren, diese Auswirkungen zu verringern! dazu eben wäre aber auch die Erkenntnis notwendig, dass für den Ersatz von Kolleginnen und Kollegen, die wegen vielfältiger Gründe ausfallen (von Mutterschutz über Schichtdienstuntauglichkeit bis hin zu Abordnungen ins Präsidium oder zu sonstigen Schwerpunkten) Stellen geschaffen werden müssen, die die Arbeit vor Ort ohne Dauerüberlastung sicherstellen .

    Wie, das geht nicht? – Das würde Geld kosten? – Entschuldigung, man wird ja nochmal träumen dürfen! Noch besser wäre es natürlich, die Überlastungssituationen garnicht erst entstehen zu lassen!

    Wenn aber das schon nicht geht, so sollte man zumindest schleunigst die angesprochenen „Produkte“ der „Modernisierungsindustrie“ , insbesondere die allgegenwärtige Zahlenhuberei, auf den Schrottplatz der Geschichte werfen!
    Diese „Produkte“ gaukeln der Führung nicht nur vor, dass gewissermassen „alles machbar“ ist (vor allem , immer mehr Aufgaben mit immer weniger Leuten zu erledigen…), sie führen in letzter Konsquenz dazu, dass der doofe Rest sich vergackeiert vorkommt !

  9. @Hubert
    Abwerten???
    Bedeutungen JOB:
    1] umgangssprachlich: einen Arbeitsplatz, eine Stellung, eine berufliche Tätigkeit, eine einträgliche Beschäftigung zum Zweck des Gelderwerbs
    …hinzu kommt, dass der Begriff BERUF für viele Tätigkeiten in unserer Behörde m.M. nach nicht mehr zutreffend ist. Ich bin nicht der Auffassung, dass jeder Schreiberling und Tabellenfüller die BERUFsbezeichnung POLIZEIBEAMTER tragen sollte.
    Das ist nicht Schuld der „Betroffenen“, dass ist politisch so konstruiert worden und zwar durch die sinnlos Sparorgien im Verwaltungsbereich. Man glaubte doch tatsächlich man habe genügend nicht ausgelastete Beamte die man aus dem operativen Bereich einfach rausziehen kann um sie in der Verwaltung verschwinden zu lassen und sich so die teuren Angestellten zu sparen. Das war nicht nur beim Bund so – sondern wurde auch in den Ländern praktiziert.
    Das Resultat wird in den nächsten Jahren zusehen sein und die innere Sicherheit in der Bevölkerung wieder bzw. noch mehr Thema werden.
    @G.Medgenberg
    …will sagen, dass man die Sache auch sehr leicht durchschauen und den Dienstherren mit seinen eigenen „Waffen“ oder“ Geschenken“ schlagen kann. Dieses ganze Alibigemache von Gesundheitsvorsorge, Einklang von Beruf und Familie, flexible Dienstplanung, Hamburger Modell und BEM wird doch vielen geradezu aufgedrängt. Weil wahrscheinlich mal in einer Zielvereinbarung mit aufgenommen und abrechenbar…Und einige (ich glaube immer mehr) sagen wirklich dankbar Danke, „dann mach ich das mal so“…und schon ist der Schichtdienst Geschichte, die AO´s sind für andere da und die Arbeitswoche hat eben mal nur 10, 20 oder 30 Stunden. Das kann es nicht sein.

  10. @ quidam
    Da hast du genau den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Der Job macht mir seit über 32 Jahren immer noch Spaß. Auch der Schichtdienst den ich durchgehend seit 27 Jahre absolviere ( DBT, Grenzstreifen, Objektschutz usw ), davon auch seit über 20 Jahren am Bf Dortmund Hbf.
    Die inneren Querelen wie aktuell die Beurteilungsrunden machen einen erst richtig krank, wenn man dann die fünfte 8 in der Beurteilung erhält.
    Was hat der Job noch für einen Sinn, wenn man aus privaten Gründen das VAV nicht machen kann, da die Frau krank ist und wenigstens das Z haben möchte….
    Was hat man falsch gemacht, fragt man sich da.
    Es kommt nur ein bla bla bla und die ganzen Arschkriecher ziehen an einen vorbei.
    Aber egal, vielleicht bin ich auch bald Magenkrank.

    Viele Grüße und durchhalten. Gesundheit ist wichtiger

  11. Es ist wieder mal soweit. Es ist durchgedrungen, dass die Direktionen BBS und PIR wieder 80 Leute nach FFM schicken müssen. Klasse, oder?

    Des Weiteren dürfen wir in der BPOLD PIR noch weniger KM fahren. Geld ist wohl wieder mal alle.

    Wie „quidam“ in seinem ersten Satz schon sagt… Es ist nicht die Arbeit die krank macht sondern das Arbeitsumfeld…Was ist nur aus unserer Behörde geworden. Langsam macht mich dieses Theater zynisch. Und das ist kein gutes Zeichen.

  12. Die Großeinsätze erst recht…..Warum hört man denn hier garnichts von den Kurdekrawallen in Manheim. Es ist ja wie ein totschweigen hier.
    Bei Linken und rechten Krawallen ein Aufschreien ohne Ende(zu Recht) und bei den Kurden nichts.??!! Das wirkt sehr einseitig…..

  13. Hallo s.ek,

    ich bin durchaus dafür zu begeistern, dass bei vielen Innendienstposten in den obligatorischen Voraussetzungen enthalten ist: Mindestens 50 Lebenjahrs erreicht oder nur noch bedingt gesundheitlich tauglich, mindestens 20 Jahre Schichtdienst …

    Das wird leider aber etwas sein, was wir dort nie lesen werden. Das würde sicherlich sofort die jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf dem Plan rufen, die wegen Altersdiskriminierung klagen (und Recht bekommen) würden…

    Ein altersgerechtes Verwendungskonzept ist bei der Bundespolizei leider weiterhin nicht vorhanden…!

    Und so werden wir auch künftig in vielen Verbands- und Einzeldienststellen viele SEKs haben, wobei SEK natürlich für Senioreneinsatzkommando steht…

    Mit Gruß
    Kugelblitz

  14. Hallo Ostler, wie wird denn das begründet, dass man nach der Urlaubszeit FFM „unterstützen“ soll
    -und täglich grüßt das Murmeltier-

  15. @ Verbandelt
    Bei dem Einsatz in Mannheim war kein Bundespolizist beteiligt. Die Entstehung der Gewalt in Mannheim deutet auch nicht auf eine geplante Aktion. Ein Vergleich mit rechter oder linker Gewalt scheint mir hier gewagt.
    Übrigens habe ich den Eindruck gewonnen, dass hier nichts totgeschiegen wird. Im Gegenteil.

    Ich erinnere mich noch an die Zeit Anfang der 90er Jahre, als sich die Kurden bei den Demos angezündet haben. Wir haben das Löschen von Personen mit Decken geübt vor diesen „Kurden-Einsätzen“. Kollegen sind Waffen entrissen geworden. Wir sind damls mit dem Hubschrauber an der belgischen Grenze in einem Meer von kurdischen Fahen abgesetzt worden. Es war eine „heiße“ Zeit.

    Den verletzten Kollegen wünsche ich baldige Genesung. Ich möchte auch nicht so verstanden werden, dass ich die Gewalt in Mannheim klein reden wollte. Der Absatz zuvor war nur die Erinnerung eines älter gewordenen Kollegen…

  16. Schichtdienst macht krank. Und seit der Arbeitzeiterhöhung ist ein Schichtbetrieb, egal in welchem Model, meiner Meinung nicht mehr möglich.

    Den Unterschied zwischen 38,5-Std.-Woche und 41-Std.-Woche stelle ich im Tagesdienst kaum fest. Eine halbe Stunde mehr am Tag zu leisten ist durchaus machbar. Es wird kein zusätzlicher Tag mehr gearbeitet. Warum also die ganze Aufregung?

    Vermutlich begreift man den Unterschied nur, wenn man wirklich Schichtdienst GELEISTET hat. Im Schichtdienst wurden die Übergabezeiten gestrichen und die Arbeitzeit erhöht. Aus rechnerisch 1,5 Tagen zusätzlichem Dienst sind so 2-3 Tage geworden. Zusätzlich wohl bemerkt. Also im Tagesdienst nur noch 7,5 Std. pro Tag und dafür dann am Samstag und Sonntag den Rest. Klar soweit?

    Diese Tage fehlen, um den Akku zwischen den Schichten wieder aufzuladen. Den Schichtdienst kostet Kraft. Und ist ein Akku ganz leer, nennt man das auf Neudeutsch „Burn out“. Ist jetzt wissenschaftlich belegt worden. Klartext sei Dank. Warum ändert es sich dann nicht?

    Der Personalbedarf besteht aus vielen „durchschnittlichen“ Zahlen. Sogenannte Mann-Stunden entstehen. Die Krankheitstage werden auch erfasst. Allerdings die der Bundesverwaltung im Durchschnitt. Und Wochenenden werden gar nicht erfasst, da sie ja nicht zur Arbeitszeit gehören. Besser wäre es die Krankheitstage der Bundespolizei zu zählen mit Wochenende. Oder besser noch die Krankheitstage der Bundespolizei im Schichtdienst.

    Diese Krankheitstage müssten nur noch im den Krankheitstagen der 38,5-Std.-Woche verglichen werden. Dann würden die Damen und Herren mit den Taschenrechnern auch merken, dass sich die Arbeitszeiterhöhung im Schichtdienst nicht „gelohnt“ hat. Es geht schließlich um Geld – Entschuldigung – um Menschen meine ich.

    Das ist allerdings nur ein frommer Wunsch. Die Krankheitstage im Schichtdienst wurden zur Zeiten der 38,5-Std.-Woche nicht erfasst und werden auch jetzt nie erfasst werden. Die meisten Kollegen arbeiten inzwischen nicht mehr im Schichtdienst. Die Erarbeitung von Konzepten und das erfassen von belastbaren Zahlen wird immer wichtiger. Wir müssen schließlich nachweisen können, dass wir das Personal , welches wir nun nicht mehr haben, brauchen.
    Das wäre auch mit der 38,5-Std.-Woche machbar.

    1000 Mann mehr auf der Straße – im Schichtdienst – den gesetzlichen Auftrag wahrnehmen – Entlastung für alle.
    Jetzt höre ich besser auf mit dem Schreiben…

  17. Jetzt höre ich besser auf mit dem Schreiben…
    DFS 12. September 2012

    Neinnein, schreib´ ruhig weiter! Es wird nämlich ziemlich selten so kurz und prägnant die Problematik auf den Punkt gebracht! – Volle Punktzahl dafür!

    Es ist nämlich tatsächlich in erster Linie das Problem des schwächelnden, weil nicht rechtzeitig vollgeladenen Akkus, was alles auf die Spitze treibt! Die fehlende Möglichkeit zur wirklichen Regeneration zwischen den Schichten! Da helfen auch keine noch so intelligenten oder „bedarfsorientierten“ (dreimal darf man raten, wer den Bedarf definiert…) Schichtmodelle, da hilft nur: runter mit der Wochenarbeitszeit für den Schichtdienst als Sofortmassnahme!!

    Schichtdienst war schon immer anstrengend, er wird es auch immer bleiben, trotzdem spricht es wohl für sich, dass der „gemeine KSB“ (hiess damals allerdings noch KB) vor ca. 25-30 Jahren noch an 3-4 Tagen/Monat weniger zum Dienst erscheinen musste als sein heutiges Pendant! Und das, wohlgemerkt, bevor die allgemeine Arbeitsverdichtung sich bis in die letzten Verästelungen der Organisation durchgefressen hatte!
    Diese Arbeitsverdichtung betrifft zwar alle Bereiche, nicht nur den Schichtdienst, lässt sich aber in der Tat hier nicht so einfach kompensieren. – Rächen wird sich dieser Trend überall! – und „rechnen“ tut er sich unter dem Strich auch nicht!

  18. Lieber DFS,

    als Tagesdienstler und ehemaliger Schichtdienstleistender (ca. 20 Jahre) kann ich Ihrer Argumentation zum größten Teil folgen. Schichtdienst war immer belastend und wird es in Zukunft auch immer bleiben. Ob mit oder ohne Stress, Schichtdienst ist erwiesenermaßen grundsätzlich gesundheitsschädlich. Aber zu den Negativaspekten sollte man dann auch fair bleiben und zumindest erwähnen, dass es für den Schichtdienst als „Ausgleich“ bis zu 4 Zusatzurlaubstage im Jahr gibt. Ich wäre dafür, dass Schichtdienstleistende als Ausgleich entsprechend früher in Pension gehen dürften. Und zwar gestaffelt nach den geleisteten Schichtdienstjahren.

    Ihre Äußerung, dass eine 38,5-Stunden Woche oder eine 41-Stunden Woche für den Tagesdienstler kaum einen Unterschied ausmacht, sehe ich -gelinde ausgedrückt- sehr skeptisch und vor allem anmaßend. Denn bei 41 Stunden bleibt es in der Regel nicht. Mehr als 200 geleistete Überstunden sind wohl ein deutliches Anzeichen dafür. Und die wurden auch nicht nur von Montag bis Freitag und innerhalb des Tagesdienstes erarbeitet.

  19. @ Mr. X

    Begründet hat das bisher keiner hier. Es wird so gemacht, weil die Leute gebraucht werden. Mehr gibts dazu bisher nicht.

  20. @T.Breuer

    Die Idee, als Schichtdienstleistender eher in Pension zu gehen finde ich gerecht.

    Eine Staffelung nach geleisteten Schichtdienstjahren die Pension eher oder später zu erreichen ist völlig ok.

    Als Gegenleistung, und um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, könnten ja die Kollegen in den Direktionen und im
    Präsidium, die Schreibtischtätigkeiten verrichten, gestaffelt nach Dauer ihrer Verwaltungsdiensttätigkeit, später in Pension gehen.

    Das wäre für mich Gerechtigkeit.

    ROS 53

  21. Den Vorschlag von ROS 53 finde ich auch gut!:

    Gerechtigkeit gegenüber den im Schichtdienst „auf der Straße“ tätigen PVB’s
    Gerechtigkeit gegenüber den auf dem gleichen Flur dienenden VB’s
    Vorteil: Verzögerung des „Ausblutens“ (demografischer Wandel) in der BPOL

    Glück-Auf

  22. Moinsens!

    @T.Breuer

    Ohne es genau zu wissen, glaube ich nicht, dass damit gemeint war, das die 41Std-Woche für Tages- und Schichtdienst von der Stundenzahl unterschiedlich lang ist.
    Leisten müssen wir sie (leider) beide.
    Ich stimme DFS jedoch zu, dass der Tagesdienst die Wochenarbeitszeitverlängerung besser umsetzen kann, als der Schichtdienst.
    Für den „Schichter“ bedeutete die Umstellung von 38,5 Std auf 41 Std eine Mehrbelastung von 2,5 Stunden/Woche, die NICHT durch Verlängerung der Schichten (weil dadurch die „Überlappungszeit“ verlängert würde) aufgefangen werden kann.
    Rechenbeispiel:
    52 KW x 2,5 Std = 130std
    130 Std= ca. 16 zusätzliche Arbeitstage (Urlaub/Krankheitstage nicht berücksichtigt) im Jahr.

    Der Tagesdienst hängt (im besten Fall) an sein Gleitzeitmodell pro Werktag eine halbe Stunde dran und macht 0 zusätzliche Arbeitstage Dienst.

    Ich denke so wars gemeint!

    Gruß

    AB

  23. @ Ostler,

    als ich ´92 in dieser Firma anfing, wurden auch schon Leute gebraucht und abgeordnet (FFM, später M und S). 20 Jahre später werden immer noch welche gebraucht.
    Apprppos „gebraucht“, wenn man sich mit Abgeordneten unterhält, hatten bisher die Wenigsten den Eindruck, dass sie unbedingt „gebraucht“ werden.

  24. Mr. X 14. September 2012

    eben! Das ist der springende Punkt!
    Wobei jetzt überhaupt nichts gegen den Personalbedarf an sich gesagt sein soll! Der ist sicherlich, zumindest rein rechnerisch, gegeben.

    Das hat auch nichts im Einzelnen mit Ffm/ M/ S oder wo auch immer zu tun.
    Was ärgert, ist das reflexhafte Abordnen nach angeblichem Erkennen von Personallücken in irgendwelche erkannten, vermeintlichen oder auch tatsächliche Schwerpunkten!
    Denn auch dem letzten Depp sollte klar sein, dass die Abgeordneten auch bei den Geberdienststellen Lücken reissen. – Falls dem nicht so wäre, wären sie dort bislang schlicht überflüssig gewesen!
    Das jedoch, glaube ich, können wir mittlerweile für die gesamte Bundespolizei wohl ausschliessen!

    Die Abgeordneten kommen sich jedoch, vorsichtig gesprochen, veräppelt vor, wenn sie dann feststellen müssen, dass die Not an der aufnehmenden Dienststelle dieselbe bei der abgebenden Dienststelle nicht mal annährend erreicht!

    Und komme da bitte niemand mit gesetzlichen oder sonstigen Vorgaben: Das würde auch zur Ehrlichkeit gehören: zuzugeben, dass es eine 100%ige Kontrolldichte nicht gibt! Das war schon zu hiesigen Schengenaussengrenzeiten an den Landübergängen so (und ist es bei den heutigen im benachbarten Ausland immer noch), das ist bei den see- und Flughäfen nicht anders!

    Ärgerlich und höchst unsolidarisch innerhalb der Organisation ist allerdings das ständige Gieren einiger Dienststellen nach mehr Personal, nur um die eigene Wichtigkeit damit zu dokumentieren! Das kann man auch nicht an einer oder mehreren bestimmten Dienststellen festmachen, da die Prioritäten sich öfter mal ändern.

    Eine Reform, die den Namen verdient hätte, hätte hier ganz klar mal bestimmt, dass nach Festlegung der personellen Ausstattung bitteschön jeder gefälligst mit dem auszukommen hat, was sein ODP hergibt! (Ausnahmen anlässlich besonderer, nicht vorhersehbarer Ereignisse, sind da natürlich aussen vor)

    Nicht vergessen dürfen wir, dass noch jede Reform der letzten 20 Jahren unter dem Vorzeichen daherkam, den „Reise-BGS/Bundespolizei“ abschaffen zu wollen. Bislang ist es im Gegenteil nach jeder Reform schlimmer , ja, man hat mitunter den Eindruck bekommen, zum Selbstzweck geworden!