Höchste Zeit für Konkretes

Jörg Radek, stelv. Vorsitzender des GdP Bezirk Bundespolizei

GdP-Bezirk Bundespolizei zu der am 4. Oktober 2012 startenden Demografiestrategie der Bundesregierung
Die Bundesregierung lädt ein zum Dialog über eine Demografiestrategie. Heute ist in Berlin die Auftaktveranstaltung. Für die Gewerkschaft der Polizei nimmt der stellvertretende Vorsitzende des Bezirkes Bundespolizei, Jörg Radek, teil. Er betonte: „Es ist Zeit für Konkretes“.  In der Bundespolizei beträgt der derzeitige Altersdurchschnitt 41,37 Jahre.  Für die Bundespolizei bedeutet das ausgehend von der gegenwärtigen Altersstruktur für die nächsten 11 Jahre ca. 9.800 Ruheständler. Gleichzeitig geht die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland insgesamt zurück. Die Zahl der unter 20-Jährigen wird von heute ca. 16 Millionen in den nächsten Jahren stetig abnehmen. Die Altersstruktur stellt veränderte Anforderungen an eine Personalentwicklung. Mit ihr muss aktiv die Chancengleichheit gestaltet und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgenommen werden. Voraussetzung ist jedoch eine vorausschauende Personalpolitik unter Berücksichtigung der Altersstruktur und dem Fachwissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Radek weiter: „Viele  Probleme werden zu Unrecht auf die demografische Entwicklung zurückgeführt. Doch Stellenkürzungen und Aufgabenübertragung ohne Personal sind altersunabhängig.“ Die Bundespolizei braucht ein Angebot, um attraktiv am Arbeitsmarkt werben zu können.  Neben der Bezahlung gehören auch Aufstiegschancen, ein familienfreundliches Umfeld, Arbeitszeiten die das Erschwernis des Polizeiberufes würdigen und Gesundheitsfürsorge dazu. „Eine Umsetzung des Maßnahmenkatalogs aus der Studie „Klartext 2010″, fasst der Bezirks-Vize zusammen, “ stellt nach innen Berufszufriedenheit her und wirkt auch werbend für die Bundespolizei.“
Insofern ist es dringend an der Zeit, dass sich nun einmal die Arbeitgeber fragen, was sie für ihre Beschäftigten tun können und nicht, was ihre Beschäftigten für sie tun können. Die Summe ihrer persönlichen Leistung macht die Leistungsfähigkeit der Bundespolizei aus – trotz der Umstände und Rahmenbedingungen.

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17 Kommentare
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  1. Demografiestrategie

    Seit 30 Jahren ist der Alterskegel im Bereich der 60- bis 67-jährigen Mitbürger, ebenso wie der 20- bis 30-jährigen Mitbürger nahezu unverändert.
    Seit 20 Jahren bringen namhafte Wissenschaftler, die sich mit den Folgen dieser Entwicklung beschäftigen, diese Tatsache immer wieder erneut ins Gespräch. Da wurden Lösungen zuhauf angeboten. Getan wurde nichts.

    Wieso sollte das Thema Personalknappheit in den Führungsetagen auch jemanden ernsthaft interessieren? Burnout gibt es ja nicht….

    Stattdessen wird weiter jedes Jahr Personal abgebaut.

    Dazu kommt dann bei der zukünftig zwingend erforderlichen, vielfachen Rekrutierung von Nachwuchs die Konkurrenzsituation zur Wirtschaft und zu anderen Dienstherren (besseres Arbeitsumfeld, bessere Bezahlung, bessere Aufstiegschancen, usw., usw.)

    Wenn dann der Druck auf die verbliebenen Kollegen und damit die Ausfallzahlen durch Krankenstand, Schwerbehinderung, PDU, Umschulungsausbildung steigt, werden sich viele KollegeInnen überlegen (müssen), ob sie Kürzungen an der Pension/Rente in Kauf nehmen, um dieselbe noch genießen zu können….

    Die Zahl von 9800 Ruheständlern wird mit Sicherheit überschritten werden.

    Den letzten beißen die Hunde.

  2. Wenn man ehrlich ist, wird mittelfristig das Pensionsalter nochmals angehoben, vielleicht bis 65 Jahre. Egal wer regiert! Vielleicht nicht in den nächsten zwei, drei Jahren, aber es wird kommen!

    Bis 62 Jahre arbeiten ist grundsätzlich kein Problem, wenn man sich inhaltlich und ehrlich mit der Thematik beschäftigt.
    Es gibt heute noch keine „Altersmodelle“, wo man Kolleginnen und Kollegen nach xy Jahren aus dem Schichtdienst nimmt.

    Wir brauchen Vorsorgekuren oder LG zur Regeneration, nicht ein oder zwei pro Jahr, sondern wo jeder nach xy an Schichtjahren obligatorisch teilnehmen muss. Wir machen doch auch G20 usw. Untersuchungen!

    Wir haben doch Sportleiter für Regeneration, Sanitäter, Ärzte…!
    Nach xy Schichtjahren muss jeder zwei/drei Wochen lang einen Regenerationslehrgang besuchen.

    Wir brauchen flexible Dienstpläne, damit Familie und Beruf im Einklang sind!

    Wir brauchen vorallem im mittleren Dienst „den großen Wurf“, denn mit diesen (keinen) Perspektiven werden wir keine 9000 Ruheständler auffangen. Und, liebe GdP, ihr wisst es besser bis zur welcher Note im mD oder gD eingestellt wird!? Masse ist nicht gleich KLASSE!

    Die Bundespolizei muss sich mit der freien Wirtschaft und im besonders mit den Länderpolizeien messen. UND, welcher Mensch möchte schon von daheim weg!? Bundesweit einsetzbar!?

    Die Bundespolizei wird auch in den geliebten Ballungsräumen keinen Stich setzen, denn beispielsweise in Stuttgart gehen die Leute lieber zur Lapo BW oder zu Mercedes oder Porsche.

    Wer auf Masse statt KLASSE setzt, der darf sich aber hinterher nicht über die Qualität ärgern!

    Wir brauchen jetzt neue Strukturen und besonders im mD bessere Perspektive/bessere Bezahlung! Mit jahrzehtelanger Stellenbesetzung als PM oder POM bekommen wir keine KLASSE sondern MASSE, wenn überhaupt.

  3. Guten Morgen

    Ich sehe da echt schwarz bei diesem Thema.

    Woher bitte schön soll alleine der Ersatz für 9800 ausscheidende Mitarbeiter herkommen?

    Wie hoch die Neueinstellungen dann sein müssen kann sich ja jeder selbst ausrechnen.
    Sind wir attraktiv gegenüber anderen Bedarfsträger für qualifizierten Nachwuchs?
    Aus meinen Gesprächen mit zukünftigen Berufseinsteiger stehen Schichtdienst, heimatferne Verwendung,Uniform, ausgeprägtes und reaktionäres Hierarchiedenken auf der Wunschagenda nicht gerade ganz oben.

    Wenn die Personalnot eskaliert sind längst nicht mehr die im Amt, die grob fahrlässig oder vorsätzlich den Karren in den Dreck gefahren haben.
    Warum sollen sich also die Arbeitgeber nun fragen was sie für ihre Mitarbeiter tun können?
    Ohne Ecken , Schrammen und weitblickende Entscheidungen durch die Legislaturperiode zu kommen ist doch viel angenehmer und ganz besonders wichtig, es ist ziemlich einfach.
    „Nachhaltigkeit“ ist doch das nette Wort aus dem Besteckkasten der Politik, davon ist aber weit und breit nichts zu sehen.
    Es ist schon bedauerlich, dass die Gewerkschaften da als „Tipgeber“ für eine ziemlich ratlose Bundesregierung dienen müssen.
    Ich denke man weiß um die Probleme genau bescheid, also sollen sie was tun, dafür haben die Wähler in einer repräsentativen Demokratie ihre Abgeordneten eingesetzt.

    Aber es liegt auch an uns allen wieder(oder endlich mal) eine „Corporate Identity“ zu schaffen und zu leben damit man mit Stolz von sich sagen kann „ich bin bei der Bundespolizei“.
    Bis dahin ist es aber noch ein mühsamer Weg.

    Viel Glück Bundespolizei für die Zukunft

  4. @Demo-Graf
    „Aber es liegt auch an uns allen wieder(oder endlich mal) eine “Corporate Identity” zu schaffen und zu leben damit man mit Stolz von sich sagen kann “ich bin bei der Bundespolizei”.
    Bis dahin ist es aber noch ein mühsamer Weg.

    Viel Glück Bundespolizei für die Zukunft“

    Uns fehlt die Identität und eine Kernaufgabe. Wenn man heute draußen sagt, dass man bei der Bundespolizei ist, dann können sich viele Menschen nichts darunter vorstellen.

    Dann kommen Aussagen:

    „Ah ja, ihr schaut immer in das Gepäck, ihr seit vom Zoll oder!?“

    „Bahnpolizei!?“

    „Was macht ihr eigentlich, aber richtig Polizei ist das nicht, oder!?“

    Beim früheren Bundesgrenzschutz war alles klarer und die Behörde hatte einen klaren Auftrag. Eine klare KERNAUFGABE und diese war mit dem Namen Bundesgrenzschutz verbunden.

    Wir sind orientierungslos, ohne klare BUNDESWEITE KERNAUFGABE! Diese wird aber benötigt mit einer sachlich- und örtlich klaren Zuständigkeit! Das schafft Identität!

  5. Hat schon mal jemand überlegt, wie viele Auszubildende der Bundespolizei auch die „Treue“ halten?
    Von den PVB, die in den letzten Jahren als Praktikant auf unserer Dienststelle waren, haben einige schon während der Ausbildung, aber die meisten danach, wieder gekündigt.
    In der jetzigen Form ist die BPOL ein absolut unattraktiver Arbeitgeber. Gerade bei den Bewerber mit Abitur bekommen wir doch nicht die Menschen, für die der Beruf des Polizeibeamten eine „Berufung“ ist, sondern weil sie sonst nichts anderes bekommen haben und die BPOL als Notlösung verstehen!

  6. @Realist Du hast vollkommen Recht.

    Schlechte Bezahlung, schlechte Karrierechancen, verwendbar überall, kaum Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hohe Gesundheitsgefährdung und dass alles ohne Aussicht auf Besserung.

    Dazu kommt noch ein sich langsam liberalisierender Arbeitsmarkt.

    Anders gesagt, wer soll den in den nächsten Jahren zu unserer Firma eigentlich kommen???

    Das macht aber nichts – wenn man nur für 4 Jahre gewählt ist, braucht man keine nachhaltigen Entscheidungen zu treffen.
    Einfach so weiterwurschteln, klappt doch.

  7. @hijack v. 04.10.:

    „Seit 30 Jahren ist der Alterskegel im Bereich der 60- bis 67-jährigen Mitbürger, ebenso wie der 20- bis 30-jährigen Mitbürger nahezu unverändert.“

    das würde ich nicht so sehen, denn gem. stat. bundesamt ist die bevölkerungsgruppe der 60-80 jährigen in den letzten 30 jahren um gut 4% prozent angestiegen , hingegen der anteil der 20-40 jährigen um ca. 4 % geschrumpft. du meinst sicherlich diese tatsache, auf die sich die wissenschaftler stützen.

    deinen ausführungen und folgerungen hinsichtlich der entwicklung in unserer behörde schließe ich mich im übrigen an.

    beste grüsse

  8. Ich bin gespannt für die Zukunft!
    Wieviele wollen bei der Bundespolizei in den md,gd anfangen!?
    Sind den die Einstellungsberater fair? Erzählen Sie den Interessenten die Wahrheit über das leben mit und in der Bundespolizei?
    Über Vereinbarkeit von Famillie und Beruf?! Und das es auch möglich oder eher wahrscheinlich ist fernab der Heimat seinen Dienst zu verrichten zu jeder Tages und Nachtzeit und auch höchstwahrscheinlich an den Feiertagen wenn das soziale Umfeld gemeinsam was unternehmen möchte und man selber nicht kann weil die Arbeit ruft?
    Das die wahrscheinlichkeit relativ hoch ist ohne Chance auf das erreichen des Endamtes in den Ruhestand zu gehen!?
    Aber man immer flexibel sein muss und soll den Dienstherren zu entsprechen,was natürlich auch beinhaltet den Dienst,-Wohnort mehr als einmal im leben zu wechseln!?
    Uns werden die Bewerber die Türen einrennen!

  9. Ich würde mir wünschen wenn hier jemand vom momentan letzten 3 jährigen Aufstieg berichtet.
    Angeblich sollen die Aufstiegsmöglichkeiten bereits für die Einsteiger bis A 11 begrenzt werden.
    Oder die gdp sollte dies tun. Dann sollte jedem klar sein wo die Reise hingeht.

  10. Hallo Heinz,

    Die“Einsteiger“ haben weiterhin volle Ämterreichweite, werden aber nur noch bis Führungsebene GL/GF ausgebildet. Da wird dann wohl in Zukunft wieder ein ZF/DGL-Lehrgang eingeführt.
    AFAIK ist der 66. SJ der letzte mit voller Führungsbefähigung gewesen.

  11. @ich: Versteh ich das richtig… die kommen nach drei Jahren aus dem Studium, aber müssten dann noch mal auf LG, wenn sie höher bewertete Stellen haben wollen? Gilt das etwa auch für den zweijährigen Aufstieg? Leider ist unsere Infothek nicht sehr auskunftsfreudig, wie das aktuelle Aufstiegsverfahren aussieht und was man erreichen kann… Gerüchte gibts viele, aber so richtig schlau werde ich da nicht draus.

  12. Wie das bei Aufsteigern läuft weiss ich nicht, aber die Einsteiger (Bachelor) werden nur bis GL/GF ausgebildet. Ob da in Zukunft noch ein Lehrgang nachgeschoben weiss ich auch nicht, aber die Vermutung liegt nahe. Sachbearbeiter ginge natürlich auch.

  13. Gilt für letzten vier Beiträge. Aufstiegsverfahren sind eine wichtige Sache. Diese Debatte wird hier auch an anderen Stellen sehr intensiv geführt. Hier sind sie fehl am Platz.

  14. Wo werden Sie denn geführt?

  15. @Max Rabe: Wo werden sie denn geführt? Ich hätte da ein paar Fragen, die ich gerne von irgendwem Wissenden beantwortet bekommen würde…

  16. hier http://www.gdpbundespolizei.de/2012/10/mindestaltersgrenzen-fur-aufstieg-verfassungswidrig/ .

  17. Tjo, da im verlinkten Beitrag gibts auch keine Antworten….