GdP zu Ausschreitungen vor Kölner Ford-Zentrale

Witthaut: Demokratischer Protest und Gewalt schließen sich aus

Berlin, 08.11.2012. Gewalttätige Ausschreitungen und die Inkaufnahme schwerer Verletzungen Anderer seien keine Mittel legitimen Protestes, mahnte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, angesichts brutaler Angriffe aufgebrachter belgischer Ford-Beschäftigter auf po-lizeiliche Einsatzkräfte vor der Zentrale des Automobilprodu-zenten in Köln. Witthaut: „Aus Sicht eines Gewerkschafters kann ich es nur zu gut verstehen, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines von Schließung bedrohten Werkes ihren Zorn und ihre Sorge um die existenzielle Sicherheit ihrer Familien auf die Straße tragen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um ausländische Beschäftigte handelt. Die-ser Zorn darf sich aber nicht in blinde Wut gegenüber Unbe-teiligten Bahn brechen.“ Die Brachialität und Skrupellosigkeit, mit der die Demonstranten gegen die Einsatzkräfte vorge-gangen seien, seien unverständlich und erzeugten Befrem-den. Nach Informationen der GdP waren die Beamten mit mutmaßlich selbst gebauten Explosivmitteln mit heftiger Sprengwirkung beworfen worden. Mehrere Polizisten hatten dabei ein Knalltrauma erlitten. Auch Baseball-Keulen hätten die Demonstranten mit sich geführt.
Am Rande einer Bundesvorstandssitzung seiner Organisati-on in Potsdam regte GdP-Bundesvorsitzender Witthaut eine intensive öffentliche Debatte über den Zustand der Demonst-rationskultur in Deutschland an. Witthaut: „Immer häufiger wird ignoriert, dass das Grundrecht auf Versammlungsfrei-heit nur von denen ausgeübt werden darf, die sich friedlich und ohne Waffen versammeln. Die hohe Gewaltbereitschaft und immer hinterhältigere und brutalere Angriffe auf Beam-tinnen und Beamte zwingt die Polizei indes, sich beim Schutz von Demonstrationen und Veranstaltungen, auch selbst immer mehr zu schützen.“

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Themenbereich: Aus dem Bundesvorstand, Über den Tellerrand | Drucken

1 Kommentar
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  1. Das hat sich doch alles über Jahre hinweg angekündigt und es wird noch schlimmer werden.
    Vernichtet, sowohl seelisch als auch finanziell, werden diejenigen, welche Jahre und Jahrzehnte ihre Arbeit verrichtet haben und dann merken, dass sie nichts sind und waren als ein Spielball in den Fängen des Kapitals. Oder diejenigen, die gar nicht erst Fuß fassen können in diesem System.
    Ich befürworte selbstverständlich keine Gewalt, aber wer jetzt den Überraschten spielt, hat die letzten 20 Jahre nicht mit offenen Augen und Ohren erlebt.
    Das „normale/einfache Volk“ hat Zukunftsangst und es ist völlig logisch, dass die sich bei Einigen/Vielen in Wut, Gewalt und radikalem Gedankengut äußert. Das sind ganz „normale“ Prozesse (ich meine damit: Kalkulierbare Entwicklungen des Einzelnen und dann der Masse, bei bestimmten gesellschaftlich-soziologischen Abläufen).
    Hochrangige Soziologen (u.a. Prof. Dr. Michael Hartmann) sagen in den kommenden Jahren eine enorme Zunahme an Gewalt voraus, wenn die Perspektivlosigkeit für viel zu viele Menschen weiter anhält oder sich sogar (und das ist zu befürchten) weiter zunimmt. Wir müssen uns als Polizei darauf einstellen und das wird noch einige Gewissenskonflikte mit sich bringen. Nämlich dann, wenn auf der Gegenseite Menschen stehen, welche man kennt und von denen man das nie gedacht hätte.