Polizei zieht sich auf Schalke zurück

Nach dem Polizeieinsatz beim Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Schalke und Saloniki zieht NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD)Konsequenzen. Er kündigte vor dem Innenausschauss des Landtags an, bei Heimspielen der Schalker vorläufig keine Polizeibeamten mehr im Stadion einzusetzen.Es würden lediglich Polizeieinheiten außerhalb der Arena positioniert.Der Minister verwies ausdrücklich darauf, dass im Stadion der Verein das Hausrecht habe.Jäger begründet die Entscheidung mit der harschen Kritik führender Funktionäre von Schalke 04 am Polizeieinsatz.Die Ministerentscheidung, dass die Polizei nicht die Aufgabe des Ordnungsdienstes im Stadion übernehmen muss, ist richtig. Wir sind nicht die Planungs-reserve der Vereine. Der Verein habe während des Spiels die Polizei um Hilfe gebeten. Die Entscheidung, über das Vorgehen, sei mit Verantwortlichen von Schalke abgestimmt gewesen.
Bei dem Spiel Schalke 04 gegen PAOK Saloniki war es im August zu Ausschreitungen gekommen, nachdem in der Schalker Nordkurve S04-Fans ein Banner befreundeter Fans des mazedonischen Klubs Vardar Skopje aufgehängt hatten. An dem Banner hatten sich die griechischen Fans gestört.

In einem offenen Brief an den Vorstand von Schalke 04 hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW dem Bundesligaverein ein eklatantes Sicherheitsversagen vorgeworfen. Der von der Vereinsführung kritisierte Polizeieinsatz sei nur zustande gekommen, weil vorher die Sicherheitskräfte des Vereins nicht in der Lage gewesen sind, im Schalker Ultrablock das Einrollen eines Banners durchzusetzen, mit dem die griechischen Fans in ihrer Ehre verletzt und provoziert werden sollten. Dadurch habe die Gefahr einer unmittelbaren Eskalation der Gewalt bestanden.

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Themenbereich: Fussballeinsätze und Gewalt | Drucken

13 Kommentare
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  1. Hut ab, Herr Jäger!
    Konsequent und richtig.
    Da kann der Vorstand doch ihre Kundschaft mal allein betreuen.
    Hoffe auf Nachahmer.
    Glück auf, Kollegen

  2. So langsam nimmt dieser Vorfall groteske Züge an. Wenn der IM sagt, im Stadion hat der Verein Hausrecht, ist das richtig, gilt aber sicher nicht nur in Gelsenkirchen -> inkonsequent!

    Zudem bleibt bei dem Bürger der Eindruck, dass die Polizei nie Fehler macht und sich wie ein trotziges Kind beleidigt zurückzieht -> unprofessionell!

    Außerdem wird man bei Notrufen des Ordnungsdienstes nicht sagen, dass man aus politischen Gründen nicht kommen darf/will/kann -> rechtswidrig, strafbar!

    Wo bleibt denn stattdessen eine vernünftige Erklärung der Polizei, warum die Entscheidung so getroffen wurde, nicht gegen denjenigen vorzugehen, der mit Straftaten droht und zahlenmäßig kleiner ist, sondern gegen denjenigen, der durchaus provoziert aber nichts Verbotenes macht und zudem viel größer ist? Die Presseauftritte direkt im Anschluss haben der Sache eher geschadet als aufzuklären und Transparenz zu schaffen.

    Ich bin selbst in der BePo und muss nach bisherigen Kenntnissen sagen, die Entscheidung, in den Schalke-Block zu gehen war einfach nicht in Ordnung und zudem noch untauglich (denn bekommen hat man die Fahne letztlich nicht). Aber diese wurde halt getroffen und die E-Kräfte müssen diese dann umsetzen, da sie nicht offensichtlich und schwerwiegend rechtswidrig war. Das sich die Kräfte dann gegen die Angriffe mit Hilfe des UZw wehren, ist absolut nicht zu beanstanden. Diesen Kollegen ist kein Vorwurf zu machen.

    Aber was ist daran so schwer, einfach dazu zu stehen, mal etwas nicht ganz richtig beurteilt zu haben als PF? Das hätte Größe! Und was die Konkurrenzgewerkschaft so vom Stapel lässt, ist eine Frechheit. Im Ergebnis ziehen die Fans ihre Konsequenzen und schließen diese Vertreter vom Verhandlungstisch aus, wohin man sie gerade mit Mühe gebracht hat. Gute Arbeit Herr W…!

  3. endlich mal ein politiker mit rückgrat!
    danke herr jäger.

    sowas gibt es bei der bundespolizei schon lange nicht mehr.

    oh ich vergass, im wahlkampf schon. siehe rosenheim und bald frankfurt

  4. Endlich mal ein „Politiker“ der noch einen A… in der Hose hat. Respekt und Anerkennung.

    Sollen all die schlauen Köpfe der Vereine doch mal sehen, was passiert, wenn wir nicht da sind.

    Wenn wir das jetzt auch noch der DB AG beibringen; ach wäre das schön.

  5. Einer der besten – wenn nicht sogar die „allerbeste“ – Entscheidungen eines IM!

    Respekt für diese mutige, richtige und überfällige Entscheidung!

    Der IM sollte für VIELE (nicht nur Politiker sondern auf Polizeiführern) ein Vorbild sein!

    Ich bin einfach nur begeistert!

  6. Wir sollten aber nicht vergessen, dass den Kollegen trotzdem das Wochende ver…. wird. Sie sind zwar nicht im Stadion, dafür aber in der Nähe in einem Bereitstellungsraum!

  7. Die Ultras werden sich dieses mal benehmen und sich im Stadion feiern lassen, dass sie es geschafft haben, die verhasste Polizei aus dem Stadion getrieben zu haben.

    Ich persönlich finde die Entscheidung, dass sich die Polizei aus dem Stadion zurückzieht, in Ordnung. Sollte so einmal Bundesweit gemacht werden. Auch sollte man meiner Meinung nach einmal über mehrere Wochen keine Züge mit Fußballfans mehr begleiten.

    Es müssten aus der Bevölkerung massive Beschwerden über das Verhalten mancher der Fußballfans an den Wochenenden in ganz Deutschland auf die Politik und die Vereine reinprasseln. Vielleicht könnte man so einen Effekt erzielen, dass die breite Masse der Bevölkerung in unserer Republik einmal mitbekommen würde, was diese „Fußballfans“ so an den Wochenenden anstellen. Denn ich glaube nicht, dass die Großzahl der Steuerzahler wissen, was die Polizei anlässlich dem Fußball am Wochenende so leisten. Über Beschwerden und damit folgender Presse wäre dies vielleicht zu bekommen.

    Aber leider ist es ja nur ein ganz kleiner Kreis von Idioten, die den Fussball als Plattform für ihren Scheiß nutzen. Und könnte man diese Anzahl erheblich verringern, hätte man schon etwas erreicht. Aber ich denke, Schalke bleibt ein Einzelfall….

  8. Hallo Marco W.,(vom 12. September 2013)!
    Nach meiner Kenntnis schien die Entscheidung des Polizeiführers, die provozierende Fahne zu entfernen, das probateste Mittel zu sein um eine befürchtete Auseinandersetzung zu verhindern. Natürlich war das Verhalten der Gast Fans nicht in Ordnung. Aber wäre die Fahne von den Schalker Fans entfernt worden, wäre die Sache erledigt gewesen. Da es auch den verantwortlichen Ordnungskräften nicht gelang dafür Sorge zu tragen, blieb m. E. nur diese Entscheidung des PF. Ich begrüße außerdem die Entscheidung des NRW Innenministers Jäger, künftig keine Beamten mehr im Stadion einzusetzen.
    mfg

  9. Diese Ankündigung wird nicht umgesetzt / durchgehalten! Wetten das?

  10. Liebe Kollegen/innen,

    auch ich finde die Entscheidung des IM Jäger „mutig“, sehr „mutig“ sogar. Ich gebe zu bedenken, dass die ureigenste Aufgabe der Polizei, nämlich die Gefahrenabwehr, mit der Entscheidung des IM rechtlich gesehen kaum in Einklang zu bringen ist. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es seit Jahren immer wieder von so genannten Fans zu gewalttätigen Auseinandersetzungen innerhalb der Stadien kommt. Dies kann der IM durch seinen jetzigen Vorstoß nicht einfach ausblenden. Sollte es tatsächlich zu Gewalttaten im Stadion kommen, bei denen auch noch Menschen verletzt werden, dann könnte sich der IM – nicht nur aus strafrechtlicher Sicht gesehen – ein klassisches Eigentor schießen. Sollte nachgewiesen werden, dass bei einer unmittelbaren Präsenz von Polizeikräften im Stadion eine drohende Gefahrenlage hätte verhindert werden können, sind Schadensersatzansprüche (Schmerzensgeld, Verdienstausfälle etc.) von Geschädigten möglich, die dann das Land, sprich der Steuerzahler, zu leisten hätte. Bevor man solche „mutigen“ Entscheidungen trifft, sollte man sich auch Gedanken darüber machen, was aus einer solchen Entscheidungen erwachsen kann.

    Vielleicht sollte man sich die Polizeieinsätze innerhalb der Stadien von den Vereinen bezahlen lassen.

  11. Eben noch Flagge gezeit und heute schon wieder alles anders.
    Niemand stellt sich vor die Polizei, auch kein IM Jäger wie heute in der Presse zu lesen ist.
    DANKE FÜR NICHTS, außer heißer Luft Herr Jäger.

  12. Entscheidung wurde meiner Kenntnis nach schon zurückgenommen. Also alles wieder beim Alten…. Ich lach mich tot!

  13. @Udo Gerhard
    Ich fühle mich von der Bayernfahne meines Nachbarn auch provoziert und drohe mit Konsequenzen, sollte er diese nicht entfernen? Wer macht sich jetzt wohl strafbar und bedarf der polizeilichen Aufmerksamkeit? Nach dem was ich so gelernt habe und wonach ich auch heute noch meine Entscheidungen treffe, würde ich definitiv nicht das Nachbarhaus stürmen lassen. Aber scheinbar siehst Du das andes?