Klartext reden – Zukunft gestalten

Jörg Radek, stellv. Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei

Jörg Radek, stellv. Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei

Von Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bezirk Bundespolizei

Mit der „Klartext-Studie“ haben die Mitglieder der Gewerkschaft der Polizei in der Bundespolizei Klartext gesprochen.
Die Ergebnisse und die Maßnahmenempfehlungen zogen sich wie ein roter Faden in den vergangenen vier Jahre der Gewerkschaftsarbeit. In Potsdam anlässlich unseres Delegiertentages werden wir Ende März 2014 Bilanz ziehen und Rechenschaft ablegen über unsere Arbeit. Gleichzeitig werden wir die Richtung für die nächsten Jahre formulieren. In der Folge der Auswertung der Studie „Klartext 2010“ haben wir erkannt, dass der Weg der Weiterentwicklung der beruflichen Perspektiven konsequent weitergegangen werden muss. Die Menschen in der Bundespolizei leisten sehr gute Arbeit. Dennoch erleben wir eine stetige Unzufriedenheit in unserer Behörde. Die Ursache dafür ist die – meist mangelnde – Wertschätzung, die unsere Kolleginnen und Kollegen in ihrem Arbeitsalltag erfahren. Und diese fehlende Wertschätzung macht sich schon lange nicht mehr nur am Geld fest. Vielmehr gewinnen die Rahmenbedingungen an Bedeutung: Wieso werde ich als ausgebildete Verwaltungsfachangestellte genauso bezahlt wie eine ungelernte Kraft? Wenn ich ständig Bereitschaft zeige, am Wochenende für die Bundespolizei Dienst zu tun, warum ist dann mein Arbeitgeber nicht so fair, mir zumindest einmal im Monat ein freies Wochenende zu garantieren? Gerechtigkeitslücken und Überlastungen sind ein unerträglicher Zustand für eine Organisation, die einen gemeinsamen gesetzlichen Auftrag erfüllt! Darüber hinaus werden wir in denkommenden Jahren eine hohe Zahl von Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand verabschieden. Bei der Nachwuchsgewinnung werden wir aber zugleich einer schwierigen Konkurrenzsituation bei der Suche nach den besten Kräften ausgesetzt sein. Der Lösungsansatz der Anhebung der Altersgrenze mag eine vorübergehende Maßnahme der Personalsteuerung sein. Die Korrektur von haushaltspolitischen Fehlern wird jedoch Einzelfalllösungen überlassen. Dies ist kein Konzept. Dies ist für einen nachweislich überlasteten Personalkörper zynisch. Wir erledigen immer mehr Aufgaben mit weniger Personal und schlechterer Haushaltsausstattung. Wir wollen mehr Gerechtigkeit –für jeden Einzelnen und an jeder Dienststelle. Dieser Anspruch gilt insbesondere für den Bereich der Bundesfinanzpolizei und des Bundesamtes für Güterverkehr. Den politischen Stillstand wollen wir hier überwinden.

Der Delegiertentag wird uns Möglichkeiten bieten, dies deutlich im Klartext anzusprechen. Demokratie ist der Wettbewerb mit Ideen. Demokratie ist nicht der „Ideenklau“.
Die „Folgen von Schicht- und Einsatzdienst und Überalterung“ zu mildern, war unsere Idee. Sie wurde konsequent verfolgt. Mit Geschlossenheit unserer GdP-Kreisgruppen vor Ort bis zu den Gesprächen im Bundesministerium im Innern waren wir erfolgreich. Mit der Kampagne „Klaut nicht unsere Zeit“ haben wir dann deutlich auf die noch bestehenden Defizite des Entwurfs aufmerksam gemacht. Wir haben mit der Kampagne klargemacht: Das Bundesinnenministerium muss zum einen die völlig unsinnige und rechtswidrige Behauptung „Pausen unter Bereithaltung“ seien Ruhepausen im Rechtssinne, vom Tisch nehmen, denn wo keine echten Ruhepausen gemacht werden können, muss dies ohnehin als Arbeitszeit angerechnet werden.

Unsere Arbeit wurzelt in den Personalräten.

Die Geschlossenheit unserer Gemeinschaft aus Vorständen, Personengruppen und Vertrauensleuten ist in den letzten 20 Jahren gewachsen. – Diese Gemeinschaft ist ein Wert an sich. Diese Gemeinschaft leben wir mit Leidenschaft, Hingabe und Kreativität. In dieser Gemeinschaft, die den anderen nicht aus dem Blick verliert, liegt unsere Stärke. Diese Stärke werden wir brauchen, um unser klares Ziel „Attraktivität für alle“ zu erreichen. Ihr berufliches Ziel haben unsere Vorstandsmitglieder Josef Scheuring, Johann Meyer und Jürgen Stark erreicht. Mit ihnen „beginnt“ die „Gründergeneration“ in den Ruhestand zu gehen. – Wir sind dankbar für ihre Arbeit und ihr Engagement. Nun verjüngen wir uns. Wir werden die Nachfolger wählen. Doch die Idee bleibt und wir tauschen nicht unsere Überzeugungen und Grundsätze aus. Gewerkschaftsarbeit ist kein Selbstzweck. Sie dient der Gemeinschaft. Was allen gut tut, tut auch jeder Einzelnen und jedem Einzelnen gut.

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