GdP zu Bundestagsanhörung „Sichere Stadien“

35609_original_ErdoganCetin_pixelio_cutVereine müssen Fußballchaoten ausgrenzen

Berlin. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert angesichts anhaltender gewalttätiger Ausschreitungen rund um Fußballspiele in der zu Ende gegangenen Saison alle Vereine von der ersten bis zur fünften Liga auf, Fanbeauftragte einzurichten und entsprechend auszustatten. Es gelte, sich klar von gewaltbereiten Chaoten innerhalb der Fanszene abzugrenzen, erklärte die GdP am Mittwoch anlässlich einer Sitzung des Sport- und Innenausschusses des Bundestages in Berlin zum Thema „Sichere Stadien“. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek: „Die Vereine sollten auch ihren Umgang mit Ultra-Gruppierungen kritisch hinterfragen. Aufgrund teilweise eingeräumter Privilegien wie eigene, nicht kontrollierte Räume in den Stadien gelinge es, gefährliche Gegenstände wie lange Fahnenstangen oder Pyrotechnik einzuschleusen, die bei Auseinandersetzungen auch gegen Polizeikräfte eingesetzt werden. Es darf in Fußballstadien keine rechtsfreien Räume geben.“

Die GdP unterstützt die Stadienrichtlinie des DFB. Der professionell umgesetzte Maßnahmenkatalog aus baulichen Veränderungen wie Trennung von Fans oder breite Zu- und Abwege, eine starke Präsenz privater Sicherheitsmitarbeiter, Videokontrollen sowie die Überprüfung der Besucher auf Waffen und Pyrotechnik hätten für eine verstärkte Sicherheit in den Stadien gesorgt. „Wir unterstützen ebenso alle Versuche der Veranstalter, das private Sicherheitspersonal zu professionalisieren und zu qualifizieren“, betonte der GdP-Vize.

Trotz aller Bemühungen von DFB und DFL, für Sicherheit in den Fußballstadien zu sorgen, kommt es nach den Worten Radeks immer wieder zu Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Fangruppierungen an sogenannten Drittorten oder bei An- und Abreisen. „Es ist zu beobachten, dass vor allem Intensiv-Fußballgewalttäter vermehrt diese Gewaltauseinandersetzungen suchen und hierfür Verabredungen, teilweise mit konspirativen Mitteln, treffen. Dabei kann es sich um Verdrängungseffekte handeln, da die Stadien technisch gut ausgestattet ein erhöhtes Entdeckungsrisiko darstellen. Neben restriktiven polizeilichen Maßnahmen sehen wir hier die Vereine in besonderer Verantwortung, die teilweise über erhebliche finanzielle Möglichkeiten verfügen und stärker in präventive anti-gewalt-orientierte Fan-Arbeit investieren müssen“, so Radek.

Aus Gründen der Rechtssicherheit fordert die GdP, die Standardmaßnahme „Meldeauflage“ in allen Polizeigesetzen der Länder aufzunehmen und in Ergänzung des bei den Bahnen verbleibenden Rechts zur Untersagung der Personenbeförderung der Bundespolizei die gesetzliche Kompetenz zu übertragen, Personen das Betreten von Bahnhöfen oder das Benutzen von Zügen zu untersagen, wenn die konkrete Gefahr einer Straftat auf Bahnhöfen, Gleisen und Zügen ausgeht. „Damit kann erreicht werden, dass die polizeilich bekannten Fußballchaoten an den Spieltagen ihren Wohnort nicht verlassen können“, erklärte der GdP-Vize.

Aus der Presse:

Focus: Gewerkschaft der Polizei fordert: „Vereine müssen Fußballchaoten ausgrenzen

Report-K: Polizeigewerkschaft fordert mehr Fanbeauftragte

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Themenbereich: Aus dem Bundesvorstand | Drucken

5 Kommentare
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  1. Meiner Meinung nach sollte die Rechtslage dahingehend geändert werden, daß die Polizei im Stadion gar nicht mehr tätig werden muß. Wer freiwillig, nicht aus beruflichen Gründen, in ein Stadion geht ist selbst schuld: Wer sich in Gefahr begibt, wird darin umkommen.

    Fußball ist ein hochprofitables Wirtschaftszweig und sonst nichts. Die Vereine fahren bei jedem Spiel exorbitante Gewinne ein. Man denke nur mal an die typischen Gehälter der Spieler. Vor diesem Hintergrund kann es nicht sein, daß die Sicherheit auf Staatskosten und zum Nulltarif für den Veranstalter vorgenommen wird.
    Bleibt die zahlende Kundschaft erst einmal weg, weil es zu gefährlich ist, werden die Fußballvereine ganz alleine exzellente Sicherheitskonzepte aufstellen und umsetzen.

  2. @Sachbearbeiter
    Da wurde aber das Prinzip von „Brot uns Spiele“ aus den Augen verloren. Satte Menschen gehen nicht auf die Straße und anstatt den Verantwortlichen/Herrschenden auf die Finger zu schauen, ergötzen sie sich lieber am angebotenen Programm….

  3. Aus Gründen der Rechtssicherheit fordert die GdP, die Standardmaßnahme “Meldeauflage” in allen Polizeigesetzen der Länder aufzunehmen und in Ergänzung des bei den Bahnen verbleibenden Rechts zur Untersagung der Personenbeförderung der Bundespolizei die gesetzliche Kompetenz zu übertragen, Personen das Betreten von Bahnhöfen oder das Benutzen von Zügen zu untersagen, wenn die konkrete Gefahr einer Straftat auf Bahnhöfen, Gleisen und Zügen ausgeht. “Damit kann erreicht werden, dass die polizeilich bekannten Fußballchaoten an den Spieltagen ihren Wohnort nicht verlassen können”, erklärte der GdP-Vize.

    Bevor solche Regelungen in der großen Politik angedacht werden, sollte man sich Gedanken machen, ob auch genügend und mit Planstellen unterlegtes Personal bei der Bundespolizei vorhanden ist.
    Wie immer, als mehr Ideen und Aufgaben ohne ausreichend Personal.

  4. @ Bolzplatz hat recht.

    Stellen schaffen für die FKB, die Zulage für FKB einführen ( analaog TABO ). und dann klappt es vielleicht auch mal Leute für den Job zu finden wo jedes WE geschafft werden muss und unter der Woche Befehle und Lagen zu schreiben sind.

  5. Meldeauflagen wünsche ich mir schon seit Jahren, da sie das einzig probate Mittel sind/wären, die Chaoten von den Reisen zu den Spielen abzuhalten.

    Das „Hausrecht“ auf Bahnhöfen/in Zügen sozusagen auf die BuPo zu übertragen würde meiner Meinung nach nur wenig bringen, da ja die Umsetzung schon das Problem wäre. Wer beispielsweise die Ultragruppierungen etwas kennt weiß auch, dass diese sich quasi immer solidarisieren und es ein Problem gibt, wenn man einzelne Personen aus deren Kreisen isolieren will und so dann einzelne Betretungsverbote/Beförderungsverbote durchsetzen will. Das erleben wir doch jetzt schon ständig, dass selbst nach begangenen Straftaten eine Täterfeststellung oftmals nicht oder kaum möglich ist, da die Solidarisierung innerhalb dieser Gruppierungen konsequent durchgezogen wird und beispielsweise in Zügen gegen deren zahlenmäßige „Übermacht“ wenig auszurichten ist. Meldeauflagen wären hingegen einfach, ohne großen Personalaufwand und adäquat durchführbar. Bei Verstoß gegen die Meldeauflage dann sofort 500 € Geldbuße und eine Verlängerung der Meldeauflage um 1 Jahr und fertig. Ich bin mir sicher, dass sich dadurch das Problem erheblich eindämmen ließe.