Bessere Betreuung nach traumatischen Einsätzen erforderlich

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind kein Phänomen nur der Bundeswehr. Auch Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei, die z.B. in Krisengebieten im Einsatz waren, haben mit den Folgen dieser Erkrankung zu kämpfen.

In einem Fernsehbeitrag von Radio Bremen schildert ein Bundespolizist seine Erfahrungen:
http://www.radiobremen.de/politik/themen/bundespolizist102.html

Martin Schilff, Bezirkspersonalratsvorsitzender und Mitglied im Bezirksvorstand GdP Bundespolizei, plädiert in dem Beitrag für eine Bringschuld der Behörde, Kolleginnen und Kollegen über einen längeren Zeitraum nach einem Einsatz zu betreuen.

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9 Kommentare
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  1. Genauso wichtig ist übrigens auch der Opferschutz und die Opferhilfe für die Kolleginnen und Kollegen. Auch hier hau die Bundespolizei einen enormen Nachholbedarf. Aber die neuen EU Richtlinien und Verordnungen machen mir ein wenig Hoffnung. In der BPOLD Hannover hat man sich lt. Intranet der Sache schon vorbildlich angenommen. Potsdam, übernehmen Sie!

  2. Ich habe mir den Bericht über den Kollegen Beck angesehen.
    Das macht mehr als betroffen.
    Es ist mehr als beschämend, wie Vorgesetzte mit dem betroffenen Kollegen umgegangen sind und noch umgehen. Das ist klassisches menschliche Versagen. Sozialkompetenz gleich Null.
    Aber das ist typisch und macht sich schon seit mehreren Jahren mehr und mehr bemerkbar. Immer nur den Arsch an der Wand, damit mir keiner was kann.
    Schickt doch die Versager von Vorgesetzten mal in solche Situationen, vielleicht findet dann ein Umdenken statt (was ich allerdings bezweifle).

  3. Eine Geschichte die sehr betroffen macht. Aber in meinem Arbeitsbereich sind auch zwei Kollegen die in Folge von Einsatzlagen im Ausland in ärztlicher bzw psychologischer Behandlung sind.
    Ihre Schilderungen sind sehr beeindruckend und machen echt nachdenklich.

    Zum Umgang innerhalb der Bundespolizei mit „Belastenden Ereignisse/Erfahrungen“:
    In der BPOLD Hannover ist ein Beamter der BPOLI HH verantwortlich und treibende Kraft hinter dem Konzept Opferschutz/Opferhilfe. Er hat den Finger in die „Wunde“ gelegt, dass auch PVB Opfer sind und man entsprechend mit ihnen umgehen muss.
    Ihm gehört hier ein rießiges „Danke“.
    Auch in der Direktion Bundesbereitschaftspolizei sind zZt PVB auf einer Vorstellungstour durch alle Abteilungen. Sie beschäftigen sich mit den möglichen präventiven Maßnahmen im Vorfeld von Einsätzen bzw möglichen schwierigen Einsatzlagen.
    Im Bereich des SWD ist auch ein Beamter in diesem Bereich seit Jahren mehr oder weniger als Einzelkämpfer an der Basis mit guten Gedanken unterwegs.

    Es sind Beamte der Basis die hier versuchen, den Kollegen und sich selbst zu helfen.

  4. Danke auch von mir an den Kollegen in Hamburg. Aber auch an die anderen KollegenInnen in den anderen BPOLIen der BPOLD Hannover. Leider fehlt es aber an Unterstützern, da die dortigen Kollegen Alleinkämpfer sind. Was passiert wenn diese mal ausfallen? Man ist wieder bei Null. Das darf nicht sein! Auch fehlt eine geeignete Fortbildung. Aber nach meinen Infos soll die Netzwerke, u.a. zum Weißen Ring bereits funktionieren.

  5. In der Tat ein gewaltiges Problem! Vor allem auch, weil vielen nicht bewusst zu sein scheint, dass Folgen durchaus erst mit zeitlicher Verzögerung offensichtlich werden.
    Martin ist daher uneingeschränkt zuzustimmen, dass hier dringendst etwas getan werden muss!
    In der Theorie also alles soweit klar. In der Praxis gibt es allerdings leider Fälle (von denen mir einer auch ziemlich genau bekannt ist…), in denen die dringend notwendige Unterstützung bereits in Form des angesprochenen Nachbereitungsseminars dem Kollegen verweigert wurde. Und damit nicht genug: die mangelnde Unterstützung dieses Kollegen kann nicht allein der Dienststelle auf die Rechnung geschrieben werden, da hat sich ausnahmslos niemand mit Ruhm bekleckert! Näheres hier wg. Persönlichkeitsschutz nicht, aber die, die es betrifft, wissen, wer gemeint ist….

  6. Es fehlt dem alten BGS leider an vielen Betreuungs- und Vorsorgemaßnahmen. Es wird von tausenden von Beamten über Jahrzehnte Schichtdienst geleistet. Eine „Präventivkur“ nach etlichen Jahren Schichtdienst gibt es leider nicht. Wieder müssen wir über den Tellerrand gucken und siehe da, viele Länderpolizeien bieten diese Maßnahmen. Hier muss man erst aufgrund des Schichtdienstes erkranken und dann nachweisen, dass man nicht mehr kann, bevor eine Kur genehmigt wird. Und die Zahl der Kranken wird kontinuierlich steigen, da der Altersdurchschnitt stetig steigt.

  7. In meinen Fall lag und liegt es mir fern jemanden persönlich anzugreifen. Allerdings nehme ich in meinen Fall wahr, dass es zwischen den unterschiedlichen Akteuren (Personalabteilung, Heilfürsorgestelle, arbeitsmedizinischer Dienst und meiner Inspektion) innerhalb der Bundespolizei die Kommunikation fehlt. Natürlich bin ich krank und leide unter dem PTBS, wie vermutlich andere Kollegen/innen auch. Wachrütteln möchte ich und zwar so, dass sich tatsächlich etwas in der Bundespolizei für erkrankte Kollegen/innen tut. Man kann auch mit mir sprechen den PTBS bedeutet nicht, dass man Geisteskrank und nicht ansprechbar ist. Die Ironie meines an die „Öffentlichkeit“ gehens ist die, dass man mit vielen so genannten „Experten“ darüber spricht aber nicht mit uns als Betroffene. Im übrigen muss das PTBS erst als Dienstunfall anerkannt sein, damit man durch die Heilfürsorge auch weitergreichende Heilmaßnahmen genehmigt und erstattet bekommt. 14. Monate dauerte in meinen Fall diese Anerkennung der PTBS als Dienstunfall allerdings mit dem Hinweis, dass ich bereits vor meinen Auslandsmissionen daran erkrankt gewesen sei. Ohne die Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts würde ich vermutlich immer noch darauf warten!? Dank an die Besoldungsstelle, die zumindest einmal im Monat mit mir als Betroffenen in Verbindung tritt und mein Gehalt überweisst! Zumindest dann bemerke ich noch, dass ich ein Teil dieser Behörde bin. Gruß Peter Beck

  8. Kleine Anmerkung von mir! In diesem Artikel geht es allerdings um das Posttraumatische Belastungssyndrom und nicht um Schichtdienst, dass ist Psychosomatik (andere Baustelle und gibt es seitens der BPOL, Studien drüber). Hier geht es um unvergessenen Erlebnissen, Ängsten durch den allgemeinen Dienst als KSB in der BPOL und den inzwischen auch erkrankten Kollegen/innen mit auslandsbezug und diese sind in 25. Jahren auch nicht wenige. Es müsste viel getan werden, um die Truppe wieder auf „Vor-der-Mann“ zu bekommen. Hoffentlich wird das nicht verschlafen oder durch zu vielen anderen Nöten, an die Seite geschoben. Bitte bleibt hier bei dem Thema „PTBS“, danke!

  9. Dieses Thema wird in der Bundespolizei und auch bei den Polizeiorganisationen der Länder, wegen der steigenden Auslandseinsätze, noch weiter an Gewicht gewinnen.
    Leider bin ich Betroffener in dieser Angelegenheit und kann hier lediglich sehr schlechte Erfahrungen von allen eingebundenen Personen, sowohl Entscheidungsträger innerhalb der BPOL und Personalräten, vortragen.
    Die rechtliche Situation ist sehr eindeutig.
    Eine Nachsorge von belastenden Ereignissen und Einsätzen in Kriegsgebieten dient der Vorbeugung von psychischen Langzeitschäden und ist auch insbesondere deswegen eine Pflichtveranstaltung bei der Bundespolizei und der Weisungslage des BMI und findet sich auch im Betreuungskonzept der BPOL.
    Im Umkehrschluss ergibt sich daraus die gesetzliche Pflicht der Behörde auf Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Fürsorgepflicht und nicht die Ausgrenzung von Nachsorgemaßnahmen.
    Die Fürsorgevorschriften des Staates und die Intention von Nachsorge nach Einsätzen in Krisengebieten sind benannt.
    Meine Person wurde jedoch von dieser Präventivkur nach Auslandseinsätzen schriftlich von einer solchen Pflichtmaßnahme ausgeschlossen. Inzwischen wurde ich zwangsweise in den vorzeitigen Ruhestand geschickt und muss für die Anerkennung der Krankheitsbilder und gegen die zwangsweise Zurruhesetzung vor Gericht kämpfen. Dazu noch bei der Zurruhesetzung unter Verweigerung von Rechtsschutzunterstützung durch die GDP:
    Es bleibt hier festzustellen, dass ein Fernbleiben bei dieser Fürsorgemaßnahme ein Verletzung von Dienstpflichten gewesen wäre. Eine Therapieverweigerung kann sogar zur Entfernung aus dem Beamtentum führen und im Umkehrschluss muss der Dienstherr hier sein schuldhaftes Begehen gegen die Fürsorgepflicht einsehen (müßte er, denn macht er nicht!). Die Entscheidung des Ausschlusses an dem Nachbereitungsseminar wird auch von den danach betrauten Führungskräften des BPOLP unterstützt, denn das BPOLP sieht keine Pflichtverletzung bei dem Entscheidungsträger (hD!). Soviel auch zu den Entscheidungsträgern, auch dem neuen Präsidenten der BPOL, der Bundespolizei.
    Gem. eines Gutachtens, hat das Versagen der Beklagten, einer psychologischen Nachbetreuung meiner Person auch zu der Schwere der Erkrankung beigetragen. Es ist bis heute nicht verständlich, warum mir die psychologische Nachbetreuung versagt wurde und trotz Einbindung von Personalräten und Ärzten der BPOL keine Teilnahme erfolgt ist. Aus den Dienstakten ergibt sich, dass ich anfänglich für das Seminar vorgesehen war, dann jedoch schriftlich ausdrücklich der Ausschluss mitgeteilt wurde.
    Diese Entscheidung wurde auch gegen das Votum eines eingebundenen Psychologen einer anderen Behörde getroffen.
    Der angeschriebene Mediziner des BMI hat sich leider nie auf Schriftverkehr gemeldet oder eine Reaktion in meine Richtung gezeigt.
    Nach Auslandseinsätzen werden Rückkehruntersuchungen regelmäßig durchgeführt, doch selbst diese Minimalversorgung wurde für mich nicht eingehalten.
    Vor diesem Hintergrund sehe ich das hier veröffentlichte Interview also mehr als kritisch. An dieser Stelle kann ich nur dafür werben, dass Taten folgen und nicht lediglich Selbstdarstellung erfolgt.