Besi & Friends Tour 2014 – Rad-statt-Rollstuhl

Bild 31773 km mit 24 000 Höhenmetern in 12 Tagen von Frankfurt/ Main nach Barcelona mit dem Rennrad – über die Vogesen, das französische Zentralmassiv und die Pyrenäen – für viele gesunde Menschen schon fast unvorstellbar, für Menschen mit Handycap noch extremer.

Im März 2013 fand im Rahmen des GdP Delegiertentags in Potsdam eine Spendenaktion zu Gunsten des Projekts www.rad-statt-rollstuhl.de statt. Martin Schilff rief gemeinsam mit dem Vizeradweltmeister Robert Förstemann alle Beteiligten auf für einen guten Zweck auf ein Trimmrad zu steigen und Kilometergeld zu sammeln. Es kamen insgesamt 1414 Euro zusammen, die der Natalie Todenhöfer Stiftung für MS-Kranke zu Gute kommen. Ich selber konnte zu diesem Zeitpunkt leider nicht mitradeln, dafür bin ich aber mit Besi nach Barcelona gefahren und möchte Euch hier ein wenig von der großartigen Tour berichten.

Wie kam es eigentlich dazu, dass ich Martin fragte, ob er unsere Aktion unterstützen würde und wer ist eigentlich dieser Andreas Beseler, der so schnell wie ein Radprofi Rennradfahren kann, trotz der vernichtenden Diagnose MS vor 22 Jahren? Eigentlich hätte er längst im Rollstuhl sitzen müssen, aber er kaufte sich lieber ein Rennrad. Ich lernte Besi Anfang des Jahres über meine Radsportkontakte kennen. Ich selber bin 2005 an schwerem Asthma erkrankt und sollte weder wieder leistungsorientierten Radsport machen können, noch hätte ich in diesem Zustand weiter meinen Polizeiberuf ausüben können. Ich schaffte es mit dem Sport die Krankheit zu stoppen, so dass ich ihn im Jahr 2010 wieder aufnehmen konnte und sogar einen deutschen Meistertitel einfuhr. Meine sportliche Entwicklung verlief bis zum Juni 2013 überaus erfolgreich, bis ich in einem 24-Stunden-Rennen nach 23 Stunden stürzte und mir einen Schlüsselbeinbruch zuzog. Das allein hätte keinen Abbruch meiner Sportkarriere bewirkt, die folgende O.P. war Auslöser für eine weitere chronische Erkrankung. Aufgrund mangelnder O.P. Hygiene leide ich seitdem an einer chronischen Osteitis und konnte bis zur Besi & Friends Tour im Juni schmerzbedingt kaum Radfahren und trainieren.

Bild 11Der Kontakt kam über Radsportfreunde zustande, die sagten: „Hey Moni, schau mal auf dem seine Webside, der hat fast die gleiche Geschichte wie Du.“ Hab ich getan, war fasziniert von der Idee mit kranken Menschen eine solche Herausforderung anzunehmen, um anderen zu zeigen, dass man nie aufgeben sollte und es sich lohnt zu kämpfen. Das alles möglich ist, wenn man es nur will. Kaum angemeldet, kam der Anruf von Besi:“ Hey, genau Dich wollt ich dabei haben!“

Die Idee war die: Besi fuhr vor 2 Jahren allein 4000 km quer durch Canada und sammelte bereits 26 000 Euro Spendengelder für die Todenhöfer Stiftung ein. Er wollte anderen zeigen, dass alles möglich ist, wenn man dafür kämpft. Es entstand die ARD Dokumentation „Besis Tour fürs Leben“ – noch in der ARD Mediathek abrufbar. Nach der Tour bekam er viele E-Mails von Menschen, die sich positiv äußerten, er habe ihnen Mut gemacht, aber auch einige negative Mails: Er sei eine Ausnahmeerscheinung und andere könnten sowas nicht schaffen.
So entstand die Besi & Friends Tour. Die Idee war gehandycapte Menschen unterschiedlicher Erkrankungen bis nach Barcelona zu bringen in 12 Tagen mit dem Rad! Viele mit eklatanten Trainingsdefiziten zuzüglich ihrer Erkrankung. Für gesunde Sportler schon eine Grenz-erfahrung.

Bild 5Die Tour startete am 15.06.14 in Jügesheim an der Radsporthalle. Leider mit einer Schweigeminute und Trauerflor, denn der Teilnehmer Steffen Cramer starb nur eine Woche vor der Tour an einem Hirntumor. Nur zwei Jahre zuvor war er kerngesund, erfolgreicher Finisher der Bike-Transalp gewesen. Neben einer „Osteitis“ fuhren MS-Kranke und ein Teilnehmer, der zweimal täglich Dialyse benötigte mit. Insgesamt 33 Teilnehmer fuhren die komplette Distanz bis nach Barcelona durch. Knapp 40 Teilnehmer einzelne Etappen. Die Streckenführung orientierte sich an der Tour de France – landschaftlich mit den bekannten Highlights, wie dem Gran Ballon – höchster Berg der Vogesen mit 23 km Anstieg, sowie der Überquerung der Pyrenäen in nur einer Etappe mit insgesamt 125 km Anstieg.

Dank diverser Sponsoren war die Tour höchst professionell organisiert. Besis Freund Markus fuhr auf eigene Kosten mit und sponserte seine Dienste als Physiotherapeut – seine Praxis schloss er für 2 Wochen. Neben dieser Leistung fuhr er auch eines der Begleitfahrzeuge, die die HSG Rodgau zur Verfügung stellte. Opel übernahm sämtliche Benzinkosten. Selgros und die Firma Grundhöfer stellte Lebensmittel für die Verpflegung zur Verfügung, sowie ein Kühlfahrzeug – die Lufthansa sponserte die Rückflüge für 40 Teilnehmer. Alles, was von Firmen an Sachspenden erfolgte, entlastete die Teilnahmegebühr der Radfahrer, so dass allein diese schon fast komplett in die Spendensumme einfließen konnte. Ein anonymer Spender aus der Schweiz spendete am Starttag zudem mehr als 14 000 Euro!!!

Für mich war die Tour nicht nur ein Radsporturlaub, sondern in erster Linie die Bewältigung meiner Erkrankung. Ich wusste anfangs nicht, ob ich konditionell oder gesundheitlich in der Lage war in Barcelona anzukommen. Das Gute war, andere wussten es auch nicht. Die Gruppendynamik zwischen Gesunden und Kranken war in Kürze zu einem unglaublichen Teamgedanken gewachsen. Niemand fühlte sich schwach oder krank, selbst dann nicht, wenn er am Berg unterstützt wurde durch Schieben. Jeder half jedem und es entstanden unglaubliche Freundschaften, die ich nicht mehr missen möchte.

Bild 8Drei Teilnehmer wurden fast ständig von Gropperfilm mit der Kamera begleitet. Drei verschiedene Krankheitsgeschichten, die das gleiche Ziel hatten: Barcelona. Der Film wird voraussichtlich am 19.10.14 in der ARD zu sehen sein. Eine dieser drei Geschichten ist meine. Der Film soll „Berge versetzen“ heißen – nichts anderes haben wir auch getan. Die Flut an E-Mails, die uns alle erreichte, zeigt, dass unsere Botschaft angekommen ist und wir vielen Mut gemacht haben. Die Kontakte gehen so weit, dass ich Anfragen erhielt, ob ich nicht in Firmen oder Vereinen Vorträge halten könnte, wie ich es geschafft habe trotz der Krankheiten noch so erfolgreich Rad zu fahren. Als ausgebildeter Personal Coach und HP Psychotherapie hätte ich da eigentlich auch selber drauf kommen können: Ja, sobald die zweite Dokumentation gesendet wird, werde ich mit beiden Dokumentationen im Gepäck unsere Botschaft weitertragen und anderen Menschen Motivation geben es uns gleich zu tun, egal ob mit Rad oder ganz anderen Möglichkeiten.

Bild 23Die Besi & Friends Tour wird nicht die letzte sein und ich werde die Organisation tatkräftig unterstützen. Wir würden uns freuen, wenn unsere Sponsoren uns treu bleiben und wir neue gewinnen könnten. Im Namen von Andreas Beseler, sage ich danke GdP, danke Martin Schilff, Rüdiger Maaß und ganz lieben Dank auch an Robert Förstemann.

Polizei Dein Freund und Helfer !

Monika Reker
Mitglied im Vorstand der Kreisgruppe AFZ Walsrode

pdf Artikel zum Ausdrucken

Share

Themenbereich: Allgemein | Drucken