Schwerste Ausschreitungen – dies tut beiden Vereinen nicht gut!

dd1Schwerin/Rostock: „Dieser ausufernden Gewalt bei Fußballspielen muss endlich ein Ende gesetzt werden“, fordert der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Christian Schumacher. „Offensichtlich bringen Appelle an Verstand und Vernunft nicht den gewünschten Erfolg.“

Der Landesvorsitzende der GdP war am gestrigen Tag beim Einsatz aus Anlass der Fußballbegegnung des F.C. Hansa Rostock mit der SG Dynamo Dresden in Rostock vor Ort. Der erfahrene Polizist und Gewerkschafter ist erschrocken und alarmiert über die enormen Aggressionen, die den eingesetzten Polizisten entgegengebracht wurde.

Dass die Hemmschwelle Polizisten anzugreifen immer weiter sinkt, liegt nach Auffassung von Christian Schumacher auch an der Personalpolitik des Landes.
„Wenn in öffentlichen Haushalten gespart werden muss, wird der Rotstift zu allererst bei der Polizei angesetzt“, so Schumacher. „Dass die gebotene Achtung vor Uniformierten nachlässt, wenn diese Ihre Aufgaben aufgrund des Personalmangels nicht mehr mit ausreichender Sorgfalt erledigen können, ist nur die logische Konsequenz. Die weitere Folge sind Übergriffe und Steinwürfe auf die Polizei, wie wir sie in Rostock erleben mussten“.

Schumacher weiter: „Provozieren ist heutzutage schick geworden. Beleidigungen und Bespuckungen sind an der Tagesordnung. Beamte werden mit Handys gefilmt und das kann sich anschließend jeder auf YouTube anschauen. Juristische Retourkutschen nach Festnahmen nehmen zu. Da werden Beamte plötzlich zu Beschuldigten. Polizisten sind heute permanent Krisen- und Konfliktsituationen ausgesetzt.“

Inzwischen werden selbst Polizeidienststellen nach einem Fußballspiel belagert und attackiert. Dank des konsequenten Vorgehens der Rostocker Polizei konnten 55 der insgesamt rund 70 Straftäter, die das Polizeihauptrevier angegriffen, beworfen, beschädigt und dabei auch einen Beamten verletzt haben, namentlich bekannt gemacht werden.

„Wenn die Staatsanwaltschaft das nicht mit der gebührenden Sorgfalt strafrechtlich verfolgt, wird der Rechtsfriede bei weiteren Fußballspielen in Rostock empfindlich und dauerhaft gestört sein.

Wenn Politik und Justiz solche Übergriffe als Berufsrisiko betrachten, wächst bei meinen Kolleginnen und Kollegen der Eindruck, sie seien nur noch Kanonenfutter. Gemeinsam muss es uns gelingen, dass sich Chaoten und Straftäter nicht weiter unter der Maske des friedlichen Fußballfans verstecken können.“, so der Apell Christian Schumachers.

Die Gewerkschaft der Polizei wünscht allen verletzten Kolleginnen und Kollegen eine baldige Genesung.

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Themenbereich: Fussballeinsätze und Gewalt | Drucken

5 Kommentare
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  1. Irgendwann wird es soweit kommen, dass sich ein Kollege bei einer solchen Situation so in Not sieht, dass er von der Schußwaffe gebrauch macht. Ich will dann hören was die Presse dazu sagen wird. Ich gehe mal davon aus, dass dann von schießwütigen nicht vernünftig ausgebildeten Wildwestsheriffs geschrieben wird und die Randalierer wieder nur auf die Provokation der Staatsmacht ragiert haben und somit unschuldig sind. — Bei sowas kann man nur noch den Kopf schütteln.

  2. In solchen Situationen schiessen ! Wie bitte ? Nun schiesst man keine Leuchtkugeln in den Hansa Block, aber da den Schusswaffeneinsatz überhaupt in den Mund zu nehmen ist verantwortungslos.

    Da das Kapital eh den Fussball regiert und nur deshalb heute so ein Film davon gemacht wird, mal eine kleine Erinnerung an 1988, wo es auch nicht anderes, sondern viel schlimmer war. Aber da bestimmte das Kapital nicht den Fussball.
    https://www.youtube.com/watch?v=RIYLMM1Fir0

  3. @Holger

    Thomas hat Recht, aber ich kann Dich beruhigen. Kein Kollege wird Schusswaffe einsetzen. Die Angst vor den dienstrechtlichen Folgen ist so stark verankert, dass der Kollege lieber sein Leben opfern würde.

  4. @Holger: Beim Spiel Offenbach gegen Mannheim 1999 wurde durch Kollegen der Landespolizei die Schußwaffe eingesetzt, nachdem ein Mop von Fußballidioten einen Streifenwagen so massiv angegriffen hatten….also ist der Gedanke nixcht so weit hergeholt. Ich war bei diesem Einsatz eingesetzt und dieser Vorfall geschah ca 80m von uns! Soll nicht heißen das man gezielt in ne Menge schießt…..

  5. Vielleicht sollte man sich bezüglich der Wortwahl Fussballidioten zurückhalten. Denn das rückt die Polizei noch besser in das Feindbild.
    In Rostock haben die Dresdner Anhänger in den Block mit Leuchtraketen geschossen. Das rechtfertigt in keinem Fall den Schusswaffeneinsatz.
    Offenbach kenne ich. Das ist ja auch eine vollkommen andere Situation. Dort wurde die Besatzung von einem Mop angegriffen und es wurde zurecht ein Warnschuss abgegeben, der die Kollegen gerettet hat. Also bitte differenzieren Kollegen !

    Als überaus wirksam hat sich in NRW der Einsatz von unserem Spray in den grösseren Behältnissen erwiesen. Weil man dort auch Dritte nicht ernsthaft verletzt. Dritte sind immer unweigerlich bei Auseinandersetzungen um das Stadion beteiligt.
    In den Dresdner Block hätte andere Polizeien Tränengasgranaten geschossen. Das wäre das opportune Mittel gewesen, um die unmittelbare Gefahr für die Rostocker Anhänger auszuschalten. Doch die deutsche Presse wäre dann wohl im Dreieck gesprungen. Denn dann würde die nun linkslastige Presse den rechten Fans von Dynamo helfen. Wahrscheinlich dann eben auch unschuldige Opfer aus dem Block zeigen. Deshalb gibt es immer wieder Manschetten bei Polizeieinsätzen.
    Die Ordner haben sich in Sicherheit gebracht.