Wir fordern: Endlich mehr Entwicklung für den Tarifbereich!

Tarif Hubschraubermechaniker Carsten Ordner_webBei polizeilichem Tätigwerden handelt es sich unstrittig um den Kernbereich hoheitlichen Handelns. Die von der Polizeiverwaltung erbrachten Dienstleistungen stehen damit in einem eng verzahnten Zusammenhang. Das Eine geht nicht ohne das Andere!

Somit muss auch die Personallage der Verwaltung in der Bundespolizei zwingend ganzheitlich betrachtet werden. Dennoch hat die Bundespolizei in nur 8 Jahren ca. 27 % ihrer Haushaltstellen im Tarifbereich verloren. Zudem beträgt der Altersdurchschnitt der Tarifbeschäftigten in der Bundespolizei 48,4 Jahre. Die demografische Entwicklung macht auch um die Verwaltung keinen Bogen.

Der Stellenabbau seit 1992 und die zukünftigen Ruhestandsdaten inkl. des vorgezogenen Renteneintrittsalters mit 63 Lebensjahren treffen auf ein Personalfehl von ca. 400 Beschäftigen. Vor dem Hintergrund der rückläufigen Zahl an Schulabgängern wird es extrem schwer diese Lücke zu schließen.

Die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung der Bundespolizei erbringen umfassende Dienstleistungen als Voraussetzung für die polizeiliche Aufgabenerfüllung. Die Unterstützungsleistung für den polizeilichen Auftrag macht „ein Denken im System“ erforderlich. Spätestens an dieser Schnittstelle zeigt sich sehr deutlich, dass die Privatisierungswelle und bisherige Ausgliederungen in die Sackgasse führen. Zeigen uns doch gerade das Outsourcing in der Luftsicherheit, der Gebäudereinigung und der Bewachung eigener Einrichtungen, dass diese keinesfalls wirtschaftlicher sind oder zu finanziellen Einsparungen geführt hätten. Von der oft qualitativ schlechteren Aufgabenerfüllung ganz zu schweigen.

Bisher gebetsmühlenartig gepredigte und eventuell kurzfristig erzielte Einspareffekte rächen sich nun spätestens bei der Nachwuchsgewinnung.

Mirjam Barsuhn 002_webJetzt gilt es, ohne Verzögerungen alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um die Zukunftsfähigkeit der Verwaltung zu gewährleisten. Die beginnt mit der Ausbildung und der Übernahme von ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen in ein dann unbefristetes und fair bezahltes Arbeitsverhältnis.

Ebenso sind Aufgabenanreicherungen in den Tätigkeitsdarstellungen zu berücksichtigen und diese gegebenenfalls zu aktualisieren. Viele Tätigkeiten, gerade in den technischen Berufsfeldern, wie Kfz-Mechatronik, Elektro-, Elektronik- und Waffentechnik, haben sich fast revolutioniert, was in den bisherigen Darstellungen und Stellenbewertungen nicht mit eingeflossen ist. Ganz im Gegenteil, es wird immer wieder versucht, Tätigkeitsdarstellungen und -bewertungen einzudampfen, um im Endeffekt eine womöglich schlechtere Bezahlung ableiten zu können. Allein durch die Neuorganisation sind 40 Stellen gestrichen und 62 Stellen abgesenkt worden.

Wir wollen, dass die Kolleginnen und Kollegen eine Entwicklungschance durch Fortbildung erhalten, um den sich ständig verändernden Anforderungen in der Bundespolizei entsprechen zu können.

Gerade die Eingruppierung gemäß Tarifvertrag zur neuen Entgeltordnung (EGO) hat uns gezeigt, dass die Dienststellen bisher versäumt haben, „flächendeckend“ Arbeitsplatzbeschreibungen der verschiedensten Arbeitsplätze und Stellen zu erarbeiten. Dabei sind diese für eine tarifrechtlich richtige Eingruppierung unerlässlich. Bleibt die Frage: Nach welchem Muster bzw. welchen Parametern wurden unsere Beschäftigten bisher überhaupt eingruppiert?

Sicher trifft dies nicht auf alle Beschäftigungsverhältnisse in der Bundespolizei in gleichem Maße zu – dennoch bleibt ein fader Beigeschmack.

Tarif in der BPOL 015_webBetonen muss man zudem, dass die Herabsetzung von Tätigkeiten auch eine Geringschätzung der geleisteten Arbeit und somit der Beschäftigten überhaupt darstellt. Wer sich der Bedeutung einer kompetenten, funktionstüchtigen Polizeiverwaltung bewusst ist, zeigt es im Umgang mit der Entgeltordnung (EGO)!

Die Ausbildungsleistung ist anzuerkennen und durch entsprechende Eingruppierung zu würdigen. Das geschieht gerade im Falle unserer ausgelernten Verwaltungsfachangestellten nicht! Hier brauchen wir dringend und umgehend eine veränderte Wertschätzungskultur.

In den Stellenausschreibungen anderer öffentlicher Verwaltungen, werden die verschiedensten Verwaltungstätigkeiten durchweg besser bewertet und vergütet. So verlieren wir an Wettbewerbsfähigkeit auf dem Ausbildungs- und Stellenmarkt und in der Folge auch unsere gut ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen. Dabei kann die Abwanderung von gut ausgebildetem Personal zu den Kommunen, Landesverwaltungen oder Bedarfsträgern mit einer anderen Personalkultur zu einem Organisationsversagen führen. Derzeit wird dies durch die Überlastung unserer Beschäftigten und deren überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft verhindert.

Wir wollen nicht, dass die Polizeiorganisation auf der Strecke bleibt. Unser Ziel ist eine Entwicklungsoffensive für die Kolleginnen und Kollegen! Attraktivität für alle!

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Themenbereich: Finanzielles & Laufbahn, Tarif | Drucken

3 Kommentare
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  1. In der Sache „Tarif“ wird immer nur geredet aber keine Tatsachen geschaffen! Die neue Entgeltordnung scheint mir so geschaffen zu sein, dass man bei einer „Höhergruppierung“ von E 3 nach E 5 den Meisterbrief haben muss, eine Höhergruppierung von E 10 nach E 11 reichtg bereits ein geringer Prozentsatz mehr an „Selbstständiger Arbeit“!! Arbeitsplatzbeschreibungen haben noch den „Tatsch“ aus den Anfängen des Bundesgrenzschutzes! Die Aufgabenfelder haben sich grundlegend geändert, die Arbeitsbereiche haben sich erweitert, Leistungen z.B. Hausmeistertätigkeiten müssen abgearbeitet werden obwohl keine Planstellen vorhanden sind, die Arbeitsplatzbeschreibungen sind geblieben eine Höhergruppierung ist nicht möglich. Was mir aufgefallen ist, dass die zuständigen Personalbereiche (35) in keinster Weise den Tarifbereich in der Weise unterstützen, dass eine Höhergruppierung möglich ist!! Ich haben in meinen „vorherigem Leben“ eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann erfahren, hier hatte die Personalabteilung auch die Interessen der Beschäftigten zu vertreten, das heisst Hilfestellungen in allen Personalfragen zu geben, bei uns erscheint es mir so als ob “ Prämien“ bezahlt werden wenn die Personalkosten gering gehalten werden. Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken, wenn der „Kopf“ mit der Besoldung E 3 arbeiten müsste hätte man die Entgeltordnung anders gestrickt!
    Aus meinen Bereich kann ich nur sagen dass trotzt dieser „katastrophalen Tarifpolitik“ auch die E 3′ ihre Arbeit zur Zufriedenheit des Arbeitgebers leisten!!
    Ich würde mir wünschen dass die Arbeit allgemein besser gewürdigt würde, dies sollte sich in einer angemessen Eingruppierung darstellen!!

  2. Wir Tarifgeschäftigten sind eben im Verhältnis zu den Beamten, eine wesentlich kleinere Gruppe, die
    zwar, wie immer wieder betont wird, sehr wichtig ist, aber außer der Gewerkschaft keine „Lobby“ hat.
    Vielleicht sollten wir mal „die Zähne zeigen“ bei den nächsten Tarifverhandlungen……….
    Der letzte Streik im öffentlichen Dienst ist lange her. Vernünftige Ergebnisse im Sinne der Entgeltordnung
    scheinen nicht gewollt zu sein.

  3. Kaiser Franz 22. Januar 2015
    Ja lieber Kollege Kaiser du hast Recht mit deiner Betrachtungsweise. Es ist ein hartes Stück Arbeit, dass Tarifgeschäft. Nun ist die neue EGO schon seit einem Jahr in Kraft und unsere lieben Behörden beratschlagen immer noch wie sie am Besten einer Höhergruppierung aus den Weg gehen Können. Die Personalisten sind augenscheinlich fleißig dabei alles so zu belassen wie es war außer bei Herrabgruppierungen oder wenn es ihre eigenen Bereiche betrifft wie am Bsp. Präsidium oder bei der BPOLAK und deren nachgeordneten AFZen.
    Aber es ist ja noch nicht alle Tage Abend, wie es im Volksmund heißt. An dieser Stelle kann ich nur alle Tarifbeschäftigten aufrufen sich bei ihren Dienststellen Gehör zu verschaffen um die Probleme offen anzusprechen. Und wenn es sein muss dann solltet ihr euch auch an eure zuständigen Abgeordneten wenden und denen die Problematik der Eingruppierung vortragen. Viele von den MdBs kennen das Problem gar nicht.
    Wir bleiben jedenfalls dran.